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Max Frisch debutierte 1934 mit dem Roman Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt. Drei Jahre später publizierte er, ebenfalls in der Deutschen Verlagsanstalt (Stuttgart / Berlin), die "Erzählung aus den Bergen" mit dem Titel Antwort aus der Stille.
In der Ausgabe seiner Gesammelten Werke, veranstaltet anläßlich des 60. Geburtstags, erscheint diese Erzählung auf Wunsch des Autors nicht.
Mehr als 70 Jahre später ist dieses Frühwerk nun zum ersten Mal wieder zugänglich. Bereits hier wird das in Frischs Oeuvre dominante Motto der biographischen Identität - das in dieser Lebensphase
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Produktbeschreibung
Max Frisch debutierte 1934 mit dem Roman Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt. Drei Jahre später publizierte er, ebenfalls in der Deutschen Verlagsanstalt (Stuttgart / Berlin), die "Erzählung aus den Bergen" mit dem Titel Antwort aus der Stille.

In der Ausgabe seiner Gesammelten Werke, veranstaltet anläßlich des 60. Geburtstags, erscheint diese Erzählung auf Wunsch des Autors nicht.

Mehr als 70 Jahre später ist dieses Frühwerk nun zum ersten Mal wieder zugänglich. Bereits hier wird das in Frischs Oeuvre dominante Motto der biographischen Identität - das in dieser Lebensphase des Autors auch eine autobiographische Dimension besitzt - zum Thema: Gibt es eine Selbstverwirklichung außerhalb der künstlerischen Existenz? Oder in den Worten der Antwort aus der Stille: War man nur ein zu verachtender "gewöhnlicher Bürger", wenn man auf das Wagnis des Außerordentlich verzichtet?Wenn Max Frisch das kurz nach Erscheinen von Antwort aus der Stille abgelegte Gelübde, nie wieder etwas zu schreiben, bricht - dann ist die Erklärung der Entscheidung für den Beruf des Schriftstellers in dieser Erzählung zu finden: Sie bildet somit das zentrale Movens seines gesamten Schaffens.
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783518421284
  • ISBN-10: 351842128X
  • Artikelnr.: 26391186
Autorenporträt
Max Frisch wurde 1911 in Zürich geboren und starb 1991 ebenda. Er studierte Germanistik an der Universität Zürich (1930-1934) und Architektur an der ETH Zürich (1936-1940). Ab 1931 arbeitete er als Journalist, später als freier Schriftsteller. Seine zahlreichen Auslandsreisen führten ihn u.a. 1951/1952 für einen längeren Aufenthalt in die USA. Max Frisch hat ein großes literarisches Werk geschaffen, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem 1958 mit dem Georg-Büchner-Preis und 1976 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Rezensionen
Besprechung von 03.12.2009
Küsse in der Gipfelhütte
Fingerübung, missglückt: Max Frischs frühe Erzählung "Antwort aus der Stille"

Natürlich geht der Neuauflage eines Werkes, das der Autor selbst nicht mehr gedruckt sehen wollte, eine Güterabwägung voraus. Max Frisch hatte "Antwort aus der Stille", seine Erzählung aus den Bergen (erstmals publiziert 1937), gegenüber Hans Mayer, dem Herausgeber der "Gesammelten Werke", als missglückt bezeichnet und eigenhändig von der Ausgabe ausgeschlossen. Soll der Wille des Schriftstellers akzeptiert werden, der einen Hang zur zwanghaften Kontrolle seines OEuvres hatte und Missratenes jeweils lustvoll verbrannte? Oder ist die literarische Substanz so augenfällig, dass sich die Übertretung des Autorengebotes geradezu aufdrängt?

Der Germanist und Stiftungsratspräsident der Zürcher Max-Frisch-Stiftung, Peter von Matt, hat sich für die zweite Variante entschieden und die Erzählung in einer eigenständigen Publikation neu herausgebracht. Das ist, angesichts der Schwäche dieses frühen Textes - Frisch schrieb das "Jugendwerk" mit fünfundzwanzig Jahren -, mit Sicherheit eine unglückliche Entscheidung. Frisch selbst hatte die Sache genau richtig gesehen. Die Geschichte des dreißigjährigen, kurz vor der Heirat stehenden Dr. Balz Leuthold, der sich auf einer Gebirgstour in eine gefährliche Grenzsituation manövriert, um daraus als Geläuterter und Gewandelter zurückzukehren, wirkt heute hochgradig kitschig und rührselig. Junge Leser, welche die Lektüre vielleicht als erstes Werk in die Hände bekommen, werden ein schiefes Bild des bedeutenden Schriftstellers gewinnen. Dass die Geschichte trotzdem erscheint, begründet von Matt mit der in Fällen solcher "Jugendsünden"-Literatur üblichen Standarderklärung aller Germanisten: Im Kern sei hier schon Frischs späteres Werk vorweggenommen. Die Publikation fülle eine Lücke - auch für die Forschung. Dagegen ist nun allerdings einzuwenden, dass Typoskript und Erstausgabe keineswegs verschollen waren, sondern im Archiv an der ETH schon immer zugänglich gemacht wurden. Nichts wäre leichter gewesen, als die Erzählung im Zuge der kürzlich erfolgten Digitalisierung des Frisch-Archivs für Interessierte im Internet oder als "book on demand" anzubieten. Als eigenständige Publikation setzt man sie, vielleicht ohne es zu wollen, einem Anspruch aus, dem sie nicht gerecht werden kann.

Max Frisch arbeitet in "Antwort aus der Stille" mit einer durchaus konventionellen metaphorischen Versuchsanlage, wie sie von anderen Schweizer Schriftstellern wie Ludwig Hohl in seinem "Jugendtagebuch" oder von Meinrad Inglin in "Furggel" ebenfalls erprobt wurde: der Berg als Ort der Selbstfindung und des Umschlags des Schicksals. Der auf seinen Körper zurückgeworfene, mit dem Überleben kämpfende, von diffusen Sehnsüchten getriebene Protagonist kehrt als Verwandelter in ein Leben zurück, das sich ihm von jetzt an von einer neuen Seite präsentiert. Das wäre kein schlechter Ausgangspunkt, hätte Max Frisch seinen Plot nicht mit einer Mischung aus Verstiegenheit und Pathos aufwerten wollen und in einer mehr oder weniger naiven Sprache umgesetzt.

Dr. Leuthold nämlich ist sich seiner Identität nicht sicher. Er befürchtet, ein gewöhnlicher Mensch zu sein, "lächerlicher und dümmer und schlechter und wertloser als alle Menschen dieser Erde, so war es wohl ein schmerzlicher Gedanke, aber noch kein trostloser; denn noch war ja die Süße darin, dass man mindestens auf diese Weise ein besonderer Mensch sei, vielleicht ein Verbrecher, und erst als man auch im Schlechten nichts leistete, was andere nicht ebenso konnten, wuchs eine neue und trostlosere Angst, dass es vielleicht überhaupt ausbleiben könnte". Dieses jugendliche Hoffen und Bangen wird kurz vor der gefährlichen Bergfahrt unterbrochen von einer jungen Fremden im roten Kleid, die Leuthold plötzlich, Blumen pflückend, auf der Wiese entdeckt, "am Waldrand weiden auch wieder die schwarzen Ziegen, deren verstreutes Gebimmel man jeden Morgen hört". Kurz und gut, der Held schläft im Zelt mit der schönen Dänin, bevor er sich zur Tour aufmacht. Mirakulöserweise treffen jetzt die Verlobte Barbara und die Geliebte Irene in der Hütte aufeinander. Allein, sie kennen keine Rivalität. In der Angst um den plötzlich Verschwundenen und am Berg verunglückt Geglaubten verbünden sie sich. Sie leiden ohne Worte gemeinsam, so dass sich "Irene einmal über das reglose Mädchen beugt und es küsst, mütterlich und fast segnend, auf Mund und Stirn und Augen". Doch die Sorge ist überflüssig. Der Held kehrt zurück, zwar mit erfrorenen Gliedern, aber er sinkt sofort mit neuer Sehnsucht und "wissendem Herzen" in den schweren Schlaf.

Dass ein großer Autor in seiner Jugend eine Erzählung mit trivialen Elementen publiziert, ist allenfalls eine lässliche Sünde. Trotzdem wäre es gewiss klüger gewesen, diesen Text innerhalb einer neuen Gesamtausgabe zu publizieren oder, noch besser, im Kontext der elf Reportagen aus den Alpen, die Frisch in den dreißiger Jahren für die "Neue Zürcher Zeitung" verfasst hat. In diesem Umfeld wäre nicht nur das Pathos relativiert worden, sondern die Beschäftigung des jungen Frisch mit der Identitäts- und Bildungsproblematik wä- re offensichtlich geworden, denn sie zeigt sich auch in diesen Reportagen. So aber, ohne relativierendes Umfeld, wurde nicht mehr publiziert als die Fingerübung eines pröbelnden, sich testenden Nachwuchsschriftstellers.

PIA REINACHER

Max Frisch: "Antwort aus der Stille". Eine Erzählung aus den Bergen. Mit einem Nachwort von Peter von Matt. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009. 172 S., geb., 18,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 05.11.2009
Der Gipfelstürmer als Massenmensch
Zur Wiederveröffentlichung von Max Frischs Bergerzählung „Antwort aus der Stille” aus dem Jahr 1937
Im Herbst 1937, er war 26 Jahre alt, veranstaltete Max Frisch ein großes Autodafé. Rückblickend hat er beschrieben, wie er seine Manuskripte und Tagebücher zusammenschnürte und verbrannte: „Ich mußte zweimal in den Wald hinaufgehen, so viele Bündel gab es, und es war, ich erinnere mich, ein regnerischer Tag, wo das Feuer immer wieder in der Nässe erstickte, ich brauchte eine ganze Schachtel Streichhölzer, bis ich mit dem Gefühl der Erleichterung, auch der Leere weitergehen konnte.”
Durch die Manuskriptverbrennung ließ sich nicht aus der Welt schaffen, was Frisch bis dahin bereits publiziert hatte: den Romanerstling „Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt” (1934), die Aufsätze und Rezensionen in Zeitungen und Zeitschriften. Und nahezu parallel zur Manuskriptverbrennung war der zweite größere Prosatext des jungen Autors erschienen, wie sein Vorgänger bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart, mithin in einem Verlag im Deutschen Reich, der regimekritischer Neigungen unverdächtig war: „Antwort aus der Stille. Eine Erzählung aus den Bergen” (1937).
Das Buch war von den zeitgenössischen Rezensenten freundlich aufgenommen worden, aber zu der Lebenskrise, die Max Frisch den Entschluss zum Autodafé fassen ließ, hatte die Deutlichkeit beigetragen, mit der sein Freund und Gönner Werner Coninx, aber auch Hermann Hesse ihn hatten wissen lassen, dass sie die Bergerzählung für misslungen hielten. Das Schreibverbot, das Frisch sich mit dem Autodafé auferlegte, und die Abkehr von der Literatur zugunsten des Architekturstudiums, das er seit 1936 an der ETH Zürich absolvierte, hat er bis zur Publikation der „Blätter aus dem Brotsack” (1940) weniger strikt durchgehalten, als er gelegentlich behauptete. Aber der Stachel muss tief gesessen haben. Er blieb lebendig nicht zuletzt dadurch, dass Frisch das Urteil seiner Freunde übernahm und die Bergerzählung aus den „Gesammelten Werken” ausschloss, die zu seinem sechzigsten Geburtstag erschienen. Nun hat sie der Suhrkamp Verlag nach über siebzig Jahren wiederauferstehen lassen.
Der Inhalt ist rasch erzählt: Ihr Held, der promovierte Philologe Balz Leuthold, soeben dreißig geworden, Lehrer und Leutnant auf dem Weg in den Ehestand, bricht auf in die Berge. Seine Verlobte lässt er zurück, den Traum einer künstlerischen Existenz, die ihn über die gewöhnlichen Sterblichen erhebt, kann er nicht hinter sich lassen. So will er den noch unbezwungenen „Nordgrat” besteigen, der keinen bisherigen Herausforderer lebend hat zurückkehren lassen. Im Gasthof begegnet ihm die junge Irene, die Bergerzählung nimmt eine Liebesgeschichte in ihr Gepäck, nach einer gemeinsamen Nacht im Zelt und dem Bekenntnis Irenes, mit einem kranken Mann verheiratet zu sein, verschwindet der „Sonderling” im Nordgrat. Er kehrt erst zurück, als die Bergführer schon nach seiner Leiche suchen – als Gespenst seiner selbst, mit erfrorenen Gliedern, „Schatten in seinen hohlen und grauen Wangen” und mit Augengruben „wie schwarze Löcher”, umsorgt von Irene und der nachgereisten Verlobten.
Der Gipfelstümer überlebt versehrt und geläutert, „da er nun weiß, daß es kein gewöhnliches Leben gibt, kein verächtliches Leben, das einfach wegzuwerfen wäre”. In seinem lesenswerten Nachwort erläutert der Schweizer Germanist Peter von Matt den biographischen wie zeithistorischen Kontext dieser hart am Abgrund der Kolportage entlangwandernden Bergerzählung: die Beziehung zwischen Frisch und der deutschen Jüdin Käte Rubensohn, seiner Geliebten ab 1934, das Phantasma des misslingenden Lebens, das ihn umtrieb, die überdeutlichen Anspielungen auf die zahlreichen Versuche, die Eiger-Nordwand zu bezwingen.
Als „immun gegenüber den dominierenden Ideologien seiner Zeit” erscheint bei Peter von Matt der junge Max Frisch: ein frühreifer Skeptiker, der den Kult der heroischen, männlichen Tat von innen kritisiert und in der unbedingten, aus der Zeit fallenden Liebe ein Lebensthema entdeckt, das auf „Montauk” vorausweist. Und kam nicht in „Der Mensch erscheint im Holozän” (1979) Max Frisch noch einmal in erstaunliche Nähe zur frühen, verworfenen Erzählung?
So lässt sich dieses Buch lesen, wenn man entschlossen ist, darin die Keimzelle für das Werk des reifen Max Frisch, des Spezialisten für Selbstzweifel und Identitätskrisen zu erkennen. Es sei hier die Gegenthese vertreten: Der Ausgangspunkt für das Werk von Max Frisch war das Autodafé von 1937, nicht die ihm entgangene, mit vollem Recht verworfene Erzählung „Antwort aus der Stille” . Denn allenfalls im Stofflichen konnte sie ein Ausgangspunkt für das nach dem Ende des selbstauferlegten Schreibverbotes entstehende Werk sein, nicht aber in dem, was für einen Autor wie Frisch das Entscheidende sein musste: im Stil.
Der Stil dieser Erzählung ist kein Vorgriff auf die Prosa nach 1945, weder die von Frisch noch die seiner bedeutenden Zeitgenossen. Er ist das epigonale Echo eines bereits in den dreißiger Jahren ausgelaugten Stils, der nach metaphysischen Großbegriffen gierte, Nietzsches Pathos kleinkochte und in großen Portionen ausgab und den Hermann Hesse wohl auch deshalb kritisierte, weil er ihn besser beherrschte als der junge Frisch, der über die Stille, die seiner Erzählung den Titel gab, schrieb: „Es ist, als löse sie alles Denken auf, diese Stille, die über der Welt ist; man hört nur noch sein eignes Herz, das klopft, oder mitunter den Wind, der in den Ohrmuscheln saust. Und wenn einmal eine schwarze Dohle um die Felsen segelt und wieder mit heiserem Schrei entschwindet, immer bleibt diese Stille zurück, die um alles Leben ist und jeden Aufschrei verschluckt, als sei er nie gewesen, diese namenlose Stille, die vielleicht Gott ist oder das Nichts.”
Peter von Matt vermutet, es sei die Scheu vor der um 1970 kursierenden Ideologiekritik der Heimatliteratur gewesen, die Frisch bewogen habe, seine Bergerzählung zu verleugnen. Und er fügt hinzu, sie sei trotz ihres Schauplatzes eben dies nicht: Heimatliteratur. Im landläufigen Sinne gewiss nicht. Einem Sonderzweig der Heimatliteratur gehört dieses Buch aber sehr wohl an: der Heimatliteratur der ästhetischen Genies, jener massenhaft auftretenden Ausnahmemenschen und Gipfelstürmer des Lebens, die in der Literatur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts so erfolgreich waren.
Im Stil des jungen Max Frisch sollte man eher nach Spuren seiner damaligen Lektüre – etwa Hans Carossas „Führung und Geleit” (1933) oder Ernst Wiecherts „Die Majorin” (1934) – suchen als nach Tönen, die auf „Montauk” vorausweisen: „Vielleicht denkt er auch noch an seine Braut, die nun zu Hause sitzt und vielleicht weint, da sie nicht einmal weiß, wo sie ihn suchen soll, und daran, daß eine liebende Frau wohl immer eine Last ist, weil Liebe allein ja noch keinen Mann erlöst; auch die Frau weiß das, und doch erwartet sie es, im stillen erwartet sie es wohl immer, auch wenn sie manchmal das Gegenteil sagt, und wie soll sie es auch begreifen, da sie im Grunde ganz Liebe ist; wie soll sie begreifen, daß sie ihn mit dem besten Willen nie erfüllen wird und halten kann, auch wenn er sie vielleicht erfüllt, und daß es für ihn darum kein Abstehen gibt in der Liebe, kein Genugsein, sondern immer wieder ein Weitermüssen, sei es in die männliche Untreue oder in die männliche Tat.”
Was den Heroismus der Tat betrifft und das Schwärmen vom inneren Ausnahmezustand, so wird der Held dieser Erzählung geläutert. Nicht geläutert aber ist am Ende der Stil des Autors, der von Beginn an hemmungslos eine Unzahl von prätentiös raunenden „vielleicht” und „übrigens” verstreut und an den Satzenden ganze Kolonnen jener drei Punkte hat aufmarschieren lassen, die allenfalls in sparsamer Dosierung ihren Zweck als Souffleure des Ungesagten erfüllen . . .
Es war eine notwendige Tat, dass Max Frisch diese Bergerzählung verwarf. Weil sie die Gründe dafür vor Augen rückt, ist diese Neuauflage willkommen. LOTHAR MÜLLER
MAX FRISCH: Antwort aus der Stille. Eine Erzählung aus den Bergen. Mit einem Nachwort von Peter von Matt. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009. 171 Seiten, 18,80 Euro.
„Es ist, als löse sie alles Denken auf, diese Stille . . . ”
Der österreichische Bergsteiger Heinrich Harrer während der Erstbezwingung der Eiger Nordwand am 24. Juli 1938. Oben links: Der junge Max Frisch. Fotos: picture-alliance/ dpa (oben), defd / defd (oben links)
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Zurecht verworfen hat Max Frisch die nun wiederaufgelegte Erzählung "Antwort aus der Stille", urteilt Lothar Müller in direkter Entgegnung auf den Verfasser des Nachworts, Peter von Matt. Der Erzählband sei eben kein Vorgriff auf Frischs spätere Werke, wenigstens nicht stilistisch. Eher kommt das Buch als ein Spiegelbild von Frischs damaliger Lektüre daher, erklärt Müller, beispielsweise Hans Carossas "Führung und Geleit" und Ernst Wiecherts "Die Majorin". Dadurch lasse sich auch der holpernde pathetische Stil erklären, der mit "prätentios raunenden" Adverbien aufwartet und eine auffällige Vielzahl an Sätzen mit drei Punkten enden lässt. Hermann Hesses Einschätzung eines misslungenen Jungwerks, die Müller in seiner Rezension anführt, erklärt er denn auch für weiterhin gültig. Allerdings ist die Neuauflage dennoch nützlich, denn dadurch und durch das "lesenswerte Nachwort" werde deutlich, warum Max Frisch diese Erzählung in seiner Gesamtausgabe nicht haben wollte.

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