I Bedrövelsens Mörker/ Aus dem Dunkel der Trübsal - Stagnelius, Erik J.
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  • Verlag: Kleinheinrich Buch- Und Kunstverlag
  • Seitenzahl: 121
  • 2013
  • Ausstattung/Bilder: 2013. 121 S. 255 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 255mm x 168mm x 20mm
  • Gewicht: 570g
  • ISBN-13: 9783930754748
  • ISBN-10: 3930754746
  • Best.Nr.: 36634569
Autorenporträt
Klaus-Jürgen Liedtke, geboren 1950 in Südtondern. Die erste eigenständige Lyrikveröffentlichung erfolgte 1991. Einen Namen hat sich Liedkte als literarischer Übersetzer aus dem Schwedischen und Finnlandschwedischen gemacht; er erhielt 1993 den "Natur- och -Kultur-Übersetzerpreis" der Schwedischen Akademie und 2016 den "Mikael Lybeck-Preis".
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Die von Klaus-Jürgen Liedtke laut Thomas Steinfeld auf gelungene Weise für diesen Band übertragenen Gedichte des schwedischen Dichters Erik Johan Stagnelius üben auf den Rezensenten einen ganz eigenen Reiz aus. Dass der einst schon so gut wie vergessene Autor von Fredrik Böök wiederentdeckt wurde, erscheint Steinfeld als gerechtfertigt. Für ihn nämlich besitzt Stagnelius als Lyriker beachtliche Größe. Nachzulesen laut Rezensent in dieser chronologisch angelegten Werkauswahl mit knapp 30 Gedichten. Welche Bandbreite an Formen und Themen dem Autor zur Verfügung standen und wie stark sein Sinn für Flüchtigkeit gewesen sein muss, vermag Steinfeld beim Lesen zu erahnen, auch wenn er vermutet, dass sich das im schwedischen Original präziser nachempfinden lässt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 30.06.2014
Seufzen, denken,
sprechen
Der schwedische Dichter
Stagnelius in einem Auswahlband
Die schwedische Sprache besitzt einen eigenen Ton für hochromantische Gedichte, für Hymnen, Elegien und lyrische Anrufungen aller Art: „Julia! veken i vår lampa / Brinner sakta ned /Månens silverfålar trampa / Nattens skumma led“, schreibt etwa Erik Johan Stagnelius um das Jahr 1821, und Klaus-Jürgen Liedtke, sein noch höchst lebendiger deutscher Übersetzer, macht daraus die sehr angemessenen Zeilen: „Julia! der Docht in unsrer Lampe / Brennt träg herab. / Des Mondes silberne Fohlen stampfen / Nächtlich dunklen Pfad.“
  Und doch hat das schwedische Original einen anderen Klang als die gelungene deutsche Übersetzung: Es bricht die romantischen Ausschweifungen mit knapperen Substantiven, in denen das Suffix den bestimmten Artikel bildet („månen“, „natten“), es hat überhaupt kürzere Wörter („vår“ statt „unsrer“) zur Verfügung, und es kommt mit so massiven Reimen daher, dass es die Verwandlung dieser Zeilen in Volksgut geradezu herausfordert. Das ist mit einer ganzen Reihe von Versen (wenn auch nicht mit ganzen Gedichten) dieses Schriftstellers ebenfalls geschehen und gilt bis auf den heutigen Tag – was ungefähr so wäre, als hätte im Deutschen ein Johann Heinrich Voß Eingang in ein populäres Wörterbuch der flotten Sprüche gefunden.
  Dabei war Erik Johan Stagnelius, geboren im Oktober 1793 in Öland, gestorben im April 1823 in Stockholm, schon bald nach seinem Tod so gut wie vergessen. Gesorgt hatte er dafür selbst: Er mochte nicht nur die ungefähren Lebensdaten mit Percy Bysshe Shelley teilen, sondern auch manches an Gesinnung, er führte aber ein völlig anderes Leben als der englische Dichter: ärmlich, beschränkt auf seine Heimat und die Hauptstadt, fern den romantischen Künstlerkreisen (von denen es auch in Schweden mehrere gab), aber vermutlich mit einer intensiven Beziehung zu Rauschmitteln aller Art und vielleicht auch deswegen nicht immer geschmacks- und stilsicher.
  „Verwesung“ heißt eines seiner weniger gelungen, dafür aber bekannteren Gedichte. „Von der Welt verstoßen, verstoßen von Gott / Nur bei dir blieb mir Hoffnung auf Rettung.“ Geborgen hat diesen dunkel schimmernden Schatz erst Fredrik Böök, in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts der beherrschende Literarhistoriker Schwedens. Ohne dessen Vermittlung hätte der Dramatiker Lars Norén einigen seiner bekanntesten Stücke, nämlich „Nacht, Mutter des Tags“ und „Chaos ist nahe bei Gott“, wohl zumindest andere Titel geben müssen.
  Zieht man in Betracht, dass Erik Johan Stagnelius nicht einmal dreißig Jahre alt geworden ist, muss man seinem Werk beachtliche Größe attestieren: Das Heldenepos „Wladimir der Große“ (1817) und das Trauerspiel „Die Bacchanten oder der Fanatismus“ (1822) hat er verfasst, Kriegsgesänge, die zeitgenössische Schlachten wie die von Salamanca, Vitoria und Waterloo nachträglich mit Versen begleiteten, allerhand Altnordisches zudem, vom Versepos „Gunlög“ (um 1814) bis zum Schauspiel „Sigurds Ring“ (etwa zur selben Zeit entstanden), und schließlich gnostisch inspirierte Gedichte, von denen die meisten in einem Werk mit dem Titel „Liljor i Saron“ („Die Lilien von Saron“, 1821) versammelt sind.
  „Wir meinen, wir denken, wir seufzen, wir sprechen“, heißt es in „Was schüttert die Hecke?“, einem Gedicht aus dem Jahr 1819, „O Mensch, steh auf aus schmählichem Dämmer / Erheb dich von neuem in Urlebens-Reiche.“ Die Lektüre Friedrich Schellings dürfte zu dieser Weltschau beigetragen haben, nicht minder aber ein paar intensive Begegnungen mit Jakob Böhme und dem Adamsbuch der Mandäer.
  Im Kleinheinrich-Verlag, der sich seit Jahrzehnten um die Übersetzung und Verbreitung skandinavischer Literatur in Deutschland verdient macht, ist nun eine kleine, chronologisch angelegte Auswahl aus dem lyrischen Werk dieses Dichters erschienen: knapp dreißig Gedichte, die nicht nur von einem erstaunlich breiten Register poetischer Möglichkeiten und Gegenständen zeugen, sondern von einem besonderen Sinn für Flüchtigkeit und Wandelbarkeit zusammengehalten zu sein scheinen: „Was ist das Leben? Eine Wolke . . . / . . . Ruht nie, sich ewig wandelnd, nichtig / Währt wenn es hochkommt einen Sommerabend.“
  Es sind solche Zeilen, die man sich in Schweden merkt – und selbstverständlich die verblüffende Anakreontik, mit der es in jenem eingangs zitierten Gedicht weitergeht, das mit der Anrufung „Julia!“ beginnt: „Lieblich deiner Brüste Kugeln schwellen / Vor dem trunknen Gast! / Unbedeckte Formen laden / Zu der Wollust Fest!“ Das klingt im schwedischen Original ein wenig präziser und auch lustiger als im Deutschen. Denn eigentlich ist hier von „Globen“ die Rede, die nicht „vor“ dem Gast schwellen, sondern sich ihm entgegenwiegen.
THOMAS STEINFELD
Erik Johan Stagnelius: I bedrövelsens mörker / Aus dem Dunkel der Trübsal. Lyrische Gedichte und Elegien (1814-1823). Aus dem Schwedischen übersetzt und mit einem Vorwort von Hans-Jürgen Liedtke. Kleinheinrich Verlag, Münster 2013. 122 Seiten, 30 Euro.
Stagnelius lebte ärmlich, fern den
romantischen Künstlerkreisen,
beschränkt auf seine Heimat
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