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Jenisches Wörterbuch - Roth, Hansjörg
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  • Verlag: Huber, Zürich
  • Seitenzahl: 424
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 424 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 164mm x 33mm
  • Gewicht: 870g
  • ISBN-13: 9783719312558
  • ISBN-10: 3719312550
  • Artikelnr.: 09884624
Rezensionen
Besprechung von 09.09.2002
Im Schmuuskittli
Sprache und Geschichte
der Jenischen in der Schweiz
Die Produktion an Wörterbüchern im Allgemeinen und an fachsprachlichen im Besonderen sprudelt. Das ist gut so, hat aber auch zur Folge, dass der Laie allmählich den Überblick verliert respektive dass seine Wahrnehmung auf Kuriosa oder sonst wie grell ausposaunte Neuigkeiten beschränkt wird. Großer Beliebtheit erfreuen sich Wörterbücher zu echten oder erfundenen Sondersprachen, weil es einfach als easy empfunden wird, etwa den Satz „Ich bin besser als du” auf Kanakisch zu sagen: „Isch bin krassern drauf wie du, isch schwör!”
Genau in diese Lustigkeitsfalle könnte tappen, wer Hansjörg Roths „Jenisches Wörterbuch” zur Hand nähme und sich darauf beschränkte, ein wenig in den jenischen Texten zu schmökern. „S Gampisli isch i d Chlangeri poschtet und het em Galach im Schmuuskittli öppis gschmuuset”: Klingt doch zu komisch, diese seltsamen Wörter, und dann noch in alemannischer Grundfärbung! Was die Wörter angeht, so bedeutet Gampis Kind, Chlangeri Kirche, poschte gehen, Galach Pfarrer, Schmuus kittli Beichtstuhl (wörtlich Redehäuschen) und schmuuse reden, woraus sich ergibt, dass das Kind in die Kirche ging und dem Pfarrer im Beichtstuhl etwas erzählte.
Einfach so
Und was ist gegen die Lustigkeit einzuwenden? Nichts außer der jüngsten Geschichte der Jenischen. Die freilich ist schlimm genug verlaufen, jedenfalls in der Schweiz, auf deren spezielles Jenisch sich Roths Buch konzentriert. Die Jenischen sind Fahrende von nicht sicher zu eruierender Abkunft, und ihr Lebensstil war der auf Ordnung bedachten Schweiz ein derart schmerzender Dorn im Auge, dass man ihre unter dem Deckmantel der Humanität entfachte Verfolgung jahrzehntelang duldete. Träger dieser Nachstellungen war die Stiftung Pro Juventute respektive deren Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse, das den Jenischen in den Jahren zwischen 1926 und 1973 die Kinder wegnahm. Einfach so.
Es war dies ein Hieb gegen die Lebenswurzeln der Jenischen, die darunter bis heute leiden, wenn sie derzeit auch nach Wegen suchen, sich der eigenen kulturellen Werte neu zu versichern und eine fühlende Mitwelt daran teilhaben zu lassen. Roths Buch, das zu einem Drittel dieser traurigen Geschichte Rechnung trägt und zu zwei Dritteln eine spannende Sprache so durchschaubar wie möglich macht, bietet dazu die denkbar beste Hilfe. HERMANN UNTERSTÖGER
HANSJÖRG ROTH: Jenisches Wörterbuch. Aus dem Sprachschatz Jenischer in der Schweiz. Verlag Huber, Frauenfeld 2001. 424 Seiten, 38,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Wörterbücher zu echten oder erfundenen Sondersprachen sind derzeit en vogue, beobachtet Hermann Unterstöger. Um eine echte Sprache handelt es sich, informiert der Rezensent, beim Jenischen. Die Jenischen, so Unterstöger, sind ein fahrendes Volk, die in der auf Recht und Ordnung bedachten Schweiz einen schweren Stand hatten, so schwer, dass man sie dort sogar verfolgte und ihnen "unter dem Deckmantel der Humanität" bis 1973 ihre Kinder wegnahm. Die "traurige Geschichte" der Jenischen könne man in Hansjörg Roths Buch im ersten Drittel nachlesen, in den beiden anderen Teilen stelle der Autor eine "spannende Sprache so durchschaubar wie möglich" vor, lobt Unterstöger. Das Jenische zu entdecken oder sich dessen zu erinnern, dazu bietet dieser Band "die denkbar beste Hilfe", findet der Rezensent.

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