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»Es gibt Augenblicke ohne Zukunft, die sehr verheißungsvoll sind. Die die verheißungsvollsten sind. Die ihrem Wesen nach schon eher Orte sind. Aus ihnen leben wir.« Die hier versammelte Kurzprosa spannt ihren Bogen von den autobiographischen Erzählstücken, in denen Ilse Aichinger von Kindheit und Jugend in minutiösen, intensiven Bildern spricht, über ihre Aufzeichnungen aus den Jahren 1950 bis 1985, knappe Parabeln, in denen immer wieder von Trauer, Liebe und der Versöhnung im Schreiben die Rede ist, bis hin zu den poetologischen Annäherungen an Franz Kafka, Georg Trakl, Thomas Bernhard und andere.…mehr

Produktbeschreibung
»Es gibt Augenblicke ohne Zukunft, die sehr verheißungsvoll sind. Die die verheißungsvollsten sind. Die ihrem Wesen nach schon eher Orte sind. Aus ihnen leben wir.« Die hier versammelte Kurzprosa spannt ihren Bogen von den autobiographischen Erzählstücken, in denen Ilse Aichinger von Kindheit und Jugend in minutiösen, intensiven Bildern spricht, über ihre Aufzeichnungen aus den Jahren 1950 bis 1985, knappe Parabeln, in denen immer wieder von Trauer, Liebe und der Versöhnung im Schreiben die Rede ist, bis hin zu den poetologischen Annäherungen an Franz Kafka, Georg Trakl, Thomas Bernhard und andere.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.11045
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 121
  • Erscheinungstermin: 1. November 1991
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 120mm x 13mm
  • Gewicht: 182g
  • ISBN-13: 9783596110452
  • ISBN-10: 3596110459
  • Artikelnr.: 04324510
Autorenporträt
Aichinger, Ilse
Ilse Aichinger wurde am 1. November 1921 in Wien geboren. 1948 veröffentlichte sie ihren Roman über die Kriegszeit in Wien, 'Die größere Hoffnung', und ihre ersten berühmten Geschichten. Für ihren Roman, ihre Gedichte, Hörspiele und Prosastücke, die in viele Sprachen übersetzt wurden, erhielt sie zahlreiche literarische Auszeichnungen, u. a. 1952 den Preis der Gruppe 47, 1982 den Petrarca-Preis, 1983 den Franz-Kafka-Preis, 1995 den Österreichischen Staatspreis für Literatur und 2015 den Großen Kunstpreis des Landes Salzburg. Ilse Aichinger starb am 11. November 2016 im Alter von 95 Jahren.
Inhaltsangabe
Aus dem Inhalt:
- Kleist, Moos, Fasane. Vor der langen Zeit. Der 1. September 1939. Hilfsstelle. Nach der weißen Rose. In das Land Salzburg ziehen. Von gestern. Aufzeichnungen 1950 - 1985. "Nur zusehen - ohne einen Laut". Joseph Conrad. Weiterlesen. Zu Adalbert Stifter. Der geheime Leonce. Zu Georg Trakl. Die Zumutung des Atmens. Zu Franz Kafka. Nelly Sachs. Die Linien meiner Schwester. Linienführung nach Beckett. Zu der Zeichnung 'Queuing for Godot' von. Helga Michie. Ins Wort. Schnee
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.08.2004

»KLEIST, MOOS, FASANE«

Im Werk von Ilse Aichinger gibt es eine Bewegung zum Spiel und eine Bewegung zur Ich-Flucht. Beide Tendenzen hängen zusammen, vermutlich begründen sie sich gegenseitig. Für derlei spekulative Aufhellungen interessiert sich Ilse Aichinger freilich nicht. Im Gegenteil, sie hält sich an ihr Programm, das sie in dem Band "Schlechte Wörter" (1976) einmal so formuliert hat: "Niemand kann von mir verlangen, daß ich Zusammenhänge herstelle, solange sie vermeidbar sind."

Es gibt jedoch auch Werke, in denen die Autorin ihr Programm ignoriert. Es sind Texte, in denen die Bewegungen zum Spiel und zur Ich-Flucht (sozusagen) gemeinsame Sache machen - und wunderbar reflexive Prosa freisetzen. Texte dieses Zuschnitts enthält der Band "Kleist, Moos, Fasane" (1987), besonders dessen Mittelteil "Aufzeichnungen 1950 bis 1985". "Kleist, Moos, Fasane" ist eines meiner Lieblingsbücher, weil Ilse Aichinger darin jegliche Verhüllung durch Kunst vermeidet. Sie verzichtet auf das Umphantasieren ihres Lebens (die Ich-Flucht) und gibt statt dessen den Blick frei auf die grandiose Wahrhaftigkeit ihres Denkens und Empfindens. Ich weiß (nach Kafka) kein neueres Buch, in dem die Entblößung des modernen Ichs rückhaltloser eingestanden wird als hier. Das fängt schon mit unseren Äußerlichkeiten an: "Diese merkwürdigen Orte, an denen wir wohnen, diese finsteren Orte, die uns nie aufnehmen." Rasch stößt die Autorin zum Kern ihrer/unserer Erfahrung vor: "Wir können die Welt nicht ertragen ohne das Bewußtsein, sie zu verlassen. Man kann soweit gehen, zu sagen, daß dieses Bewußtsein unser Leben ausmacht." Zwischen Geburt und Tod bleibt nur eines: "Es ist alles zum letzten Mal. Wenn wir das einsehen würden, ginge uns die Liebe auf."

Muß ich hinzufügen, daß auch die Liebe keinen Schmerz lindert? Bitte sehr: "Liebe zielt auf die äußerste Einsamkeit hin. Und die äußerste Liebe auf die äußerste Einsamkeit."

WILHELM GENAZINO

Der diesjährige Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino, geboren 1943, lebt in Frankfurt. Er veröffentlichte zuletzt "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman". In Kürze erscheint die Essaysammlung "Der gedehnte Blick". Informationen zu "Unsere Besten - Das große Lesen", einer gemeinsamen Aktion von ZDF und F.A.Z., finden sich im Internet unter www.faz.net/lesen.

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