Palästina - Sacco, Joe
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    Broschiertes Buch

Mit diesem Buch hat Joe Sacco das Genre des Comic-Journalismus begründet. Getrieben von der Neugier, auch die Seite des Nahostkonflikts kennen zu lernen, die in den amerikanischen Medien stets übergangen wird, verbrachte Sacco 1991 zwei Monate in den besetzten palästinensischen Gebieten. Aus der Reise und den Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen entstanden Bilder, die durch ihre Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit bestechen. Palästina ist eine journalistische Dokumentation, die nach wie vor aktuell und dadurch äusserst beklemmend ist.…mehr

Produktbeschreibung
Mit diesem Buch hat Joe Sacco das Genre des Comic-Journalismus begründet. Getrieben von der Neugier, auch die Seite des Nahostkonflikts kennen zu lernen, die in den amerikanischen Medien stets übergangen wird, verbrachte Sacco 1991 zwei Monate in den besetzten palästinensischen Gebieten. Aus der Reise und den Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen entstanden Bilder, die durch ihre Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit bestechen. Palästina ist eine journalistische Dokumentation, die nach wie vor aktuell und dadurch äusserst beklemmend ist.
  • Produktdetails
  • Verlag: Edition Moderne; Cape
  • Seitenzahl: 287
  • Erscheinungstermin: Oktober 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 244mm x 164mm x 32mm
  • Gewicht: 737g
  • ISBN-13: 9783037310502
  • ISBN-10: 3037310502
  • Artikelnr.: 27091129
Autorenporträt
Joe Sacco, one of the world's foremost cartoonists, is widely hailed as the creator of war-reportage comics. He is the author of Palestine , The Fixer , Notes from a Defeatist and Footnotes in Gaza.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.04.2011

Süddeutsche Zeitung Bibliothek

Wo jede Kamera
verboten ist
Graphic Novels Band 5
„Palästina“
von Joe Sacco
Sie kommen nachts. Ghassan, der nicht weiß, wie ihm geschieht, wird vor den Augen seiner Familie aus dem Bett gezerrt und verhaftet. Der Vorwurf: Mitglied in einer illegalen Organisation. Mit einem Sack über den Kopf, angekettet an einen Stuhl, wird er in eine Einzelzelle gesperrt. Man drängt ihn, ein Geständnis zu unterschreiben. Er weigert sich. Erst nach zwei Tagen wird er einem Richter vorgeführt; Ghassans Anwalt, mit dem er nicht sprechen darf, pocht auf die Freilassung, die Anklage bittet um Aufschub, da sie zur Beschaffung von Beweisen Zeit brauche. Stattgegeben. Also verbringt Ghassan acht weitere Tage in seiner Zelle, beginnt zu halluzinieren. Das absurde Spiel wiederholt sich noch zweimal: Immer verlangt die Anklage mehr Zeit; immer kehrt Ghassan in die Isolationshaft zurück. Einmal muss er stundenlang in einem sargähnlichen Raum stehen, dessen Boden mit Urin bedeckt ist. Nach drei Wochen, in denen der Palästinenser unschuldig in der Hölle eines israelischen Geheimgefängnisses saß, wird er ohne Entschuldigung freigelassen.
Der US-amerikanische Comickünstler Joe Sacco erzählt diese Geschichte in „Palästina“ ebenso einleuchtend simpel wie meisterhaft: Indem die Bilder auf den schwarz eingefärbten Seiten zunehmend kleiner werden, wird die klaustrophobische Ausweglosigkeit Ghassans unmittelbar erfahrbar. Als man ihn am Ende in die Freiheit entlässt, verschwindet er auf einem halbseitigen Bild in der Menschenmenge, in der sich Paare küssen und Rabbiner diskutieren, ganz so, als sei überhaupt nichts geschehen.
Es gibt viele solcher unvergesslicher Episoden in „Palästina“. Sacco hat sie nach der ersten Intifada 1991/1992 bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Jerusalem, im Gaza-Streifen und Westjordanland in Gesprächen mit Augenzeugen gesammelt. Im Vorwort zur Neuausgabe des Buches gibt Sacco an, er habe das Projekt vor allem deshalb unternommen, weil er die einseitige pro-israelische Berichterstattung in den USA satt hatte, was ihm prompt den Vorwurf des Antisemitismus eintrug. Vom ersten Bild an, in dem Sacco selbst auftaucht, ist allerdings klar, dass wir es hier mit einem Werk des New Journalism zu tun haben, mit der subjektiven Wiedergabe von Erlebnissen eines Autors, der zwar die Leiden der Palästinenser in den Mittelpunkt rückt, dabei jedoch stets subtil darauf hinweist, dass dem Erzählten in dieser ersten großen Reportage der Comicgeschichte nicht ganz zu trauen ist.
Authentizität und Comic, das mag auf den ersten Blick nicht zusammengehen; aber abgesehen davon, dass Sacco dort zeichnen kann, wo jede Kamera verboten ist, machen seine detailreichen, zwischen Realismus und Karikatur schwankenden Zeichnungen besser als Fotos oder Filme deutlich, dass die Wahrheit immer nur eine Frage der Perspektive ist. „Palästina“ ist nicht nur ein Meilenstein der Neunten Kunst, schockierend, beschämend und trotzdem überraschend witzig; es ist, obwohl vor über 15 Jahren erschienen, tragischerweise immer noch höchst aktuell.
THOMAS VON STEINAECKER
Joe Sacco
Foto: oh
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Um die Vorgeschichte des Nahostkonflikts zu studieren, greift Alex Rühle zu diesem neu aufgelegten Comic von Joe Sacco. Der Band besticht laut Rühle durch den Reportergestus, mit dem er von der Intifada Anfang der neunziger Jahre erzählt, wie auch seinen eigenen "Unglücksvoyeurismus" ("Es ist gut für den Comic!"). Eigene Erfahrungen in Palästina, eigene Ängste auch, fließen laut Rühle in das Buch, in die Zeichnungen ein, wenn der Autor von Enteignungen, Verhören und dem Alltag im Schatten der Intifada und von der Entstehung Israels erzählt. Was Rühle auffällt, ist zum einen das Mittel des Sarkasmus, dessen sich Sacco bedient, um einen Kontrast zu setzen zur tristen Szenerie, zum anderen erkennt er, wessen Schüler Sacco ist. Die monströsen Münder und Extremitäten der Figuren erinnern ihn doch stark an Robert Crumb.

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