Brigitte Reimann
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"Dieses Tagebuch liest sich wie ein unter Hochspannung geschriebener Lebensroman", hatte Dorothea von Törne über Brigitte Reimanns Tagebücher geschrieben. Nun unternimmt die bekannte Publizistin und Herausgeberin es selbst, die wichtigsten Kapitel des Lebensromans der Brigitte Reimann zu schildern.
Brigitte Reimann ist zur Symbolfigur eines unangepaßten, leidenschaftlichen Lebensstils geworden. In dieser anschaulichen und kenntnisreichen Biographie wird den Fragen nachgegangen: Wie war Brigitte Reimann wirklich? Was waren die treibenden Widersprüche ihres Lebens? Was kann man nicht aus den
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Produktbeschreibung
"Dieses Tagebuch liest sich wie ein unter Hochspannung geschriebener Lebensroman", hatte Dorothea von Törne über Brigitte Reimanns Tagebücher geschrieben. Nun unternimmt die bekannte Publizistin und Herausgeberin es selbst, die wichtigsten Kapitel des Lebensromans der Brigitte Reimann zu schildern.

Brigitte Reimann ist zur Symbolfigur eines unangepaßten, leidenschaftlichen Lebensstils geworden. In dieser anschaulichen und kenntnisreichen Biographie wird den Fragen nachgegangen: Wie war Brigitte Reimann wirklich? Was waren die treibenden Widersprüche ihres Lebens? Was kann man nicht aus den Briefen und Tagebüchern erfahren?

Von Jugendträumen und frühem Erfolg wird berichtet, von Auseinandersetzungen mit der Stasi, von Arbeitswut und Depression, dem Abenteuer Phantasie und immer wieder von den Verwirrspielen der Liebe.
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • Seitenzahl: 223
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm
  • Gewicht: 760g
  • ISBN-13: 9783351025823
  • ISBN-10: 3351025823
  • Artikelnr.: 12797576
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als Augen- und Lesegenuss lobt Rezensent Thomas Meissner diese Bildbiografie, in der sich für ihn das Leben "dieser faszinierenden, zurecht wiederentdeckten Schriftstellerin" facettenreich nachvollziehen ließ. Zu den Höhepunkten zählt Meissner die zahlreichen Großaufnahmen "dieser attraktiven, ständig zwischen Melancholie und Koketterie, Niedergeschlagenheit und Enthusiasmus changierenden Frau". Aber auch die Bilder aus ihrer Kindheit, die Dokumente, die ihr schriftstellerisches Engagement und ihre kritische, aber unterstützende Begleitung der sozialistischen DDR verdeutlichen, lassen für den Rezensenten manche Hintergründe lebendig werden. Lediglich die ungleichgewichtige Dokumentation ihrer vier Ehen, die in den Tagebüchern eine wichtige Rolle spielen, wird vom Rezensenten bei allem Verständnis für "Gründe des Persönlichkeitsschutzes" bedauert. Auch fehlen ihm eine einführende Einleitung und etwas ausführlichere Bildkommentare.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 14.10.2004
Ankunft im All
Sichtbare Wirkung: Eine Bildbiographie Brigitte Reimanns

"Ich schicke Dir gleich mal ein Bild mit, damit Du Dir wenigstens eine ungefähre Vorstellung von Deiner Brigitte machen kannst. Leider habe ich gerade kein anderes da - aber du mußt Dir die ganze Fratze mal ein bißchen ins Hübsche übertragen denken. Gar so schief ist mein armes Gesicht in Wirklichkeit nicht ... Ich fürchte auch, ich werde nur deshalb auf Bildern meist nichts, weil im Leben meine lebhaften Farben so wirken", schreibt Brigitte Reimann am 29. Dezember 1949 an ihre Jugendfreundin Veralore Weich. Die im Aufbau-Verlag erschienene Bildbiographie, die ihr Leben mit einer Collage aus Bildern und Texten dokumentiert, straft sie glatt Lügen, denn es kann keine Rede davon sein, daß sie auf Bildern "nichts" wird. Im Gegenteil kann man beim Durchblättern ihre vielfach bezeugte große Ausstrahlungskraft und Wirkung, die sie nicht zuletzt in ihren Tagebüchern immer wieder selbst festhält, gut nachvollziehen. Zu Höhepunkten des Buches werden dementsprechend die zahlreichen Großaufnahmen dieser attraktiven, ständig zwischen Melancholie und Koketterie, Niedergeschlagenheit und Enthusiasmus changierenden Frau.

Ihr Lebensweg beginnt 1933 in Burg bei Magdeburg. Der Bilderreigen führt von den Großeltern und Eltern, ihrer Kindheit und Schulzeit und dem kurzzeitig ergriffenen Beruf einer Grundschullehrerin hin zu ihren Anfängen als freier Schriftstellerin. Die darauffolgenden acht Jahre in Hoyerswerda (1960 bis 1968) zeigen Brigitte Reimann auf dem Zenit ihrer Karriere, klingen aber mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei und ihrer Krebserkrankung düster aus. Die Teilnahme an Tagungen und Treffen, die staatlich organisierte Sibirien-Reise 1964 oder die Verleihung des Heinrich-Mann-Preises 1965 verdeutlichen ihre Einbindung in den sozialistischen Staat, die sie gleichwohl immer kritisch reflektiert.

Dokumente ihres Engagements im Kombinat Schwarze Pumpe lassen den Hintergrund ihrer Erzählung "Ankunft im Alltag" (1961) lebendig werden, und Zeugnisse der architektonischen Tristesse insbesondere Hoyerswerdas verweisen auf das Thema ihres unvollendeten Hauptwerks "Franziska Linkerhand", das postum 1974 erschien. Die letzten Jahre in Neubrandenburg stehen im Schatten ihrer Krankheit, an der sie 1973 mit noch nicht einmal vierzig Jahren stirbt. Aufnahmen aus ihren letzten Monaten fehlen, aber ihre mehr verwackelt gemalt denn flüssig geschriebenen späten Aufzeichnungen bestätigen mehr als jedes Foto ihr körperliches Siechtum, das über ihre bei aller Melancholie impulsive Lebenskraft triumphieren wird.

Daß nicht aus jeder Lebensperiode gleichwertiges Bildmaterial vorliegt und insbesondere ihre in den Tagebüchern so reich reflektierten vier Ehen ungleichgewichtig dokumentiert sind, mag der Überlieferungslage und Gründen des Persönlichkeitsschutzes geschuldet sein. Daß die Herausgeber allerdings auf jede einführende Einleitung verzichten und die Bilder nur äußerst knapp kommentieren, ansonsten aber ausschließlich Zeugnisse sprechen lassen, ist so konsequent wie bedauerlich, erschließen sich doch die Zusammenhänge nicht immer. Trotzdem ist das Buch ein Augen- und Lesegenuß, der das Leben dieser faszinierenden, zu Recht wiederentdeckten Schriftstellerin facettenreich nachvollziehen läßt.

THOMAS MEISSNER

"Brigitte Reimann". Eine Biographie in Bildern. Herausgegeben von Margrid Bircken und Heide Hampel. Aufbau-Verlag, Berlin 2004. 224 S., geb., 22,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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