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Auch nach fünf Jahren in Afrika sind es einfache Menschen und ihre Schicksale, die den Korrespondenten Marc Engelhardt am meisten faszinieren. Ihre Geschichten beschreiben am besten, welche Folgen »große« Ereignisse oder schwelende Konflikte tatsächlich haben. Da ist der Bibliothekar Saif Islam, der in der mauretanischen Wuste jahrhundertealten Büchern beim Verfall zusehen muss, obwohl er sie so sehr liebt, dass er die darin enthaltenen Verse vorsingen kann. Der ugandische Jugendliche Deogratius Okema, der den Kindermörder verehrt, der ihn selbst verschleppte und zwang, seine eigene Familie zu…mehr

Produktbeschreibung
Auch nach fünf Jahren in Afrika sind es einfache Menschen und ihre Schicksale, die den Korrespondenten Marc Engelhardt am meisten faszinieren. Ihre Geschichten beschreiben am besten, welche Folgen »große« Ereignisse oder schwelende Konflikte tatsächlich haben. Da ist der Bibliothekar Saif Islam, der in der mauretanischen Wuste jahrhundertealten Büchern beim Verfall zusehen muss, obwohl er sie so sehr liebt, dass er die darin enthaltenen Verse vorsingen kann. Der ugandische Jugendliche Deogratius Okema, der den Kindermörder verehrt, der ihn selbst verschleppte und zwang, seine eigene Familie zu ermorden. Oder der Berliner Architekt Martin Grütters, der in einer der unwirtlichsten Gegenden Afrikas im Alleingang versucht, Entwicklungshilfe zu leisten und dabei an der eigenen Hilfsbereitschaft zu scheitern droht. Die Unfassbarkeit Afrikas lässt sich nur durch ihre Akteure, die kleinen Helden, tragischen Verlierer und skurrilen Persönlichkeiten begreifen. Ihre Geschichten hat Marc Engelhardt aufgeschrieben und schafft so ein ganz persönliches Bild von Afrika: von einem Kontinent, wo nicht nur Not und Leid, sondern auch Wagemut und Ideenreichtum herrschen; einem Kontinent, auf dem nicht nur gestorben, sondern vor allem gelebt wird.
  • Produktdetails
  • Picus Reportagen
  • Verlag: Picus Verlag
  • Seitenzahl: 132
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 132 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 115mm x 18mm
  • Gewicht: 22g
  • ISBN-13: 9783854529552
  • ISBN-10: 3854529554
  • Best.Nr.: 25657797
Autorenporträt
Marc Engelhardt, geboren 1971, arbeitet seit vielen Jahren als freier Auslandskorrespondent, zunächst aus Nairobi und seit 2011 aus Genf. Er schreibt für die tageszeitung, die NZZ, das Magazin Cicero sowie ARD Hörfunk und Fernsehen. Er ist der Vorsitzende des Korrespondentennetzwerks Weltreporter.
Rezensionen
Besprechung von 28.09.2009
Koran auf Gazellenhaut
Das sind informative und vergnüglich zu lesende Stücke aus dem Alltag. Der Journalist, der – wie die meisten Afrika-Korrespondenten – in Nairobi sitzt, hat eine gute Mischung gewählt. Es tauchen alte Orte und Traditionen auf, die aber auch im Wind moderner Herausforderungen stehen. So lebt in Chinguetti, dem „siebten Mekka”, einem islamischen Heiligtum in Mauretanien, der „Hüter der zerfallenden Bücher”, der dem Buch den Titel gibt. Der Leiter der Bibliothek (sie besteht seit 1698) muss jetzt die Unesco fürchten: Die will ihm, um die Bücher wegen der Klimaveränderungen zu schützen, seine Folianten und den auf Gazellenhaut geschrieben Koran wegnehmen.
In achtzehn Stücken umgreift Engelhardt den Kontinent: Er lässt den arabischen Maghreb aus, über den ja genügend berichtet wird. Auch die Südafrikanische Union findet nur am äußersten Rand statt. Er erwähnt die verlassenen Riesenhotels und das paradiesische Naturspektakel an den Simbabweschen Victoria-Fällen: Hier herrscht statt größter Besucherzahlen gähnende Leere. Warum? Weil Präsident Mugabe sein Land in einen Zusammenbruch geführt hat, der auch das Ende des Tourismus bedeutete.
Das Buch erspart dem Leser nicht den Blick auf den kritischen Zustand einiger Länder. Wie im Fall Somalia existieren sie als Staat nicht mehr. In Kenia tobt der Krieg um die guten Böden, die sich der Stamm der Kalenjin unter den Nagel reißt, so heftig, dass es zu Weihnachten 2007 ein regelrechtes Abschlachten aus Anlass der gefälschten Wahl gegeben hat. Die Zisterzienser-Mönche aus dem Kloster von Kipkelion sind dabei, in das benachbarte Uganda umzuziehen. Die Kalenjin sehen die Mönche als ihre Feinde, „viele wollen das Land haben, auf dem unser Kloster steht”, sagt einer der Patres.
Um die afrikanische Krankheit der Disziplinlosigkeit geht es in einem Beitrag über den Südsudan. Martin Grütters hat als Bauingenieur einen Narren an diesen Menschen gefressen und kommt immer wieder hierher zur Arbeit. Es gibt diese Menschen, die unverdrossen sagen: Trotzdem lohnt die Investition in diesen verlassenen Kontinent. Es sind Bruchstücke einer Entwicklung, die nicht gutgegangen ist seit 1960, dem „Achsenjahr” der Unabhängigkeit. Einzig Ruanda hat den noch nicht durch die Tat belegten Ehrgeiz, bis 2020 zu einem Schwellenland zu werden und damit auch den Anschluss an den globalisierten Weltmarkt zu erreichen.
Das Buch bietet zuverlässige Informationen – bis auf ein Faktum: Der neue Premierminister Simbabwes, Morgan Tsvangirai, ist kein Ndebele, also nicht Angehöriger des Minderheitsstammes, sondern ein Shona. RUPERT NEUDECK
MARC ENGELHARDT: Der Hüter der zerfallenden Bücher – Afrikanische Schicksale. Picus Reportagen, Wien 2009. 132 Seiten, 14,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Das Urteil von Rupert Neudeck fällt kurz aus: "Informativ" und "vergnüglich zu lesen" seien die 18 Afrika-Reportagen von Marc Engelhardt. Gut gefällt dem Gründer des "Komitees Cap anamur" auch die Auswahl, die ihren Fokus gerade nicht auf die arabischen Länder oder Südafrika legt. Leere Großhotels in Simbabwe, Krieg um Böden in Kenia - Berichte von den fatalen Zuständen und einer gescheiterten Entwicklung in Afrika seit 1960, die für Neudeck alle gut und kritisch recherchiert sind. Einzig die Stammeszugehörigkeit des Premierministers Simbabwes muss er korrigieren.

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