Die österreichische Literatur seit 1945 - Kaukoreit, Volker [Hrsg.]
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Über 800 Abbildungen zeigen österreichische Autorinnen und Autoren seit 1945: bei Lesungen, Diskussionen, Preisverleihungen, Kollegengesprächen oder im privaten Rahmen (vom heimischen Sofa bis auf den Gipfel des Ortler). Die Herausgeber haben vielfach unbekanntes Fotomaterial ans Licht gehoben - zum Teil bei den Autoren selbst und in selten genutzten Spezialarchiven -, Stars der Fotografenszene zur Beteiligung gewonnen und Abbildungen von Buchtiteln, Handschriften, Plakaten, Theaterfotos und Pressematerial ergänzt.
Eine chronologische Anordnung, einleitende Texte zu bestimmten
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Produktbeschreibung
Über 800 Abbildungen zeigen österreichische Autorinnen und Autoren seit 1945: bei Lesungen, Diskussionen, Preisverleihungen, Kollegengesprächen oder im privaten Rahmen (vom heimischen Sofa bis auf den Gipfel des Ortler). Die Herausgeber haben vielfach unbekanntes Fotomaterial ans Licht gehoben - zum Teil bei den Autoren selbst und in selten genutzten Spezialarchiven -, Stars der Fotografenszene zur Beteiligung gewonnen und Abbildungen von Buchtiteln, Handschriften, Plakaten, Theaterfotos und Pressematerial ergänzt.

Eine chronologische Anordnung, einleitende Texte zu bestimmten Zeitabschnitten, zur regionalen Entwicklung des Literaturbetriebs, zu wichtigen Zentren (z.B. der Wiener Gruppe, dem Grazer Forum Stadtpark, dem Ingeborg-Bachmann-Preis) und ausführliche Kommentare zu allen Bildern machen die Geschichte der österreichischen Literatur seit 1945 nachvollziehbar. Bio-Bibliographien aller abgebildeten Autoren bieten ein "Who is who" zum Thema.
  • Produktdetails
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Seitenzahl: 360
  • 2000
  • Ausstattung/Bilder: m. 840 Abb.
  • Abmessung: 305mm
  • Gewicht: 1595g
  • ISBN-13: 9783150104736
  • ISBN-10: 3150104734
  • Best.Nr.: 24075808
Rezensionen
Die österreichische Literatur ist vielgestaltiger und bunter, als man glaubt. Ein umfangreicher Band versucht nun, die ganze Bandbreite seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Jahrhundertwende vorzustellen. (...) ein Gang durch den Blätterwald, durch die Gegenden der Bundesländer, durch die Felder der politischen und ästhetischen Haltungen. Es macht Spaß, in dem Band zu blättern, auf Namen zu stoßen, die schon lange nicht mehr gefallen sind, auf Fotos von Veranstaltungen, die viel von der Stimmung ihrer Zeit transportieren. Wer nicht so vertraut ist mit dem österreichischen Literaturangebot, sollte keinesfalls zurückschrecken, das Buch ist für "Einsteiger" so interessant wie für "Insider". Börsenblatt für den deutschen Buchhandel

Der Band dokumentiert auf bezaubernd luftige Weise Entwicklungen und Strömungen der österreichischen Literatur in einer Vollständigkeit, für die ein ausgeschriebenes Werk viele dicke, ermüdende Bände benötigte. Hier findet man keine gestylten, sorgfältig ausgeleuchteten Fotos von Autoren, wie sie in letzter Zeit üblich geworden sind, da auch die Schriftsteller nicht mehr davor zurückschrecken, Reporter für "home-stories" in ihr Haus zu lassen. Dies ist im Gegenteil ein Band voller Schnappschüsse. (...) Doch das Schönste an diesem Band ist die großzügige, demokratische Vollständigkeit.(...) Und dieses Buch ist das Familienalbum zu diesem Land, eine Fundgrube für alle an der österreichischen Literatur Interessierten. Es fehlt auch nicht, natürlich nicht, die grimmige Selbstironie, die gerade die Schriftsteller gerne pflegen. Frankfurter Allgemeine Zeitung

In der Tat kommen in dem bei Reclam erschienenen Band, welcher in schön chronologischer Folge die österreichischen Schriftstellerinnen und Dichter, Poetinnen und Essayisten, Theaterpranken und Szene-Regenten in effigie auftreten lässt, die höchsten wie die niedrigsten Wissbegierden und Schaulüste reichlich auf ihre jeweiligen Kosten.

Konzise Überblicksdarstellungen ausgewiesener Akademiker und Literaturarchive schreiten den österreichischen Sonderweg der deutschsprachigen Literatur ab, ohne diesen - wie in Literaturgeschichten oft üblich - zur via regia zu begradigen.(...) Manche Bilder weisen weit über die reine Abbildung hinaus: Ob in gestellter Pose, im eindringlichen Porträt oder im kairos der Momentaufnahme entbirgt sich ein emblematisches Potenzial. Neue Zürcher Zeitung

Anstelle trockener Literaturgeschichte wird mit diesem Band ein lebendiger Schritt durch das österreichische Geistesleben geboten, wie es sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute entwickelt hat. Sehr viele Bilder wurden dafür zusammengetragen, mehrheitlich keine Meisterfotos, dafür aber Bilder des Lebendigen.(...) Ansonsten handelt es sich um eine Reise durch 54 Jahre Literatur in Österreich, die plastischer kaum sein kann.(...) Dennoch findet man keine leere Bilderschau, denn das Buch ist schlüssig gegliedert und jedes Kapitel mit einem kompakten Einleitungstext versehen.(...) Insgesamt liegt mit dieser Publikation ein Nachschlagewerk von einiger Bedeutung vor, denn man nimmt dieses Buch gerne zur Hand, um durch die Geschichte zu streifen und sich da und dort festzulesen.(...) Man schlägt das Buch auf und ist plötzlich mitten im Geschehen.(...) Inhaltlich ist das Buch nicht nur berechtigt, sondern auch umsichtig und schlüssig angelegt.(...) Die Seitengestaltung ist solide und dabei kreativ, ohne auf Effekte angewiesen zu sein.(...) Das alles bekommt man in einem geschmackvollen und technisch einwandfreien Pappband, der aufgrund seiner glatten Oberfläche die unaufdringliche Schönheit, mit der er ins Haus kommt, für viele Jahre behalten wird. Wiener Zeitung

Das Kompositionsprinzip dieser "Annäherung in Bildern" - so der Untertitel des 360 Seiten starken Bandes - ist en gros und en detail ohnehin assoziativer und nicht illustrativer Natur. Eingebettet in eine chronologische Grundstruktur, entfaltet sich das literarische Leben Österreichs nach 1945 personell, thematisch und geographisch im Neben- und Gegeneinander konkurrierender Strömungen. Prägnante Bild-Kommentare und signifikante Textzitate werden durch Kurzessays ergänzt, die der österreichischen Literatur nicht nur im Längsschnitt folgen, sondern auch die Spezifika einzelner Regionen und Formationen, etwa der "Wiener Gruppe" und des "Grazer Forum Stadtpark", hervorheben.(...) 840 Bilder haben die Herausgeber teils in den Archiven gefunden, teils in penibler Recherche zusammengetragen.(...) Schriftsteller treten an und altern, arbeiten alleine, mit- und gegeneinander. Süddeutsche Zeitung

Komplettiert mit Abbildungen von Buchcovers, handschriftlichen Notizen, Plakaten, Theaterfotos und Presseausschnitten entstand ein umfassendes Kompendium, das als didaktisch wertvoller Wegweiser durch die Geschichte der österreichischen Gegenwartsliteratur genauso gelesen werden kann wie als skurriles Panorama aus Anekdoten und dazu passenden Momentaufnahmen.(...) Dank der treffend ausgewählten Zitate und Erklärungen werden die Bilder zu eigenständigen Geschichten.(...) Die Fotos stehen zwar im Zentrum, aber erst das theoretische Unterfutter ergibt den Gesamteindruck einer fundierten Dokumentation. Neben Kurzeinführungen in die verschiedenen Literaturregionen Österreichs und der Beleuchtung von Sonderaspekten wie der Wiener Gruppe, dem Ingeborg-Bachmann-Preis oder dem Grazer Forum Stadtpark leitet der Germanist Wendelin Schmidt-Dengler den komplexen Gegenstand mit grundlegenden Betrachtungen ein. Format

Unbekannte Materialien und bibliografische Angaben zu allen abgebildeten Autoren belegen die Originalität und Solidität des Unternehmens. Zäsuren und Kontinuitäten eines halben Jahrhunderts Literaturgeschichte werden sichtbar. Doch wer sich den bilderlosen Über-Blick verschaffen will, der lese Wendelin Schmidt-Denglers kenntnisreiche Einleitung zum vorliegenden Band, dem man weite Verbreitung wünscht. Rheinischer Merkur
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Besprechung von 14.11.2000
Die Strudelhofriege
Österreichs wilde und zahme Dichter / Von Eva Menasse

Du sollst dir kein Bild machen von deinem Autor, verlangen seit jeher die Autoren, weil sie die Details ihres privaten Lebens nicht als Schlüssel zu ihrem literarischen Werk verwendet haben wollen. Heimito von Doderer, der zwar ein eitler, ruhmsüchtiger Künstler war, hat mit einem berühmten Satz den Schriftsteller als ein "garnichts" beschrieben, einen Herren "unbestimmbaren Alters, der einem dann und wann im Treppenhause begegnet". Wäre man boshaft, könnte man anmerken, daß gerade Doderer mit seinen sexuellen Obsessionen und merkwürdigen Spielchen einiges vor dem neugierigen Blick der Öffentlichkeit zu verbergen hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls nährt ein Band, der sich einer nationalen Literatur in Bildern nähern will, die Skepsis: Was können einem die Abbildungen derjenigen, die schreiben, schon sagen? Was haben sie mit den Bildern und Geschichten zu tun, die diese meist ohnehin ganz durchschnittlich aussehenden Menschen mit ihrer Sprache erschaffen? Doch hat der Band "Die österreichische Literatur seit 1945 - eine Annäherung in Bildern" ganz anderes im Sinn und daher auch vollbracht. Er dokumentiert auf bezaubernd luftige Weise Entwicklungen und Strömungen der österreichischen Literatur in einer Vollständigkeit, für die ein ausgeschriebenes Werk viele dicke, ermüdende Bände benötigte.

Hier findet man keine gestylten, sorgfältig ausgeleuchteten Fotos von Autoren, wie sie in letzter Zeit üblich geworden sind, da auch die Schriftsteller nicht mehr davor zurückschrecken, Reporter für "home-stories" in ihr Haus zu lassen. Dies ist im Gegenteil ein Band voller Schnappschüsse. Wunderbar etwa jener, auf dem Gerhard Rühm und Oswald Wiener der jungen Friederike Mayröcker von beiden Seiten am Hals hängen. Wenn man dazu mitbedenkt, welchen dumpfen, dämonisierenden Haß diese Autoren im Dunstkreis der "Wiener Gruppe" in der österreichischen Öffentlichkeit anfangs auf sich gezogen hatten, dann könnte man über den Kommentar, den Mayröckers Mutter auf die Rückseite geschrieben hat, in Lachtränen ausbrechen: "Fritzerl und ihre Freunde."

Doch das Schönste an diesem Band ist die großzügige, demokratische Vollständigkeit. Nicht nur werden die literarischen Regionen nach Bundesländern untersucht, nicht nur wurden alle wichtigen Literaturzeitschriften und Vereinigungen wie das Forum Stadtpark und die Grazer Autorenversammlung im Bild dokumentiert. Alle größeren Skandale der jüngeren Literaturgeschichte sind hier einmütig vereint, die Faksimiles der tobsüchtigen Boulevard-Schlagzeilen nach dem aktionistischen "Shit-In" an der Wiener Universität im Juni 1968 ("Ins Gefängnis mit den obszönen Rowdies!") ebenso wie das schöne Bild, auf dem sich Thomas Bernhard und Claus Peymann nach der Premiere von "Heldenplatz" vor dem Burgtheater-Publikum verbeugen. Und immer wieder tauchen Autoren auf, die entweder so gut wie vergessen oder zu Unrecht nie richtig bekannt geworden sind: Für ersteres kann Brigitte Schwaiger stehen, für zweiteres Elfriede Gerstl.

Biedere Heimatdichter wie Paula Grogger oder Gertrud Fussenegger stehen neben Skandalisierten wie Bernhard oder Jelinek, und ihre Physiognomien unterscheiden sich nicht immer so deutlich, wie man es gerne hätte. Es ist eben ein kleines Land. Und dieses Buch ist das Familienalbum dazu, eine Fundgrube für alle an der österreichischen Literatur Interessierten. Es fehlt auch nicht, natürlich nicht, die grimmige Selbstironie, die gerade die Schriftsteller gerne pflegen.

Als Motto kann Alois Brandstetters Aphorismus gelten: "Schriftsteller in Österreich, das ist gerade so wie Strohhuterzeuger in Lappland". Aber die Strohhuterzeuger in Lappland sind bestimmt ein wildes, exotisches Völkchen.

Volker Kaukoreit/Kristina Pfoser-Schewig: "Die österreichische Literatur seit 1945". Eine Annäherung in Bildern. Reclam Verlag, Ditzingen 2000. 364 S., geb., 89,- DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Keine "gestylten, sorgfältig ausgeleuchteten Fotos von Autoren", hat Rezensentin Eva Menasse beim Blättern in diesem Bildband gefunden, sondern im Gegenteil. "Ein Band voller Schnappschüsse" jubelt sie, in dem ihrer Ansicht nach "auf bezaubernd luftige Weise" Entwicklungen und Strömungen der österreichischen Literatur dokumentiert würden. Auch die "großzügige, demokratische" Vollständigkeit, "für die ein ausgeschriebenes Werk viele, dicke, ermüdende Bände" benötigte, hat die Rezensentin beeindruckt.

© Perlentaucher Medien GmbH"