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Kolumnen - kurze Texte, die mit unserem Common sense sprechen - und Essays, die uns etwas mehr Raum und Zeit geben, um über ihren Gegenstand nachzudenken, von großer Vielfalt und Intensität.

Produktbeschreibung
Kolumnen - kurze Texte, die mit unserem Common sense sprechen - und Essays, die uns etwas mehr Raum und Zeit geben, um über ihren Gegenstand nachzudenken, von großer Vielfalt und Intensität.
  • Produktdetails
  • detebe Diogenes Taschenbücher Nr.23394
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 270
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm
  • Gewicht: 231g
  • ISBN-13: 9783257233940
  • ISBN-10: 3257233949
  • Artikelnr.: 12361030
Autorenporträt
Urs Widmer, geboren 1938 in Basel, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. Danach arbeitete er als Verlagslektor im Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt. 1968 wurde er mit seinem Erstling, der Erzählung 'Alois', selbst zum Autor. In Frankfurt rief er 1969 zusammen mit anderen Lektoren den 'Verlag der Autoren' ins Leben. Für sein umfangreiches Werk wurde er u.a. mit dem 'Heimito-von-Doderer-Literaturpreis' (1998) sowie dem 'Friedrich-Hölderlin-Preis' der Stadt Bad Homburg (2007) ausgezeichnet. Urs Widmer starb 2014 in Zürich.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.12.2011

König Midas
hat Eselsohren
Es gibt Menschen, die sind ihrer Zeit voraus. Urs Widmer ist so ein Mensch. Der Schweizer Autor hat sich schon vor zehn Jahren auf die Suche nach dem Ursprung des Geldes gemacht. Und nicht nur jene, die jetzt Angst um ihr Erspartes haben, tun gut daran, ihm auf seinen Spuren zu folgen. Das Angenehme: Widmer macht es einem leicht, ihm zu folgen. Er schreibt in einer Sprache, die einfach daherkommt und doch voller berührendem Tiefgang steckt. Sein Essay „Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück“ beginnt mit dem Satz: „Im Anfang war nicht das Geld.“ Und es endet mit der Feststellung, „daß heute noch alle Midasse Eselsohren haben“.
Dazwischen streift er Themen, die das Leben postmoderner Gesellschaften mehr denn je bestimmen: die Arbeit, die Angst, das Glück – bis er am Ende wieder zum Geld kommt. Sein Essay ist ein Text, der wie kaum ein anderer nachdenklich lässig um die Fragen unserer Zeit kreist. Die Zeit der Krise. Urs Widmers Sätze sind Sätze, die hängenbleiben. Seine Sätze sind Denkanstöße. Wie halten wir es mit dem Geld? Wie definieren wir uns durch Arbeit? Was macht uns Angst? Was glücklich?
Widmer beschreibt den Alltag der sogenannten Spaßgesellschaft, der jeder Spaß so langsam vergangen ist. Er beschreibt das Erlöschen des kollektiven Gedächtnisses, die Hysterie der westlichen Gesellschaften im 9/11-Jahr. Zehn Jahre später stellt man fest: Das alles ist immer noch da. Es verschwindet einfach nicht. Nein, so leicht ist es nicht. Wie gesagt: Widmers Sätze bleiben. Dabei ist er entwaffnend ehrlich, wenn er schreibt: „Ich hätte gern, zu Beginn meiner Überlegungen, mit einigen knallharten Fakten aufgewartet. Mit handfesten, unwiderruflich recherchierten Zahlen. Ich hätte zum Beispiel gern herausgefunden, wie viel Geld es auf der Welt eigentlich gibt. Alles Geld, alles – die Summe muß, da sie gewiß endlich ist, bezifferbar sein. Aber niemand weiß das, niemand auch nur annähernd. Keine Statistik, kein Ökonom, kein Mensch.“ Und so geht sie weiter, die Suche nach dem Geld; es ist wie ein Flug im Nebel, und die Instrumente sind ausgefallen.
Also: mutig sein, einsteigen und mitfliegen.
Alexander Mühlauer
Urs Widmer: Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück. Diogene s, 9,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 20.02.2003

Im Anfang war der Salto
Urs Widmers kluge Essays über den Mammon und die Musen

Die "Regeln" dieser Gebrauchsprosa werden mit den ersten Sätzen klar. Der Autor erweist sich in seinen Kolumnen, Essays und Aufsätzen als verspielter Sprachakrobat, der sich scheinbar schwerelos von Einfall zu Einfall hangelt, ab und zu federnd in die Höhe katapultiert oder, wenn es sich gerade so schön aufdrängt, ausgelassen den Salto probt. Keine Spur von logischem Regelwerk. Auch keine ächzende Kraftanstrengung. Scheinbar ist alles nur Spiel, nur Übermut und träumerisches Sichgehenlassen in diesen Texten. Der Schweizer Autor Urs Widmer hat sich hier einer durchaus ungeordneten Schreibmethode verschrieben.

Das Ergebnis ist dann allerdings zu respektabel, um nicht als Folge eines ausgeklügelten, aber diskret verborgenen Prinzips begriffen zu werden. Vor dem Auge des Lesers nämlich bahnt sich aus der lockeren, oft chaotischen Verbindung von Assoziationen, Gedankenschnipseln und Beobachtungen eine leuchtende Reflexionsspur, ein Denkbild reiht sich ans nächste. Der unkonventionelle Weg führt zu unerwarteten Einsichten und eröffnet oft einen neuen Blick auf alte Gegenstände.

Urs Widmer, Prosaautor und Essayist, hat zuletzt mit der Geschichte einer Liebe von sich reden gemacht, einem riskanten Roman über Obsession und Selbstauslöschung. "Der Geliebte der Mutter" (2000) lebte von der kalkulierten autobiographischen Grenzüberschreitung. Die Texte, die der Autor in seinem neuen Band "Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück" vereinigt, zehren dagegen vom Ausloten der Grenzen und Abgründe im gewöhnlichen Alltag. Die Titelgeschichte setzt beim Ursprung des Menschen an und endet auf den beiden möglichen Zielgeraden, die das Leben gewöhnlich offeriert: die Angst. Oder das Glück.

Daß alles beim Geld anfängt, ist dabei ironischer Auftakt. "Im Anfang war nicht das Geld", fordert der erste Satz zwar noch widerborstig, nur um von jetzt an gemächlich, sozusagen bereits bei den Mesopotamiern die Erfindung des Tauschhandels und des Geldverkehrs festzumachen. Was nachher kommt, rast in immer haarsträubenderen Wendungen auf ein verhängnisvolles Ende zu - in einer Verkürzung allerdings, wie sie eventuell dem Essayisten zusteht: die Selbstdefinition der Menschen mittels Geld, darauf die Verselbständigung des Systems, Neid, Gier, Eifersucht, Gewalt und schließlich die perverse Lust, den potenteren Rivalen zu zerstören. Eine gigantische Schleppe von unkontrollierbaren Ungeheuerlichkeiten, die das anfänglich harmlose monetäre Tauschsystem nach sich gezogen hat.

Der luzide Aufsatz macht - zusammen mit den literarischen Essays zu Vladimir Nabokov, Joseph Conrad, Gottfried Keller sowie mit "Der Kuhschweizer als Sauschwabe", einem ironischen Text über das Verhältnis der Schweizer und Deutschen zueinander - das Kernstück des Buches aus. Hier lassen sich die Denkleistungen des Autors ablesen. Diese Arbeiten flankieren allerdings ein Mittelstück von dreißig Kolumnen, die sich ziemlich überflüssigerweise in dieses Buch verloren haben. Urs Widmer hat sie in den letzten beiden Jahren für eine Zürcher Zeitung geschrieben. Schöne Fundstücke, die eine oder andere bestechende Beobachtung oder Persiflage. Im ganzen aber sind diese Kolumnen allzu deutlich im beschränkten regionalen (Denk-)Raum verhaftet und müßten sich nicht zwingend in Buchform wiederfinden. Imponierend dagegen ist, was der Autor als Interpret und Exeget großer Literatur zustande bringt. Den Aufsatz mit dem flapsigen Titel "Über das Arschlochtum einiger Helden Vladimir Nabokovs", der vor längerer Zeit publiziert wurde, möchte man keinem vorenthalten. Was man hier über das schwierige, verstrickte, ambivalente Verhältnis zwischen Nabokov und seinen Helden lesen kann, ist vielleicht dem Blick zu verdanken, mit dem nur ein Schriftsteller den andern durchschauen kann: Man erfährt einiges über die Vertreibung des Autors aus dem goldenen Paradies der Kindheit und die Folgen für den Text; über die Tricks des russischen Hexenmeisters mit der Sprache; über die Geständnisse aus den Geheimbereichen der Autorenseele und auf welch verschlungenen Wegen er sie dem Leser übermittelt.

Man verfolgt diese Interpretationsspuren, die Urs Widmer auslegt, mit immer größerem Vergnügen und überlegt sich für eine Sekunde, ob nicht vielleicht Schriftsteller die aufregendsten, weil jede literaturwissenschaftliche Konvention ignorierende Interpreten ihrer Vorbilder aus der Weltliteratur sind.

PIA REINACHER

Urs Widmer: "Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück". Diogenes Verlag, Zürich 2002. 270 S., geb., 19,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Diesen neuen Essayband Urs Widmers mag der Rezensent Gieri Cavelty nur zusammen mit dem gleichzeitig erscheinenden Essayband "Himmelshöhi, hilf!" von Thomas Hürlimann besprechen. Ihr Verhältnis zur Schweiz, so Cavelty, rücke die beiden Dichter immer wieder "in eine bemerkenswerte Nähe". Bei beiden Autoren handele es sich um Versammlungen von Texten, die in den letzten Jahren im Wesentlichen für Zeitungen geschrieben worden seien. Beide Autoren setzten sich dabei mit "dem helvetischen Malaise unserer Tage" auseinander. Allerdings scheint der Rezensent zumindest bei Hürlimann die eigentlich literarischen Essays - zum Beispiel eine Rede auf seinen Verlager Egon Ammann - den politischen Äußerungen vorzuziehen. Auch bei Widmer weist er dringlicher auf einen Text zur Literatur hin, der allerdings auch einen politischen Hintergrund hat, denn es geht um Gottfried Keller und die Ideale von 1848. Eine kleine Spitze erspart Cavelty Widmer nicht: Seine aus einem anderen Band bekannten Thesen zu Nabokov, so scheint er den hier vorliegenden Essays zu entnehmen, stammten in Wirklichkeit von Widmers Frau. "In diesem Sinne darf man sich auf die von Widmer im Keller-Aufsatz angekündigte Studie 'Die schrecklichen Mütter der Dichter' freuen - so diese denn um ein Kapitel über 'Die gescheiten Ehefrauen der Exegeten' ergänzt sein wird."

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