Psyche und Macht - Brunner, José
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Brunners Lesart bewegt sich jenseits des alten Dualismus von Hermeneutik und Naturwissenschaft, der eigentlich nur in eine Sackgasse führen kann. Indem der Autor nachweist, daß sich Freuds interdisziplinär angelegtes Werk nicht auf eine Diskursdimension - die jeweils den "wahren Freud" für sich reklamiert - beschränkt, stößt er zu der Einsicht vor, daß die Verschmelzung von hermeneutischem und szientifischem Diskurs bei Freud ungewollt zu einem neuen Diskurstyp führt, in welchem es zentral um die Erringung, Verteilung und Gestaltung von Macht geht. Die von Freud benutzten Analogien und…mehr

Produktbeschreibung
Brunners Lesart bewegt sich jenseits des alten Dualismus von Hermeneutik und Naturwissenschaft, der eigentlich nur in eine Sackgasse führen kann. Indem der Autor nachweist, daß sich Freuds interdisziplinär angelegtes Werk nicht auf eine Diskursdimension - die jeweils den "wahren Freud" für sich reklamiert - beschränkt, stößt er zu der Einsicht vor, daß die Verschmelzung von hermeneutischem und szientifischem Diskurs bei Freud ungewollt zu einem neuen Diskurstyp führt, in welchem es zentral um die Erringung, Verteilung und Gestaltung von Macht geht. Die von Freud benutzten Analogien und Metaphern der Seele - "Repräsentanzen", "Vertretung", "Regierung" etc. - zeigen, daß sich das Freudsche Denken ganz elementar in politischen Kategorien bewegt, nämlich in Kategorien von Macht und Ohnmacht, von Tradition und Emanzipation, von Freiheit und Unfreiheit, von Machthabern und Unterworfenen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Seitenzahl: 270
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 270 Seiten
  • Deutsch
  • Abmessung: 235mm
  • Gewicht: 544g
  • ISBN-13: 9783608919981
  • ISBN-10: 3608919988
  • Artikelnr.: 09846762
Autorenporträt
José Brunner, Dr. phil., geb. 1954, ist Senior Lecturer an der Buchmann Faculty of Law und dem Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas der Universität Tel Aviv. Direktor des Minerva-Instituts für deutsche Geschichte. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur Geschichte und Politik der Psychoanalyse und der politischen Theorie der Gegenwart.
Inhaltsangabe
Aus dem Inhalt: Einleitung der deutschen Ausgabe Die Freudsche Dialektik. Oder: jenseits der Kontroverse Hermeneutik-oder-Wissenschaft Vorwort Teil I: Nervosität und Nationalismus: Medizinische Politik und die Anfänge der Psychoanalyse 1 Hereditäre Laster 2 Verdächtige Sittlichkeit 3 Portrait des Wissenschaftlers als junger Jude 4 Bedeutungsvolle Sexualität Teil II: Ein Gemütszustand: Metaphorische Politik in Freuds Metapsychologie 5 Wer zensiert wen, wo und warum? 6 Politik der Repräsentation 7 Mechanische Fehler 8 Besatzermächte 9 Konfliktstrategien 10 Freie Wahl Teil III: Im Einvernehmen zweier Erwachsener: Face-to-face-Politik in der klinischen Praxis der Psychoanalyse 11 Ein Hauch von Klassenkampf 12 Die Psychiatrie zieht in den Krieg 13 Autoritäten im Angebot 14 Die Macht des Wortes Teil IV: Im Reich der Leidenschaften: Ödipale Politik in Freuds kulturtheoretischen Schriften 15 Körperhitze 16 Brüder in Waffen 17 Big Daddy Schlußbemerkungen Bibliographie Register
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Keine Frage, so der Rezensent (Kürzel LL.), dass es im Werk von Sigmund Freud von politischen Metaphern wimmelt - eine andere Frage allerdings, ob man von da aus sinnvoller Weise zu einer politischen Lektüre Freuds gelangen kann. Dass es geht, beweist dieses Buch, meint LL., das nicht zuletzt in Zeiten allgemeinen "Freud-Bashings" mit seinem Ansinnen "Mut" beweise. Vier Teile hat der Band, im ersten fragt der Autor nach dem Verhältnis von Freuds früher Theorie zum politischen Kontext von Rassismus und Nationalismus, im zweiten untersucht er Freuds Anwendung der Diskurse der Politik auf die Seele, der dritte widmet sich der klinischen Praxis der Psychoanalyse und zuletzt geht es noch um die "ödipale Politik" bei Freud. Brunner zielt, so der Rezensent, mit seiner Analyse "ins Zentrum" von Freuds Theorie und erhofft sich eine Integration hermeneutischer und szientifischer Lesarten. Da ist sich der ansonsten ganz einverstandene Rezensent nicht sicher: Vielleicht doch ein "hermeneutischer Imperialismus zweiter Ordnung"?

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