Der Leguan - Vázquez-Figueroa, Alberto
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Im äußersten Süden der Galapagos-Inseln liegt die kleine unbewohnte Insel La Espanola. Ihre Anlegestelle heißt heute noch "Oberlus-Bucht" zur Erinnerung an jenen Mann, der dort im 18. Jahrhundert als Ausgestoßener gelebt und sich sein eigenes, grausames Reich errichtet hat. Diese Gestalt macht Alberto Vazquez-Figueroa zum Helden seines Abenteuerromans. Er erzählt eine beklemmende Robinsonade von atemberaubender Spannung. Die Geschichte vom "Leguan", in alten Chroniken überliefert und von Melville in einer Erzählung aufgenommen, wird hier zur Parabel schrankenloser Herrschaft.…mehr

Produktbeschreibung
Im äußersten Süden der Galapagos-Inseln liegt die kleine unbewohnte Insel La Espanola. Ihre Anlegestelle heißt heute noch "Oberlus-Bucht" zur Erinnerung an jenen Mann, der dort im 18. Jahrhundert als Ausgestoßener gelebt und sich sein eigenes, grausames Reich errichtet hat.
Diese Gestalt macht Alberto Vazquez-Figueroa zum Helden seines Abenteuerromans. Er erzählt eine beklemmende Robinsonade von atemberaubender Spannung. Die Geschichte vom "Leguan", in alten Chroniken überliefert und von Melville in einer Erzählung aufgenommen, wird hier zur Parabel schrankenloser Herrschaft.
  • Produktdetails
  • Verlag: Unionsverlag
  • Seitenzahl: 283
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 283 S.
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 425g
  • ISBN-13: 9783293003071
  • ISBN-10: 3293003079
  • Artikelnr.: 11280528
Autorenporträt
Der ehemalige Journalist Alberto Vázquez-Figueroa ist in seiner Heimat Spanien die unangefochtene Nummer Eins unter den Bestsellerautoren. Seit Jahren schreibt er höchst erfolgreich spannende Abenteuerromane auf höchstem Niveau, die Auflage seiner Bücher geht in die Millionen. Der Autor lebt auf den kanarischen Inseln.
Rezensionen
Besprechung von 13.06.2003
Diktatur mit Schildkröte
Alberto Vázquez-Figueroas müde Männerphantasie

Was wäre, wenn Robinson Crusoe kein unseliger Schiffbrüchiger gewesen wäre, sondern ein Aussteiger, der die einsame Insel den Qualen der menschlichen Gesellschaft vorzog? Und Freitag ein gewaltsam versklavtes Opfer, das dem machtbesessenen Inselherren dazu dient, seine perversen Herrschaftsphantasien auszuleben? Ein solches Gedankenspiel, und zugleich die historisch verbürgte Geschichte eines Mannes, der sich Ende des 18. Jahrhunderts auf eine der Galapagosinseln zurückzog, liegt dem Roman "Der Leguan" von Alberto Vázquez-Figueroas zugrunde.

Der rothaarige Oberlus, Harpunier auf einem Walfängerschiff, ist aufgrund seiner monströsen Häßlichkeit nur unter dem titelgebenden Reptiliennamen bekannt. Selbst den syphiliszerfressenen Hafenhuren graut es vor dem reptilartigen Unwesen. In der Hoffnung, so seinen Frieden zu finden, desertiert Oberlus bei einer Zwischenlandung vor der Küste Ecuadors, um fortan sein Leben in wilden Tropfsteinhöhlen, zwischen Albatrossen und Riesenschildkröten zu fristen. Doch sein Groll gegen die Menschheit ist nicht gestillt. Vorbeiziehende Schiffe leitet er böswillig zum Kentern und rekrutiert aus den Überlebenden eine Schar von Leibdienern, die ihm unter seiner bestialischen Willkürherrschaft die Illusion eines der Kirche und dem König trotzenden Reiches unumschränkter Herrschaft schenken sollen. Mehr als ein sadistisches Vergnügen im landläufigen Sinne stellt die Freude des Monsters an der Erniedrigung seiner Untergebenen ein blasphemisches Aufbegehren gegen die Menschheit und ihren heuchlerischen Heiland dar: "Wie soll ich an einen Gott glauben, der mich mit diesem Gesicht in die Welt schicken konnte?"

Als sich unter die Gefangenen die schöne Carmen reiht, nimmt seine Tyrannei eine ungeahnte Wendung. Die Frau ist das einzige Wesen, das der Willkür des Diktators zu trotzen imstande ist - und findet dennoch an der Unterjochung und den brutalen Vergewaltigungen durch ihren Kerkermeister eine widernatürliche Lust. Mit der Zahl der Orgasmen Carmens wachsen aber auch die Befremdung des Lesers und zugleich eine Art Wehmut über die Verschwendung eines Stoffs. Die Figuren entpuppen sich doch mehr und mehr als Produkt einer schalen Männerphantasie, die zudem den historischen Kontext in eine klischeehaft moderne Perspektive zwängt. Wenn dabei ein aufgeblasener allwissender Erzähler, auf seinen Text jovial herabblickend wie ein Fabrikherr auf sein Musterunternehmen, Einsprengsel über Sexualpsychologie und die ökologische Katastrophe der Galapagos-Schildkröten in den Erzählfluß mischt, ist jegliche Faszination dahin. Statt sich in jene schillernde Galerie von Inseltyrannen einzureihen, die mit Shakespeares Prospero ihren Anfang nimmt, sinkt die Figur des Oberlus in die Niederungen schlüpfriger Filmchen hinab.

FLORIAN BORCHMEYER

Alberto Vázquez-Figueroa: "Der Leguan". Roman. Aus dem Spanischen übersetzt von Jan Moewes. Unionsverlag, Zürich 2003. 285 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr schade, meint ein leicht verärgerter Florian Borchmeyer: "Statt sich in jene schillernde Galerie von Inseltyrannen einzureihen, die mit Shakespeares Prospero ihren Anfang nimmt, sinkt die Figur des Oberlus in die Niederungen schlüpfriger Filmchen ab." Oberlus, erklärt der Rezensent, ist der titelgebende "Leguan", ein Mann von so monströser Hässlichkeit, dass selbst die Hafenhuren die Flucht ergreifen. Also setzt er sich, von Beruf Harpunier auf einem Walfänger, bei der nächsten Gelegenheit auf ein Eiland vor der Küste Ecuadors ab, um in der Folge Schiffe kentern zu lassen und die Überlebenden zu unterjochen - das ist Oberlus' "Illusion eines der Kirche und dem König trotzenden Reiches unumschränkter Herrschaft", sein Aufbegehren gegen verlogene christliche Moral. Das Ganze, informiert Borchmeyer, beruht auf einer wahren Geschichte, die sich Ende des 18. Jahrhunderts abgespielt hat - eine glänzende stoffliche Vorlage also, nur leider, findet er, grob ins Seitenaus geholzt vom Autor und seiner "schalen Männerphantasie". Denn irgendwann kommt die schöne Carmen und findet Gefallen an den Erniedrigungen des menschlichen Reptils. Und dann auch noch dieser "aufgeblasene, allwissende Erzähler" und seine "klischeehaft moderne Perspektive". Nein, danke!

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