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Der deutsche Sozialstaat ist schon lange kein Vorbild mehr für andere Länder. Im Gegenteil: Von unserem Sozialsystem profitieren besonders die Privilegierten, Verlierer sind die Armen und Benachteiligten. Sie werden nicht effizient unterstützt, mehr noch: Das System fördert sogar soziale Ungerechtigkeit und Massenarbeitslosigkeit. Karl Lauterbach, einer der führenden Sozialexperten Deutschlands, zeigt in seinem Buch: Deutschland ist zum Zweiklassenstaat verkommen. Etwa in der Bildung, wo vor allem Kinder höherer Schichten vom herrschenden Schulsystem profitieren. Oder in der Medizin, wo…mehr

Produktbeschreibung
Der deutsche Sozialstaat ist schon lange kein Vorbild mehr für andere Länder. Im Gegenteil: Von unserem Sozialsystem profitieren besonders die Privilegierten, Verlierer sind die Armen und Benachteiligten. Sie werden nicht effizient unterstützt, mehr noch: Das System fördert sogar soziale Ungerechtigkeit und Massenarbeitslosigkeit.
Karl Lauterbach, einer der führenden Sozialexperten Deutschlands, zeigt in seinem Buch: Deutschland ist zum Zweiklassenstaat verkommen. Etwa in der Bildung, wo vor allem Kinder höherer Schichten vom herrschenden Schulsystem profitieren. Oder in der Medizin, wo Privatversicherte schneller einen Arzttermin erhalten und besser behandelt werden. Oder auch bei der Rente: Weil Geringverdiener sechs bis neun Jahre kürzer leben, spart die Rentenkasse – und die Einkommensstarken sahnen ab. Lauterbach fordert die radikale Umkehr: Mehr Bildungschancen für die Ärmsten, gerechte Gesundheits-, Renten- und Pflegesysteme sowie die konsequente Beschneidung von Privilegien, die von Politikern und Lobbys verteidigt werden.

Eine leidenschaftliche Streitschrift für soziale Gerechtigkeit.

  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Berlin
  • 4. Neuausg.
  • Seitenzahl: 224
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm
  • Gewicht: 296g
  • ISBN-13: 9783871345791
  • ISBN-10: 3871345792
  • Artikelnr.: 20927516
Autorenporträt
Prof. Karl Lauterbach, geboren 1963 in Düren, studierte Medizin und Gesundheitsökonomie in Deutschland und den USA. Er ist der Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln und lehrt an der Harvard School of Public Health. Der SPD-Politiker und Bundestagsabgeordnete war Mitglied der Rürup-Kommission, des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen und gehörte der Verhandlungskommission zur Gesundheitsreform an.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 17.06.2007

Wo lebt bloß Karl Lauterbach?

Eine kleine Schicht der Reichen hat in Deutschland die Macht übernommen. Sie gönnen sich die Chefarztprivilegien der privaten Krankenversicherung, sie verwehren den Rüpeln aus der Unterschicht den Besuch von Gymnasium und Universität, um ihre braven Kinder nicht zu gefährden, und sie lassen sich ihr langes und gesundes Leben vom abgehängten Prekariat bezahlen. Denn die Armen sind nicht nur arm, sie sterben auch früher, zahlen aber genauso lang in die Rente ein. Weil sie allein nicht stark genug ist, hat sich die herrschende Kaste längst des Rückhalts von Politik und Regierung versichert: Beamte, Selbständige und gut verdienende Angestellte verweigern der Gesellschaft die Solidarität und bereichern sich zu Lasten der Armen. Die Deutschen leben in einem Zweiklassenstaat, und die privilegierte Klasse verhält sich parasitär.

Das ist die Welt, in der Karl Lauterbach lebt. "Die Privilegierten ruinieren unser Land", verkündet der SPD-Politiker und Gesundheitsökonom in einer neuen Kampfschrift und lässt zugleich per Interview pünktlich zum Fusionsparteitag von WASG und PDS seine Sympathie für ein linkes Einheitsbündnis vermelden. Setzt sich seine Utopie durch, werden Hauptschulen und Privatversicherungen abgeschafft und Riester zur staatlichen Pflichtrente umgewidmet. Außerdem werden die Steuern kräftig erhöht, damit die Armen endlich Gerechtigkeit und Solidarität erfahren.

Wer in Lauterbachs Welt lebt, braucht sich mit simplen finanzwirtschaftlichen Grunddaten nicht lange herumzuschlagen. Was kümmert es ihn, dass laut Statistischem Bundesamt knapp zehn Prozent der Steuerzahler - es sind die reichen Besserverdiener - über 50 Prozent des Einkommensteueraufkommens finanzieren? Was kümmert es ihn, dass die Hälfte des Bundeshaushalts (125 Milliarden Euro) den Etat des Sozialministers speist? Vermutlich verteilt Franz Müntefering das Geld an die Villenbesitzer in Bad Homburg. Wer wie Lauterbach die Altersrückstellungen den Privatversicherten enteignen und in den Risikostrukturausgleich der gesetzlichen Kassen stecken will, muss auch nicht darüber nachdenken, ob womöglich heute schon die Privatkunden die Ärzte quersubventionieren. Noch nicht einmal die simple Frage der politischen Ökonomie, ob es für Politiker nicht vernünftiger ist, sich nach den umverteilungshungrigen unteren Mittelschichten zu richten anstatt nach den Leistungsträgern, kommt zur Debatte. In Lauterbachs Welt halten die Lobbys der Privilegierten die Politik in ihren Klauen.

Angesichts dieser schrillen Weltverkehrung kann man leicht übersehen, dass sich - etwa zwischen den Seiten 72 und 112 des Buches - einige zutreffende Beobachtungen zu Ineffizienz und Intransparenz des Gesundheitswesens finden. Hier kennt sich der Epidemiologe Lauterbach aus. Tatsächlich ist nicht einzusehen, warum Deutschland mit seinen ambulanten Fachärzten und stationären Klinikärzten das medizinische Expertenwesen verdoppelt. Das ist teuer, nützt dem Patienten aber wenig. Im Gegenteil. Das deutsche Doppelmodell ist international ohne Beispiel. Es gibt auch keinen vernünftigen Grund dafür, dass Kliniken sich hartnäckig weigern, Daten über ihren Erfolg (und Misserfolg) zu veröffentlichen. Der Patient wird entmündigt, schlechte Ärzte und Kliniken werden von ihren Kollegen durch das geheime Herrschaftswissen geschützt.

Wäre Lauterbach konsequent, müsste er für mehr Wettbewerb und Markt im Gesundheitswesen plädieren. Erst wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen zerschlagen und die Kassen dem Kartellrecht unterworfen werden, wären Rahmenbedingungen für mehr Effizienz und Transparenz gelegt. Das würde die Qualität der medizinischen Leistungen verbessern und die Kosten einigermaßen im Lot lassen. Keine Frage: auch die künstliche Trennung zwischen privaten und gesetzlichen Kassen müsste auf diesem Markt geschleift werden. Dann kann der Patient entscheiden, in welcher Versicherung er die besten Leistungen erhält.

Lauterbach führt zwar das Wort Wettbewerb im Mund. Doch er hält davon gar nichts. Er verschweigt die kartell- und steuerrechtlichen Privilegien der gesetzlichen Kassen und will lieber die Privaten verstaatlichen. Lauterbach will Sozialismus, darf das Wort aber nicht aussprechen, weil es in den vergangenen Jahren außer Mode gekommen ist. Was medizinischer Sozialismus im Gesundheitswesen anrichtet, lässt sich in Großbritannien besichtigen: schlechte Leistungen für alle. Nur die Reichen können extra zahlen. Wenn das keine Zweiklassenmedizin ist?

ank.

Karl Lauterbach: Der Zweiklassenstaat. Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren. Rowohlt: Berlin; 14,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 16.07.2007

Systematisch ungerecht
Karl Lauterbachs Abrechnung mit dem deutschen Sozialstaat
Die Reform der Pflegeversicherung, auf die sich die Große Koalition nach langer Debatte verständigt hat, räumt mit vielen Missständen auf. Aus Sicht des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach bleibt ein zentrales Problem aber ungelöst: die unsolidarische Finanzierung der Pflege. Auch nach der Reform zahlen die gesetzlich Versicherten in ein solidarisches Umlagesystem ein. Die besser Verdienenden unter ihnen finanzieren damit die Versorgung der ärmeren Beitragszahler mit. Privatversicherte dagegen sichern nur ihr persönliches Risiko ab, im Alter einmal ein Pflegefall zu werden.
Die künstliche Trennung zwischen privaten und gesetzlichen Kassen sei eine „völlig unbegründete Ungerechtigkeit”, schreibt Lauterbach in seinem neuen Buch „Der Zweiklassenstaat”. Denn sie entlaste die Reichen. Der Gesundheitsökonom erkennt in dieser Ungerechtigkeit eine Systematik, die sich durch alle Teile der staatlichen Ordnung zieht: Statt für Ausgleich zu sorgen, so die Kernthese von Lauterbachs Buch, zementiere der deutsche Staat die Kluft zwischen Arm und Reich und baue Hürden zu ihrer Überwindung auf.
Der Gesundheitsökonom weist die Ungerechtigkeit in vier Politikfeldern nach: in der Bildung, Rente, Gesundheit und Pflege. So hätten arme Kinder nicht nur geringere Chancen, aufs Gymnasium zu kommen und zu studieren. Als Niedrigqualifizierte erledigten sie auch die Jobs, die die Gesundheit am meisten gefährdeten und würden deshalb öfter krank. Als Kassenpatienten littensie dann unter der Zweiklassenversorgung, die wiederum die Privatversicherten bevorzuge.
Vieles von dem, was der SPD-Politiker kritisiert, ist unstrittig: Etwa der Vorwurf, das deutsche Bildungssystem benachteilige systematisch Kinder aus ärmeren Schichten. Das Provokante an Lauterbachs Buch ist die Systemkritik, der Vorwurf, dass nicht nur die Gesellschaft ärmere Menschen ausgrenze, sondern die staatlichen Strukturen selbst die Privilegierung der Reichen fortschreibe. Der Gedanke treibt den SPD–Bundestagsabgeordneten um, das zeigt seine emotional aufgeladenen Sprache. Für den „Kampf um mehr Gerechtigkeit” müsse man „viel Mut” aufbringen, schreibt er etwa.
Lauterbach will diesen Kampf führen. Manchmal argumentiert er dafür etwas einseitig. Gut und Böse sind klar verteilt. Auf der einen Seite stehen die „chancenlos in die falsche Familie geborenen” Unterprivilegierten, auf der anderen die Reichen, denen der Weg zum Glück geebnet wird. Etwa bei der Pflegeversicherung, die er als besonders gutes Beispiel für „die schädliche Einflussnahme der Privilegierten” nennt. Lauterbach beklagt zu Recht, dass die gesetzliche Pflegekasse viermal höhere Kosten pro Mitglied zu schultern habe als die private, weil die armen Mitglieder häufiger pflegebedürftig würden. Doch kann man daraus eine systematische Privilegierung der Besserverdienenden ablesen? Zumindest hätte Lauterbach erwähnen müssen, dass die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten deckt. Bei armen Menschen springt für den anderen Teil die Sozialhilfe ein, die aber durch Steuermittel und damit erheblich durch die reichere Bevölkerung finanziert wird. An anderer Stelle beklagt er, dass arme Menschen ungesünder und somit kürzer leben. Arme sind für ihn dabei ausschließlich Opfer, umsonst wartet man auf den Hinweis, dass der Staat auch ihnen die Verantwortung für ihren Lebenswandel nicht abnehmen kann.
Lauterbachs These vom Staatskomplott der Privilegierten bleibt damit am Ende zu vage. Der Autor zeigt viele Ungerechtigkeiten auf, nur erschließt sich dem Leser daraus nicht das Bild eines mutwillig ausgrenzenden staatlichen Systems, das er mit seinem Titel „Der Zweiklassenstaat” suggeriert. Zu unterschiedlich sind die Probleme des Bildungssektors und des Gesundheitswesens. Sein Buch aber ist eine anregende Lektüre, gerade weil sie provoziert. Lauterbach bringt es zur rechten Zeit, da die Große Koalition gerade den Mut für große Reformen verliert. Dass er in der eigenen Partei einen Nerv trifft, zeigt die Reaktion von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt auf die Pflegereform: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir den Ausgleich zwischen privater und gesetzlicher Versicherung geschafft hätten. Dafür habe ich keine Mehrheit”, sagte sie im Bundestag. Die SPD-Politikerin gesteht ein, dass sie mit diesem sozialen Anliegen erneut gescheitert ist – wie schon bei der Gesundheitsreform. Lauterbach dagegen dürfte sich in seinen Prognosen bestätigt sehen. In Deutschland scheitern Reformen, „wenn sie an den Privilegien einer Klasse rütteln, die stärker als Teile der Politik zu sein scheint”, schreibt er. NINA VON HARDENBERG
KARL LAUTERBACH: Der Zweiklassenstaat. Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren. Rowohlt, Berlin 2007. 208 Seiten, 14,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Weitgehend zustimmend hat Nina von Hardenberg diese provozierende Auseinandersetzung mit dem Sozielstaat von Karl Lauterbach gelesen. Bemerkenswert scheint ihr die Systemkritik, die der SPD-Politiker übt, wenn er konstatiert, nicht nur die Gesellschaft grenze arme Menschen aus, sondern der Staat selbst privilegiere die Reichen und vergrößere die Kluft zwischen Arm und Reich. Diese Ungerechtigkeit zeige Lauterbach in vier Politikfeldern auf: Bildung, Rente, Gesundheit und Pflege. In vielen Punkten ist sich Hardenberg mit Lauterbachs Kritik einig. Allerdings scheinen ihr die Argumentation bisweilen etwas einseitig und die Rollen etwas zu klar verteilt. Die These vom "Staatskomplott der Privilegierten" bleibt für sie letztlich "zu vage". Die Lektüre des Buchs findet sie gleichwohl anregend und lohnend.

© Perlentaucher Medien GmbH