Berichte zur Lage 1982-1989 - Kohl, Helmut
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Helmut Kohls Lageberichte, der er als Parteichef während seiner Kanzlerschaft im CDU-Bundesvorstand abstattete, sind eine der wichtigsten Quellen zur deutschen und europäischen Geschichte der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Der erste Band mit der Berichterstattung der Jahre 1989 bis 1998 ist 2012 erschienen. Der vorliegende Band präsentiert die Berichte aus den Wahlperioden 1982 bis 1989, in denen außen- und innenpolitisch, besonders aber auch auf ökonomischem Gebiet die Grundlagen geschaffen wurden, die es ermöglichten, ab 1990 die deutsche Einheit ins Werk zu setzen und der…mehr

Produktbeschreibung
Helmut Kohls Lageberichte, der er als Parteichef während seiner Kanzlerschaft im CDU-Bundesvorstand abstattete, sind eine der wichtigsten Quellen zur deutschen und europäischen Geschichte der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Der erste Band mit der Berichterstattung der Jahre 1989 bis 1998 ist 2012 erschienen. Der vorliegende Band präsentiert die Berichte aus den Wahlperioden 1982 bis 1989, in denen außen- und innenpolitisch, besonders aber auch auf ökonomischem Gebiet die Grundlagen geschaffen wurden, die es ermöglichten, ab 1990 die deutsche Einheit ins Werk zu setzen und der Europäischen Union den Weg zu bahnen. Die mit Personen- und Sachanmerkungen erschlossenen Texte lassen aus der Perspektive und mit den Worten des wichtigsten politischen Hauptakteurs die Probleme, Handlungspeilräume und Interessenkonflikte der alten Bundesrepublik in deren letztem Jahrzehnt wiederaufleben: die Kämpfe um die Raketenstationierung und um die Abrüstung, die Intensivierung der deutsch-französischen Kooperation und europäischen Integration, die Auseinandersetzungen um die Sanierungsreformen in der Finanz- und Sozialpolitik ebenso wie die erfolgreichen Bemühungen um die Einheit der Nation in den innerdeutschen Beziehungen. Auch die Schwierigkeiten einer Volkspartei, sich in dem beschleunigten, Identitäten und Werte ergreifenden gesellschaftlichen Wandel zurechtzufinden, werden sehr deutlich.
  • Produktdetails
  • Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte Bd.65
  • Verlag: Droste
  • Erscheinungstermin: 14. Januar 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 159mm x 58mm
  • Gewicht: 1386g
  • ISBN-13: 9783770019168
  • ISBN-10: 3770019164
  • Artikelnr.: 40309613
Autorenporträt
Dr. Helmut Kohl, geboren 1930 in Ludwigshafen am Rhein, ist seit 1947 Mitglied der CDU. 1959 wurde er Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz und war. von 1969 bis 1976 Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz. Von 1973 bis zum 7. November 1998 war er Bundesvorsitzender der CDU. Er war Mitglied des Deutschen Bundestages von 1976 bis 2002, von Dezember 1976 bis Oktober 1982 Oppositionsführer als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Vom 1. Oktober 1982 bis 27. Oktober 1998 war Helmut Kohl Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Günter Buchstab, Jg. 1944, Dr. phil., ist Leiter des Bereichs Wissenschaftliche Dienste/Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin bei Bonn.

Prof. Dr. Hans-Otto Kleinmann, geboren 1937 in Berlin, Studium der Geschichte, Romanistik und Germanistik, 1979 Privatdozent, 1992 apl. Professor für Neuere Geschichte an der Universität Köln. 1982 - 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv für Christlich-Demokratische Piolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Henning Köhler liest mit Spannung und Gewinn die Berichte zur Lage, Helmut Kohls Ausführungen am Beginn jeder Sitzung im CDU-Bundesvorstand aus den Jahren 1982-1989, keine einzelnen Sitzungsprotokolle, wie Köhler betont. Hier spricht der Kanzler, und dem Rezensenten gefällt das, zumal Umfang und Inhalt beeindruckend sind, wie er anmerkt. Reizvoll scheint Köhler vor allem die durch die zeitliche Dichte gegebene Unmittelbarkeit der Berichte über Reformen, Wahlkämpfe, Parteifragen. Farbig steht die politische Entwicklung der Zeit vor den Augen des Rezensenten: Überwindung der Rezession, Arbeitslosigkeit als Dauerproblem, Bildungspolitik, Tschernobyl und die energiepolitischen Folgen, aber auch Kohls Kampf gegen die "Medienfront".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.04.2014

Medienwand und Mauerland
Wie Bundeskanzler Helmut Kohl dem CDU-Bundesvorstand "die Lage" schilderte: 1982 bis 1989

Auf die Frage, ob die Protokolle des CDU-Bundesvorstands auch für die Zeit seit den siebziger Jahren noch vorhanden seien, pflegte vom Archiv der CDU die Antwort zu kommen, dass dies nicht der Fall sei. Nun ist eine Wende eingetreten; die wichtigsten Teile dieses Quellenbestandes sind nicht nur wieder aufgetaucht, sondern liegen gedruckt vor. Es handelt sich jedoch nicht um einzelne Sitzungsprotokolle, sondern um die Ausführungen Helmut Kohls, die der Kanzler meist zu Beginn der Sitzungen gemacht hat. Eine solche Auswahl-Edition mag dem Grundsatz der Vollständigkeit widersprechen, rechtfertigt sich aber durch den schieren Umfang des Materials. Bereits die erste Hälfte der hier vorliegenden Berichte hat ein gewichtiges Volumen; wirklich beeindruckend ist der Inhalt.

Der Reiz der Berichte liegt in ihrer Unmittelbarkeit. Im Abstand von lediglich vier bis sechs Wochen wird die Gesamtsituation beleuchtet - in der großen Politik, bei den Reformvorhaben, Wahlkämpfen und Wahlergebnissen bis zu Parteifragen unterschiedlicher Schattierung. Hier wird nicht dargelegt, was irgendwelche Mitarbeiter zusammengeschrieben haben, sondern es ist der Originalton Kohl, der - gestützt auf seine mit Filzschreiber fixierten Stichpunkte - seine Sicht vortrug. So wird eine farbige Darstellung der politischen Entwicklung im Monatsabstand präsentiert.

Kohls erfolgreiches Misstrauensvotum am 1. Oktober 1982 war das Ergebnis des Entscheidungsdrucks, der durch Nachrüstung und die dramatische Verschlechterung der Wirtschaftslage entstanden war. Die sozialliberale Koalition konnte dem nicht mehr standhalten. Die oft verhöhnte "Wende" hatte trotz der Einschnitte in das soziale Netz dennoch zu dem triumphalen Wahlsieg vom März 1983 geführt. Die Begleitumstände dieses Erfolges, die Reaktionen der nach links tendierenden Medien auf den von ihnen heftig abgelehnten Kanzler, stehen zu Beginn im Vordergrund. Im Januar 1983, auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes, zeigte die harte Gangart seiner Gegner beim Kanzler einige Wirkung, wenn er beispielsweise die "elektronische Medienwand" als "außerhalb des verfassungsmäßig Erträglichen" einschätzte. Was ihn verbitterte, war die Tatsache, dass diese Missstände im öffentlich-rechtlichen Bereich einreißen konnten, obwohl die Union "im ZDF-Fernsehrat eine Zweidrittelmehrheit" und bei wichtigen ARD-Gremien wie der "Chefredakteurskonferenz" die Mehrheit hatte. Er konnte sich darüber heftig ärgern, nahm aber die Verhältnisse eher fatalistisch hin. Das Verhältnis zur SPD schuf keine Probleme. Bei einem zufälligen Treffen mit Willy Brandt äußerte er keine Vorwürfe, sondern fachsimpelte mit ihm über die Wahlchancen der Grünen. Von dem von ihm eingeführten Privatfernsehen erwartete er auch nicht viel Unterstützung. Das "Haus Bertelsmann" würde nicht so "umwälzend anders" sein.

Die rasche Überwindung der Rezession bedeutete kein entspanntes Zurücklehnen. Die Arbeitslosigkeit blieb ein Dauerproblem. Für Kohl war vor allem die Jugendarbeitslosigkeit eine ständige Herausforderung, die er nicht hinnehmen wollte und bei seinen vielfältigen Kontakten zur Wirtschaft immer wieder zur Sprache brachte. Besondere Aufmerksamkeit zeigte er bei den arbeitslosen Jungakademikern. Die Tatsache als solche beleuchtete zugleich den Misserfolg der Bildungspolitik, der es gelungen war, innerhalb kurzer Zeit den Lehrermangel in einen Lehrerüberschuss zu verwandeln, für den nun andere Arbeitsplätze gefunden werden mussten. Daher war es für ihn ein schwacher Trost, wenn er in der Statistik wenigstens einen Rückgang der "Pädagogikstudenten um acht Prozent" entdeckte.

Nordrhein-Westfalen war für den Kanzler ein Trauerspiel. Die Macht im größten Land und mit den meisten Wählern blieb für die CDU unerreichbar. Die Landtagswahl von 1985 wurde von Opposition und Medien schnell zur Testwahl erklärt und erhielt dadurch zusätzliches Gewicht, zumal der CDU-Spitzenkandidat Worms keine Siegeszuversicht ausstrahlte. Kohl selbst war im Vorstand ungewöhnlich zurückhaltend und schien mit der Niederlage zu rechnen, bat er doch nur darum, in der Wahl "keine Vorentscheidung" zu sehen. Als die Niederlage bitterer ausfiel als befürchtet und die SPD sich über die absolute Mehrheit freuen konnte, lag Hochspannung in der Luft. Es wimmelte von Medienvertretern, die Kohl zu der Bemerkung veranlassten: "Ich bin nicht gewillt hinzunehmen, dass Redakteure und Journalisten an der Tür stehen und die Sitzung abhören." Eine solche Verwahrung gab es noch nie und erst recht nicht, dass Kohl den Vorwurf erhob, es würde in den Sitzungen mitgeschrieben und an die Presse durchgestochen. Er glaubte sogar, den schwerwiegenden Vorwurf erheben zu können - "dass ich konkrete Vorstellungen habe, wo die Quelle ist" -, dass Mitstenografiertes weitergegeben worden sei. Wer anders konnte das sein als Kurt Biedenkopf? Was ihn bei der NRW-Niederlage besonders ärgerte, war die Passivität der eigenen Partei gegenüber dem Sieger Johannes Rau. Der Sozialdemokrat konnte unwidersprochen behaupten, "er sei den Menschen näher".

Die Tschernobyl-Katastrophe vom April 1986 stellte für Kohl eine extreme Herausforderung dar. Im Juni wurde in Niedersachsen gewählt. Inmitten der Panik schaffte es dennoch die CDU trotz Defätismus in den eigenen Reihen, gemeinsam mit ihrem Vorsitzenden die Stellung zu halten. Wie er dabei vorging, verdient festgehalten zu werden. Seine Position war eindeutig. Auf Kernenergie könne man nur verzichten, wenn "wir in einer nahen Zukunft Alternativen an Energien" haben. Er respektierte die "Urangst" in weiten Teilen der Bevölkerung, für die man Verständnis haben müsse. Aber zugleich müsse man den Menschen ehrlich sagen, dass man die Abkehr von der Kernenergie nicht "bloß auf Angst zurückführen könne". Sein Einsatz lohnte sich; auch wenn es nur ein knapper Sieg war - es reichte.

Die Bundestagswahl von 1987 war keine Niederlage, dennoch aber für Kohl enttäuschend. Selbst seine Gegner wunderten sich über die Stimmenverluste. Die Erfolge der Regierung wurden als selbstverständlich hingenommen, und das Medienecho blieb kritisch. Die Frage nach dem fehlenden Kanzlerbonus beantwortete er sich selbst mit dem Hinweis, "in einer Medienlandschaft, die eine Mehrheit von weit mehr als 50 Prozent hat und für eine andere Politik eintritt", wäre ein Kanzlerbonus nicht mehr möglich. Wie im Winter 1982/83 sah er sich wieder vor einer "Medienwand", nur dass sie diesmal schwerer zu durchdringen war. Erschwerend kam hinzu, dass die Kritik aus den eigenen Reihen immer stärker wurde. Vor dem Bundesvorstand bekannte er offen sein Dilemma: "Eine Woche sitze ich die Probleme aus und bin entscheidungsschwach, und in der anderen Woche bin ich ein unglaublicher Diktator, der wie ein Tank über die Interessen der Menschen hinweggeht." Wie sollte er diesen unterschiedlichen Einstellungen gerecht werden?

Es war eine absurde Situation. Während der Kanzler im Ausland schon 1987 besorgte Fragen nach einer möglichen Wiedervereinigung abwiegelnd beantworten musste, beschäftigten ihn in Bonn ganz andere Probleme. So verursachte die geplante Streichung der Flugbenzinsteuer fast einen Aufstand. Während er am politischen Horizont schon aufregende Zeichen des Wandels erblickte, verharrte man in Bonn im Stellungskrieg. Im September 1988 machte er im Vorstand auf die Entwicklung in Polen aufmerksam und zeigte die aufregenden Möglichkeiten auf, "dass die DDR von beiden Seiten umgeben ist von Ländern, von denen notwendigerweise der Funke von mehr Freiheit, von mehr Pluralismus in die DDR überspringt". Die immer deutlicher werdenden Absichten seiner innerparteilichen Gegner zwangen ihn zu "einer der quälendsten Personalentscheidungen", Heiner Geißler nämlich nicht wieder als Generalsekretär vorzuschlagen. In dieser kritischen Situation empfing er von unerwarteter Seite Zuspruch. Er berichtete dem Vorstand, dass "altgediente, früher in wichtigsten Funktionen des Staates arbeitende Sozialdemokraten mir sagen, Sie werden doch um Gottes willen nicht aufgeben, Sie müssen die Wahl gewinnen, bis unsere Leute zur Vernunft kommen."

Beide Seiten konnten nicht ahnen, wie lange sie darauf warten mussten; genauso wenig ahnten sie jedoch, wie schnell die Seifenblase politischer Geschäftigkeit in Bonn platzen würde, um die Sicht auf die wahren Probleme freizugeben.

HENNING KÖHLER.

Helmut Kohl: Berichte zur Lage 1982-1989. Der Kanzler und Parteivorsitzende im Bundesvorstand der CDU Deutschlands. Bearbeitet von Günter Buchstab und Hans-Otto Kleinmann. Droste Verlag, Düsseldorf 2014. 814 S., 69,- [Euro].

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