INTEAM - Brand, Heiner
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Trainer des Jahres. Europameister. Handball-Idol. Heiner Brand hat im Jahr 2004 Sportgeschichte geschrieben: 26 Jahre nach dem sensationellen Gewinn der Weltmeisterschaft in Dänemark, zu dem er als Abwehrstratege in der Mannschaft Vlado Stenzels entscheidend beigetragen hatte, gelang dem Gummersbacher als Nationalcoach bei der EM in Slowenien eben jener Triumph, auf den die Handballfans seitdem sehnsüchtig gewartet hatten: Deutschland hat wieder ein Siegerteam. Der Bundestrainer spannt in seinem Buch "Der Stratege" den Bogen zwischen der Sensation von 1978 und dem Triumph im Olympiajahr 2004.…mehr

Produktbeschreibung
Trainer des Jahres. Europameister. Handball-Idol. Heiner Brand hat im Jahr 2004 Sportgeschichte geschrieben: 26 Jahre nach dem sensationellen Gewinn der Weltmeisterschaft in Dänemark, zu dem er als Abwehrstratege in der Mannschaft Vlado Stenzels entscheidend beigetragen hatte, gelang dem Gummersbacher als Nationalcoach bei der EM in Slowenien eben jener Triumph, auf den die Handballfans seitdem sehnsüchtig gewartet hatten: Deutschland hat wieder ein Siegerteam.
Der Bundestrainer spannt in seinem Buch "Der Stratege" den Bogen zwischen der Sensation von 1978 und dem Triumph im Olympiajahr 2004. Er berichtet von seinen zahllosen Krimis mit der deutschen Nationalmannschaft als Spieler und Trainer, von den Handballfesten und Europacupschlachten in der Dortmunder Westfalenhalle und den Höhen und Tiefen beim VfL Gummersbach.
"Der Stratege" gewährt dem Leser einen Einblick in die Privatsphäre des "Beckenbauers des Handballs". Zahlreiche Gastautoren, Freunde, Trainer und Gegner des Mannes mit dem riesigen Schnurrbart, skizzieren darüber hinaus den Typ Heiner Brand, sein Leben, seine Erfolge, aber auch seine bittersten Momente wie zum Beispiel den schweren Unfall seines Freundes und Mitspielers Joachim Deckarm, dem Brand nicht nur ein eigenes Kapitel gewidmet hat, sondern der auch selbst eines geschrieben hat.
Facettenreich wird hier nicht nur die Karriere eines der größten deutschen Sportstars beschrieben, sondern auch, wie sich das Phänomen und der Erfolg Heiner Brands erklären lassen. Co-Autor Frank Schneller, selbst Handballtrainer, hat hierfür unter anderem viele Stunden im Kreise der großen Brand-Familie zugebracht beobachtet, hinterfragt und zugehört. Das Ergebnis: Eine Biografie einmal ganz anders.
  • Produktdetails
  • Verlag: Wero Press
  • Seitenzahl: 344
  • Deutsch
  • Abmessung: 250mm
  • Gewicht: 965g
  • ISBN-13: 9783937588032
  • ISBN-10: 3937588035
  • Artikelnr.: 12680266
Rezensionen
Besprechung von 10.12.2004
Der urdeutsche Sport in allen denkbaren Schattierungen

In "Handball - eine deutsche Domäne" legt der 36 Jahre alte Erik Eggers ein Buch vor, das man ohne Übertreibung als erstes Standardwerk dieser Sportart bezeichnen kann. Es gehört in den Bücherschrank des Handballfans. Als Nachschlagewerk und Lesevergnügen. Das hat viele Gründe. Eggers hat sich als Sporthistoriker einen Namen gemacht, vor allem im gut ausgeleuchteten "großen Bruder" Fußball. Im Handball war die Quellenlage dünn. Herausgekommen ist ein Buch, das diesen urdeutschen Sport in allen denkbaren Schattierungen zeigt: die bislang kaum bekannten Anfänge als Raff- und Torball. Die Blütezeit in der Weimarer Republik. Die willfährige Vereinnahmung durch die Nazis. Die Schwierigkeiten in der Umbruchphase vom Feld- zum Hallenhandball. Die spektakulären deutsch-deutschen Duelle. Die Triumphe von 1978 und 2004.

Eggers bettet den Handball in ein Jahrhundert deutscher Gesellschaftsgeschichte ein. Er betrachtet den Sport vor dem historischen Hintergrund und ergeht sich doch nie in der bloßen Abhandlung recherchierter Fakten. Hinzu kommen kürzere Elemente: Vereinsporträts großer (und neuer) Klubs von FA Göppingen bis HSV Hamburg, zum Teil glänzend geschriebene Stücke über die großen Spieler wie Kempa und Dahlinger, Lübking und Hansi Schmidt, Wunderlich und Deckarm, Schwarzer und Kretzschmar. Hierfür hat Eggers erfahrene Handballjournalisten gewonnen, die dem Buch auch im Stil Abwechslung geben. Eggers ist meinungsfreudig. Er scheut kein Urteil. So bleibt sein Werk nie im Ungefähren stecken. Er berichtet von der Vermännlichung des Handballs in den zwanziger Jahren, der doch eigentlich ein sanfter Frauensport sein sollte. Er erzählt, warum Handball in der Weimarer Republik so interessant wurde: "Er erfüllte alle Anforderungen, die ein deutscher Sportler zu Beginn der zwanziger Jahre an eine Sportart stellte: (. . .) Härte, Aggressivität, Dynamik und Schnelligkeit." Es sollte ein Gegenentwurf zum verhaßten englischen Profisport werden - das Nationalspiel des deutschen Volkes. Dabei war "Handball als urdeutscher Sport nur reine Propaganda", so Eggers. Die Wurzeln liegen in Skandinavien und der ehemaligen Tschechoslowakei. Wer genau den Handball Ende des 19. Jahrhunderts erfand, weiß aber auch Eggers nicht.

Der Mißbrauch des Sports im Nazi-Deutschland läßt sich am Handball beispielhaft ablesen: Richard Herrmann, der Fachamtsleiter Handball ("Handballführer"), sei ein "strammer Nazi wie kaum ein anderer hoher Sportfunktionär des Dritten Reichs" gewesen, schreibt Eggers. Später, 1949 bei der Gründung des Deutschen Handball-Bundes (DHB), habe eine Auseinandersetzung mit der braunen Vergangenheit schlichtweg nicht stattgefunden. Es wird deutlich, daß Handball nach der zunehmenden Brutalisierung des Spiels und der Deckarm-Verletzung nicht mehr in eine "zunehmend pazifistische Welt", die Zeit der Friedensbewegung und der antiautoritären Erziehung der siebziger Jahre paßte. Regeländerungen kamen, um das Spiel schneller, fairer, weniger statisch zu machen, bis zur schnellen Mitte von heute.

Wie das wichtige Werk von Eggers ist auch die von Frank Schneller aufgezeichnete Autobiographie Heiner Brands ("Inteam") eine Fleißarbeit des Autors. Die Stärke des Buches ist seine Vielseitigkeit: Allein die langen Interviews Schnellers mit Brands Frau und den beiden Kindern lohnen die Lektüre. Denn sie verdeutlichen die Schattenseiten eines Familienlebens ganz im Zeichen des Handballs. Brands Sohn Markus erzählt vom schwierigen Verhältnis zu seinem Vater, gemeinsam scherzt die Familie, wie wenig Brand sich in der Musik- oder Kinoszene auskennt, aber gern so tut, als täte er es doch.

Wer reingewaschene Sportlerbiographien liest, die nur der Idolisierung dienen, wird sich bei "Inteam" wundern: Heiner Brand hat genug unsympathische Seiten, und die werden in diesem Buch deutlich. Ebenso seine Werte: Disziplin, Ordnung, Ehrlichkeit. Die gelten für die Familie (wiewohl die Macht das Paschas schmilzt und es sich wunderbar liest, daß im Hause Brand geraucht wird, wenn er nicht da ist, oder die Schuhe anbehalten werden, auch wenn der Vater es nicht mag) und erst recht für seine Mannschaften. Brand will eine klare Hierarchie in seinem Team. Erst als die durch seine "Lieblinge" Schwarzer, Kretzschmar, Petersen als Führungsfiguren im Nationalteam herausgebildet war, kamen die großen Erfolge. Eine schlichte, aber erfolgreiche Philosophie.

Seine schon legendäre oberbergische Sturheit beschreibt sein ehemaliger Assistenztrainer Bob Hanning so: "Die kürzeste Brandsche Einheit des Verzeihens sind drei Jahre und 224 Tage." So lange dauerte es, bis Brand Rückraumspieler Thomas Knorr wieder nominierte - Knorr hatte Brand einmal enttäuscht, als er eine Zeitlang nicht mehr in der DHB-Auswahl spielen wollte.

Heiner Brand sieht sich gern als Mitverantwortlicher für das Große, Ganze im deutschen Sport. Wie bei den Olympischen Spielen in Sydney, als ein Reporter ihn fragte, was er denn vom Auftritt des deutschen Softball-Teams halte. Brand überlegte kurz und sagte: "Ich glaube, damit können wir recht zufrieden sein." Brand ist Vorsitzender des Beirats aller Bundestrainer. Eine Softball-Auswahl war in Sydney aber nicht am Start.

FRANK HEIKE

Besprochene Bücher: Erik Eggers (Hg.): "Handball. Eine deutsche Domäne", Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, 384 Seiten, 21,90 Euro.

Heiner Brand mit Frank Schneller: "Inteam", Verlag Wero Press, Pfaffenweiler 2004, 344 Seiten, 19,95 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Es handelt sich hier, stellt der Rezensent Frank Heike mit leiser Verwunderung fest, um eine eher umtypische Sportler-Autobiografie. Verfasst hat sie freilich nicht Heiner Brand selbst - aus Interviews mit ihm, Kollegen, Spielern und seiner Familie hat vielmehr Frank Schneller diesen Text destilliert. Das Ungewöhnliche daran: die "Schattenseiten" des Dargestellten werden keinesfalls verschwiegen. Dazu gehören seine Sturheit ebenso wie sein Hang zur Rechthaberei. Klar ist das Werteverständnis des Spielers wie dann auch des Trainers: "Disziplin, Ordnung, Ehrlichkeit" stehen an erster Stelle. Hierarchien sind unabdingbar - und offenkundig die wichtigste Voraussetzung für Brands Erfolg. Der Grund für den Erfolg dieses Buchs jedoch ist ein anderer, nämlich, so Heike, seine "Vielseitigkeit".

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