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Eine bezaubernde russische Trouvaille
Charmanter Feingeist und scharfzüngiger Kritiker skandalöser Zustände, erzählt Vladimir Odoevskij stets mit der Eleganz des formvollendeten Stilisten. Dieser Auswahlband ist eine Trouvaille für alle, die sich mit Felicitas Hoppe von der «Leichtigkeit, Geistesgegenwart und Beobachtungsgabe» dieses russischen Klassikers bezaubern lassen möchten.
Neu zu entdecken: ein Hochkaräter der russischen Literatur und ein Großmeister der kleinen Form. Vladimir Odoevskij (1803-1869) hat die Erzählkunst seiner Heimat mitbegründet und sie mit seinen Novellen in
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Produktbeschreibung
Eine bezaubernde russische Trouvaille

Charmanter Feingeist und scharfzüngiger Kritiker skandalöser Zustände, erzählt Vladimir Odoevskij stets mit der Eleganz des formvollendeten Stilisten. Dieser Auswahlband ist eine Trouvaille für alle, die sich mit Felicitas Hoppe von der «Leichtigkeit, Geistesgegenwart und Beobachtungsgabe» dieses russischen Klassikers bezaubern lassen möchten.

Neu zu entdecken: ein Hochkaräter der russischen Literatur und ein Großmeister der kleinen Form. Vladimir Odoevskij (1803-1869) hat die Erzählkunst seiner Heimat mitbegründet und sie mit seinen Novellen in weltliterarische Sphären geführt. Sprachlich souverän und in unbefangenem Fabulierton vermittelt er uns ein launig- heiteres Zeit- und Sittenbild der spätaristokratischen Welt. Kaum ein gesellschaftlicher Missstand und kaum ein menschlicher Makel, den der versierte Satiriker nicht auf seine spitze Feder gespießt hätte. Habgier, Eitelkeit, Ruhmsucht, Trägheit des Herzens, Standes- und Geistesdünkel, nichts ist vor seiner Polemik sicher. Der Enge gesellschaftlicher Konventionen und des schönen Scheins entkommen am Ende weder die Privilegierten noch die Habenichtse, weder die Berechnenden noch die, die angeblich reinen Herzens sind. Wie das Zwillingsstück um die zauberhaften Prinzessinnen Mimi und Zizi, das den Beginn der psychologischen Analyse in der russischen Literatur markiert, sind auch die anderen Erzählungen des Bandes eine tiefgreifende Kritik an ausgehöhlten Traditionen. Romantische Motive, spätromantische Brechung und ein modern anmutender Scharfblick finden sich hier meisterhaft miteinander verschränkt.

Bei den hier von Peter Urban gehobenen Prosaschätzen handelt es sich durchwegs um Erst- bzw. Neuübersetzungen, die den Nimbus dieses großen Erzählers belegen.

  • Produktdetails
  • Manesse Bibliothek der Weltliteratur
  • Verlag: Manesse
  • Seitenzahl: 379
  • Erscheinungstermin: 8. Oktober 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 155mm x 95mm x 22mm
  • Gewicht: 206g
  • ISBN-13: 9783717522461
  • ISBN-10: 3717522469
  • Artikelnr.: 38035427
Autorenporträt
Odoevskij, Vladimir§Vladimir Odoevskij (1803-1869) zählt mit Gogol und Puskin zum Dreigestirn der frühen Blüte russischer Erzählkunst. Den Schilderer des Märchenhaft-Phantastischen verbindet eine innige Seelenverwandtschaft mit der deutschen Romantik. Seine Lebensbilder aus der spätaristokratischen Adelswelt bezaubern durch Unmittelbarkeit und Esprit.
Rezensionen
»Charakterskizzen voll geistreichem Spott: Der russische Adlige entlarvt in eleganten Sätzen die Dekadenz seines eigenen Milieus.«

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Der Autor braucht den Vergleich mit Puschkin oder Gogol nicht zu scheuen, findet Judith Leister, die sich über diese Manesse-Ausgabe mit sieben Stücken von Wladimir Odojewski riesig freut. Odojewski hält sie nicht nur für den am meisten unterschätzten russischen Klassiker, sondern auch für einen Alchemisten der Literatur, der Formexperimente mit scharfen Attacken gegen die noble Gesellschaft die russische Literatur oder die Gothic Novel paart. Mitunter frappiert Leister die Modernität des Autors, etwa wenn er Handlung wie Bühnenstücke inszeniert und sein Personal in "Kamerafahrten" einfängt. Von der philosophischen Erzählung über die Gesellschaftssatire bis zum Märchen, das stellt Leister anhand der Text fest, beherrscht der Autor so ziemlich jedes Genre.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 08.01.2014

Mit burlesker Bravour
Eine neue Erzählsammlung von Vladimir Odoevskij

Wer schon einmal in Russland war, wird den Ausspruch kennen, man habe dort dies und das weltweit als Erste gehabt. Die Liste solch originär russischer Erfindungen ist derart lang, dass man sich irgendwann erstaunt fragt, ob sich ein anderes Land überhaupt noch einer nationalen Errungenschaft rühmen darf. So nimmt es denn auch nicht wunder, dass auch das Internet, wenn schon nicht in Russland entwickelt, dann doch dort vorausgesagt wurde: von Vladimir Odoevskij (1803 bis 1869) in seinem utopischen Briefroman "Das Jahr 4338". Der Witz an der Geschichte ist, dass der Schriftsteller und Musikwissenschaftler zumindest in einem Großteil seines erzählerischen Werks nicht ohne E. T. A. Hoffmann denkbar gewesen wäre.

Die Hoffmann-Rezeption setzte in Russland ungeheuer früh - zuerst? - ein, die "Serapionsbrüder" haben zumindest bei den "Russischen Nächten" von Odoevskij (auch oft geschrieben: Odojewski) und beim "Doppelgänger oder Meine Abende in Kleinrussland" von Antoni Pogorelski Pate gestanden. Darüber hinaus sind etliche russische Einzeltexte von Hoffmann beeinflusst.

Der von Peter Urban übersetzte und benachwortete Band "Der schwarze Handschuh" versammelt sieben der mehr als dreißig Erzählungen oder Märchen Odoevskijs. Eine von ihnen, "Folgen eines satirischen Artikels", ist literarisch eher schwach und trotz der umfangreichen Anmerkungen kaum noch zu verstehen. Die anderen sechs sind dagegen durchaus feine Prosastücke, die um Themen der Romantik - Gefühl versus Verstand - und gesellschaftliche Konventionen kreisen, die ein Porträt der Aristokratie in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zeichnen und voller Ironie das Ringen um literarischen Geschmack skizzieren. Teilweise sind sie erstaunlich aktuell, so brauchte man an einigen Stellen statt "Tratsch und Klatsch" nur "Mobbing" zu lesen.

Bei den Erzählungen "Der schwarze Handschuh" und "Das Gespenst" lässt sich deutlich Hoffmanns Prägung spüren, die "Sylphide" steht ganz in der Tradition von dessen "Elementargeist", ist in der Auflösung jedoch ein wenig schwächer. Das "Märchen vom toten Körper, unbekannt, wem gehörig" ist ein fast burleskes Bravourstück, das Fans von Gogol begeistern dürfte. Mit den witzigen, treffsicheren Charakterbildern der "Prinzessin Mimi" und der "Prinzessin Zizi" schließt der Band.

Die Veröffentlichung dieser Sammlung ist zu begrüßen, wenn auch leider nicht vorbehaltlos. Odoevskij ist zweifellos ein Autor, den es zu entdecken lohnt. Die Frage ist, wie repräsentativ er hier vorgestellt wird.

Nach Ansicht des Ich-Erzählers aus der "Sylphide" verhält es sich so, "dass nichts dem Glück des Menschen so entgegenstünde, als viel zu wissen, und dass Unwissenheit noch nie die Verdauung gestört habe". Diese Erkenntnis muss sich Urban bei der Benachwortung zu Herzen genommen haben. Gerade bei einem Begleittext vom Übersetzer selbst würde man sich wünschen, er begründete die Auswahl: Warum ist beispielsweise kein Text aus den "Russischen Nächten" aufgenommen, Odoevskijs wohl berühmtester Erzählsammlung - zumal "Opere del Cavaliere Giambattista Piranesi", bei dem der "Ritter Gluck" grüßen lässt, noch etwas typischer wäre? Warum fand nicht eine der Musikernovellen um Bach oder Beethoven Eingang? Warum werden die ausgewählten Texte kaum kontextualisiert? Warum erfährt man so wenig über Odoevskijs sonstiges Schaffen?

Um es noch einmal zu betonen: Nicht die Auswahl oder die Erzählungen an sich sind schlecht, sondern der editorische Rahmen lässt zu wünschen übrig, flattert doch das Nachwort letzten Endes zwischen den Prinzessinnen Mimi und Zizi und bruchstückhafter Rezeptionsgeschichte ziellos hin und her. Odoevskij selbst kann ohne Wenn und Aber allen ans Herz gelegt werden, die sich für romantische Literatur begeistern. Auch muss man Neuübersetzungen nicht automatisch den Vorzug geben, derjenigen von Urban schon gar nicht, weil sie einerseits bewusst altertümelnd daherkommt, andererseits nach wie vor durch die streng wissenschaftliche Transliteration irritiert.

Odoevskij ist bereits mit (mindestens) vier Einzelveröffentlichungen sowie in verschiedenen Anthologien auf Deutsch präsent, sie sind keineswegs schlechter. Nur eben leider vergriffen. Mit dieser Publikation erhält man nun eine neue Gelegenheit, die Texte selbst kennenzulernen. Und darauf kommt es an.

CHRISTIANE PÖHLMANN

Vladimir Odoevskij: "Der schwarze Handschuh". Erzählungen.

Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Peter Urban. Manesse Verlag, München 2013. 384 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Witzig und liebevoll zugleich [...]. Schönstes 19. Jahrhundert!« Berliner Zeitung, 11.07.2015