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"Alles ist möglich. / Alles vielleicht. / Und fast nichts." Was könnte selbstverständlicher sein als der Körper? Was fremder? Fünf Jahre nach seinem Buch der Dinge setzt Ale teger mit BUCH DER KÖRPER die poetische Erkundung der Welt und ihrer Möglichkeiten mit einer faszinierenden Leidenschaft für kühne Metaphern und starke Bilder fort. BUCH DER KÖRPER ist der fünfte Gedichtband des slowenischen Dichters Ale teger, der virtuos die lyrische Formensprache mit neuen Inhalten bereichert hat. teger, einer der international bekanntesten Dichter seiner Generation, hat sein Buch in drei Teilen…mehr

Produktbeschreibung
"Alles ist möglich. / Alles vielleicht. / Und fast nichts." Was könnte selbstverständlicher sein als der Körper? Was fremder?
Fünf Jahre nach seinem Buch der Dinge setzt Ale teger mit BUCH DER KÖRPER die poetische Erkundung der Welt und ihrer Möglichkeiten mit einer faszinierenden Leidenschaft für kühne Metaphern und starke Bilder fort.
BUCH DER KÖRPER ist der fünfte Gedichtband des slowenischen Dichters Ale teger, der virtuos die lyrische Formensprache mit neuen Inhalten bereichert hat. teger, einer der international bekanntesten Dichter seiner Generation, hat sein Buch in drei Teilen angelegt. Im ersten Teil, "Das", findet ein Paar erst nicht und dann doch zueinander. In den Prosagedichten aus "Dort" wird die Welt als reicher und zugleich einsamer Ort bereist. Abschließend kommt in "Dann" das "Alfabet" zum Zuge; buchstabiert wird die Möglichkeit der Sprache aus dem Glutkern eines Worts.
Der Körper ist kein Paradies, aber in der Sprache tegers verwandelt er sich in ein großes Mosaik der Träume. Mal hart, mal gewagt beginnt sich der Leser selbst als etwas Lebendiges zu erfahren, als zersplitterter Körper in einem tödlich ernsten, schönen Spiel.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schöffling
  • Seitenzahl: 160
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 160 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783895614453
  • ISBN-10: 3895614459
  • Best.Nr.: 35676202
Autorenporträt
Matthias Göritz, 1969 in Hamburg geboren, ist Lyriker, Übersetzer und Romancier.
Rezensionen
Besprechung von 13.11.2012
Körpersprache der Poesie
Neue Gedichte des Slowenen Ales Steger

Dass es den seit dem Babelturmbau einander fremd gewordenen Sprachen gelinge, alle Barrieren des Ungenügens am Ausdruck zu überwinden, ist ein alter Traum der Poeten. Ausgerechnet der Poeten, die so wortreich und beschwörend sein können. Aber was sie beschwören, ist nicht das dürftige Vehikel der Alltagsrede, sondern eine Sprache, die es eigentlich nicht gibt, Utopie ungehinderten Zwiegespräches und Gesangs. Nur folgerichtig, wenn Ales Steger seinen Gedichtband, der 2010 auf Slowenisch erschien und jetzt in Übersetzung von Matthias Göritz vorliegt, Buch der Körper nennt. Das Ideal eines Sagens, das keine Umwege macht, ist in der Sprache des Körpers wenn nicht verwirklicht, so doch artikuliert. Zieht man einmal unsere schamvollen kulturellen Zurüstungen ab, so ist Körpersprache die einzige Kommunikation, die weder lügen noch vortäuschen kann. Was macht Ales Steger nun aus dem Körper in der lyrischen Umschrift seines Buchs?

Seine Gedichte siedeln genau in jenen weißen Flecken der mentalen Geographie, wo sich Körper und Sprache blind berühren; wo sie unvermittelt aufeinandertreffen und kollidieren: in der Verwirrung, der Liebe, dem Schmerz. Greift die Sprache des Körpers unerwartet in die Sprache der Wörter ein, fangen sie zu stottern, erschrocken stillzustehen - oder in manischem Furor zu rotieren an. Eines ist klar: Wenn sich der Körper ohne Vorankündigung in den Wörtern meldet, ist es mit Maskenspiel und Verstellungskünsten der Syntax vorbei. Das demonstriert Steger aufs Turbulenteste.

Erst einmal ist Turbulenz hier die Ruhe vor dem Sturm: Wörter, die sich am Rand des Körpers tummeln, um ihn in Aufregung zu versetzen, um einen sprachlichen Bewusstseinskern, in dem weder Ich und Du noch Ding und Name voneinander getrennt sind, freizulegen mit Hilfe der wenigen Hauptwörter, die ein Körper von sich weiß. Da das Slowenische - leider enthält der deutsche Band nicht auch die Originale - einen Dual für Pronomina kennt, dürfte dem Dichter die Muttersprache entgegenkommen, eine Poetik anstatt vom Ich nur vom Körper her zu denken. Folglich trägt der erste von drei Teilen des Buchs als Titel den Artikel des Neutrums schlechthin, "Das", und variiert, was leichter als Luft die Membranen der Körper umspielt: "Nur Flocke aus Watte. / Ein kleines Geheimnis, Va te, / An einen unentdeckten Ort. // Fällt ohne Verdacht. / Schüchterner Schatten eines Geräuschs. / Dass du ganz dein jetzt bist. // Nicht dort, wo es haust. / Versteckt auch für dich. / Sagt keinem warum. // Nur Flocke aus Watte. / Eine Zärtlichkeit, die in dich fiel. / Und November ist Mai. // Der Zeitatem hebt es. / Bläst es aus dir hinaus / An einen unentdeckten Ort."

Der Mittelteil des Buchs der Körper ist dagegen diametrale Entgegensetzung dieser Kurzverse - Prosablöcke, jeweils fünf gebündelt (schon im ersten Teil ist jedes Gedicht aus fünf Strophen), die sich unter der Überschrift "Dort" zusammenfügen: vieldeutiger als mit dieser adverbialen Zeigegeste geht es kaum. Die Prosagedichte sind intellektuelle Vexier- und Versteckspiele in einem Labyrinth von Räumen, die wie die Treppen Eschers oder Piranesis Carceri plötzlich aus dem Nichts hervorbrechen, um daraufhin von wieder anderen Räumen und Inseln Texts abgelöst zu werden, so dass sie sich unentwegt aufeinanderschichten und überlagern. In Stegers "Dort" fusionieren enzyklopädische Fiktionen, philosophische Exkurse, Beobachtungen, Dialog-, Brief-, Lektürereflexe zu einem verdichteten poetischen Raum, der die Verwirrung zwischen Körpern und Bewusstseinen auf die Spitze treibt.

Dabei tut Steger nichts weiter, als das Labyrinth von Schriften, Lauten, Texten um uns herum auf einen, sich immer wieder verformenden elastischen Sprachraum hin zu verdichten: der Thesaurus als Proteus in der postmodernen Babelturmruine: "Es ist nicht bekannt, ob nicht das Krächzen der Krähen, die drei oder vier Rufe hintereinander, und auch das Klopfen und Klatschen, eine komplexere Sprache bilden. Verschiedene Arten aus der Familie der Corvidae, wie Linné die Rabenkrähen klassifizierte, können die menschliche Stimme nachahmen. Ein Rabe, der poetisiert, ist das klarste Beispiel, dem Menschen Rabeneigenschaften zuzuschreiben, das ist ein Phänomen, das in der Literaturtheorie als Corvomorphismus bezeichnet wird."

Der dritte Teil schließlich begegnet dem Zusammenprall von Schrift und Körper mit dem Zeit-Vektor "Dann" als Titel, formal die Progression der 25 Buchstaben des (slowenischen) Alphabets durchdeklinierend. Wenn nach Gottfried Benn (den Steger ins Slowenische übertrug) das Wort eine körperliche Angelegenheit ist, so buchstabiert der 1973 in Ljubljana Geborene sich hier seinen Wort-Körper samt Ahnenschaft, Vorlieben, Himmelsrichtungen, Imaginationen, um die sein Satzbau kreist. Steger übt sich in behutsam von Wort zu Wort tastenden Versen in der Gratwanderung zwischen Abstraktion und Anschaulichkeit - und sie gelingt ihm im luziden Spiel der Worte. Kein Wort, das bei ihm ohne Körper, kein Körper, der bei ihm ohne Worte auskäme. Und sein Übersetzer tut es ihm nach. Das Fehlen der Originale macht dieser Band dadurch wett, dass man ihm gar nicht ansieht, dass es sich überhaupt um Übersetzungen handelt.

Fast möchte man meinen, es sei einer von Göritz' eigenen Bänden; die Wahlverwandtschaft beider Lyriker springt ins Auge, wenn man neben Stegers Buch des Körpers einmal Göritz' Tools legt (F.A.Z. vom 17. April): dieselbe Vorliebe für das Erkunden vorsprachlicher Reflexzonen, dasselbe geglückte Pendeln zwischen Vagheit und Genauigkeit im lyrischen Gedankenspiel, dasselbe Labyrinth von Zeiten und Räumen in einem anspielungsreichen Echoraum, dieselbe Raffinesse der Komposition, des Wortspiels, des Zitats.

Dennoch, Göritz zieht Steger nicht über den Tisch. Der Dichter als guter Übersetzer ist ja gerade deshalb so gut, weil er das eigene des anderen in Gedichte seiner Sprache umzusetzen versteht. So sind die slowenischen Gedichtanfänge im dritten Teil beibehalten und zeigen mitsamt dem jeweils ersten Vers, wie ein Text aus der einen Sprache beim Übersetzen buchstäblich in die andere hinüberwächst: Er nimmt andere Worte an, sein ,Körper' jedoch, Kern und Gestalt, bleibt unversehnt. Denn die fragilen Sprachkörper Ales Stegers gibt Göritz konsequent als Gedichte wieder. Dass nach Novalis alle Poesie eigentlich Übersetzung sei, bestätigt sich hier aufs schönste, denn in Gedichten verkörpert sich die Poesie. Zumindest, wenn sie so einfallsreich, vielstimmig und ätherisch daherkommt wie in Ales Stegers Gedichten, seltene Geschenke im enger werdenden europäischen Atemraum.

JAN VOLKER RÖHNERT

Ales Steger: "Buch der Körper". Gedichte.

Aus dem Slowenischen von Matthias Göritz. Schöffling Verlag, Frankfurt 2012. 152 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Nico Bleutge verneigt sich vor Ales Stegers neuem Gedichtband "Buch der Körper". Die Gedichte, die um die Themen des Körpers als Sprache und der Sprache als Körper kreisen, beschreibt er als eine Mischung aus Erinnerung, Beschreibung, Wortspiel und poetologischer Reflexion. Formal bestechen sie in seinen Augen durch ihren Reichtum an Bildern und Assoziationen und ihren gekonnten Einsatz von Stilmitteln. Scheinen ihm am Anfang und am Ende des Bandes die reduzierte Form zu dominieren, konstatiert er bei den weit ausholenden Prosagedichten im mittleren Kapitel eine changierende Komplexität. Mit Lob bedenkt er zudem die deutsche Übersetzung von Matthias Göritz, bedauert aber, dass der Verlag auf eine zweisprachige Ausgabe verzichtet hat.

© Perlentaucher Medien GmbH
Nico Bleutge verneigt sich vor Ales Stegers neuem Gedichtband "Buch der Körper". Die Gedichte, die um die Themen des Körpers als Sprache und der Sprache als Körper kreisen, beschreibt er als eine Mischung aus Erinnerung, Beschreibung, Wortspiel und poetologischer Reflexion. Formal bestechen sie in seinen Augen durch ihren Reichtum an Bildern und Assoziationen und ihren gekonnten Einsatz von Stilmitteln. Scheinen ihm am Anfang und am Ende des Bandes die reduzierte Form zu dominieren, konstatiert er bei den weit ausholenden Prosagedichten im mittleren Kapitel eine changierende Komplexität. Mit Lob bedenkt er zudem die deutsche Übersetzung von Matthias Göritz, bedauert aber, dass der Verlag auf eine zweisprachige Ausgabe verzichtet hat.

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