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"'Keine Bewegung!' ist knallige Pop-Art, ein ungemein eingängiges Vergnügen." The New Yorker Denis Johnson, der literarische Meister, brilliert hier zur Abwechslung mit einem rabenschwarzen, höllisch komischen Thriller um den sympathischen Friseur und Hawaiihemdträger Jimmy Luntz aus Alhambra, Kalifornien, der sich mit einer schönen Barbekanntschaft aufmacht, 2,3 Millionen Dollar zu ergaunern. Wie es das beliebte Genre will, sehen einige Leute das gar nicht gern. Skrupellose Leute mit großkalibrigen Waffen. Und mit sehr viel weniger Humor als Denis Johnson ...…mehr

Produktbeschreibung
"'Keine Bewegung!' ist knallige Pop-Art, ein ungemein eingängiges Vergnügen." The New Yorker Denis Johnson, der literarische Meister, brilliert hier zur Abwechslung mit einem rabenschwarzen, höllisch komischen Thriller um den sympathischen Friseur und Hawaiihemdträger Jimmy Luntz aus Alhambra, Kalifornien, der sich mit einer schönen Barbekanntschaft aufmacht, 2,3 Millionen Dollar zu ergaunern. Wie es das beliebte Genre will, sehen einige Leute das gar nicht gern. Skrupellose Leute mit großkalibrigen Waffen. Und mit sehr viel weniger Humor als Denis Johnson ...
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 10. März 2010
  • Abmessung: 205mm x 125mm
  • Gewicht: 295g
  • ISBN-13: 9783498032340
  • ISBN-10: 3498032348
  • Artikelnr.: 27949325
Autorenporträt
geboren 1949 in München als Sohn eines amerikanischen Offiziers, verbrachte seine Kindheit in Tokio und auf den Philippinen. 1969 erschien sein erster Gedichtband. Heute lebt Johnson in Idaho und gilt als einer der wichtigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur.
2007 erhielt Denis Johnson den National Book Award.
Rezensionen
Besprechung von 21.03.2010
Literatur I So weit, wie jetzt viele behaupten, war der Weg gar nicht für Denis Johnson von seinen dickleibigen, düsteren Epen zum kleinen Pulp-Roman "Keine Bewegung!" (Rowohlt, 17,95 Euro). Wer sich an die bizarren Geschichten in "Jesus' Sohn" erinnert, dem kommt der Friseur Jimmy Luntz ziemlich vertraut vor, der Spielschulden hat, ein geborener Loser ist und in einer Bar in Bakersfield eine schöne Indianerin namens Anita trifft. Es wird nicht nur mit Revolvern geschossen, auch die Dialoge sind bisweilen waffenscheinpflichtig, und bei der Schnitzeljagd zwischen Mafiosi, Kleinstadthonoratioren und dem armen Jimmy muss die Polizei leider draußen bleiben. Auch der rot-schwarze Buchumschlag passt: Blut und Noir, angerührt mit einem ausgeprägten Sinn fürs Absurde.

pek

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Besprechung von 30.04.2010
Auf Bewährung
Es geht darum, dass er sieht, wie Sie zuschauen: Denis Johnson hat einen Krimi geschrieben
Wenn sich ein preisgekrönter Schriftsteller, zumal einer, der weithin als einer der bedeutendsten und besten amerikanischen Gegenwartsautoren anerkannt ist und mit dem National Book Award für „Tree of Smoke“ („Ein gerader Rauch“) vor kurzem einen der renommiertesten Buchpreise der Welt gewonnen hat, wenn sich so einer der Genreliteratur annimmt, dann darf man eine Menge erwarten. Nur nicht, dass er sich an die Regeln hält. Denis Johnson hat genau das getan. Sein neues Buch „Keine Bewegung!“ ist ein amerikanischer Kriminalroman, abgebrühte Pulp Fiction nach allen Regeln der Kunst. Der Auftragskunst, wenn man es ganz genau nimmt, denn „Keine Bewegung!“ entstand als vierteilige Serie für den amerikanischen Playboy.
Der kalifornische Frisör, Freizeitchorsänger und ewige Verlierer Jimmy Luntz – „der typische Busbahnhofhänger, eigentlich ein ganz netter Kerl“ – ist darin auf der Flucht vor dem Schergen Gambol, der im Auftrag seines skrupellosen Bosses Juarez, Luntz’ Spielschulden eintreiben soll – und im Zweifel auch vor einer ambulanten Hodenamputation nicht zurückschreckt. Der Boden für einige effektvolle Cliffhanger ist damit bereitet. Und damit die Sache nicht allzu eindimensional verlaufen muss, gibt es auch noch eine weibliche Gefährtin: Anita Desilvera, die verstoßene Gattin eines Bezirksstaatsanwaltes mit der vagen Aussicht darauf, mit einem Betrug knapp zweieinhalb Millionen Dollar abzustauben.
Abgründe gibt es hier schon deshalb nicht, weil das bedeuten würde, dass jemand irgendwo herunterfallen könnte. Dieses Personal kennt aber nur die Flucht nach vorn. Ohne die trostlose dialogische Lakonik, die sich so gut verfilmen lässt, ist solch eine düstere Geschichte deshalb nicht denkbar. Zur Genre-Konvention, an die sich Johnson peinlich genau hält, gehört jedoch auch, dass das Pointen-Potential, das diese Haltung birgt, niemals ganz ausgereizt werden darf. Denn dadurch geriete alles sofort zur faden Parodie (weshalb im Übrigen gelungene Verfilmungen von Hardboiled-Krimis so rar sind). Ein Zweizeiler wie: „Du bist obdachlos, oder?“ – „Nein. Ich habe ein Zuhause. Da gehe ich bloß nicht wieder hin.“ – ist beinahe schon der Gipfel an Komik, die dem Leser gestattet wird. Die Erlösung, die ein guter Gag schafft, ist schließlich gerade das Gegenteil dessen, worum es geht. Die Protagonisten in dieser Art von Literatur leben auf Bewährung. Im besten Fall kommen sie noch einmal gerade so davon. Und alles, was sie hoffen dürfen, ist, dann nicht völlig pleite zu sein.
Es dürfte dieser grundständige Essentialismus sein, der Verzicht auf jegliche Psychologisierungen, die Reduzierung der leitenden Triebe auf Überleben und Wohlstand, der Autoren wie Johnson an diesem Erzählen reizt, das zudem nicht aufwendig erarbeitet werden muss, es ist in der minimalistischen Form bereits angelegt. Man darf deshalb aber auch vermuten, dass „Keine Bewegung!“ für Denis Johnson etwas mehr ist, als eine lukrative, spaßige Fingerübung. Dazu dürfte ihm schon das Milieu zu vertraut sein. Lange Jahre lebte er schließlich selbst unten, als Drogen- und Alkoholsüchtiger am Rande der Gesellschaft und verdiente seinen Lebensunterhalt unter anderem als Croupier. Sein 1983 erschienenes literarisches Debüt „Angels“ spielte im White-Trash-Milieu, und der Kurzgeschichtenband „Jesus’ Son“, der ihn Anfang der neunziger Jahre berühmt machte, erzählt Momente im Leben eines jungen Junkies.
Der Vorwurf, das Buch sei gut gemacht, aber am Ende zu flach für einen Autor dieses Formats, führt deshalb in die falsche Richtung. Man sollte davon ausgehen, dass Johnson genau dieses Buch schreiben wollte – und einen Blick darauf riskieren, wo die Konventionen plötzlich doch, wie nebenbei, auf erstaunliche Art unterlaufen werden.
Es beginnt schon damit, dass Jimmy Luntz ganz am Anfang zwar die Gelegenheit hat, seinen Häscher Gambol zu erschießen, es dann aber doch bei einem Beinschuss belässt und den Notarzt alarmiert. Später kommt es zu einem Dialog zwischen Jimmy und Anita um die Frage, wer schießen kann und wer tatsächlich schon auf jemanden geschossen hat. Und als Jimmy schließlich doch in die Hände der Gangster fällt und gefesselt auf einem Esszimmerstuhl in Gegenwart von Anita seine Entmannung erwartet, geht es eigentlich nicht in erster Linie um das blutige Splatter-Spektakel, sondern um dessen soziale Choreographie: „Juarez fasste Anita sanft am Arm, aber sie konnte ihn trotzdem nicht abschütteln. „Sie mögen es wohl nicht, wenn ich sie berühre“, sagte er. Er schob den gepolsterten Hocker für sie beiseite, und sie setzte sich auf das Sofa. Er kam ganz nah an sie heran. „Es geht nicht darum, dass Sie zuschauen. Verstehen Sie?“ – „Nein.“ – „Es geht um ihn“, sagte Juarez. „Darum, dass er sieht, wie Sie zuschauen.“
Viel mehr als Figuren auf dem Erzähl-Tableau eines souveränen Krimi-Arrangeurs, sind die Protagonisten – und besonders natürlich Jimmy Luntz – in „Keine Bewegung!“, letztlich so etwas wie die Agenten des Autors. Mit ihren Augen erforscht Johnson das Genre. Dass Töten und Getötetwerden hat deshalb nicht die abgebrühte Selbstverständlichkeit, wie man es erwarten würde. Wenn es denn so weit kommt, wird sich eher darüber gewundert. Der Reiz dieses Buches liegt also darin, gleichzeitig einen unterhaltsamen und virtuosen Krimi und eine bemannte Studie über die Konventionen des Genres zu lesen.  
JENS-CHRISTIAN RABE
DENIS JOHNSON:
Keine Bewegung! Roman. Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell. Rowohlt Verlag, Reinbek 2010. 205 Seiten, 17,95 Euro.
Ein Genre-Krimi, gewiss
– aber zugleich viel mehr
als eine spaßige Fingerübung
Letztlich sind die Figuren
so etwas wie die Agenten
des Autors Johnson
Jimmy Luntz gleitet in seinem kupferfarbenen Cadillac durch die Nacht. Doch die Geldeintreiber sind ihm auf der Spur. Foto: Tito Atchaci/Getty Images
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Hingerissen zeigt sich Katharina Granzin von diesem Prosa-Comic, die sie als "präzise und locker gearbeitete literarische Etüde" feiert, als eine nachgerade optimale Verbindung aus ausgefuchster Meta-Ironie und Lakonie. Die Geschichte sei, schreibt sie, als Serie für die Zeitschrift "Playboy" entstanden, es gehe um einen Loser und zwei Frauen. Natürlich müssen, wie es die Gesetze der Pulp Fiction (und darum handele es sich hier) verlangen, irgendwann auch Blut und Hirnmasse spritzen. Das alles ist aber eben so cool und abgeklärt präsentiert, dass die Kritikerin vor Freude Purzelbäume schlägt und am Ende auch die Übersetzerin noch heftig herzt.

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