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"»Nichts muß den Leser, der diesem Schriftsteller nahezukommen sucht mehr fesseln als einige Briefe aus der Epoche von 1783 bis 1883. Benjamin hat sie ausgewählt und kommentiert. Die Wahl gründet sich auf eine staunenerregende Vergegenwärtigung dieses Jahrhunderts als der Krone des Bürgertums. Die Kommentare machen die Briefe durchscheinend für den Augenblick, in dem sie entstanden, für den Mann, der sie schrieb; wobei Benjamin sich in seiner außerordentlichen Fähigkeit bewährt, den Karat der Sprache genau zu bestimmen. Das Ziel der Veröffentlichung jener Briefe offenbart die Unbeirrbarkeit…mehr

Produktbeschreibung
"»Nichts muß den Leser, der diesem Schriftsteller nahezukommen sucht mehr fesseln als einige Briefe aus der Epoche von 1783 bis 1883. Benjamin hat sie ausgewählt und kommentiert. Die Wahl gründet sich auf eine staunenerregende Vergegenwärtigung dieses Jahrhunderts als der Krone des Bürgertums. Die Kommentare machen die Briefe durchscheinend für den Augenblick, in dem sie entstanden, für den Mann, der sie schrieb; wobei Benjamin sich in seiner außerordentlichen Fähigkeit bewährt, den Karat der Sprache genau zu bestimmen. Das Ziel der Veröffentlichung jener Briefe offenbart die Unbeirrbarkeit Benjamins: er gab sie 1936 in der Schweiz heraus; unter dem Titel Deutsche Menschen hielt da ein Richter und ein Liebender dem verwirrten Vaterland den Spiegel vor und zugleich das Bild der deutschen Humanität die es einmal gegeben hatte.« Benno Reifenberg"
  • Produktdetails
  • suhrkamp taschenbuch 970
  • Verlag: Suhrkamp
  • Artikelnr. des Verlages: 37470
  • 8. Aufl.
  • Seitenzahl: 99
  • Erscheinungstermin: 24. Dezember 1983
  • Deutsch
  • Abmessung: 178mm x 110mm x 15mm
  • Gewicht: 83g
  • ISBN-13: 9783518374702
  • ISBN-10: 3518374702
  • Artikelnr.: 02290717
Autorenporträt
Benjamin, Walter§Walter Benjamin wurde am 15. Juli 1892 als erstes von drei Kindern in Berlin geboren und nahm sich 26. September 1940 in Portbou/Spanien das Leben. Benjamins Familie gehörte dem assimilierten Judentum an. Nach dem Abitur 1912 studierte er Philosophie, deutsche Literatur und Psychologie in Freiburg im Breisgau, München und Berlin. 1915 lernte er den fünf Jahre jüngeren Mathematikstudenten Gershom Scholem kennen, mit dem er Zeit seines Lebens befreundet blieb. 1917 heiratete Benjamin Dora Kellner und wurde Vater eines Sohnes, Stefan Rafael (1918 -1972). Die Ehe hielt 13 Jahre. Noch im Jahr der Eheschließung wechselte Benjamin nach Bern, wo er zwei Jahre später mit der Arbeit Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik bei Richard Herbertz promovierte. 1923/24 lernte er in Frankfurt am Main Theodor W. Adorno und Siegfried Kracauer kennen. Der Versuch, sich mit der Arbeit Ursprung des deutschen Trauerspiels an der Frankfurter Universität zu habilitieren, scheiterte. Benjamin wurde nahegelegt, sein Gesuch zurückzuziehen, was er 1925 auch tat. Sein Interesse für den Kommunismus führte Benjamin für mehrere Monate nach Moskau. Zu Beginn der 1930er Jahre verfolgte Benjamin gemeinsam mit Bertolt Brecht publizistische Pläne und arbeitete für den Rundfunk. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwang Benjamin, im September 1933 ins Exil zu gehen. Im französischen Nevers wurde Benjamin 1939 für drei Monate mit anderen deutschen Flüchtlingen in einem Sammellager interniert. Im September 1940 unternahm er den vergeblichen Versuch, über die Grenze nach Spanien zu gelangen. Um seiner bevorstehenden Auslieferung an Deutschland zu entgehen, nahm er sich das Leben.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.12.2009

Wanderer im Gedankenmassiv
Doch ohne Superlative: Jean-Michel Palmier unternimmt eine Gesamtschau des Werkes von Walter Benjamin
Vor wenigen Monaten legte die amerikanische Philosophin Cathrine H. Zuckert eine 900-seitige Untersuchung vor, die auf ungemein scharfsichtige Weise die Korrespondenz der platonischen Dialoge untereinander nachwies. Doch nicht nur das: Zuckert las die Werke konsequent mit dem Spätwerk beginnend hin zum Erstling, und konnte bei aller Fragmentierung der Argumente und der Themenvielfalt eine innere Stimmigkeit von Platons Denken feststellen.
Es mag befremden, wenn man von Platon spricht, wo es um Walter Benjamin gehen soll. Und dennoch gibt es einen triftigen Grund. Denn was Zuckert zum wiederholten Male für Platon leistet, das hat der 1998 verstorbene Philosoph und Literaturwissenschaftler Jean-Michel Palmier erstmals für Benjamin unternommen. Eine Gesamtschau dieses vielfach gebrochenen Werkes, die sich nur sachlichen Kriterien unterwirft, suchte man bislang vergebens. Die Interpretation nahezu sämtlicher Texte, die den von ihnen aufgerufenen Zusammenhängen nachgeht und all dem gegenüber eine eigenständige Position einnimmt, darin schien ein größenwahnsinniges Moment zu stecken. Doch Palmier nahm sich durchgehend erfolgreich der Aufgabe an. In der herausragenden Übersetzung von Horst Brühmann, der die Tugend der Klarheit hier zum wiederholten Male zu seinem Maßstab gemacht hat, erhält der deutsche Leser jetzt gleichwohl ein gigantisches Gedankenmassiv, dessen Besteigung und Durchwandern ein intellektuelles Vergnügen bereitet. Palmier hat nicht Benjamins Rätsel gelöst, ihn aber vom Kopf auf die Füße gestellt. Ein brillanter, ebenso tastender wie dogmatischer Autor wird in dieser reichen Biographie mitsamt seinen Irrungen und Wirrungen in einer Sprache präsentiert, die nichts Suggestives hat. Gute Lesbarkeit wird hier erreicht, weil der Autor seine Zettelkästen im Griff hat. Entgegen dem jüngsten Trend biographischer Anstrengungen, der darauf vertraut, dass der Leser jede Banalität und Obsession so interessant finden muss wie der Autor, gilt bei Palmier intellektuelle Redlichkeit als oberstes Darstellungsprinzip.
Im Unterschied zu den meisten seiner Deutungskonkurrenten war Palmier ein intimer Kenner der deutschen Geistesgeschichte seit 1900. Die Studien unter anderem zum Expressionismus, zu Herbert Marcuse, Thomas Mann und Ernst Jünger, vor allem aber seine zweibändige Untersuchung zu den deutschsprachigen Emigranten, zeigen einen aufmerksamen Interpreten komplizierter Denkwege und politischer Gemengelagen. Nach der Lektüre der Biographie wird man bedauern, dass keines von Palmiers anderen Büchern übersetzt ist.
Aufgrund dieser Arbeiten weiß der Biograph sehr genau, wie bedeutsam für Benjamin die verschiedenen Netze sind, in denen er sich bewegt. Es sind vor allem Gershom Scholem, Theodor W. Adorno und Bertolt Brecht, die Einfluss auf Benjamin nehmen, die wiederum er prägt und die nach seinem Tode 1940 maßgeblich das Nachleben bestimmten. Inzwischen ist dieses in herzlicher gegenseitiger Ablehnung miteinander verbundene Trio um andere Personen erweitert worden. Außerdem hat man wichtige Gründe gefunden, deren Überlieferungen zu misstrauen, auch um Benjamins Argumente in den Debatten unserer Tage präsent zu halten. Doch Palmier weiß das natürlich. Sein Kurs zwischen den diversen Parteien bleibt gerade deshalb ein unabhängiger. Es ist sogar ein Glücksfall, dass er die diversen Heiligsprechungen Benjamins nicht mehr erleben musste. Der neben Hannah Arendt häufig als Paradigma des jüdischen Intellektuellen im 20. Jahrhunderts missbrauchte Benjamin wird bei Palmier noch ganz nüchtern als Theoretiker des Barock-Dramas, Interpret Goethes, Literaturkritiker, Übersetzer Baudelaires und Prousts, schließlich als häretischer Marxist und Spurenleser der Entstehungsbedingungen der Moderne verstanden. Dazu liest Palmier die Vereinnahmungsversuche seiner Freunde gegen den Strich, weiß aber sehr genau, wie wichtig deren Einsichten in eine so enigmatischen Persönlichkeit sind. So wird unsere Vorstellung von Benjamin nie mehr von Scholems Benjamin-Darstellungen zu trennen sein.
Wer Palmiers riesigen Torso zur Hand nimmt, wird sich an einer weiteren Eigenheit erfreuen dürfen. Das vom Autor selbst nicht mehr redigierte Manuskript enthält zwar zahlreiche Wiederholungen, doch dafür entschädigt sein Buch durch eine geistige Selbständigkeit. Palmier ist Chronist, der unparteiisch die Entwicklungslinien seines Protagonisten nachzeichnet und dabei Benjamin klug in die Zusammenhänge seiner Zeit stellt. Dort, wo er sich freimacht von den Zeitgenossen, folgt ihm Palmier aufmerksam. So erscheint Benjamin nicht als der einzige Flaneur seiner Zeit, doch als derjenige, der diese Haltung als geistige Physiognomie auf Architektur, Geräusche oder dem Flüchtigen der Großstadt zu übertragen versteht. Sein Interesse an der eigenen Kindheit, die Begeisterung an Kinderbüchern, das Nachhorchen moderner Mythen, all das wird in dieser unvollendeten Biographie in ein schwieriges Gesamt eingeordnet. Aber dies geschieht schließlich so, dass Palmier keine Superlative einsetzt, keine bloße Ahnung vortäuscht, wenn die Sätze und Ideensplitter Benjamins sich im grammatikalischen Dickicht verlaufen oder ihre allzu deutlich gewordene Zeitgebundenheit offenbaren. Im Gegenteil: jenseits aller Fallen, die mögliche Identifikationen bereithalten, klärt Palmier im besten Sinne des Wortes den Leser auf.
Besonders wohltuend ist Palmiers Desinteresse an einer Feier des Intellektuellen Walter Benjamin. Man liest nichts über dessen vermeintlich einzigartige Theorie des jüdischen Messianismus, muss nicht den Kopf schütteln über anmaßende Stilisierungen, die seine Thesen zur Übersetzung erfahren haben und erfreut sich daran, dass Palmier keinerlei Bedürfnis verspürt, dem Widersprüchlichen aus dem Weg zu gehen.
Kritik an Benjamin auf hohem Niveau, das ist noch immer eine Seltenheit. Denn auf der anderen Seite der immer gleichen bewundernden Rekonstruktion, die sich allzu gerne im Korpus des Werkes wohlfühlt, haben sich Altherrenwitze etabliert, die von „Sackgassen” sprechen, wo Benjamin glaubte „Einbahnstraßen” der Moderne erkennen zu können. Palmier kennt auch diese Nebenwege der Rezeption und gewinnt ihnen kluge Einsichten ab. Seine Kritik ist aus anderem Holz geschnitzt. Da Palmier die marxistischen Diskurse der Zeit kennt, macht er Benjamins Eklektizismus und seine Anpassungsbereitschaft an den Jargon mühelos aus. Der weitaus schwieriger zu beurteilenden Qualität seiner Textanalysen begegnet der Biograph mit großer Umsicht. Dazu trennt er offensichtlich Naives von jenen Überlegungen, die tiefenhermeneutische Züge tragen. So etwa, wenn Benjamin versucht, mittels Zitat-Collage dem Paris des 19. Jahrhundert näherzukommen, weil er dort die Keimzelle jener historischen Transformation vermutet, die noch seine Zeit bestimmt. Denn in diesem Paris wird die Vergangenheit eine, die die Gegenwart prägt, weil sie auf die Zukunft ausgerichtet ist. So könnte in einer Kurzformel das sogenannte „Passagen”-Werk Benjamins zusammengefasst werden. Palmiers Beobachtungen tragen wesentlich zu einem ersten Verstehen dieses großen Vorhabens bei, gerade eben weil er die einzelnen Stufen dieser lebenslang verfolgten Idee auf ihre Kohärenz prüft. Kleine Gesten sind Palmiers Sache, nicht das generelle und große Ganze.
Als willkommenes Begleitbuch zu Palmiers überragender Darstellung nimmt man die Edition der „Einbahnstraße” durch Detlev Schöttker in der neuen Werkausgabe in die Hand. Besondere Aufmerksamkeit werden die neuen Funde Schöttkers verdienen, worunter feine Details zu Benjamins Briefmarkeninteresse hervorzuheben sind. Auch wenn die Edition mit Faksimiles geizt, das Druckbild durch deutlichere Hervorhebungen und Unterscheidungen noch verbessert werden könnte, so liegt hier eine schöne Ergänzung zu Palmiers Biographie bei. Wer Benjamin endlich (besser) kennenlernen möchte – hier ist die Gelegenheit dazu. THOMAS MEYER
JEAN-MICHEL PALMIER: Walter Benjamin. Leben und Werk. Vorwort v. Florent Perrier. Aus dem Französischen v. Horst Brühmann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2009. 1372 S., 64 Euro.
WALTER BENJAMIN: Werke und Nachlaß. Kritische Gesamtausgabe, Band 8: Einbahnstraße. Hrsg. v. Detlev Schöttker unter Mitarbeit v. Steffen Haug. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2009. 610 Seiten, 34,80 Euro.
Gute Lesbarkeit wird hier erreicht, weil der Autor seine Zettelkästen im Griff hat
Wohltuend ist Palmiers Desinteresse an einer Feier des Intellektuellen Walter Benjamin
Ein Gegenstand verschiedener Heiligsprechungsverfahren: Walter Benjamin (1892–1940). Foto: Effigie/Bilderberg
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Christian Brückner, eine Legende unter den Synchronsprechern, knickt auch nicht vor Walter Benjamin ein, jubelt Rezensent Alexander Cammann. Im Gegenteil: Brückner verleiht in den hier versammelten Zwischentexten nicht nur Benjamins Aura eine Stimme, sondern 26 sehr unterschiedlichen deutschen Autoren gleich mit, fährt der Kritiker fort, der gebannt jenen Briefen von Goethe, Brentano, Hölderlin oder Büchner lauscht, die Benjamin 1931/1932 in einer Serie in der Frankfurter Zeitung veröffentlichte.

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