Mara Kogoj - Vennemann, Kevin
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Tone Lebonja nimmt mit seiner Kollegin Mara Kogoj im Rahmen einer österreichischen
Studie zu Protokoll, was Klagenfurter über ihr Verhältnis zu Heimat und Staat zu
erzählen wissen. Einer der Befragten ist Ludwig Pflügler, 60, selbsternannter Journalist, vorbestraft, deutschnational, heimattreu. Seine Interpretation der Kärntner Geschichte und seine Diffamierungen der slowenischen Minderheit lassen sich nicht mehr nur distanziert zur Kenntnis nehmen; vor allem seine Sichtweise auf den Partisanenkrieg am Ende des Zweiten Weltkriegs betrifft die beiden Zuhörenden direkter, als sie zunächst…mehr

Produktbeschreibung
Tone Lebonja nimmt mit seiner Kollegin Mara Kogoj im Rahmen einer österreichischen

Studie zu Protokoll, was Klagenfurter über ihr Verhältnis zu Heimat und Staat zu

erzählen wissen. Einer der Befragten ist Ludwig Pflügler, 60, selbsternannter Journalist, vorbestraft, deutschnational, heimattreu. Seine Interpretation der Kärntner Geschichte und seine Diffamierungen der slowenischen Minderheit lassen sich nicht mehr nur distanziert zur Kenntnis nehmen; vor allem seine Sichtweise auf den Partisanenkrieg am Ende des Zweiten Weltkriegs betrifft die beiden Zuhörenden direkter, als sie zunächst wahrhaben wollen. Doch Lebonja, überzeugt, weiterhin verdrängen zu können, was ihn als Slowenen einst aus seiner Heimatstadt

fortgetrieben hatte, schweigt. Pflügler dominiert, taktiert, beansprucht Deutungshoheit.Bis Mara Kogoj die Fäden in die Hand nimmt und selbst zu berichten beginnt - von dem, "um das es ihr eigentlich und überhaupt geht und immer schon gehen mußte": von der anderen Versionder Geschichte.
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 217
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 217 S. 204 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 127mm x 22mm
  • Gewicht: 348g
  • ISBN-13: 9783518418758
  • ISBN-10: 3518418750
  • Best.Nr.: 20948991
Autorenporträt
Kevin Vennemann, geb. 1977, hat nach der Schule in Köln, Innsbruck und New York als Totengräber, Fließbandarbeiter, Kellner, Aushilfslehrer für Deutsch und Englisch sowie als Hotelportier gearbeitet. Zurzeit lebt er in Berlin, wo er Neue deutsche Literatur, Neueste Geschichte und Judaistik studiert.
Rezensionen
Besprechung von 20.03.2007
Das Abdrehen der Atemluft
Ein Buch, das eine Qual sein will: Kevin Vennemanns Heimatroman „Mara Kogoj” erforscht den trüben Bodensatz des Grenzlandes Kärnten Von Burkhard Müller
Das österreichische Antlitz: Wer es dingfest machen will, hat es schwer. Elfriede Jelinek hat es versucht, Thomas Bernhard ebenso, beiden hat es gründlich die Laune verdorben, sie sind bei einem endlosen Geschimpfe gelandet, dem man vor allem die eine Eigenschaft zuerkennen muss: österreichisch zu sein. Karl Kraus hat es versucht, von ihm stammt die Prägung. „Hat das österreichische Antlitz nicht ein Auge des Gesetzes und eins, das es zudrückt, woraus dieser merkwürdig schwankende Ausdruck von Wissenschaft und Ehschowissen entsteht?” Unermüdlich spürte Kraus ihm nach; aber dieses Antlitz, treuherzig und verschlagen, wollte einfach nicht stillhalten und sich in die endgültige, die endlich gültige Form bringen lassen. Da fiel Kraus eines Tages, als himmlisches oder teuflisches Geschenk, ein Name in den Schoß, mit dem alles gesagt war, auf den dieses schwankende Antlitz zu hören, der es ganz auszudrücken schien: Kasmader. Kasmader, das war es!
Ein ähnliches Erlebnis muss Kevin Vennemann gehabt haben, dessen Name doch eigentlich eine glückliche Ferne von allen donau- und alpenländischen Zuständen signalisiert und der sich trotzdem tief mit ihnen einlässt. Sein Kasmader heißt Pflügler, Ludwig Pflügler, um genau zu sein, aber der Vorname tut nichts zur Sache.
Pflügler ist rund sechzig Jahre alt, Journalist, verantwortlich für so kurzlebige wie unausrottbare Periodika, die „Das Erbe” oder „Die Saat” heißen, und hatte es wegen Volksverhetzung und verwandter Delikte schon wiederholt mit der Justiz zu tun. Sein Lebensinhalt besteht im Abwehrkampf gegen das südslawische Element, von welchem er seine Heimat Kärnten durchseucht weiß. Er, der ungreifbare Feind, nimmt seinen Feind gleichfalls als etwas Ungreifbares wahr, schleichend und tückisch. Von den Slowenen, das sei hier angemerkt, stammt das deutsche Wort „Schlawiner” her; genau so, doch ohne die lustige Nachsicht, die sonst darin mitschwingt, empfindet es Pflügler.
Pflügler und sein Widerpart, auf dieser Grundidee baut Vennemanns Buch auf, finden in einem Projekt der oral history zusammen. Tone Lebonja, der Erzähler, und seine Kollegin Mara Kogoj, auch sie beide schon über sechzig, Slowenen, aber in der deutschen Sprache daheim („Windische” also im örtlichen Sprachgebrauch), betreiben eine langwierige Serie von Interviews mit Einheimischen, und der von Lebonja am ausgiebigsten mitgeschnittene und transkribierte Gewährsmann, der alle anderen beiseite drängt, ist Pflügler. Mara Kogoj, die Arme missbilligend verschränkt, steht über die größten Strecken des Buchs schweigend dabei, wie Pflügler und Lebonja kein Ende finden. Pflügler hat seine guten und schlechten Tage, ist abwechselnd sentimental, verstockt, weinerlich, düster und anmaßend und spricht auf eine widerlich anwanzende Art vom „Vertrauensverhältnis”, das ihn mit seinem Gegenüber verbinde. Die ganze trübe Geschichte des Grenzlandes Kärnten kommt zur Sprache, beginnend mit der Volksabstimmung von 1920. Zwei Episoden stehen im Mittelpunkt, die auf zunächst unklare Weise in die Biografie von Kogoj und Lebonja hineinspielen.
Im Sommer 1960 war Pflügler kurzfristig mit einem slowenischen Jungen namens Janez Sorl befreundet, und zusammen hatten sie einem gleichfalls slowenischen Brandstifter für eine Nacht Unterschlupf gewährt. Dass es dazu kommen konnte, dass er diesem scheinbar übermächtigen Duo zu Willen war, hat Pflügler nicht verwinden können, auch dann nicht, als er Sorl zur Rache dafür fast ertränkte. Erst spät im Buch stellt sich heraus, dass Sorl offenbar niemals anders war als Lebonja selbst, der nach über vierzig Jahren in seine alte Heimat zurückgekehrt ist. Was für ein merkwürdige Komödie die beiden miteinander aufführen! Es ist das klägliche Drama des Verdrängens, das sich nicht zum Befreiungsschlag des Vergessens erheben kann. Vergessen, meint Mara Kogoj, wäre das, was dem Gang der Geschichte allein und wirklich not täte.
Aber sie schafft es selbst nicht. In einer Aufwallung bespeit sie ein deutschkärntnerisches Ehrenmal. Und sie kommt nicht los von der zweiten, weit schlimmeren Episode: dem Massaker auf dem Persman-Hof, einem slowenischen Einödhof, der in Verbindung zu den Partisanen Titos stand. Dort waren noch in den letzten Tagen des Kriegs elf Menschen bestialisch abgeschlachtet worden; der Fall wurde auch später nie geklärt. Einige der Opfer trugen den Namen Kogoj – Maras Familie? Sie zuckt die Schultern und meint, es hießen Tausende Slowenen so. Geboren ist sie ganz kurz nach dem Krieg. Es hat zeitweilig den Anschein, als sei Pflüglers Vater an diesem Massaker beteiligt gewesen. Pflügler bestreitet es vehement: Sein Vater und dessen Kompanie hätten vielmehr auf einem Kontrollgang das schon begangene Massaker vorgefunden und den grässlich zugerichteten Toten die letzte Ehre erwiesen.
„Die Toten schweigend betrachtet über Minuten eine menschliche Regung des Respekts, vom Vater gefragt worden: Glaubst du nicht auch. Niemand aus der Kompanie hätte nach diesem einschneidenden Erlebnis am Persmanhof je wieder auch nur das kleinste bisschen Respekt aufbringen können oder wollen für irgendeinen Partisan oder Partisanenunterstützer, sei er nun tot oder lebendig, selbst den allerbesten guten Willen vorausgesetzt. Hören Sie noch Tone Lebonja, hören Sie noch zu, nehmen Sie noch auf, hören Sie: weder Respekt vor toten noch lebenden Partisanen, nicht den allergeringsten, unseren Vater mit Blick über die Gipfel sagen gehört, während wir den Weg zurück und hinauf zum Baumstumpf gingen, erneut auf dem Baumstumpf Platz nahmen, der Vater hatte nicht länger stehen können.”
Glaubst du nicht auch: Die echte Aufgewühltheit und wie sie ihre affektische Energie benützt, um sich selbst zur Lüge umzubiegen und den Anderen emotional zu erpressen, das Schiefe und Perfide des Vorgangs, das sich dem Begriff verschließt, dazu die schwebende Ungewissheit, ob es nicht vielleicht am Ende so, wie es erzählt wird, einigermaßen doch stimmt, und bei alledem der Entschluss des Autors, inmitten dieser mächtigen Strömungen seine Sprache um jeden Preis trocken zu halten: In dieser Passage bündelt sich, was das Buch gewollt hat. Sie lässt zugleich die Mauern spüren, die es um sich errichtet und in die es eingesperrt bleibt wie in einen Gefängnishof. Das Buch soll eine Qual sein, und ist es.
Vennemann hat sein Personal strikt auf drei beschränkt, und denen verweigert er es, Figur zu werden. Am nachdrücklichsten tut er dies, indem er ihnen eine eigene Sprache vorenthält. Es wird fast pausenlos geredet, aber der Text hält zwischen Zitat und Protokoll eine unbestimmbare Mitte. Vennemann muss gemerkt haben, dass es so nicht ewig weitergeht und sein Buch, wenn schon keine eigentliche Handlung, so doch jedenfalls einen Schluss braucht; und dass er irgendwann Mara Kogoj aus ihrem schweigenden Dabeistehen erlösen muss, um ihren Rang als titelgebende Protagonistin zu beglaubigen. Mara Kogoj also langt es endlich, sie sperrt Pflügler, Lebonja und sich selbst ins Büro ein und will mit Pflügler einmal, ein einziges Mal Tacheles reden. Es klingt so:
„Aber haben Sie schon einmal etwas von Kontexten gehört, Pflügler. Von Relationen oder, nur für Sie, ganz einfach, von der Frage: Wer hat angefangen, erstens, und zweitens: Von wem ist und wäre auch langfristig eine ungleich größere Bedrohung für eine ungleich höhere Anzahl Menschen ausgegangen, wer ist daher und deshalb bei noch jeder Verurteilung zuerst und umfassender, rigider, wenn nicht gar gleich ganz ausschließlich zu berücksichtigen, Pflügler.”
Dass es klänge, ist eigentlich zuviel gesagt. Dieser Zornigen hat ihr Autor die Atemluft abgedreht, von der beschwörenden, sich überstürzenden Rede wird nur ein Rascheln vernehmlich. Nicht dass er die Dinge im Zwielicht belässt, sondern dass er im Finale auf einen solch geradezu juristischen Schriftsatz zuläuft – dass dies seine Summe und seinen Ertrag darstellt, enttäuscht zuletzt an Vennemanns Roman.
Und noch etwas: Das Buch umschifft aufs behutsamste einen anderen Namen, den es dann doch nennen muss, jene jüngere Galionsfigur des Kärntner Ressentiments, die ihm Kenntlichkeit in ganz Europa verschafft hat. Neben Jörg Haider mit seinem strahlenden Gebiss müsste der lädierte, defensive Pflügler verblassen wie ein alter Opel neben einem Mercedes-Coupé. Haiders Stern aber hat, wenn nicht alles täuscht, den Zenit seinerseits bereits überschritten. So leidet das Buch an dem Handicap, die behauptete Aktualität des Uralten bloß an dessen vor-vorletztem Modell dargetan zu haben.
Es ist das klägliche Drama des Verdrängens, das sich nicht zum Vergessen durchringen kann
Von der beschwörenden, sich überstürzenden Rede wird nur ein Rascheln vernehmlich
Kevin Vennemann
Mara Kogoj
Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 218 Seiten, 16,80 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Besprechung von 05.05.2007
Es geschah im April 1945

Was können wir von einem Dreißigjährigen über die Erinnerung an NS-Verbrechen lernen? Eine Menge. Kevin Vennemann erzählt in "Mara Kogoj" von einer unheimlichen Wahrheitsfindung.

Von Edo Reents

Über Namen macht man normalerweise keine Witze, aber in diesem Fall lässt es sich nicht vermeiden, darüber ein Wort zu verlieren. Unlängst erschien im Satiremagazin "Titanic" ein gewaltiges Drama zu Suhrkamp, ein von Oliver Maria Schmitt und Bernd Eilert brillant ersonnenes und arrangiertes Stimmengewirr, das Verlag und Angehörige urkomisch zu Wort kommen ließ. Die Jungautoren waren vertreten unter den Namen "Kevin I-IV". Und man dachte: Das sind Bubis, die man nicht ernst nehmen muss.

Für einen wirklichen Kevin gilt das nicht: Kevin Vennemann ist zwar Jungautor bei Suhrkamp, aber keiner des Zuschnitts, wie ihn der Witz suggerierte. Sein zweiter Roman "Mara Kogoj" ist die Geschichte zweier der slowenischen Minderheit in Kärnten Angehöriger, die herauszufinden versuchen, wer ein Massaker an elf Menschen auf einem Gutshof im April 1945 verübt hat: die SS oder mit Tito verbundene slowenische Partisanen?

Es ist vermutlich der reine Zufall, aber Vennemanns Buch ist ein Geschwisterchen zu Thomas Harlans "Heldenfriedhof" (F.A.Z. vom 8. Dezember 2006) - inhaltlich sowieso, aber auch von der Konstruktion her: als Zeitgeschichte als Recherche, ein Roman als absichtlich chaotisch gehaltener Redefluss, der am Ende ins Leere, Offene läuft, indem er irgendwann abbricht. Wenn zur Kennzeichnung von Vennemanns Buch die Verniedlichungsform gewählt wird, dann ist damit noch nichts über die Qualität gesagt (die dann aber doch nicht ganz an Harlans großen Roman heran reicht; aber das wäre von einem Dreißigjährigen auch zu viel verlangt); es ist zunächst eine Frage des Umfangs: zweihundertzwanzig Seiten. Dafür wird aber fast ununterbrochen geredet, ohne auktoriales oder Erzählen in der dritten Person. Der Roman als die Geschichte der Recherche seines Stoffes - bei Vennemann funktioniert das in Form der oral history.

Ein gewisser Ludwig Pflügler, Kärtner, sechzig Jahre alt, wird von Mara Kogoj und Tone Lebonja, zwei ungefähr gleichaltrigen Slowenen, im Rahmen einer politischen Umfrageaktion unter der Kärtner Bevölkerung ins Verhör genommen - beziehungsweise: Er nimmt die Frager dabei so gefangen, dass die Sache aus dem Ruder läuft. Dieser wegen Volksverhetzung vorbestrafte Journalist redet sich derartig in Rage, dass das eigentliche Erkenntnisinteresse - wer war damals beteiligt am Gutshofmassaker, das "eines der furchtbarsten NS-Verbrechen an der Kärtner Zivilbevökerung" war? - zur Nebensache zu geraten droht. Pflüglers aggressive, ressentimentgeladene Verteidigung, mit der er nicht nur seinen Vater, einen SS-Mann, aus der Sache herauszuhalten und den Slowenen in die Schuhe zu schieben versucht, gerät zu einer üblen Hetzrede gegen die slowenische Minderheit, die sich der "Arisierung" widersetzte. So kommen die Paranoia der sich zu Unrecht beschuldigt fühlenden Tätergeneration und deren mit verrückter Schlauheit inszenierter Wille zur Tatsachenverdrehung, zur Verkehrung von Täter- und Opferperspektive an die Oberfläche.

Aus den wenigen hellsichtigen und vielen wahnhaften Auskünften Pflüglers und den Nachfragen der überforderten Interviewer ragt schließlich unscharf folgende Wahrheit heraus: Es war vermutlich die SS, und Mara Kogojs Familie fiel ihr zum Opfer; Lebonja wiederum war in der Nachkriegszeit Spielkamerad des damals schon sadistischen Pflügler. Das wird erzählt in einer Syntax, die sich der von Aufwallungen und Stockungen beherrschten Rede virtuos, aber unter Preisgabe jeder Eingängigkeit anpasst: "Aber haben Sie schon einmal etwas von Kontexten gehört, Pflügler. Von Relationen oder, nur für Sie, ganz einfach, von der Frage: Wer hat angefangen, erstens, und, zweitens: Von wem ist und wäre auch langfristig eine ungleich größere Bedrohung für eine ungleich höhere Anzahl Menschen ausgegangen, wer ist daher und deshalb bei noch jeder Verurteilung zuerst und umfassender, rigider, wenn nicht gar gleich ganz ausschließlich zu berücksichtigen, Pflügler."

So spricht Mara Kogoj, die Stimme der politischen Vernunft, der Pflügler Unglaubliches entgegensetzt. Es ist erstaunlich, dass man von einem so jungen Autor lernen kann, wie Erinnerung an Zeitgeschichte abläuft, wie, menschlich gesprochen, plausibel noch die unverschämteste Verdrehung sich auszunehmen vermag - vorausgesetzt, man hat sich einmal dazu entschieden, sie auch in ihrer verrückten Form anzuhören. So entsteht ein sich selbst immer wieder ins Wort fallender, unheimlicher Sermon, der uns zeigt, wie unscharf der Blick auf die Zeitgeschichte geworden ist, seit jeder mitredet und seine eigene, persönliche Wahrheit verkündet. Die Botschaft des Romans ist zwar politisch korrekt, aber auf dem Weg zu ihr macht es sich der Autor nicht leicht.

- Kevin Vennemann: "Mara Kogoj". Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 220 S., geb., 16,80 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Burkhard Müller hat sich bei der Lektüre des Romans von Kevin Vennemann gequält und spürt, dass das vom Autor auch so intendiert ist. Im Zentrum des im österreichischen Kärnten spielenden Buches stehen drei Personen: Ludwig Pflüger, ein rechtsradikaler Jurist, sowie der Slowene Tone Lebonja, der mit der titelgebenden Mara Kogoj zusammen Interviews mit Kärntnern über die fatalen Geschichte zwischen Slowenen und Österreichern führt. Die Geschichte aller drei ist verbunden, allerdings erhält zum Leidwesen Müllers keine der Figuren eine wirklich eigene Stimme. Wenn die den größten Teil des Buches schweigende Mara Kogoj das Schlussplädoyer hält, kommt ihm dies wie ein juristisches Statement vor, was die Sache nicht besser macht. Schließlich moniert der Rezensent, dass das Vorbild für Pflüger in der Realität, Jörg Haider, nicht nur eine ungleich schillerndere Figur ist, sondern dass der Politiker bereits in der Versenkung verschwunden ist und somit die "behauptete Aktualität des Uralten" im Roman auch nicht recht überzeugt. Für Müller hat sich die Quälerei also nicht recht gelohnt.

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