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Während es über die Probleme der Armut jede Menge Diskussionen gibt, ist es dem Reichtum gelungen, inmitten unserer Gesellschaft sozusagen als verschleiertes Idol zu existieren. Dank der PR-Offensive des Kapitalismus, die jede genauere Nachfrage als Sozialneid disqualifiziert, gibt es überraschend wenig zuverlässige Informationen über Art und Umfang des Reichtums. Die "Briefe an den Reichtum" lüften ein paar Zipfel dieses Schleiers. Die Motivation der Absender ist kein Sozialneid, aber Zorn.
Zorn insbesondere, wenn der Brief an die neue Geldaristokratie gerichtet ist. Dieser neue
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Produktbeschreibung
Während es über die Probleme der Armut jede Menge Diskussionen gibt, ist es dem Reichtum gelungen, inmitten unserer Gesellschaft sozusagen als verschleiertes Idol zu existieren. Dank der PR-Offensive des Kapitalismus, die jede genauere Nachfrage als Sozialneid disqualifiziert, gibt es überraschend wenig zuverlässige Informationen über Art und Umfang des Reichtums. Die "Briefe an den Reichtum" lüften ein paar Zipfel dieses Schleiers. Die Motivation der Absender ist kein Sozialneid, aber Zorn.

Zorn insbesondere, wenn der Brief an die neue Geldaristokratie gerichtet ist. Dieser neue Geldreichtum, der flexibelste und unpersönlichste der Geschichte, hat ältere, oft prunkvollere, aber weniger ertragreiche Formen des Reichtums wie etwa den Grundbesitz an den Rand gedrängt und bildet als "Herz der Finsternis" den Kern des Buches. Aber um ihn herum ist eine Girlande von weiteren Briefen angeordnet, von Grundkursen in Geldwirtschaft bis zu Möglichkeiten der Therapie von der Unbill des Reichtums. Damit kann das Gespräch über den Reichtum in einer neuen Atmosphäre fortgeführt werden, ohne Angstgeruch und ohne Ergebenheit.

"Unter den Absendern": Andreas Eschbach, Margit Kennedy, Frieda Meissner- Blau, Oskar Negt, Rupert Neudeck, Hermann Scheer, Harald Schumann.

"Unter den Empfängern": Silvio Berlusconi, Mr. Gent, Herr v. Pierer, Oliver Kahn, Baron v. Oppenheim, Alberto Vilar, Carl Christian von Weizsäcker.
  • Produktdetails
  • Verlag: LUCHTERHAND LITERATURVERLAG
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: 2. März 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 2mm x 131mm x 7mm
  • Gewicht: 410g
  • ISBN-13: 9783630871868
  • ISBN-10: 3630871860
  • Artikelnr.: 13377773
Autorenporträt
Geboren am 9. April 1922 in München. Studium der Neuphilologie sowie der Literaturtheorie und -kritik in München und Washington. Mitglied der Gruppe 47, von 1989 bis 1991 Präsident des bundesdeutschen PEN-Zentrums sowie Mitbegründer der E.F. Schumacher-Gesellschaft für politische Ökologie. Amery schrieb neben einigen Hörspielen zahlreiche Romane und wurde vor allen Dingen durch seine kulturkritischen Essays sowie als engagierter Ökologe bekannt. Jahrzehntelang hat er mit Büchern wie "Die Botschaft des Jahrtausends", "Hitler als Vorläufer" oder "Global Exit" die politische Diskussion in der Bundesrepublik entscheidend mitgeprägt. Zuletzt erschienen im Frühjahr 2005 die von ihm herausgegebenen "Briefe an den Reichtum". Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem "Tukan Preis", dem "Bayerischen Friedenspreis" und 1991 mit dem "Literaturpreis der Stadt München". Carl Amery starb am 24. Mai 2005 im Alter von 83 Jahren in seiner Heimatstadt München. Bei Luchterhand erschienen u.a.: "Global Exit" und "Briefe an den Reichtum". In der Sammlung Luchterhand: "Hitler als Vorläufer", "Das Geheimnis der Krypta" und "Die Wallfahrer".
Rezensionen
Besprechung von 25.07.2005
In Horst Köhlers Zukunftswerkstatt

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, daß das Geld bei diesem Wahlkampf eine Rolle spielen wird, wie sie die sozial harmonisierte Mittelstandsgesellschaft der Bundesrepublik bislang nicht kannte. Mit einemmal schieben sich auf allen Stufen der sozialen Leiter wieder ganz handfeste materielle Interessen vor die programmatischen Überhöhungen. Dabei scheint die Skandalisierung von Reichtum und Armut parteipolitisch fast so indifferent zu sein wie das Geld selbst: daß Managergehälter von einer bestimmten Höhe an eine "Riesensauerei" ("Bild") seien, finden Rechte ebenso wie Linke und die Platzhalter der Mitte. Da kann einen schon der Verdacht beschleichen, beim Reichtums- und Millionärssteuer-Diskurs handele es sich bloß um einen Politikersatz, um eine wohlfeile Methode, der eigentlich politischen Frage aus dem Weg zu gehen, ob überhaupt und wie der Staat sich inmitten der Globalisierung zum Markt verhalten kann. Moralismus statt Politik: auch eine Art Betäubung, Opium fürs Volk.

Für diesen Verdacht kann man auch in den "Briefen an den Reichtum" zahlreiche Anhaltspunkte finden, die der Kulturkritiker Carl Amery dieses Jahr kurz vor seinem Tod herausgegeben hat ("Briefe an den Reichtum". Herausgegeben von Carl Amery. Luchterhand Literaturverlag, München 2005. 270 S., geb., 18,- [Euro]). Versammelt sind Briefe verschiedener Autoren an verschiedene reiche Leute. Als Nachwort fungiert ein Schreiben Carl Amerys an den Bundespräsidenten, dessentwegen Horst Köhler dem Autor im November 2004 einen Hausbesuch abstattete. Manche der Beiträge erschöpfen sich darin, Gehälter, Sondereinnahmen und Steuererleichterungen aneinanderzureihen, so als ergebe sich aus deren Entrüstungspotential schon von selbst eine politische These. Doch wenn sich Oskar Negt über die von einer Zeitschrift errechnete Weihnachtsgratifikation des Siemens-Chefs Heinrich von Pierer über zwölf komma fünf Millionen Euro erregt und daran die Fragen anschließt, was man mit all dem Geld überhaupt tun kann ("Was hat dieses ganze Anlegen von Vermögen für einen Sinn, wenn der Lebenssinn dabei nicht zum Tragen kommt?") und für welche konkrete Verantwortung so ein Manager eigentlich bezahlt wird - so sind dies erst einmal rein moralische Erwägungen, deren politische Relevanz zwar suggeriert, aber nicht belegt, nicht ausbuchstabiert wird. Und auch die fünf Millionen Vermögen, die der Fußballfan Rupert Neudeck dem Fußballspieler Oliver Kahn vorhält, münden nur in die Aufforderung, für ein afghanisches Dorf zu spenden, in dem Kahn der mit Abstand berühmteste Deutsche ist.

Nicht daß solche moralischen Erwägungen keine Bedeutung hätten: Aber wenn sie sich mit dem politischen Anspruch auf "Aufklärung" vermengen, ohne doch auf diesen argumentativ bezogen zu sein, nehmen sie sich selbst und zugleich der Politik ihr Gewicht - und gehen dabei über das Niveau der nicht ganz so sehr um "Aufklärung" besorgten Illustrierten nicht hinaus. Einige der Beiträge dieses Sammelbands beschäftigen sich aber doch mit der Frage, was genau das Geld zum "Mammon" macht, der eine nicht nur moralische, sondern politische Reaktion verlangt. Carl Amery selber sucht in seiner Einleitung bei Aristoteles Zuflucht, der zwischen der Sorge um den Oikos, die Beschaffung der nötigen Mittel für den Großhaushalt oder die Gemeinde, und dem Wirtschaften um des Gewinnes, der Anhäufung von Schätzen willen unterschied. In dieser zweiten Wirtschaft, so Amery, liege der Keim des Übels, die "schlechte Unendlichkeit der Akkumulation"; hier verselbständige sich das Gewinnstreben so sehr, daß das dadurch erworbene Geld fast keinen Bezug zur üblichen Lebenserhaltung mehr habe, sondern nur noch eine abstrakte, im Vergleich zu anderen Geldern stehende Realität sei. Daraus folgt dann die im Band mehrmals angeführte, schier unglaubliche Rechnung, daß die zweihundertzwanzig Reichsten der Erde mehr Geld zur Verfügung haben als die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit.

Das Gegenstück zu dieser Akkumulation beschreibt Andreas Eschbach in seinem Brief an Max Mustermann, den anonymen Bankkunden. Wenn Geld "arbeitet", wie die Vermögensberater sagen, und sich dadurch vermehrt, dann ist dies kein quasi-technischer, sich selbst hervorbringender Prozeß, sondern ein durch Schulden und Zinsen ermöglichter Vorgang: "Unweigerlich stehen jedem Vermögen Schulden gegenüber, und zwar in exakt der gleichen Größe." In dieser Gegenrechnung liegt das potentiell Grausame des verselbständigten Reichtums, der sich gar nicht mehr in realen Gegenwerten, sondern nur in Relation zu den Vermögen anderer fassen läßt: Er nimmt in dieser vermeintlichen Abstraktion zugleich anderen die konkreten Mittel, sich selbst zu erhalten - und zwar nicht aufgrund einer subjektiv bösen Absicht, sondern infolge einer objektiven, sozusagen mathematischen Zwangsläufigkeit. Hier geht die Kritik am "Reichtum" allerdings schon fließend in die Kritik einer auf Wachstum angelegten Marktwirtschaft über. Da ist guter Rat teuer. Denn ein anderes Modell hat der Sammelband sowenig anzubieten wie die politischen Akteure im Wahlkampf, die sich die Kapitalismuskritik auf die Fahnen geschrieben haben.

Die offenen Briefe an reiche Menschen lassen den Leser etwas unbefriedigt zurück. Einige von ihnen münden schlicht in die Bitte zu spenden. Amery fordert den Bundespräsidenten auf, eine "Zukunftswerkstatt" für die großen Überlebensfragen ins Leben zu rufen, die durch den freiwilligen Beitrag von einem Prozent des Vermögens der deutschen Millionäre finanziert werden soll. Max Mustermann wird ermuntert, die Plakate seiner Bank künftig auszulachen und sich zu wundern. Aber die Ratlosigkeit nimmt dem Befund nicht seinen Schrecken.

MARK SIEMONS

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die in diesem Band versammelten "offenen Briefe an reiche Menschen" haben Rezensent Mark Siemons "etwas unbefriedigt" zurück gelassen. Denn die meisten Beiträge in dem von Carl Amery herausgegebenen Buch entspringen aus Siemons Sicht dem Missverständnis, dass sich aus dem Entrüstungspotenzial vieler unterschiedlicher Texte schon "von selbst" ein politisches Argument ergeben würde. Doch das Aneinanderreihen von Spitzengehältern, Sondereinnahmen oder exorbitanten Weihnachtsgratifikationen für Manager in Millionenhöhe ersetzt für ihn in keiner weise moralische oder politische Positionen. Natürlich gibt auch Siemons sein Erschrecken über die "schier unglaubliche Rechnung" zu Protokoll, die Amery in einem eigenen Text wiedergegeben hat: Dass nämlich die zweihundertzwanzig reichsten Personen mehr Geld zur Verfügung haben als die ärmere Hälfte der Menschheit. Letztlich bleibt ihm der Band dennoch die entscheidenden Fragen und erst recht Antworten schuldig.

© Perlentaucher Medien GmbH