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Nach ihrer Scheidung will Kate ganz neu anfangen. Das kleine bayerische Dorf fernab der Stadt scheint für sie und ihren Sohn Samuel genau das richtige zu sein. Leider entpuppt sich ihr anfänglich so freundlicher Nachbar bald als ziemlich schikanös. Als sie dann auch noch eine Leiche im Gras findet, beginnt die ländliche Idylle zu bröckeln ...…mehr

Produktbeschreibung
Nach ihrer Scheidung will Kate ganz neu anfangen. Das kleine bayerische Dorf fernab der Stadt scheint für sie und ihren Sohn Samuel genau das richtige zu sein. Leider entpuppt sich ihr anfänglich so freundlicher Nachbar bald als ziemlich schikanös. Als sie dann auch noch eine Leiche im Gras findet, beginnt die ländliche Idylle zu bröckeln ...
  • Produktdetails
  • Verlag: Heyne
  • 6. Aufl.
  • Seitenzahl: 318
  • Abmessung: 200mm
  • Gewicht: 432g
  • ISBN-13: 9783453159945
  • ISBN-10: 3453159942
  • Artikelnr.: 08206222
Autorenporträt
Amelie Fried, Jahrgang 1958, moderierte verschiedene TV-Sendungen. Seit 1998 ist sie Gastgeberin der Talkshow "3 nach 9", ab August 2009 wird sie eine Büchersendung im ZDF moderieren. Alle ihre Romane waren Bestseller. "Traumfrau mit Nebenwirkungen ", "Am Anfang war der Seitensprung", "Der Mann von nebenan" und "Liebes Leid und Lust" wurden erfolgreiche Fernsehfilme. Für ihre Kinderbücher erhielt sie verschiedene Auszeichnungen, darunter den "Deutschen Jugendliteraturpreis". Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.
Rezensionen
Besprechung von 15.04.2000
Krachledernes und anderer Lärm
Amelie Fried spürt die Schaurigkeit des Vorgartens

Das Scheidungsopfer Kate Moor zieht mit ihrem Sohn Samuel aufs Dorf, denn in der "abgasgeschwängerten" Stadt ist es immer so laut und der Sternenhimmel kaum zu sehen. Außerdem hat Kates Gedächtnis keinen Katalysator und verschmutzt alle Straßenzüge mit schmerzlichen Erinnerungen an ihren Ex. In Talkrunden hat sich Amelie Fried den Virus des vulgärpsychologischen Gefasels eingefangen und muss nun schreiben wie Tante Kummerkasten: "Erst in den letzten Monaten war ihr klar geworden, wie verzweifelt sie sich an ein Wunschbild geklammert hatte, das der Wirklichkeit nicht mehr entsprach." Schnell wird einem da der eigene Kopf zur Schweinebucht: "Die Blockade war da. In ihrem Kopf." Gegen Blockade hilft Blockflöte. Und glücklicherweise ist die ehemalige Athletin mittlerweile freiberufliche Flötenschnitzerin. Nur die heilende Kraft der Blockflöte bringt kurzfristig Ruhe in die gärende Frau Moor. In seelisch gar zu vertrackten Situationen darf sie allerdings nicht an ihren Flöten schnitzen, denn "unweigerlich würde Kate die Missklänge ihres Befindens in die Seele des Instrumentes implantieren".

An der frischen Landluft, zwischen Trachtenjoppen und den "viel versprechend gewölbten" Krachledernen der Dorfburschen will sie ein neues Leben beginnen. Ein anfangs zuvorkommender Nachbar namens Mattuschek stellt sich bald als lüsterner Vorgarten-Psychopath heraus, der bei Mondschein Nacktschnecken seziert und in Kates Badezimmer mit Blicken eindringt. Die Dorfidylle wandelt sich zur Vorhölle, am Waldsaum wird gemordet und vergewaltigt. Aber wofür hat man Freunde? Mattuschek muss weg. Kate verbündet sich mit anderen geschädigten Nachbarinnen zu einer Widerstandsgruppe unter dem spiritistischen Regiment der Eso-Hexe Malise, und mit vereinten Kräften und einem Wagenheber schicken sie Mattuschek zum Teufel. Frauen, wehrt euch!

Amelie Fried ergänzt die Neue Empfindsamkeit durch eine Neue Plötzlichkeit. In dem kleinen bayerischen Dorf bricht ständig irgendjemand "plötzlich" durch die Buchsbaumhecke, materialisiert sich "plötzlich" neben der Hollywood-Schaukel, tippt einem "plötzlich" von hinten an die Schulter, und "plötzlich" hat man einfach mal Lust auf Himbeer- statt der üblichen Brombeermarmelade. Das Leben ist ein einziges hysterisches Abenteuer. Bei all der kriminellen Aufgeregtheit bleibt Frieds Sprache so bieder wie das Reihenhauspurgatorium, das sie zu karikieren versucht. Gut gelaunte, aber stereotype Phrasen stehen wie Gartenzwerge mit Seriennummer im Text herum: Sonnenstrahlen kitzeln, braune Augen schenken warme Blicke, und im Kopf dreht sich ein Karussell. Hier regiert die selige Niedlichkeit, da hilft alles Morden und Vergewaltigen nicht.

In manchen Ecken des Textes finden sich lose Verhaue, die nur noch mühevoll durch ein paar Bindestriche zusammengehalten werden: "Trauerte sie überhaupt Bernd nach oder nur dem Zustand des Verheiratetseins, des Wissens-wohin-man-gehört?" Sprachliche Unbeholfenheit und Formulierungsdrang verbinden sich zu West-Coast-Kitsch: "Unter der Have-a-nice-day-fröhlichen Sonne Kaliforniens verglüht ein Traum."

Das Ganze soll ein "Frauenkrimi" sein. Wer nun glaubt, dass dieses Genre eine Melange aus der Witz- und Horoskopecke moderner Frauenzeitschriften, aus Gesprächs-Leitfäden für Paartherapeuten und neuer deutscher Geschlechterkomödie bezeichnet, liegt völlig richtig. Die Geburt des Romans aus dem Geist des humorigen Kofferraum-Stickers "Ich bremse auch für Männer". Die lahme Story wird von einer vorhersehbaren Dramaturgie der fortschreitenden Eskalation getragen. Hilflos versucht Fried, so etwas wie Spannung aufzubauen, indem sie ihrer Hürdenläuferin anfangs erst einmal eine zerstochene Leiche vor die Füße wirft. Von da an geht also ein Mörder im Dorf um. Es folgen noch zwei, drei Vergewaltigungen. Aber die Morde und Vergewaltigungen werden kaum weiterverfolgt oder einfach in einem Nebensatz irgendeinem Bauern angehängt. Stolpernd absolviert Fried ihren erzählerischen Hürdenlauf, wirft ein paar Hindernisse um und lässt sie desinteressiert liegen. Hauptsache, die vier Frauen kommen irgendwie mit ihrem Mord an Mattuschek durch die Zielgerade und der Leser bleibt ihnen halbwegs auf den Fersen. Es gibt sehr genau kalkulierte Krimis. Hier liest man ein gut durchkalkuliertes Marketingprodukt: Promi schreibt Krimi. Amelie Fried hat aus allen auf dem Bestseller-Markt erhältlichen Ingredienzien ein konkurrenzfähiges Produkt zusammengeschustert. Dabei ist Clarissa Pinkola Estés mit ihrer "Wolfsfrau" nicht nur die Urmutter der Eso-Hexe Malise, sondern auch spiritueller Kraftquell, aus dem sich die vier Erinnyen für ihren hysterischen Rachefeldzug gegen Mattuschek stärken. Noch das schlechteste Buch kann den Charme surrealistischen Nonsens entwickeln und durch die Absurdität seiner Sprache faszinieren. Die einzige Chance alberner Bücher ist es, konsequent albern zu sein. Die Surrealisten fanden Gefallen an Fantomas-Heftchen, Arno Schmidt widmete Karl May hunderte von Seiten. Pulp und Trash können eine ganz eigene Poesie entwickeln.

Frieds Vorgarten-Terror hätte in ein amüsantes Bavarian Chain-Saw-Massacre münden können. Doch Amelie Fried wollte mit ihrer ungemeinen Putzigkeit einfach nur zum dritten Mal auf den Zug der ein bisschen ungezogenen Frauenbücher aufspringen, ohne sich dabei groß den Fuß zu verstauchen. Hoffentlich war das der letzte literarische Seitensprung der preisgekrönten Talk-Masterin.

STEPHAN MAUS.

Amelie Fried: "Der Mann von nebenan". Roman. Heyne Verlag, München 1999. 320 S., geb., 36,- DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Viel Häme gießt Stephan Maus über das neue Buch von Amelie Fried, von dem er hofft, es sei nun "der letzte literarische Seitensprung der preisgekrönten Talk-Masterin". In ihren Talkrunden jedenfalls habe sich die Autorin "den Virus des vulgärpsychologisches Gefasels" eingefangen. Maus` kurze Zusammenfassung strotzt vor Kalauern und Sentenzen, die sich über Handlung, Figuren und Autorenabsichten lustig machen. Am Schluß doch noch ein paar sachliche Argumente: "gut durchkalkuliertes Marketingprodukt", gestrickt nach dem Muster "Promi schreibt Krimi", mit dem Amelie Fried noch ein drittes Mal als Trittbrettfahrer des Trends "ungezogene Frauenbücher" reüssieren wollte.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Mit dieser Mischung aus Spannung, Humor, Erotik und Gefühl schreibt Amelie Fried wunderbare Romane."