Irre - Wir behandeln die Falschen - Lütz, Manfred
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Der ganz normale Wahnsinn in Kurzform »Wenn Sie mein Buch gelesen haben, dürfen Sie definitiv mit jedem Verrückten reden, schlimmstenfalls auch mit sich selbst.« Manfred Lütz Bestsellerautor Manfred Lütz führt uns in die außergewöhnliche Welt der rührenden Demenzkranken, hochsensiblen Schizophrenen, erschütternd Depressiven, mitreißend Manischen und dünnhäutigen Süchtigen. Er holt die psychisch Kranken gleichsam aus dem professionellen Ghetto. Seine These: »Um die Normalen zu verstehen, muss man erst die Verrückten studiert haben.« Sein Ziel: Auf 192 Seiten die ganze Psychiatrie und…mehr

Produktbeschreibung
Der ganz normale Wahnsinn in Kurzform »Wenn Sie mein Buch gelesen haben, dürfen Sie definitiv mit jedem Verrückten reden, schlimmstenfalls auch mit sich selbst.« Manfred Lütz Bestsellerautor Manfred Lütz führt uns in die außergewöhnliche Welt der rührenden Demenzkranken, hochsensiblen Schizophrenen, erschütternd Depressiven, mitreißend Manischen und dünnhäutigen Süchtigen. Er holt die psychisch Kranken gleichsam aus dem professionellen Ghetto. Seine These: »Um die Normalen zu verstehen, muss man erst die Verrückten studiert haben.« Sein Ziel: Auf 192 Seiten die ganze Psychiatrie und Pychotherapie allgemeinverständlich, humorvoll und auf dem heutigen Stand der Wissenschaft darzustellen. Unmöglich? Nicht, wenn der Autor Manfred Lütz heißt. Seine »Gebrauchsanweisung für außergewöhnliche Menschen und die, die es werden wollen« ist ein Muss für alle, die sich für die Merkwürdigkeiten der menschlichen Seele interessieren.
  • Produktdetails
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
  • Seitenzahl: 189
  • Erscheinungstermin: 16. September 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 135mm
  • Gewicht: 372g
  • ISBN-13: 9783579068794
  • ISBN-10: 3579068792
  • Artikelnr.: 26354803
Autorenporträt
Lütz, ManfredDr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Theologe und Kabarettist. Seit 1997 ist er Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln. Er publizierte zahlreiche Bestseller, darunter 2002 Lebenslust - Wider die Diätsadisten, den Gesundheitswahn und den Fitnesskult und 2007 Gott - Eine kleine Geschichte des Größten, für das er den internationalen Literaturpreis Corine erhielt. Mit Irre! Wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen führte er 2009 wochenlang die Bestsellerlisten an. 2012 erschien Bluff - Die Fälschung der Welt, das ebenfalls zum Erfolgsbuch wurde. Er berät große Wirtschaftsunternehmen. 1981 gründete er eine integrative Behindertengruppe, für die er seitdem ehrenamtlich tätig ist.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.02.2010

Der irre Onkel aus Ost-West-Falen
Manfred Lütz quält sich und uns durch die Psychiatrie
Dieser Mann ist irre. Ruft einfach so in der Redaktion an und fragt, ob wir nicht sein Buch besprechen wollen. Die anderen Zeitungen hätten das ebenfalls vor und Frau Merkel sei ganz angetan. Nicht einmal, mehrmals meldet er sich. Er sei auch bald in München, da könne man sich treffen. Normale Autoren tun so etwas nicht, höchstens solche, die ein Werk im Selbstverlag über die Entdeckung von Atlantis, über Zeichen in Kornfeldern oder über die Urologenpraxis ihres Sohnes geschrieben haben.
Es ist unklar, ob Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz noch als normaler Autor durchgehen kann, nicht nur weil er im Hauptberuf Psychiater ist, sondern weil er selbst die fragwürdige Grenze zwischen normal und irre zum Thema hat. Sein Buch hat den Titel: „Irre – Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen”. Auf dem Titel steht noch „Eine heitere Seelenkunde”. Lustig ist dieses Buch allerdings nicht und heiter höchstens für Menschen, die auch eine Karnevalssitzung für heiter halten. Wer einen onkelhaften Erzählton und rheinische Kalenderweisheiten wie „Jeder Jeck ist anders” schätzt, kommt auf seine Kosten.
Das Buch von Lütz würde wohl in verschiedenen Listen ganz vorne stehen. In der Kategorie „Wie ein sehr mittelmäßiges Buch mit einem originellen Titel Erfolg hat”, wäre es weit oben. Bisher galt hier das Werk „Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden” als Referenzgröße, aber Lütz setzt neue Maßstäbe. Auch Stephen Hawking muss sich Sorgen um seine Führungsposition machen. „Eine kurze Geschichte der Zeit” des britischen Physikers gehört zu den meistverkauften ungelesenen Büchern. Lütz ist ein ernsthafter Konkurrent, er steht in dieser Woche auf Platz eins etlicher Bestsellerlisten.
Es ist zu bezweifeln, dass es vielen Menschen gelungen ist, das Buch durchzulesen. Die 190 Seiten sind nur schwer zu ertragen. Auf 160 Seiten referiert Lütz Lehrbuchwissen der Psychiatrie und doziert altväterlich über Therapierichtungen, Depression, Schizophrenie, Sucht oder Wahn und streut immer wieder diese ermüdenden Schmunzelinchen-Sätze ein, die mit drei Punkten enden. Achtung, hier hat sich der Autor etwas Originelles gedacht, soll das wohl signalisieren.
Schläge in offene Wunden
Viele Beschreibungen sind ungenau-betulich oder abgegriffen: „Wir behandelten eine Patientin, die ein wirkliches Original war und im Normalzustand ganze Säle zum Toben brachte.” Andernorts heißt es: „Ich war stolz wie Oskar.” Oder: „Da der Verlag sich weigerte, Scherze gesondert zu kennzeichnen, sind möglicherweise Menschen aus Ostwestfalen zum Verständnis des Buches auf Hinweise ihrer rheinischen Verwandtschaft angewiesen. Überhaupt Ost-West-Falen – da weiß man ja überhaupt nicht wo man hinfahren soll.” Nach diesem Brüller hat Lütz sogar auf die drei Punkte verzichtet . . .
Der Erkenntnisgewinn seiner Kurzeinführung Psychiatrie ist bescheiden und der Ton bleibt – bis auf die nervigen rheinischen Einschübe – ähnlich trocken wie in der Wissen-Reihe des Beck-Verlags. Manchmal wird es unfreiwillig absurd, etwa wenn Lütz schreibt: „Auch gegen solche Schläge in ohnehin offene Wunden muss man die Eltern der Patienten in Schutz nehmen.” Das Titelthema kommt nur am Anfang vor. Lütz ist aufgefallen, dass „abends in den Nachrichten” von Wirtschaftskriminellen, Mördern, Kriegshetzern und „eiskalten Buchhaltertypen” die Rede ist, die noch frei herumlaufen. In seinem Alltag als Psychiater hat es Lütz hingegen oft mit rührenden Demenzkranken, mitreißenden Manikern und sensiblen Schizophrenen zu tun, die in Kliniken betreut werden. Bei Lütz keimt daraufhin der Verdacht, dass die Irren manchmal gar nicht so irre sind und die Normalen nicht so normal.
Er erklärt dann, warum Hitler und Stalin aus psychiatrischer Sicht nicht krank waren. Lütz stellt auch die Ferndiagnosen bei Dieter Bohlen und Paris Hilton und erklärt sie zu Gesunden, die allerdings eine ganze Menge ganz normalen Blödsinn verzapfen. Das ist weder schlau noch genau geschrieben, verkauft sich aber wie blöde.
Wenn man Lütz tatsächlich zu Ende gelesen hat, muss man wehmütig an die Bücher von Klaus Dörner („Bürger und Irre”, „Irren ist menschlich”) und Michel Foucault („Wahnsinn und Gesellschaft”, „Psychologie und Geisteskrankheit”) denken. Beide haben eleganter und anschaulicher aufgezeigt, wie fragwürdig die Unterscheidungen und wie fließend die Übergänge zwischen Normalität und Wahnsinn sind. Über das Buch von Lütz lässt sich sogar sagen, was für nur wenige Werke gilt: Foucault schreibt unterhaltsamer. WERNER BARTENS
MANFRED LÜTZ: Irre – Wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen. Eine heitere Seelenkunde. Mit einem Vorwort von Eckart von Hirschhausen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, 190 Seiten, 17,95 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Werner Bartens macht mit Manfred Lütz' Buch kurzen Prozess und verreißt es als staubtrockenes, wissenschaftlich ungenaues und zudem mit enervierenden Scherzen und unfreiwilliger Komik angereichertes Buch. Lütz' Einführung in die Geschichte der Psychiatrie findet der Rezensent wenig erkenntnisfördernd und eher langweilig. Das im Titel angekündigte Thema wird bestenfalls am Anfang angerissen und was der Autor darüber zu sagen hat, erschöpft sich in Binsenweisheiten, wettert Bartens weiter. Was ihn dabei besonders erbost, ist, dass sich so etwas auch noch "wie blöde verkauft". Am Ende holt der Rezensent zum letzten Schlag aus, wenn er befindet, dass sich selbst Michel Foucaults Werke vergnüglicher läsen.

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