Stimmen in der Schlucht - Marsé, Juan
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Juan Marse, der große alte Mann der spanischen Literatur, erzählt vom Sommer 1945 in Barcelona, von einer Frau und drei Männern. Und von dem vierzehnjährigen David, der nach Wahrhaftigkeit sucht in einem System, das auf Lügen gebaut ist. Marse beweist mit diesem Roman, dass er zu Recht zu den großen spanischen Romanciers des 20. Jahrhunderts gezählt wird.…mehr

Produktbeschreibung
Juan Marse, der große alte Mann der spanischen Literatur, erzählt vom Sommer 1945 in Barcelona, von einer Frau und drei Männern. Und von dem vierzehnjährigen David, der nach Wahrhaftigkeit sucht in einem System, das auf Lügen gebaut ist. Marse beweist mit diesem Roman, dass er zu Recht zu den großen spanischen Romanciers des 20. Jahrhunderts gezählt wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: 505/20218
  • Seitenzahl: 366
  • 2002
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 510g
  • ISBN-13: 9783446202184
  • ISBN-10: 3446202188
  • Artikelnr.: 10632260
Autorenporträt
Juan Marsé, geb. 1933 in Barcelona, veröffentlicht nach einer Juwelierausbildung und Arbeiten als Werbetexter und Laufbursche im Pariser Institut Pasteur seit den späten fünfziger Jahren Romane und Erzählungen, für die er zahlreiche Preise erhalten hat.
Rezensionen
Besprechung von 17.10.2002
Lesung
Tote Eidechsen in Hosentaschen
Juan Marsé präsentiert seinen neuen Roman im Instituto Cervantes
Die Kindheit sei schon immer die Essenz seines literarischen Schaffens gewesen, vertraute Juan Marsé (Foto: privat) jüngst einem Interviewer an. Kein Wunder, denn der Romancier, 1933 in Barcelona geboren, erlebte selbst eine besondere Kindheit: Er wuchs in der Franco-Zeit auf. Und in dieses Umfeld platzierte der Autor seinen neuen Roman „Stimmen in der Schlucht” (Hanser Verlag).
David, der Protagonist, ist ein aufgeweckter Junge. Mit Phantasie setzt er sich gegen eine zutiefst widersprüchliche Welt zur Wehr. Seine Mutter, „die schöne Rothaarige” ist von einem englischen Jagdflieger schwanger; sein Vater verschwindet eines Nachts – wegen seinen republikanischen Aktivitäten oder einer Weibergeschichte, das bleibt offen. Dann gibt es da noch Kommissar Galvan, der den Fall überprüfen soll, aber nur Interesse an der schönen Rothaarigen zeigt. Und Paulino, der wie David mit abgetrennten Eidechsenschwänzen in der Hosentasche herumläuft, um zu erkunden, wie lange es eine halbierte Eidechse macht.
Überraschend ist, dass das ungeborene Kind der Rothaarigen all diese Geschichten wie Abziehbilder sammelt und korrespondierend mit der Stimme seines Bruders Davids wiedergibt. So transportiert ein Stimmengewirr die einzelnen Erzählstränge mal empfindsam, mal phantasievoll, mal düster. Für dieses literarische Glanzstück, den frankistischen Alltag aus der subjektiven Wahrnehmung eines Fötus nachzuspüren, gewann Marsé den Nationalen Literaturpreis.
schuk
•Juan Marsé liest aus „Stimmen in der Schlucht”, Do., 17. Okt., 19.30 Uhr, Instituto Cervantes, Marstallplatz 7, 29071813
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Ein Roman, der sich seinen Weg bahnt wie Wasser in einer Schlucht, der alles aufnimmt, mitreißt, mal schnell mal langsam fließt, ein "imaginäres Wasser", so Christina Nord, die sichtlich unsicher ist, ob man beim Eintauchen in diesen Erzählstrom nur nasse Füße bekommt oder gleich ganz baden geht. Der Roman gibt nur zögerlich preis, wovon er erzählt, meint Nord, und ob das, was berichtet wird, nur in der Einbildung oder in der Wirklichkeit des Erzählers stattfindet, werde auch nie ganz klar. Soviel aber weiß sie: "Stimmen in der Schlucht" spielt 1945 in Barcelona, zur Zeit des Franco-Regimes also, und der Vater des Ich-Erzählers wird als Regime-Gegner bezeichnet und verschwindet. Eigentlich ist die Jahreszahl aber ohne Bedeutung, seufzt Nord, da in der Schlucht ohnehin Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander fielen. Und je düsterer die Verhältnisse des Franco-Regimes würden, desto mehr heize das offensichtlich die Einbildungskraft an, desto turbulenter werden die Situationen und die "Stimmen in der Schlucht", die sich teilweise überlagerten - und eine etwas verwirrte Rezensentin zurücklassen.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Ein literarisches Glanzstück." SZ-Extra, 17.10.02 "Juan Marsé, der große alte Mann der spanischen Literatur, ist ein Erinnerungskünstler." Genoveva Dieterich, Literaturen, 12/02