Rubens, Bilder der Liebe - Feghelm, Dagmar; Kersting, Markus
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Der flämische Maler Peter Paul Rubens schloss 1630 eine auch für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Ehe: Der 53-Jährige heiratete die 16-jährige Patrizier- Tochter Helene Fourment. Vier Jahre zuvor, 1626, war seine erste Gattin Isabella Brant gestorben. Beide Frauen sind in Rubens' Werk gegenwärtig: Während in Isabellas Porträts ihre Rolle als Ehefrau und bewunderte Gefährtin dokumentiert ist, wird uns Helene nicht nur als Gattin und Mutter, sondern auch als Muse und Jungbrunnen für den alternden Maler präsentiert. Die verschiedenen Aspekte von Rubens' Beziehungen zu seinen Frauen werden anhand zahlreicher Beispiele anschaulich beleuchtet.…mehr

Produktbeschreibung
Der flämische Maler Peter Paul Rubens schloss 1630 eine auch für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Ehe: Der 53-Jährige heiratete die 16-jährige Patrizier- Tochter Helene Fourment. Vier Jahre zuvor, 1626, war seine erste Gattin Isabella Brant gestorben. Beide Frauen sind in Rubens' Werk gegenwärtig: Während in Isabellas Porträts ihre Rolle als Ehefrau und bewunderte Gefährtin dokumentiert ist, wird uns Helene nicht nur als Gattin und Mutter, sondern auch als Muse und Jungbrunnen für den alternden Maler präsentiert. Die verschiedenen Aspekte von Rubens' Beziehungen zu seinen Frauen werden anhand zahlreicher Beispiele anschaulich beleuchtet.
  • Produktdetails
  • Pegasus Bibliothek
  • Verlag: Prestel
  • Seitenzahl: 94
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 94 S. m. 40 Farbabb.
  • Deutsch
  • Abmessung: 275mm
  • Gewicht: 425g
  • ISBN-13: 9783791333533
  • ISBN-10: 3791333534
  • Artikelnr.: 13406856
Rezensionen
Besprechung von 04.03.2006
Die schöne Helena von Antwerpen
Nachmittag eines Fauns: Ein praller Bildband über die Liebe bei Rubens
Ein solche Fülle des Glücks scheint selbst ihn, den notorischen Liebling der Götter und Darling der Fürsten, in schier ungläubiges Erstaunen versetzt zu haben. Denn dieses Glück kam nahezu unverhofft, und es bot sich dar in geradezu unerschöpflicher Fülle. Als Mann von Welt und versierter Diplomat verstand sich der flämische Malerfürst Rubens natürlich auf den stillen, maßvollen Genuss; Diskretion und Contenance waren die unverzichtbaren Ingredienzen seines rasanten Aufstiegs gewesen. Hatte er nicht sogar eine einschlägige Sentenz Juvenals als Inschrift für sein Domizil in Antwerpen gewählt? „Nichts erschüttere Dich, weder Zorn noch Begierde” lautete das Motto des vornehmen Stadthauses, das bis in seinen beiläufigsten Zierschmuck geprägt war von dem Wunsch, eben die gelassene Vornehmheit und das klassisch-maßvolle Menschentum seines Besitzers zu demonstrieren. Aber nun, im weit schon fortgeschrittenen Alter, angesichts einer solch wahrhaft prächtigen Überfülle des Lebens, eines solchen nur schwer zu fassenden Glücks, verwandelt sich der diskrete Gentleman in einen geschwätzigen Lüstling. Der Weltmann entpuppt sich als Faun.
So zumindest stellt sich uns die Geschichte dar. 1630, im anbrechenden Herbst seines Lebens, zieht sich der ebenso reiche wie erfolgsverwöhnte Maler vom höfischen Leben und von all seinen strapaziösen diplomatischen Missionen endgültig nach Antwerpen zurück. Ruhe will er haben. Er heiratet deshalb noch einmal. Und zwar nicht, wie es seinem Rang und Ruhm entspräche, eine Dame vom Hofe, aus noblem Geschlecht. Sondern eine Antwerpener Kaufmannstochter. Natürlich nicht irgendeine: eminent reich und angesehen ist ihre Familie schon, und überdies seit langem bekannt mit dem Maler. Vor allem aber ist dieses Bürgermädchen - ein Teenager von gerade einmal 16 Jahren - überaus jung und frisch, ein unverhoffter Leckerbissen für den müden Grandseigneur. Sehr blond und sehr prall, mit rosiger Haut und sonnigem Gemüt, sieht sie aus wie gemalt - von Rubens gemalt.
Hélène Fourment, die „schöne Helena von Antwerpen”, die den Maler in seinen letzten zehn Lebensjahren begleitet, dutzendfaches Modell seiner Gemälde, dargestellt in allen erdenklichen Posen und mythologischen Rollen, als Braut und als Mutter, im mondänen Bürgergewand und in olympischer Nacktheit, ist die Essenz und das Urbild des Rubens‘schen Frauentypus. Dieses flämische Prachtweib, das im wirklichen Leben so aussieht wie die Venus aus einem seiner Historiengemälde, ist fortan seine endlos gefeierte Liebesgöttin. Sie hat ihn als Künstler wie als Mann beflügelt.
An der Seite Hélènes, mit ihr als allgegenwärtigem Modell, entstehen die grandiosen mythologischen Gemälde aus dem Spätwerk des Malers. Die Bevorzugung erotischer Themen in diesen Werken, ihre ebenso heitere wie intensive Sinnlichkeit, die Stimmung gelöster Lebensfreude, rauschhaften Lebensgenusses verdanken sich fraglos jenem heftigen éclat, den die junge, so heftig und üppig erblühende Ehefrau im Heim des Privatiers auslöste.
Jung, rosig und lächelnd
Die von ihr entfachte Sinnenlust spiegelt sich auch in den zahlreichen Bildnissen wieder, die Rubens von ihr schuf. Und im Kindersegen des so ungleich alten Paares. Noch Monate nach dem Tod des über sechzigjährigen Malers bringt seine Frau, posthumer Nachhall längst genossener Freuden, einen weiteren Sprössling des Meisters zur Welt. Dass Rubens, derart animiert und stimuliert, in geradezu geschwätziger, ja verblüffend indiskreter Weise sein spätes Glück und die allzu irdische Pracht gerade seiner eigenen Frau so hüllenlos exponierte - es war weithin bekannt und überdies unübersehbar, das sie das Modell der Grazien und Liebesgöttinnen in den Werken des Meisters bot - wird man also nicht nur verstehen können, sondern auch zu schätzen wissen. Der opulenten Diesseitigkeit Hélène Fourments, diesem so gewaltigen Naturereignis, verdanken wir die größten Meisterwerke des späten Rubens. Der Prado in Madrid, das Kunsthistorische Museum in Wien, ganz besonders aber auch die Alte Pinakothek in München besitzen heute diese Schätze.
Der reich illustrierte Band „Bilder der Liebe” aus der verdienstvollen, jetzt in neuer Gestalt erscheinenden Pegasus Bibliothek des Prestel Verlages widmet sich nun diesen Zusammenhängen zwischen den (zumindest zu ahnenden) Wonnen des Ehelebens des Rubens und ihren Reflexen in seinem künstlerischen Werk. Angenehm flüssig, bisweilen sogar flott geschrieben, kenntnisreich und umsichtig, bietet der Band einen vorzüglichen Überblick über Aspekte, die in den gängigen Monografien nur am Rande abgehandelt werden.
Auch Isabella Brant, die erste und früh verstorbene, tief betrauerte Ehefrau des Malers, in allem ein Gegenbild zur feschen Helena, wird entsprechend gewürdigt. Schließlich begegnen uns im Werk des Rubens nicht nur vorzügliche Porträts Isabellas (und, bezeichnenderweise, mehrere Madonnen-Bilder, denen sie Modell saß), sondern vor allem auch das Doppel-Bildnis des Meisters und seiner ersten Frau in der Geißblattlaube aus der Alten Pinakothek: ein wahrhaft epochales Bild der (bürgerlichen) Liebe.
Von dort, von der gelassenen und vollendet ausbalancierten Vertraulichkeit der Gartenlaube zum hochbarocken Schwung des „Liebesgartens” (Madrid), dem entfesselten Sinnentaumel des „Venusfests” (Wien) führt der Weg nur über die Naturgewalten Hélène Fourments, die in beiden Werke natürlich auch ihre Reize darbietet. Im „Venusfest” liegt sie - jung, rosig und prall, eine willige Nymphe mit keck-frivolem Lächeln - in den Armen eines irrsinnig lüsternen, alten Fauns. Er hat, ebenso wie der Maler Rubens, eine unerhört reiche Beute gemacht in den Domänen der Götter. Er zittert vor Begierde.
MANFRED SCHWARZ
DAGMAR FEGHELM / MARKUS KESTING: Rubens - Bilder der Liebe. Prestel Verlag 2005 96 Seiten, 40 Farbabb., 14,95 Euro.
Hélène Fourment und ihre Kinder, 1636, Louvre, Paris.
Abb. aus dem besprochenen Band
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Was war Rubens doch für ein Glückspilz, seufzt Rezensent Manfred Schwarz nachdem er das vorliegende Buch zur Seite gelegt hat. Nachdem ihm schon alles an möglichen Ehren zuteil geworden war und er sich aus dem öffentlichen Leben zurückzog, so der Rezensent, heiratete er die blutjunge und pralle Antwerpener Kaufmannstochter Helene Fourment. Und dieses "flämische Prachtweib" sollte ihn, wie sich herausstellte, "als Künstler wie als Mann beflügeln", zur "Essenz" und zum "Urbild des Rubens'schen Frauentypus" werden und der Welt zum Rubens' Spätwerk verhelfen, erklärt ein einigermaßen benebelter Rezensent, der nicht müde wird, die "ebenso heitere wie intensive Sinnlichkeit, die Stimmung gelöster Lebensfreude, rauschhaften Lebensgenusses" der Gemälde sowie "die junge, so heftig und üppig erblühende Ehefrau" zu beschreiben. Gefallen hat dem Rezensenten dieser Band, der die Zusammenhänge zwischen Eheglück und Malerei aufzeigt, gleich in mehrerlei Hinsicht: Zum einen aufgrund der reichen Bebilderung mit der üppigen Helene, zum anderen aufgrund des "vorzüglichen Überblicks" über sonst eher als marginal Behandeltes, der dem Leser zudem auf "angenehm flüssige, bisweilen sogar flott geschriebene, kenntnisreiche und umsichtige" Art und Weise dargeboten wird, und schließlich, weil Rubens' erste, eher madonnenhafte Frau, Isabella Brant, angemessen gewürdigt und in einen fruchtbaren Kontrast mit Helene gebracht wird.

© Perlentaucher Medien GmbH
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