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Das Komplott - Eisner, Will
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Es war ein großes persönliches Anliegen des berühmten Comic-Zeichners Will Eisner, mit seinen Mitteln die Wahrheit über eine Lüge zu erzählen, die seit mehr als hundert Jahren Haß in den Köpfen sät. Die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion, fabriziert möglicherweise im Auftrag des russischen Geheimdienstes Ende des 19. Jahrhunderts, sollen die vermeintlichen "Machenschaften" der Juden zur Beherrschung der Welt belegen und waren zunächst zur Verleumdung der Reformer im zaristischen Rußland gedacht. 1905 begann die antisemitische Hetzschrift ihren verhängnisvollen Siegeszug um die Welt.…mehr

Produktbeschreibung
Es war ein großes persönliches Anliegen des berühmten Comic-Zeichners Will Eisner, mit seinen Mitteln die Wahrheit über eine Lüge zu erzählen, die seit mehr als hundert Jahren Haß in den Köpfen sät. Die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion, fabriziert möglicherweise im Auftrag des russischen Geheimdienstes Ende des 19. Jahrhunderts, sollen die vermeintlichen "Machenschaften" der Juden zur Beherrschung der Welt belegen und waren zunächst zur Verleumdung der Reformer im zaristischen Rußland gedacht. 1905 begann die antisemitische Hetzschrift ihren verhängnisvollen Siegeszug um die Welt. Nicht nur die Nationalsozialisten beriefen sich auf die "Protokolle", auch heute noch werden sie vielerorts als angeblich seriöses Dokument zitiert. Eisner zeichnet in einem spannenden Comic, das sich auf die jüngsten Erkenntnisse der Historiker stützt, ihre Entstehungsgeschichte nach.
  • Produktdetails
  • Verlag: DVA
  • Seitenzahl: 150
  • Erscheinungstermin: Februar 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 260mm
  • Gewicht: 572g
  • ISBN-13: 9783421058935
  • ISBN-10: 3421058938
  • Artikelnr.: 14165522
Autorenporträt
Will Eisner, 1917 als Sohn österreichischer Einwanderer in Brooklyn geboren, prägte maßgeblich die Entwicklung der Comics im 20. Jahrhundert. Als Vater der "graphic novel", des gezeichneten Romans, wirkte er stilbildend für mehrere Generationen von Zeichnern. Zu seinen bekanntesten Werken gehört The Spirit. Eisner starb im Januar 2005.
Rezensionen
Besprechung von 08.10.2005
Mit der Zeichnerhand die Lüge töten
"Das Komplott", Will Eisners meisterhafter Comic über die "Protokolle der Weisen von Zion"

Sie geben keine Ruhe: Noch im Sommer 2005 erzählt das "Magazin 2000 plus", Nachrichtenquelle und Trostblatt des deutschen Esoterik-Spießers, grelle Räubergeschichten von der geplanten militärischen Neutralisierung Israels durch Rußland, falls der jüdische Staat seine raumordnenden Machenschaften nicht bald ein bißchen moderater gestaltet. Das ist derselbe finstere Blödsinn, der vor genau hundert Jahren im Zuge der ersten russischen Revolution in reaktionären Kreisen um die gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion" herumphantasiert wurde, nur mit ein paar neuen geopolitischen Kopfgeburten aufgeputzt.

Will Eisner zeigt sich selbst in einer der eindringlichsten Sequenzen seines Comics "Das Komplott", wie er mit jungen Gläubigen, die das angeblich von Juden verfaßte Verschwörermanifest der "Protokolle" ernst nehmen, erfolglos darüber diskutiert - das Gefühl der Vergeblichkeit, das einen beim Beobachten der endlos ratternden Gebetsmühle quält, ist die größte Schwäche aller, die der Hetze widerstehen. Solange aber die Moderne weiterwurstelt beim Versuch, endlich doch ein säkulares, von Massenwahn und falschem Bewußtsein der Eliten freies Zeitalter zu werden, müssen wohl Irre aus der Tiefe der historischen Schauerschluchten ihren Refrain gurgeln: "An allem sind die Juden schuld."

Außer Haß soll diese Propaganda vor allem das Gefühl des überlegenen Bescheidwissens erzeugen: Man erfährt, was hinter den sogenannten Kulissen los ist, die vermeintlichen Verursacher der Sachzwänge werden benannt. Das funktioniert am besten überall da, wo von Interessen sonst nicht die Rede sein darf, also auch in unserer Gegenwart, in der scheinbar niemand mehr etwas will und alle nur noch müssen - Politik, Kulturmanagement oder der Kurs eines Unternehmens werden in der Ära der Monopole und großen Zweckmäßigkeitskoalitionen ja nicht mehr, wie noch im Zeitalter der freien Konkurrenz, als Programmangebote verkündet und mit absichtsgeleiteten Begründungen vertreten, sondern ihre schiere unausweichliche Notwendigkeit belegt man einfach mit Studien, Törtchengrafiken, Statistiken, Erhebungen, Leserumfragen und Tierversuchen. Friß oder stirb.

Daß "die Dinge halt so sind", ist tendenziell stets der Fall, wenn relativ viel Macht in relativ wenigen Händen konzentriert ist und jemand dafür sorgen will, daß das so bleibt. Schon bevor er die "Protokolle der Weisen von Zion" mit genau diesem Ziel fälschte, dachte sich ein gewisser Matwej Golowinski im zaristischen Rußland Statistiken aus, die den wachsenden Einfluß der Juden belegen sollten - im Auftrag der religiösen Rechtspresse und mächtiger Modernisierungsfeinde. Daß Dinge, die man im Alltag mitbekommt, keinen Sinn ergeben, muß aber nicht, wie solche Meinungsfabrikanten suggerieren wollen, an fehlenden Hintergrundinformationen liegen - es könnte auch daher rühren, daß man das, was eigentlich alle wissen, schlicht falsch verknüpft hat.

Will Eisners Comic über die Entstehung und Verbreitung der "Protokolle" handelt von diesem Gedanken: Aufklären heißt, die Geschichte in der richtigen Reihenfolge der längst bekannten Einzelheiten erzählen. Und wer wäre dazu besser geeignet als ein Bilderzähler, der sich mehr und klügere Gedanken als irgend jemand sonst darüber gemacht hat, in welchen Beziehungen Text und Bild, Argument und Evidenz, Reihung und Betonung, Seiteneinteilung und narrativer Rhythmus zueinander stehen? "Das Komplott" ist Eisners letztes Werk. Der Autor und Zeichner, der im Januar im Alter von 87 Jahren gestorben ist, hat es als politisches und ästhetisches Vermächtnis nach zwanzigjähriger Arbeit hinterlassen. In gewisser, sehr verdrießlicher Hinsicht möchte man ihn dazu beglückwünschen, daß er die ersten Stimmen zum Erscheinen des Buches nicht mehr hat erleben müssen. Erst die fernere Nachwelt wird die große Unterlassungssünde der Kritik ausbügeln können, die darin besteht, daß nun allenthalben - auch von Lobsängern - so getan wird, als habe Eisner ein rein an seinem pädagogischen Gebrauchswert zu messendes Werk vorgelegt, dessen graphische und erzählerische Qualitäten sich in routiniert geführtem Strich und der Übersichtlichkeit des an diesem entlang Aufbereiteten erschöpfen.

Das Gegenteil ist wahr: "Das Komplott" ist längst nicht so leicht lesbar, wie es aussieht, sondern sträubt sich wie der heikle Stoff gegen das brave Runtererzählen. Was Eisner statt dessen getan hat, zeigt ihn als selbst für seine Verhältnisse ungewöhnlich polyrhythmischen Arrangeur und Hierarchisierer seiner Strip-Sequenzen: Auf diesen Seiten passieren Dinge, vor deren Nachahmung man Leute, die nicht jederzeit die gesamte Sprachenfülle des Comics samt kritzelnder Dialekte und kratzender Codierungen im Handgelenk mit sich führen, nur beschwörend abraten kann. Den Höhepunkt bietet eine geschlagene achtzehn Seiten lange Darstellung von nichts Aufregenderem als zwei miteinander einen Textvergleich zwischen Original und Fälschung vornehmenden Männern. Sie lesen, reden, lesen weiter, reden noch mehr und Eisner läßt sie alles, was "Handlung" ist an seiner Geschichtsrekonstruktion, bis zum Stillstand verlangsamen. Stillstand - nicht Langeweile: Dem Autor gelingt das Erstaunliche, über Körperhaltung, Perspektive, Andeuten oder Weglassen von Hintergrund, Aufhellung und Verdunkelung, Geste und Umriß in äußerster Prägnanz und Transparenz mitzuteilen, daß die spannenden Momente der Ideologiegeschichte eben nicht diejenigen sind, an denen es irgendwelche Verblendeten und Verhetzten zur Tat treibt, sondern im Gegenteil die viel selteneren, an denen jemand fragt: Stimmt das eigentlich, was wir da glauben - und wenn nicht, wieso glauben wir es dann?

Die Menschen, deren Leben das Ringen zwischen Verblödung und Vernunft bestimmt, zeigt Eisner im russischen Schneefall aus ominösen Klecksen oder in schweizerischen Redaktionsstuben, deren angenehme Muffigkeit sein Tuschpinsel in warme Schlieren auflöst. Er läßt sie streiten, grübeln und rauchen, sich entsetzen und begeistern, und wer ihre physischen Haltungen als Kürzel geistiger Positionen lesen lernt, der könnte, wenn er es nicht wüßte, allein an diesem Band erfahren, daß Eisner sein ganzes Künstlerleben lang nichts anderes getan hat, als sich um die Menschwerdung des Comic-Helden so verdient zu machen wie Dickens, Flaubert und Dostojewski um die Wahrhaftigkeit der modernen Romanfigur.

Politik wird von Menschen gemacht, sie ist das Durchsetzen von öffentlich erkennbaren Absichten, nicht der Datenabgleich im geheimen. Man muß die Eigenschaft wohl "Weisheit" nennen, die Will Eisner erlaubt hat, ausgerechnet in einem Medium, das ausschließlich mit Sichtbarem und Evidentem seine Wirkungen erzielt und dessen Kindern Eisners zärtliche Liebe, harte Arbeit und väterliche Fürsorge zeitlebens gegolten haben, am Ende seiner Laufbahn die wertvolle Mitteilung zu wagen, daß das Nachfragen dem Zeigen, das Reflektierte dem Evidenten, die erzählte Wahrheit der befohlenen Propaganda vorzuziehen ist - nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch aus solchen des Schönheitssinns.

Will Eisner: "Das Komplott". Comicerzählung. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jörg Krismann. Mit einer Einführung von Umberto Eco. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 150 S., geb., 19,90 [Euro].

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"Eine Legende, Vaterfigur eines ganzen Genres. Kein anderer Comiczeichner kann für sich in Anspruch nehmen, mehr für die Entwicklung seines Fachs geleistet zu haben." Andreas Platthaus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

"Er war der Dynamo der amerikanischen Comics. Das Mastermind und der Meister, von dem alle lernten." Fritz Göttler in der Süddeutschen Zeitung

"Durch ihn wurde die Entwicklung der Comics maßgeblich geprägt, und für drei Generationen von Zeichnern wurde Will Eisner zur Legende." Andreas C. Knigge in Comixene
Besprechung von 12.09.2005
Schreibtischtäter
„Das Komplott”, Will Eisners beklemmender Comic-Roman über die Weisen von Zion
Eine Vampirgeschichte, ein Revenantenstück erzählt dieses Buch. Der Wiedergänger, der hier nicht totzukriegen ist und immer wieder aus dem Grab zurückkehrt, in das man ihn endgültig verbannt zu haben glaubt, ist ein Buch, ein nicht aus der Zirkulation zu ziehender Text - die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion”. Eine schaurige Schmähschrift, ein antisemitisches Konstrukt, das den Juden eine weltweite Verschwörung unterstellt, den Griff nach der Weltherrschaft - und zwar, indem es sich als jüdischer O-Ton ausgibt. Ein eindeutiger Fake, aber so effektiv, dass er den Wahrheitstest, die Konfrontation mit der Wirklichkeit nicht mehr zu fürchten braucht. „Die Protokolle könnten gefälscht sein”, formuliert Umberto Eco in seinem Vorwort, „aber sie sagen genau das, was die Juden denken, und müssen daher als authentisch angesehen werden.”
Es ist diese falsche Authentizität, die den großen amerikanischen Comic-Autor Will Eisner bestürzte, als er vor einigen Jahren die „Protokolle” erstmals las - als Beispiel für einen Antisemitismus, der sich verselbstständigt hat, der nicht mehr mit Erklärungen, nur noch mit Evidenzen operiert. So hat Will Eisner, der in einer jüdischen Familie in der Bronx in New York aufwuchs, beschlossen, in einer graphic novel die Geschichte dieses Buches zu schildern (SZ 25.5.2005). „The Plot/Das Komplott” ist seine letzte Arbeit geworden, im Januar dieses Jahres ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.
Die fiktiven Weisen von Zion haben den russischen Reaktionären bei ihren politischen Umtrieben Anfang des 20. Jahrhunderts gedient, sind vom Industrieboss Henry Ford in einer amerikanischen Ausgabe gedruckt, von den Nazis begierig aufgegriffen worden, vom Abgeordneten Churchill erörtert worden. 1921 hat die Times sie als Fälschung entlarvt, 1964 in einem Report des amerikanischen Senats als antisemitische Fälschung deklariert - all das konnte nicht verhindern, dass die „Protokolle” zum Bestseller wurden, in immer mehr Sprachen übersetzt und in immer mehr Ländern gedruckt und einem Millionenpublikum untergejubelt wurden - zuletzt in den vom Fundamentalismus geprägten islamischen Ländern.
Eine irrwitzige Geschichte, historische Action in großem Format, allerdings ohne eigentlichen Helden - wie die meisten großen amerikanischen Comic-Autoren liebt auch Eisner die gebrochenen Helden, und hat mit „The Spirit” einen ganz besonders grüblerischen geschaffen. In seinem letzten Buch geht es nun nur noch um Schreibtischtäter, Journalisten, Redakteure, Archivare, Wissenschaftler - und wunderbar zeichnet Will Eisner ihr Arbeitsfeld, alle diese Schreibtische, übersät mit Manuskripten und Notizzetteln, dazu Kaffeekanne und Kerzenhalter, beschwört den Dunst der Kreativität, der von Redaktionsstuben ausgeht oder von vollgestopften Archiven.
An einem leeren Schreibtisch beginnt es, auf dem nur noch ein Objekt platziert ist, der tote Schriftsteller Maurice Joly, und daneben die Pistole, mit der er sich erschossen hat - nach einem Leben, das dem Kampf gegen politische Skrupellosigkeit und Unterdrückung gewidmet war, die für ihn in Frankreich vor allem ein Mann verkörperte, Kaiser Napoleon III. In seinem bekanntesten Buch hat Joly ihn sarkastisch porträtiert, in den „Gesprächen in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montesquieu”.
Joly ist das Vorspiel, eine präzise, in seiner zeichnerischen mise en scène bestürzende kleine Studie in politischer Zivilcourage. Danach beginnt die Gegengeschichte, die der perfiden Schmähschrift. Sie nimmt ihren Ursprung in einem Versuch, den russischen Zaren Nikolaus II. zu beeinflussen, als er sich liberalen Tendenzen zu öffnen scheint - und zwar mit Hilfe eines Sündenbocks, der für Fortschritt, Liberalismus, Zersetzung steht - den Juden und ihrer Verschwörung. Mit phantastischer Präzision skizziert das Bronx-Kind Will Eisner das dekadente, vorrevolutionäre Russland, zeichnet ein wunderbares Porträt des Schöpfers der „Protokolle”, des verzogenen Fratzen und frustrierten parfümierten Anwalts Matwej Golowinski, der einen zionistischen Kongress im Jahr 1897 umfunktioniert zum Kern einer Verschwörung und das Pseudo-Protokoll dazu fabriziert - und weil er zu wenig Zeit hat, greift er auf die satirischen Argumente in Jolys „Gesprächen” zurück.
Es ist ein durch und durch melancholisches Buch geworden - ein Meisterstück der politischen Melancholie, die sich als Kind der Aufklärung versteht. Ein historisches Ballett, eine Choreographie der Manipulation. Dass der Mensch Manipulationsmasse ist, hat man in Frankreich im 19. Jahrhundert literarisch und publizistisch durchdekliniert, ein Verlust der Illusionen von Balzac bis Joly - und eine wachsende Faszination am Spiel mit der Wirklichkeit. Am Ende des „Plot” tritt Will Eisner selbst auf, ein alter, fragiler Mann auf Recherche, der sich mit dem circulus vitiosus konfrontiert sieht, in Gestalt einiger antisemitischer Demonstranten. Und auch er verfällt der Schimäre, glaubt auch, nun müsste - „endlich, endlich” - die Wirkung der Protokolle beseitigt sein . . .
FRITZ GÖTTLER
WILL EISNER: Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion. Mit einem Vorwort von Umberto Eco. Aus dem Amerikanischen von Jörg Krisman. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 152 S., 19,90 Euro.
Der Tanz beginnt. Sergej Nilus hat erstmals die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion” publiziert.
Abb.: DVA
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

" Fasziniert und begeistert zugleich ist Rezensent Dietmar Dath von diesem letzten Werk des Anfang 2005 verstorbenen Comicvirtuosen Will Eisner, der sich in Daths Augen "um die Menschwerdung des Comic-Helden" so verdient gemacht hat, wie "Dickens, Flaubert und Dostojewski um die Wahrhaftigkeit der modernen Romanfigur". Dies belegt ihm auch noch einmal dieses letzte Werk, in dem Dath Eisners politisches und ästhetisches Vermächtnis sieht. In diesem Comic, in dem es seinen Informationen zufolge um die antisemitische Propagandaschrift "Protokolle der Weisen von Zion" im zaristischen Russland geht, gelinge Eisner "das Erstaunliche", über "Körperhaltungen, Perspektive, Andeuten oder Weglassen von Hintergrund" in "äußerster Prägnanz und Transparenz" antisemitische Ideologiegeschichte zu vermitteln. Und zwar so, dass man sich beim Lesen selber fragen würde: "stimmt das eigentlich, was wir da glauben - und wenn nicht, wieso glauben wir es dann?" Dabei fand der Rezensent das Meisterwerk gar nicht so leicht zu lesen, da es wegen des "ungewöhnlich polyrhythmischen" Arrangements und der Hierarchisierung der Stripsequenzen dem Leser gelegentlich die Beherrschung der "gesamten Sprachenfülle" des Comics abverlange. Manchmal sieht er Eisner seine Geschichtsrekonstruktion um die "Protokolle der Weisen von Zion" bis zum Stillstand verlangsamen. Dath fand allerdings selbst diesen Stillstand noch in hohem Maße aufregend.

© Perlentaucher Medien GmbH"
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