Hillary Clinton - Bernstein, Carl
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Mrs. President - Die perfekte Biographie
Sie wird ihn schaffen, den Sprung ins Weiße Haus, als erste Frau. Der Kampf um das mächtigste Amt der Welt hat begonnen, und die Journalisten-Legende Carl Bernstein, der zusammen mit Bob Woodward die Watergate-Affäre aufgedeckt hat, geht der Dynamik des politischen Power-Paares Clinton auf den Grund. Einnehmend und unbestechlich schreibt er eine kritische Würdigung der Lebensleistung von Hillary Clinton, der vermutlich künftigen amerikanischen Präsidentin: das bestechende Porträt einer Frau auf dem Weg an die Macht.…mehr

Produktbeschreibung
Mrs. President - Die perfekte Biographie

Sie wird ihn schaffen, den Sprung ins Weiße Haus, als erste Frau. Der Kampf um das mächtigste Amt der Welt hat begonnen, und die Journalisten-Legende Carl Bernstein, der zusammen mit Bob Woodward die Watergate-Affäre aufgedeckt hat, geht der Dynamik des politischen Power-Paares Clinton auf den Grund. Einnehmend und unbestechlich schreibt er eine kritische Würdigung der Lebensleistung von Hillary Clinton, der vermutlich künftigen amerikanischen Präsidentin: das bestechende Porträt einer Frau auf dem Weg an die Macht.

  • Produktdetails
  • Verlag: Droemer/Knaur
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 1274g
  • ISBN-13: 9783426274354
  • ISBN-10: 3426274353
  • Artikelnr.: 22795994
Autorenporträt
Carl Bernstein erhielt für seine Berichte über die Aufdeckung der Watergate-Affäre in der "Washington Post" zusammen mit Bob Woodward den Pulitzer-Preis. Gemeinsam haben sie "All the President's Men" verfasst (verfilmt als "Die Unbestechlichen" mit Dustin Hoffman und Robert Redford in den Hauptrollen). Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen hat Bernstein als Journalist u.a. für "Vanity Fair", "Time", "USA Today" und "The New Republic" geschrieben. Er lebt mit seiner Frau in New York.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Carl Bernsteins Hillary-Clinton-Biografie gehört glücklicherweise nicht zu den Hassbüchern über die Präsidentschaftskandidatin, und der Autor bemüht sich um eine ausgewogene, facettenreiche Darstellung, stellt Reymer Klüver erleichtert fest. Bernstein, der maßgeblich an der Aufdeckung des Watergate-Skandals beteiligt war, dann aber offensichtlich mit seinem Ruhm nicht zurecht kam, hat nun - mehr als 30 Jahre später  - eine Biografie vorgelegt, die auf einen Schlag seinen Ruf saniert hat und ihn zum bedeutendsten "Kenner" der Politikerin adelt, teilt der Rezensent mit. Die Arbeit an dem über 950 Seiten starken Buch hat Bernstein 8 Jahre gekostet und liest sich dafür erfreulich flüssig, wenn man über die mitunter etwas ungelenke Übersetzung hinwegsieht, so Klüver anerkennend. Wenn die Biografie auch nicht mit Sensationen oder grundsätzlich Neuem überrascht, so gelingt es Bernstein, die Persönlichkeit Clintons überzeugend zu beleuchten und Verständnis für ihre Handlungsweisen zu wecken.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 06.08.2007
Missionarisches Sendungsbewusstsein
Wie Hillary mit Ehemann Bill Clinton ins Weiße Haus einzog und später seine Präsidentschaft rettete

Hillary Rodham Clinton, seit 1975 mit dem 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten William J. "Bill" Clinton verheiratet, seit November 2000 als Senatorin des Staates New York im Kongress eine Politikerin aus eigenem Recht, seit Januar dieses Jahres eine mögliche Präsidentschaftskandidatin, ist weltweit die bekannteste amerikanische Politikerin: ein politischer Vollprofi und Medienstar, gehasst und verehrt, hinter sich ein Leben voller Höhepunkte und Triumphe, Niederlagen und Erniedrigungen durch ihren sexuell zügellosen Ehemann. Über vierzig Bücher, meist auf Sensation und Auflage zielende "Enthüllungsgeschichten", und unzählige Porträts in allen Medien wurden bisher über "Hillary" verfasst. Jeder scheint ihr dramatisches Leben und ihren Charakter zu kennen. Dennoch spekulieren neue Biographen darauf, dass ihre mögliche Ernennung zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten und die Aussicht auf die erste Frau im Präsidentenamt, die schon acht Jahre (1993 bis 2001) als First Lady im Weißen Haus verbrachte, die unersättliche Neugier über diese Frau beflügeln.

Der Biograph selbst ist kein Unbekannter. Der Journalist und Reporter Carl Bernstein erlangte selbst frühen Ruhm, als er zusammen mit Bob Woodward die Watergate-Affäre aufdeckte. Bernstein hat ein bemerkenswert faires Buch geschrieben. Es ist keine sensationelle, eindimensionale Thesenliteratur. Er zeigt seine Protagonistin in aller Komplexität und Widersprüchlichkeit. Überall ist die Ambivalenz des Autors gegenüber Hillary Clinton zu spüren, die selbst jede Zusammenarbeit verweigert hat. Weil Bernsteins Leben selbst einer Achterbahnfahrt glich, hat er sich vermutlich kongenial auf die Achterbahnfahrt der gemeinsamen "Reise" von Hillary und Bill konzentriert. Das Buch endet mit der Präsidentschaft Clintons, über ihre Zeit als Senatorin erfährt der Leser nur wenige Allgemeinplätze.

Die Biographie ist von Stephan Gebauer vorzüglich übersetzt worden. Wer sich wirklich für Hillary Clinton interessiert und die Längen des Buches in Kauf nimmt, dem kann die Lektüre uneingeschränkt empfohlen werden. Besonders drei Leitmotive seien hervorgehoben: Hillarys Charaktereigenschaften, insbesondere ihre Religiosität und ihr missionarisches Selbstbewusstsein; ihre fast selbstzerstörerische Liebe zu Bill Clinton; ihre revolutionäre Auslegung der in der Verfassung nicht vorgesehenen Rolle der Ehefrau des Präsidenten, der First Lady.

Auch Bernsteins Buch beschreibt ihre bekannten Eigenschaften: hohe Intelligenz, Leidenschaft und eiserne Disziplin, die früh entdeckte Fähigkeit, zu jedem Thema öffentlich druckreif reden zu können, Kampfeswille, Rücksichtslosigkeit, Selbstgerechtigkeit und das Fehlen jeder Selbstironie. Bernstein arbeitet besonders ihr auf Gott und Religion gestütztes missionarisches Sendungsbewusstsein heraus. Mit vierzehn Jahren begegnete sie einem Priester der methodistischen Kirche, mit dem sie jahrzehntelang eine Korrespondenz führte. Handelnder Glaube und das Christentum als moralische Funktion wurden ihre Grundüberzeugungen, sie glaubte und glaubt, Gott an ihrer Seite zu wissen; die Theologen Reinhold Niebuhr, Dietrich Bonhoeffer und Paul Tillich wurden ihre Fixpunkte. In diesem Punkt hat die Methodistin Hillary Clinton viel mit dem Methodisten George W. Bush gemeinsam.

Hillary hatte, so Bernstein, zwei dreijährige, erfüllte Liebesbeziehungen hinter sich, als sie an der Yale University der magnetischen Anziehungskraft des charismatischen Verführers Bill Clinton zu erliegen begann, der seine aus Hillarys Sicht unreife und fast krankhafte Sexualität nie in den Griff bekam und sie seit 1975 serienweise mit Seitensprüngen demütigte. Einmal verlangte er sogar wegen einer anderen Frau die Scheidung, was Hillary, auch mit Rücksicht auf ihre gemeinsame Tochter Chelsea, ablehnte. Zwei Jahre später zogen sie gemeinsam in das Weiße Haus ein. Zwar gab es für Hillary "Schlimmeres als Untreue", aber sie litt furchtbar an ihrer ohnmächtigen Wut, Bill nicht ändern zu können. Sie hasste die Sünde, aber liebte den Sünder. Als sie nach langem Zweifel Bill Clinton heiratete, sagte eine ihrer besten Freundinnen, sie habe den Verstand verloren. So war es. Zwei Jahrzehnte kämpfte sie mit allen Mitteln darum, dass ihre gemeinsame politische Mission und ihre "gemeinsame" Präsidentschaft nicht durch sein Triebleben zerstört würden. In der Tat war es Hillary, die in den Affären um Gennifer Flowers und Monica Lewinsky die Präsidentschaft Bill Clintons rettete.

Auf der anderen Seite wurden ihre Person und die Art und Weise, wie sie ihre Rolle als Präsidentengattin auszufüllen ankündigte und dann auch ausfüllte, selbst zu einer schweren Belastung der Präsidentschaft ihres Mannes. Zweimal zogen die Wahlkampfberater und spin doctors der Clinton-Administration die Notbremse und versuchten, ihr Image in den Wahlkämpfen von 1992 und 1996 zu verändern, was von den Medien teilweise durchschaut wurde. Hillary wurde, weit über die vernichtenden und bigotten Angriffe der Republikaner, der christlichen Rechten und der sogenannten moralischen Mehrheit hinaus, von den Medien mit solch aggressiver Feindseligkeit angegriffen, dass sie zu Recht von einer "Verschwörung der Rechten" gegen die Clintons sprechen konnte. Ihr aktives Eingreifen und Scheitern in der Gesundheitsreform, ihre staatsinterventionistischen Vorstellungen, ihre Abneigung gegenüber der Presse und dem Washingtoner Establishment und die nicht enden wollende Serie trivialer Skandale verstärkten das Bild einer machthungrigen, intriganten "Lady Macbeth", einer eiskalten, stetig manipulierenden und die Wahrheit verschweigenden dämonischen Macht im Weißen Haus. Ein Kolumnist der "New York Times" nannte sie eine "geborene Lügnerin". Ihre zahlreichen Imagewechsel führten zu dem Vorwurf, sie habe keine Authentizität und sei im Kern eine Frau ohne Eigenschaften. Sie wechsle ihre Rollen so oft wie ihre Frisuren.

Obwohl Hillary Clinton als Senatorin inzwischen eine beliebte Mannschaftsspielerin geworden ist, werden die Republikaner gnadenlos das Stereotyp der machthungrigen Opportunistin aktivieren, falls sie zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gekürt werden sollte. Allerdings haben die Republikaner inzwischen während der zwei Amtszeiten von Präsident George W. Bush ihr moralisches Ansehen weitgehend verspielt.

DETLEF JUNKER.

Carl Bernstein: Hillary Clinton. Die Macht einer Frau. Droemer Knaur Verlag, München 2007. 995 S., 22,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 21.01.2008
Die Frau, die keiner kennt
Keiner der anderen Präsidentschaftskandidaten ruft in den USA so viele Ressentiments hervor wie Hillary Clinton – allerdings nur manchmal zu Recht
Die Bücher über Hillary Clinton füllen Regale. Jedes halbe Jahr kommt im Schnitt ein halbes Dutzend hinzu. So war es jedenfalls in den USA in den ersten sechs Monaten, nachdem sie ihre Absicht angekündigt hatte, ins Weiße Haus zurückkehren zu wollen. Es gibt, grob gesagt, zwei Kriterien, nach denen man diese Bücher ordnen kann. Da sind die Biographien, die Clintons Leben neutral zu schildern suchen und dem Gegenstand der Betrachtung jedenfalls nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Und es gibt die Hassliteratur, die nachweisen will, dass Clinton das größte Verhängnis Amerikas seit Einführung des Frauenwahlrechts ist.
Zum anderen kann man die Clinton-Bücher so einteilen: Die einen begeben sich wirklich auf die Suche nach dem wahren Wesen der bekanntesten Politikerin Amerikas. Sie bemühen sich, zumindest ein paar Erkenntnisse zu Tage zu fördern, die neue Facetten zum Persönlichkeitsbild Clintons hinzufügen. Und es gibt die vielen, vielen anderen Bücher, die mehr oder minder nur repetieren, was bereits irgendwo geschrieben wurde. Bernsteins Buch gehört zweifellos jeweils in die erste Kategorie.
Carl Bernstein ist der eine der beiden Reporter der Washington Post, die vor mehr als drei Jahrzehnten den Watergate-Skandal enthüllt hatten. Karriere hat danach der andere gemacht, Bob Woodward. Er hat das Image des „Unbestechlichen” (so der Filmtitel über die Aufdeckung der Staatsaffäre) gepflegt. Bernstein hingegen hat den Ruhm nicht gut verkraftet, hat eine Zeitlang in Saus und Braus gelebt, war sicherlich kein Star der Branche – und nicht immer der Schnellste: Acht Jahre hat er an Clintons Biographie herumgewerkelt (in der Zeit hat Woodward ein halbes Dutzend Bücher veröffentlicht, alles Bestseller). Doch das Zuwarten hat sich gelohnt. Das Buch hat Bernsteins Reputation wiederhergestellt. Seit seiner Veröffentlichung gilt er in den USA als einer der besten Hillary-Kenner.
Es ist ein mächtiges Werk. 959 Seiten, inklusive Anmerkungen, Literaturangaben und Register. Das klingt nach Doktorarbeit. Aber keine Angst. Es lässt sich flott lesen. Obwohl die Freude das ein oder andere Mal durch linkische Übersetzungen leicht geschmälert wird, etwa, wenn von der „Pluralität der Clintons” die Rede ist oder von „Fehlfunktionen, die das Leben der Familie im Weißen Haus begleiteten”. Das passiert, wenn der Übersetzer schnell, schnell machen muss, damit das Buch rechtzeitig auf den Markt kommt, und Lektoren das Manuskript im Zeitdruck einfach durchwinken. Dennoch ist es sehr verdienstvoll, dass Bernsteins Buch überhaupt auf Deutsch erhältlich ist.
Stärke und Verwundbarkeit
Sensationelle Enthüllungen hat es allerdings nicht zu bieten. Gut, man erfährt, dass Bill Clinten sich Ende der achtziger Jahre als Gouverneur von Arkansas wegen einer Affäre hat scheiden lassen wollen. Und dass Hillary schon damals erwogen hatte, seine Nachfolge als Gouverneurin anzustreben. Beides sollte bekanntlich anders kommen. Sonst findet sich – von zahllosen Details abgesehen – nicht viel Neues in diesem dicken Buch. Das wird klar, wenn man die zusammenfassenden Worte Bernsteins liest: „Ihre Geschichte ist eine Geschichte persönlicher Stärke und Verwundbarkeit.” Das wusste man nun wirklich schon.
Aber nach der Lektüre der ausführlichen Darstellung von Clintons Jugend- und Studienzeit und der Jahre in Arkansas und im Weißen Haus hat man doch eine bessere Vorstellung davon, wie diese Frau tickt. Warum sie so geworden ist, wie sie ist. Sie ist keineswegs nur die politische Kampfmaschine, zu der sie ihre erbitterten Gegner gerne machen. „Aus dem Schutz ihres selbstverfertigten Panzers heraus und auf die größtmögliche Verkaufswirkung bedacht, hat Hillary nicht nur manche Tatsachen, sondern auch den Kern ihres Wesens falsch dargestellt”, schreibt Bernstein. Was die große Diskrepanz erklärt zwischen dem Urteil persönlicher Freunde, die sie kennen gelernt haben und von denen es eine ganze Reihe gibt, und derjenigen, die ihr nicht näher gekommen sind und sie als kühlen Politprofi schildern, der das ganze Leben dem Kalkül von Machtstreben und Machterhalt untergeordnet hat. Bernstein schildert sie dagegen als eine „Frau voller Energie, Begeisterungsfähigkeit, Humor, Temperament, innerer Kraft, privater Spontaneität, (nahezu) tödlicher Vergeltungskraft, gezeichnet vom wirklichen Leben und seinen tiefen Verletzungen. All das ist Ausdruck ihrer Leidenschaft, die möglicherweise ihre beständigste und ihre liebenswerteste Eigenschaft ist”.
Wer diese Charakteristik akzeptiert – und Bernsteins Biographie gibt dafür genug Anhaltspunkte –, der versteht zum Beispiel, dass die Gefühlsausbrüche Hillary Clintons in den letzten Tagen vor der Primary in New Hampshire nicht allein aus Berechnung geschehen sind, sondern auch Ausdruck echter Frustration waren. Was Clinton menschlicher hat erscheinen lassen – und ihr viele Wählerinnen-Sympathien gebracht hat.
Doch Bernsteins Betrachtungsweise ist keineswegs blauäugig. Gnadenlos beschreibt er, dass viele Fehler – taktische Ungeschicklichkeiten und strategische Versäumnisse – in der Präsidentschaft Bill Clintons auf ihren Einfluss zurückzuführen sind: von der langwierigen Suche nach einem Justizminister gleich bei Amtsantritt des neuen Präsidenten und dem grandiosen Scheitern der Gesundheitsreform bis zur Handhabung der Affären um das Reisebüro des Weißen Hauses und den angeblich krummen Immobiliengeschäften in Arkansas (Whitewater). Zudem scheint die Einsichtsfähigkeit in eigene Fehler nicht allzu sehr ausgeprägt zu sein: „Den Blick nach innen zu wenden, war nie ihre Stärke; sie zeichnet sich durch den Glauben an den Herrn und sich selbst aus.”
Auf der anderen Seite erklärt Bernstein aber auch, warum Hillary Clinton, wie kein anderer amerikanischer Politiker außer dem amtierenden Präsidenten Ressentiments und geradezu Hass bei vielen ihrer Landsleute hervorruft. Ein gutes Beispiel dafür ist der frühere Basketballstar und spätere US-Senator Bill Bradley, der im Interview mit Bernstein über Clinton sagte: „Diese Arroganz. Die Annahme, dass jeder, der eine Frage zu stellen wagte, ein Feind war. Die Geringschätzung. Die Heuchelei.” Das fasst ziemlich gut zusammen, was Clintons politische Gegner ihr immer wieder vorgeworfen haben und was jetzt auch im Wahlkampf zu einem veritablen Problem geworden ist. Ihre klare Sachkompetenz, ihre souveräne Kenntnis politischer Zusammenhänge werden oft als kaltschnäuzige Überheblichkeit missdeutet. Dabei hat sie zwar meist das Richtige gewollt, wie Bernstein schreibt, aber eben oft nicht ein glückliches Händchen gehabt (im Gegensatz zu ihrem Mann).
Kaffee für die Senatskollegen
Nicht losgeworden ist sie das Image, nur in Freund-Feind-Bildern denken zu können. Und das, obwohl sie seit ihrem Einzug in den Senat geradezu strategisch darum bemüht vor, Brücken zu alten politischen Gegnern zu bauen. Bernstein schildert ausführlich, dass sie männlichen Senatskollegen den Kaffee servierte – und sogar nachfragte, ob sie Milch und Zucker wollten.
Als Clinton ihren zweiten langen Marsch Richtung Weißes Haus antrat, kokettierte sie in Interviews, dass sie die „vielleicht bekannteste Frau sei, die man nicht wirklich kennt”. Nun, ein bisschen mehr dürfte man sie nach fast tausend Seiten Bernstein schon kennen. Aber „wirklich”? Das behauptet nicht einmal ihr Biograph.
Wer alles kürzer haben will, kann getrost zur Biographie der deutschen Journalistin Christiane Oppermann greifen. Dort kann man nachlesen, was man ohnehin schon weiß oder irgendwie schon mal gelesen hat. Nur ist es eben übersichtlich zusammengefasst, wenn auch manchmal ziemlich banal geschrieben. Wie scheiterte zum Beispiel eine Suffragette mit der ersten Kandidatur einer Frau fürs höchste Amt der USA? Kläglich! Natürlich. Wie ist das „Ticket”, die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten? Begehrt. Natürlich. Aber sonst richtet Oppermanns Opus keinen weiteren Schaden an. REYMER KLÜVER
CARL BERNSTEIN: Hillary Clinton. Die Macht einer Frau. Droemer Verlag, München 2007. 959 Seiten, 22,90 Euro..
CHRISTIANE OPPERMANN: Hillary Clinton – „I am in to win!” Herder, Freiburg 2008. 224 Seiten, 14,90 Euro.
„Gezeichnet vom wirklichen Leben und seinen tiefen Verletzungen”: Hillary Clinton, begleitet von Ehemann Bill und Tochter Chelsea, in Manchester (New Hampshire) am 7. Januar, einen Tag vor den Vorwahlen der Demokraten in diesem Bundesstaat. Entgegen allen Prognosen konnte die New Yorker Senatorin die Abstimmung klar vor ihrem parteiinternen Hauptkonkurrenten Barack Obama gewinnen. Vorentscheidend wird aber wohl erst der „Super Tuesday”, der 5. Februar, werden, wenn gleich in mehr als 20 Bundesstaaten abgestimmt wird. Photo: AFP
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