Böse Geister - Meter, Peer; Raidt, Gerda

20,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Broschiertes Buch

Jetzt bewerten

Als der sechzigjährige Harry Wallmann erfährt, dass das Stadtviertel seiner Jugend vor dem Abriss steht, macht er sich auf den Weg zu seinem Elternhaus. Doch was als Abschiednehmen geplant ist, gerät zur Reise in eine dunkle Vergangenheit: Je stärker er sich einlässt auf jene Zeit, umso erschreckender treten tief in ihm verschüttete Erlebnisse zutage. Ganz unmerklich wird er eingesponnen von den bösen Geistern seiner Kindheit. In atmosphärischen Zeichnungen gelingt es Gerda Raidt, Peer Meters spannend verschachteltes Drama um Schuld, Verlust und den Gespenster-Harry eindringlich zu…mehr

Produktbeschreibung
Als der sechzigjährige Harry Wallmann erfährt, dass das Stadtviertel seiner Jugend vor dem Abriss steht, macht er sich auf den Weg zu seinem Elternhaus. Doch was als Abschiednehmen geplant ist, gerät zur Reise in eine dunkle Vergangenheit: Je stärker er sich einlässt auf jene Zeit, umso erschreckender treten tief in ihm verschüttete Erlebnisse zutage. Ganz unmerklich wird er eingesponnen von den bösen Geistern seiner Kindheit. In atmosphärischen Zeichnungen gelingt es Gerda Raidt, Peer Meters spannend verschachteltes Drama um Schuld, Verlust und den Gespenster-Harry eindringlich zu inszenieren, ohne dabei den für ihr illustratives Schaffen so charakteristischen Charme einzubüßen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Reprodukt
  • Seitenzahl: 104
  • 2013
  • Ausstattung/Bilder: 2013. 104 S. Comics. 230 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 233mm x 187mm x 17mm
  • Gewicht: 395g
  • ISBN-13: 9783943143423
  • ISBN-10: 3943143422
  • Artikelnr.: 36866252
Autorenporträt
Gerda Raidt, 1975 in Berlin geboren, studierte zunächst freie Grafik an der Burg Giebichenstein in Halle dann Illustration an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Prof. Volker Pfüller, bei dem sie anschließend auch ein Meisterschülerstudium absolvierte. Seit 2004 arbeitet sie als freie Illustratorin und als Lehrbeauftragte an der HGB.
Rezensionen
Besprechung von 26.08.2013
Spuk der Adenauer-Zeit
Der Comic „Böse Geister“ von Peer Meter und Gerda Raidt
Ein Mann kehrt heim. Vor rund 50 Jahren hat Harry Wallmann die norddeutsche Hafenstadt, in der er als Schuljunge lebte, verlassen. Jetzt soll sein altes Viertel abgerissen werden. Harry streift in ihm umher, dringt in ein verlassenes Haus ein, stößt auf verstaubte Zeitschriften und Comics und erinnert sich. An Herrn Geffe, den netten Besitzer der Leihbücherei, und an Herrn Müller-Naujoks, den kriegsversehrten, autoritären Leiter seiner Schule. Daran, dass er wegen seiner Begeisterung für Gruselgeschichten damals den Spitznamen „Gespenster-Harry“ trug. Und daran, wie er auf einem Dachboden verzweifelt versuchte, seinen bei einem Unfall ums Leben gekommenen Vater aus dem Jenseits zurückzuholen.
  Eine Art Beschwörer der Toten – das ist auch Peer Meter, der Autor von „Böse Geister“. Mit den Szenarios der Graphic Novels „Haarmann“ (2010) und „Gift“ (2011), in denen er berüchtigte Mordfälle des 19. und 20. Jahrhunderts aufrollt, hat Meter sich als ein Meister der Milieuschilderung erwiesen: Untergegangene kleinbürgerliche Lebenswelten vermag er in all ihrer Stickigkeit und Enge plastisch zum Leben zu erwecken. „Böse Geister“ ist in zeitlicher und örtlicher Hinsicht nicht so präzise verortet, dazu weniger episch angelegt. Aber das geistige Klima der späten Adenauer-Zeit wird stichwortartig deutlich – etwa wenn Herr Müller-Naujoks vor versammelter Klasse in Feldwebelmanier den Geschichtslehrer herunterputzt, weil dieser die Kühnheit besitzt, das verbotene Wort „DDR“ an die Tafel zu schreiben.
Das Zeittypische zeigt sich zudem in der Sprache der Figuren. Comics heißen „Bilderhefte“ und genießen ungefähr das Image, das heute Designerdrogen haben. Kinder sind Fleiß und Gehorsam „schuldig“; wessen Leistungen in der Schule „alles andere als berauschend“ sind, der hat sich auf den „Hosenboden zu setzen und zu bimsen, was das Zeug hält“. Und wenn Herr Geffe zu einer Kundin, die nach Arztromanen fragt, bedauernd sagt: „Da schwimmt kaum mal etwas an“, dann zeigt sich in dieser schönen Formulierung seine lässige, menschenfreundliche Art. Auch auf die in Comics so wichtige, aber oft unterschätzte Kunst, flüssige und signifikante Dialoge zu schreiben, versteht Peer Meter sich sehr gut.
Die Zeichnungen von Gerda Raidt sind mit dem Bleistift angefertigt. Mit derselben Technik haben Isabel Kreitz in „Haarmann“ und Barbara Yelin in „Gift“ gearbeitet. Parallelen im Stil sind durchaus erkennbar: Mit Kreitz teilt Raidt eine leicht nostalgische Affinität zu den Zeiten, als Jungs noch kurze Hosen und lederne Schulranzen trugen; wie Yelin schätzt sie es, wenn die Bilder durch mehrfach gezogene Konturen und kräftigen Abrieb nicht zu sauber wirken. Dennoch setzt Raidt eigene Akzente, vor allem durch raffinierte Aufhellungen, mit denen sie alltäglichen Räumen plötzlich etwas Geisterhaftes, Schwebendes verleiht. Das passt wunderbar zu einer Geschichte, in der am Ende offen bleibt, ob das Überirdische in ihr real oder vielleicht nur Produkt einer überhitzten Einbildungskraft ist. „Böse Geister“ ist eine spannende Zeitreise in die grauen Jugendjahre der Bundesrepublik und zugleich ein Kabinettstück des subtilen Horrors, ein Gänsehauterreger der sanften, aber sehr nachhaltigen Art.
CHRISTOPH HAAS
Peer Meter (Text) / Gerda Raidt (Zeichnungen) : Böse Geister. Reprodukt Verlag, Berlin 2013. 104 Seiten, 20 Euro.
Das hat Harry nun davon, dass er so viele Bilderheftchen liest: unheimliche Begegnung in „Böse Geister“.
ABB. AUS DEM BESPR. BAND
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Gänsehaut hat Christoph Haas bekommen beim Lesen und Anschauen dieser Graphic Novel von Peer Meter und Gerda Raidt. Der subtile Horror, den die überdrehte Fantasie eines Kindes in der Adenauerzeit gebiert, für Haas zu sehen in den unvermittelt aufgehellten Bildern Raidts, wie auch zu lesen in der die muffige Enge der frühen Bundesrepublik wiedergebenden Textpassagen Meters, geht dem Rezensenten unter die Haut. Für Haas liegt das an der Fähigkeit des Autors, kleinbürgerliche Milieus zu schildern und zeittypische Dialoge zu schreiben.

© Perlentaucher Medien GmbH