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Miriam ist fünfzehn. Manchmal findet sie sich gut, so wie sie ist. Aber manchmal findet sie alles nur zum Davonlaufen. Sie wäre gern so wie Laura, die neu in ihrer Klasse ist und genau zu wissen scheint, was sie will. Als Miriam und Laura sich anfreunden, merkt Miriam bald, dass sie Laura amliebsten ganz für sich allein hätte. Aber Laura hängt immer öfter mit Philipp rum - ist er wirklich nur Lauras "guter Freund"?…mehr

Produktbeschreibung
Miriam ist fünfzehn. Manchmal findet sie sich gut, so wie sie ist. Aber manchmal findet sie alles nur zum Davonlaufen. Sie wäre gern so wie Laura, die neu in ihrer Klasse ist und genau zu wissen scheint, was sie will. Als Miriam und Laura sich anfreunden, merkt Miriam bald, dass sie Laura amliebsten ganz für sich allein hätte. Aber Laura hängt immer öfter mit Philipp rum - ist er wirklich nur Lauras "guter Freund"?
  • Produktdetails
  • Verlag: Oetinger
  • Seitenzahl: 159
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 159 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 298g
  • ISBN-13: 9783789131523
  • ISBN-10: 3789131520
  • Best.Nr.: 11920698
Autorenporträt
Tamara Bach, geboren 1976 in Limburg, studierte Germanistik und Anglistik in Berlin. Bereits 1993 nahm sie am renommierten "Treffen junger Autoren" in Berlin teil. Neben ihrem Studium arbeitet sie für das Fernsehen und entwickelt Jugendtheaterstücke. 2013 wurde Tamara Bach der 1. Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis verliehen.
Rezensionen
Besprechung von 06.10.2003
Kein Platz für große Gefühle
Tamara Bachs Jugendbuch „Marsmädchen” .
Das Motto des Buches passt perfekt: „This small town hasn’t got room for my big feelings”, wird da die Sängerin Björk zitiert – diese kleine Stadt hat nicht genügend Platz für meine großen Gefühle. Genau das nämlich ist das Problem der 15-jährigen Miriam: Sie wohnt in einer kleinen, hübschen Stadt, durch deren alte Gassen im Sommer die Touristen schlendern. Und sie trägt schwer an einem riesengroßen Packen Gefühle, die nirgendwo richtig Platz finden. Denn reden lässt sich über die erste große Liebe nicht so leicht, weder mit den Freundinnen noch mit der Mutter. Und schon gar nicht, wenn die erste Liebe auch noch auf ein anderes Mädchen fällt.
Denn da war dieser Kuss mit Laura, einer Schulkameradin, die auf einmal in der Klasse aufgetaucht ist. Und während die Freundinnen noch drängen, dass Miriam nun endlich mal Sex mit irgendjemandem ausprobieren soll – „wir wollen doch nicht, dass du ewig Jungfrau bleibst” –, träumt Miriam nur von der extra-coolen und geheimnisvollen Laura. Gleichzeitig verzweifelt sie fast darüber: Anders zu sein als die anderen, ist nicht einfach, und noch weniger einfach in der engen Welt einer hübschen Kleinstadt.
Miriams Sehnsüchte und widerstreitende Gefühle schildert die junge Autorin Tamara Bach in ihrem Jugendbuch Marsmädchen sehr eindringlich und gut nachvollziehbar, in einer schnörkellosen Sprache mit vielen teenietypischen Dialogen; kein Wunder, dass das Buch als bestes Debüt mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2002 ausgezeichnet wurde. Natürlich mag manchem die andauernde Selbstbespiegelung der Ich-Erzählerin ein wenig zuviel sein – doch was tut man in dem Alter anderes? Alles dreht sich doch um das leicht zu erschütternde Selbstbild und die überschießenden Emotionen. Alles ist neu und aufregend, ob der erste Joint oder ein Ausflug in die Disko, in die man eigentlich erst mit 16 dürfte. Und wenn dann noch eine verbotene Liebe dazukommt, wird die Gemengelage endgültig unüberschaubar.
Irgendwann allerdings finden die Freundinnen und der Bruder heraus, dass Miriam ausgerechnet ein Mädchen liebt – doch die Folgen sind gar nicht so schlimm wie befürchtet. Und irgendwann ist die sprunghafte Laura so plötzlich wieder weg, wie sie gekommen war, und die Folgen sind genauso schlimm wie zu befürchten. Immerhin hat Miriram daran eine Menge über sich und das Leben gelernt. Jetzt wird erstmal der Sommer kommen in der kleinen Touristenstadt. Und eines Tages vielleicht ein Herbst in einer anderen Stadt. Einer Stadt, die groß genug ist für Gefühle aller Art. (ab 13 Jahre)
ANTJE WEBER
TAMARA BACH: Marsmädchen. Verlag Friedrich Oetinger 2003. 160 Seiten, 9,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Besprechung von 08.11.2003
Summend die Liebe inhalieren
Tamara Bachs cooles und sehnsüchtiges "Marsmädchen"

Ach wie öde erscheint das Leben doch auf Erden, wenn man fünfzehn ist und nicht in einer Großstadt wohnt. Miriams derzeitiger Aufenthalt auf diesem Planeten ist ein einziges Durchleiden des Alltäglichen. Das Einerlei aus Familienleben, Schule und ewig gleichen Verrichtungen nimmt ihr die Luft zum Atmen. Ist man nur dafür mühsam herangewachsen, um nun sinnlos vor sich hin zu dämmern? Das Unwohlsein erfüllt sie bis in die Poren mit  lethargischer Verzweiflung. Miriam findet zwar in ihren Schulkameradinnen Ines und Suse Leidensgefährtinnen, aber die sind wenigstens nicht mehr Jungfrau.

Von der Zeit zwischen Pubertät und Entpuppung, dieser Phase des zähen Gleitens in einer gallertartigen Warteschleife, erzählt die junge Autorin Tamara Bach. Schon ihr Einstieg in den Roman ist grandios. Sie wählt nämlich einen Schauplatz, der unverdienterweise sehr wenig Aufmerksamkeit in der Literatur gefunden hat: die Schultoilette. Dabei werden an diesem Ort große Geschichten erzählt, wie man hier liest. Die strikte Trennung zwischen den Geschlechtern birgt eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten. Tamara Bach nützt sie und zeigt die Schultoilette als Innenwelt der Außenwelt. Ihr Personal plaziert sie unter dem Waschbecken sitzend und darauf, auf die  Kabinen verteilt und vor dem Spiegel. Ihr Mädchenklo ist Refugium und Transitraum. Die wichtigsten Liebesneuigkeiten werden hier vor Unterrichtsbeginn ausgetauscht, aber hauptsächlich wird gewartet und gehofft, auf Wunder, Feen oder einen neuen Urknall.

Diese hingebungsvolle Erstarrung erinnert in der Konzeption und Szenerie an die gewaltigen Stillstandsinszenierungen Christoph Marthalers. Wie er füllt auch Tamara Bach die sich endlos hinziehende Zeit mit Rauchen. Es wird viel geraucht in ihrem Roman, Zigaretten liebevoll gedreht und sorgfältig Joints gebaut. In dieser nebligen Kulisse stellt Tamara Bach ihre Heldin vor. Miriam versucht zu Anfang vergeblich, einen Steckbrief auszufüllen, eine unlösbare Aufgabe, die ihr eine Freundin antrug. Durch den Suchlauf ihrer Antworten wird deutlich, wie sehr sich bei ihr alles um die substantielle Frage dreht: Wer bin ich? Wer werde ich werden?

Nach diesem Auftakt läuft die Geschichte wie am Schnürchen. Allerdings springt und hüpft sie dabei und wird keineswegs geradeaus heruntererzählt.  Man liest gespannt und mitleidend, erheitert und bedrückt, folgt Miriam nach Hause und wieder in die Schule, lernt ihre Familie kennen, die emotionsgeladenen Streitereien mit der Mutter oder die wortkargen, liebevollen Szenen mit dem älteren Bruder. Und man darf dabeisein, wenn Miriam sich verliebt. In Laura aus Köln, die neu in der Klasse ist. Glücklicherweise wird kein Coming-out-Drama daraus.

Unterlegt wird das Ganze mit viel Musik, fein ausgewählt mit Stücken von Björk, Ash (hier erklingt der Marsmädchen-Song) oder etwas härter von PJ Harvey. Die Musik dient dabei nicht als jugendkulturelles Zitat, sondern gehört zu dem Text wie eine untergelegte Tonspur. Eine weitere musikalische Einlage ist Miriams Summen, eine Art Erkennungsmotiv ihrer emotionalen Verstrickung - immer wieder brummt es unkontrolliert aus dem Mädchen heraus. Im Laufe der Liebesgeschichte wächst es zu einem lauten, freien Gesang an.

Tamara Bach scheut sich nicht vor intimen Momenten voller Zartheit. Manche Szenen sind dabei allzu sentimental geraten, aber es überwiegt ein sicheres Gespür für große Gefühle und vor allem dafür, wie man sie zu Papier bringt. Daß die junge Autorin einige Filmerfahrung hat, merkt man an ihrem dialogischen Stil und ihrem Sinn für gut plazierte Orte: die Enge der Kleinstadt, die morgentliche Disco mit ihren Bierlachen, das bekiffte Pommesessen an der Imbißbude.  

Dieser Debütroman wurde zu Recht schon mit einigen Preisen bedacht;  der Verdacht, hier werde nur wieder ein virtuelles Fräuleinwunder ausgerufen, stellt sich bei der Lektüre schnell als unbegründet heraus. Tamara Bach ist eine echte irdische Entdeckung, auch wenn sich ihre leise summende Heldin vergnügt rauchend in ein Marsmädchen verknallt.

CAROLINE ROEDER

Tamara Bach: "Marsmädchen". Oetinger Verlag, Hamburg 2003. 160 S., geb., 9,90 [Euro]. Ab 12 J.

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Pubertät, das sind Gefühle, die riesengroß sind und sich nirgendwo ordentlich hinsortieren lassen, erinnert sich Antje Weber. Verschärft wird diese Situation, meint sie, wenn die erste Liebe anders kommt als erwartet, nämlich das eigene Geschlecht betrifft. Eine solche Situation beschreibt Tamara Bach mit ihrem Debütroman "Marsmädchen" höchst eindringlich, so Weber: die Verwirrung über die eigenen Gefühle, die Verzweifelung, anders zu sein als die anderen, das erschütterte Selbstbild, die überschießenden Emotionen. Bachs Sprache sei geradeheraus und die Geschichte mit vielen typischen Dialogen durchsetzt, auch wenn der Rezensentin die andauernde Selbstbespiegelung der weiblichen jungen Heldin etwas auf die Nerven geht. Aber das ist wohl so in diesem Alter, seufzt sie hörbar. Ansonsten ein zu Recht mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnetes Buch, sagt sie.

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