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Ulrich Peltzer hat einen großen Zeitroman geschrieben. Was hält unsere undurchschaubare Welt zusammen: Träume, Geldströme, Gott oder der Teufel? Im 20. Jahrhundert diskutierten, lebten und kämpften junge Menschen an amerikanischen Universitäten, in Frankfurt und Moskau für eine gerechte Ordnung, für eine bessere Zukunft. Doch die Utopien sind in Terror umgeschlagen. Wir leben in einer radikal kapitalistischen Welt, unsere Gegenwart scheint undurchschaubar. Was ist aus unseren Utopien, Sehnsüchten und Träumen geworden? Aus ehemaligen Revolutionären sind Manager geworden, Akteure der Wirtschaft.…mehr

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Produktbeschreibung
Ulrich Peltzer hat einen großen Zeitroman geschrieben. Was hält unsere undurchschaubare Welt zusammen: Träume, Geldströme, Gott oder der Teufel? Im 20. Jahrhundert diskutierten, lebten und kämpften junge Menschen an amerikanischen Universitäten, in Frankfurt und Moskau für eine gerechte Ordnung, für eine bessere Zukunft. Doch die Utopien sind in Terror umgeschlagen. Wir leben in einer radikal kapitalistischen Welt, unsere Gegenwart scheint undurchschaubar. Was ist aus unseren Utopien, Sehnsüchten und Träumen geworden? Aus ehemaligen Revolutionären sind Manager geworden, Akteure der Wirtschaft. Sie sind involviert in globale Geschäfte zwischen Mailand, Südamerika und China, ihre Deals sind dubios. Haben sie alles verraten? Was heißt es heute in dieser Welt, gut zu leben? Was wäre das bessere Leben? Jochen Brockmann ist erfolgreicher Sales Manager, doch er verstrickt sich in ein abstürzendes System. Die Bank gibt keinen Kredit mehr, Indonesien investiert nicht, es bieten sich die Chinesen an. Sylvester Lee Fleming ist ein skrupelloser Geschäftemacher, Finanz-Investor und Risiko-Berater. Er erscheint, als Retter, Verführer und Versucher. Ist er ein Abgesandter des Teufels oder nur ein Psycho? Er kreuzt Brockmanns Weg. Ist das Zufall oder Plan? Ein philosophischer Roman, ein metaphysischer Thriller über das 21. Jahrhundert und die Gespenster der Vergangenheit.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, CY, D, DK, EW, E, FIN, F, GR, IRL, I, L, M, NL, P, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Seitenzahl: 448
  • Erscheinungstermin: 23.07.2015
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783104007779
  • Artikelnr.: 42695412
Autorenporträt
Ulrich Peltzer, geboren 1956 in Krefeld, studierte Philosophie und Psychologie in Berlin, wo er seit 1975 lebt. Er veröffentlichte die Romane »Die Sünden der Faulheit« (1987), »Stefan Martinez« (1995), »›Alle oder keiner‹« (1999), »Bryant Park« (2002) und »Teil der Lösung« (2007) sowie die Frankfurter Poetikvorlesungen »Angefangen wird mittendrin« (2011). Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Preis der SWR-Bestenliste, dem Berliner Literaturpreis und dem Heinrich-Böll-Preis. Zuletzt erschien der Roman »Das bessere Leben« (2015), der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und unter anderem mit dem Marieluise-Fleißer-Preis, dem Peter-Weiss-Preis und dem Franz-Hessel-Preis geehrt wurde. Literaturpreise:

Gerty-Spies-Literaturpreis 2016 Franz-Hessel-Preis 2015 Peter-Weiss-Preis 2015 Platz 1 SWR Bestenliste September 2015 Marieluise Fleißer-Preis 2015 Shortlist Deutscher Buchpreis 2015 Carl-Amery-Literaturpreis 2013 Heinrich-Böll-Preis 2011 Frankfurter Poetik-Dozentur 2010/11 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin 2010 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim 2009/2010 Spycher: Literaturpreis Leuk 2008 Düsseldorfer Literaturpreis 2008 Berliner Literaturpreis für sein Gesamtwerk 2008 Literaturpreis der Stadt Bremen 2003 Niederrheinischer Literaturpreis der Stadt Krefeld 2001 Preis der SWR-Bestenliste 2000 Anna Seghers-Preis 1997 Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung 1996 Bertelsmann-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1992

Rezensionen
Offene Fragen, eine dynamische Bewegung, ein offener Sprachstrom und eine spannende Lektüre, wenn man sich dem Sog der Sprache überlässt. Jörg Magenau Der Tagesspiegel 20150729

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.07.2015

Die Geschäfte des Herrn Sylvester Lee Fleming

Versichern und alles Weitere der Versicherung überlassen? Du bist des Teufels, wenn du diesen Rat annimmst! Ulrich Peltzers Roman "Das bessere Leben" wirft sich kühn in den Fluss der Weltrisikogesellschaft.

Für Sylvester Lee Fleming läuft alles nach Plan. Ein Pionier, ein Virtuose der schöpferischen Zerstörung, eine lebende Legende in einer auf äußerste Diskretion geeichten Branche. Er ist der sprichwörtliche Hintermann, sorgt für das Back-up der Weltwirtschaft. Fast überall, wo Werte hin und her geschoben werden, Kapital abfließt und Schulden auflaufen, hat er seine Finger im Spiel, ohne sich seine Hände schmutzig zu machen. Risikomanagement, so nennt er sein Metier. In den Diensten des in diesem Weltmarktsegment seit Urzeiten führenden Unternehmens, Global Risk & Lifetime Stewardship Inc., stieg er auf, doch als er in der obersten Etage mit seinen Ideen für eine Erweiterung des Portfolios gegen eine Wand von Risikoscheu lief, machte er sich selbständig. Es dauerte nicht lange, und sein ehemaliger Arbeitgeber reihte sich bei seinen Auftraggebern ein.

Inzwischen, in Ulrich Peltzers heute erscheinendem Roman "Das bessere Leben" schreiben wir das Jahr 2006, rechnet er täglich mit einem Übernahmeangebot von Seiten des Traditionshauses. Er geht auf die sechzig zu. Längst hat er einen vollständigen Satz seiner Geschäftsunterlagen gebunkert, im Keller der Villa, die er sich in Kalifornien mit Blick auf den Pazifik gebaut hat. Dort hat seine persönliche Archivarin schon alles sortiert, damit er die erste Seite im zweiten Kapitel seines Lebens aufschlagen kann: Er wird seine Memoiren diktieren.

So weit der Plan. Aber ihm kommt etwas dazwischen. Nein, das ist falsch gesagt. Fleming kann nichts passieren, er hat umfassend vorgesorgt. Er kommt sich selbst dazwischen, an jenem Abend im Hotel in São Paulo. Eine Irritation ergreift von ihm Besitz und lässt ihn die Dispositionen für seinen Ruhestand revidieren. Gerade hat ihm sein treuer Assistent Dr. Angel Barroso, der für ihn Daten sammelt und Kontakte knüpft, eher Kompagnon als Angestellter, gut bezahlt und wohlgenährt, telefonisch von erfreulichen Fortschritten in einer heiklen Sache berichtet. So richtig freuen will Fleming sich nicht, wegen des läppischen Umstands, dass der Mitarbeiter mit dem Namen der Himmelsboten ihm die gute Nachricht schon eine Stunde früher hätte überbringen können. Kennt Angel seinen Chef etwa schlecht? Hat der Patriarch der Fleming Family of Businesses denn nicht alle Zeit der Welt?

"Fleming schmiss den Hörer zur Seite. Es würde für ihn kein Ende geben, keine beschaulichen Tage in Carmel mit dem Geld, das Global Risk zu zahlen bereit wäre. Einmal ausschlafen, das ja, zwei Wochen Ruhe, in denen er mit seinem Bericht, der Schilderung seiner Tätigkeit, seines Eingreifens allüberall beginnen könnte, aber er musste weitermachen, immer weiter, in dieser Gestalt oder jener. Wie nötig das war! Es knirschte im Augenblick doch an sämtlichen Ecken und Kanten, wie kann man da das Messer im Schwein stecken lassen? Hände an der Schürze abwischen und es sich im Schaukelstuhl bequem machen ... nicht er, nicht morgen und nicht übermorgen, wahrscheinlich - und sei der Gedanke selbst für ihn mit ein wenig Unbehagen verbunden - wahrscheinlich wohl nie."

Fleming kann nicht loslassen. Typische Managerkrankheit. Die Diagnose wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn die Prophylaxe gegen dieses Leiden nicht im Zentrum der Coachings in Karriererisikosteuerung stünde, die Fleming handverlesenen Klienten offeriert. "Man sieht sich im Chefsessel sitzen, dabei ist die Uhr schon abgelaufen." Zu oft habe er das schon miterlebt, die Folgen des "unsinnigen Vertrauens darauf, dass ein jeder wüsste oder wissen könnte, wo Schluss ist mit seinen privaten Plänen", eröffnet Fleming einem Mann, den er in ein All-you-can-eat-Restaurant mitgenommen hat. Dieser Jochen Brockmann, aus Krefeld gebürtig, der für eine Turiner Maschinenbaufirma um die Welt reist, hat die Warnung gar nicht nötig, ahnt längst, dass seit dem Einstieg eines englischen Versicherers seine Tage in Turin gezählt sind und seine Rivalen um die Gunst des Chefs ihm den Sessel schon vor die Tür gestellt haben. Peltzers Leser sind eingeweiht in Brockmanns private Pläne. Wir haben ihn von Lugano nach Zürich begleitet, wo er 600 000 Euro zurückließ, zu denen seiner Tochter ein Schlüsselwort die Tresortür öffnen wird. Und wir sind ihm dabei so nahegekommen, als hätte eine höhere Instanz uns zu seinem Schutzengel bestimmt. Wir haben gesehen, was vor seinem Auge ablief, etwas wie ein aus Postkartenmotiven und Erinnerungsbildern zusammengeschnittener Film, und wir haben das unaufhörliche Selbstgespräch in seinem Kopf mitgehört.

Der Roman entfaltet einen unwiderstehlichen, stellenweise schwindelerregenden Sog. Peltzer hat eine erzählerische Form für jenen Fluss gefunden, der die Existenz des flexiblen Menschen im heutigen Kapitalismus ausmacht. Die Figuren werden gleichzeitig vorwärtsgetrieben und zurückgehalten, sehen sich gezwungen, in jedem Moment provisorisch Bilanz zu ziehen: Mit der kleinsten Entscheidung kommt ein Rattenschwanz ergriffener und ausgeschlagener Chancen und Optionen zur Wiedervorlage. Die Geschichten über die ersten Gehversuche auf dem Endlosband der Akkumulation und Konsumtion, Ferienjobs am Stadtrand und Einkaufstrips nach Holland haben das Aroma einer Erfahrung, die man gegen nichts eintauschen kann. Doch die Identifikation des Lesers wird ebenso sehr durch das Konventionelle des Gedächtnismaterials ermöglicht. Die Sprüche der Geschwister, Mitschüler und Kollegen, die als Einreden des schlechtgelaunten Gewissens wiederkehren, hat man alle selbst noch im Ohr.

Wie die Helden früherer Bücher Peltzers ist Jochen Brockmann ungefähr so alt wie der 1956 geborene Autor. Aber diese Analyse einer Generation fördert kein Spurenelement von Nostalgie zutage. Brockmann hat seine Verluste abgeschrieben. Typisch die Erinnerung an die Strandromanze mit der Schwedin, der er noch keine Mail schreiben konnte. Was weiß er noch? "Nur dass sie Nadel und Faden dabeihatte und ihm abends den Sticker auf die Hose nähte, den er sich bei einem der fliegenden Händler gekauft hatte, Today is the first day of the rest of your life ... Junge, Junge, Junge, wie originell ..."

In Gestalt von Fleming sitzt Brockmann nun jemand gegenüber, der nicht nur von dieser Wohnküchenphilosophie der Erdentageresteverwertung nichts wissen will, sondern nach eigener Aussage auch Schwierigkeiten hätte, den ersten Tag des Anfangs seines Lebens anzugeben. "Ich meine ... ich komme mir immer steinalt vor (feel as old as the hills), wenn ich mich näher mit der Vergangenheit beschäftige. Als wäre ich damals schon, nicht wahr, mitten im Geschehen ... können Sie sich das vorstellen?" Brockmann murmelt ausweichend, aber wir können uns sogar vorstellen, dass diesem alpinen Hochgefühl des Risikomanagers, schon in unvordenklicher Zeit als Geschäftsführer des Weltgeists auf das Treiben der Plänemacher herabgesehen zu haben, gar keine Einbildung zugrunde liegt. Zwar müsste das mit dem Teufel zugehen, doch genau dafür liefert der Roman Indizien.

Er lädt den Leser ein, an verschiedenen mehr oder weniger verschlungenen Lebensläufen das Verhältnis von Zufall und Determination abzuwägen. Ein eingeschobenes Kapitel führt den Grenzfall einer Hermeneutik des totalen Verdachts vor, die alles Ungeplante auf böse Absichten zurückführt. Vor einem Tribunal deutscher Kommunisten im Moskau der dreißiger Jahre wird einem unversehens Beschuldigten zum Verhängnis, dass ihm ein Genosse Olearius, den niemand kennt, den rettenden Passierschein verschafft hat. Olearius hat einen dicken Adlatus namens Dr. Engels. Den Feuilletonisten der KPD fällt nach dem Barockdichter Adam Olearius sogleich dessen Freund Paul Fleming ein. Wir Nachgeborenen, die wir wie Jochen Brockmann und seine Schulfreunde Sammelbilder aus James-Bond-Filmen getauscht haben, werden bei Fleming einen anderen Schriftsteller assoziieren. Der Versucher aus der Versicherungsbranche ist ein Superschurke wie im Agentenfilm, aber er spielt sich als Autor auf, gibt zu verstehen, dass jeder Plot von ihm stammt.

Die Memoiren, die das demonstrieren sollen, sind mit Peltzers Roman nicht zu verwechseln. Im Roman bleibt ungewiss, hinter welchen Schandtaten Fleming wirklich steckt. "Wirklich" bezieht sich hier auch auf die Welt außerhalb des Romans. Fleming träumt von dem Massaker von Kent State, der Erschießung von vier Studenten durch Nationalgardisten am 4. Mai 1970. Es kann sein, dass Fleming der Agent provocateur war, dessen Existenz in der Literatur zu diesem Ereignis postuliert wird. Brockmann besichtigt in Mailand die Installation "Partially Buried", in der sich Renée Green mit dem Massaker auseinandersetzt. Wie die Künstlerin Fotos des Tatorts in ihr Werk einbaut, so montiert Peltzer gleichsam die Arbeit von Renée Green in seinen Roman. Und wie Renée Green dem Betrachter das Rohmaterial der historischen Detektivarbeit zur Verfügung stellt, so ist der Roman ein Work in Progress für mitarbeitende Leser.

Eines der beiden Motti des Romans ist von Nietzsche: "Ich würde mich nicht vermissen, wenn ich fehlte. Entbehrlich sind wir Alle!" Das könnte ein Werbespruch Flemings sein, der die Regel formuliert, dass Schlagzeilen "aus dem Bewusstsein der Leute verschwinden wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand". Dieses Schicksal weissagte Michel Foucault dem Menschen. Peltzers Thema ist die von Foucault beschworene Flut. Der Titel des Romans ist ganz wörtlich zu nehmen. "Das bessere Leben" ist Peltzers Kunst: eine Literatur des Risikos, deren Wasserstandsmeldungen Spielräume der Aufklärung markieren. Der Roman wird seinem kühnen Anspruch gerecht.

PATRICK BAHNERS

Ulrich Peltzer: "Das bessere Leben". Roman.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015. 448 S., geb., 22,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 23.07.2015

Was sind eigentlich Leerverkäufe?
Bedrohlich schön und verschwommen: Ulrich Peltzers neuer Roman „Das bessere Leben“, der an diesem Donnerstag erscheint,
zeigt empfindsame Innenansichten der besseren Stände in der Globalisierung – das ist ästhetisch konsequent, aber intellektuell unbefriedigend
VON GUSTAV SEIBT
Ein nicht mehr ganz junger Manager der mittleren Ebene, zuständig für „Sales“, Verkäufe, wird nach vierzehnjähriger Betriebszugehörigkeit entlassen. Seine Leistung, die „Performance“, hatte zuletzt nicht mehr überzeugt. Ein Großauftrag in Indonesien – es geht um Anlagen für Kunststoffbeschichtung – kam nicht zustande. Außerdem bedrängt die chinesische Konkurrenz mit billigen Preisen das traditionsreiche italienische Unternehmen, für das Jochen Brockmann, der entlassene Manager, arbeitete. Dieses gerät außerdem ins Visier von Finanzinvestoren, die mit Übernahme und brutalen Sanierungsmaßnahmen drohen. Brockmann muss eine neue „Herausforderung“ finden – warum nicht gleich in China?
  Ulrich Peltzer ist im arbeitsteiligen Betrieb der deutschen Gegenwartsliteratur der Fachmann für politisch informierte Zeitdiagnose. Sein neuer Roman „Das bessere Leben“ nimmt sich nun das globalisierte Wirtschaftsleben aus westlicher Sicht vor. Die Geschichte des 51 Jahre alten, vom Niederrhein stammenden Jochen Brockmann spielt sich in Turin, dem Sitz des in Nöte geratenen Anlagenbauers, in São Paulo, Amsterdam, Wien ab, mit Blicken nach Fernost. Andere, durch Rückblenden erhellte Stationen sind Moskau, Berlin, Frankfurt, London, Ohio und Kalifornien.
  Das vielköpfige Personal der Geschichte, Familienangehörige, Freunde, Kollegen, Konkurrenten der Hauptfigur, steht im zeitgemäß-ununterbrochenen Kontakt durch Mobiltelefon und Mailverkehr; die Handlung ist skandiert vom Aufploppen der Nachrichten im Dauerstrom. Das Chronotop, die Raumzeit der sich auf das Frühjahr 2006 konzentrierenden Kernhandlung ist planetarisch-allgegenwärtig, es bezeugt den elektronischen Sieg der Zeit über den Raum.
  Rückblicke, oft nur indirekt vermittelt über die Erinnerungen von Freunden und Angehörigen, reichen aber auf der historischen Zeitachse zurück bis ins Moskau der Dreißigerjahre, vor allem aber in die letzte utopisch bewegte revolutionäre Phase des Westens, zu den Protestbewegungen der Siebziger: Hier hat der Roman eine zeitgeschichtliche Hintergrundzone, die sich zwischen den Kent-State-Protesten von 1970 über den westdeutschen Terrorismus bis zur Entführung Aldo Moros durch die italienischen Roten Brigaden im Jahr 1978 erstreckt. Nimmt man Hinweise auf Pier Paolo Pasolini, die Band Temptations, auf die in Retrospektiven schwelgende Installationskünstlerin Renée Green hinzu und vergisst nicht, dass der Sales-Manager Brockmann wertbeständige moderne Grafiken sammelt, kommt erstaunlich viel kulturelles Gepäck für einen Weltwirtschaftsroman zusammen – jüngere Leser dürften ohne heftigen Wikipedia-Einsatz die Lektüre schwerlich bewältigen.
  Erst einmal nämlich geht es im „Besseren Leben“ um die besseren Stände der auch kulturell globalisierten Welt. Wer nicht in der Wirtschaft arbeitet, ist kreativ tätig, wie Brockmanns Tochter, die in Mailand (ein weiterer Schauplatz) Kunst studiert, oder hat eine vorübergehende italienische Geliebte. Gemeinsam sind den Managern und den Künstlern die elegant unterkühlten Interieurs ihrer Wohnungen, die Peltzers Roman mit routinierter Entwerferkunst zeichnet. Nicht weniger suggestiv werden die Hotelwelten vergegenwärtigt, in denen solches Personal heute, nun ja, zu Hause ist.
  Eine unbestimmte Drohung hängt von Anfang an über dem Roman, es ist die allgemeine Instabilität, mit der die fluide, nicht mehr überschaubare Weltwirtschaft ihre Akteure unter Druck hält. Dass Peltzer seine Geschichte unmittelbar vor der Krise von 2008 ansetzt, dürfte kein Zufall sein. Alkohol spielt eine enorme, möglicherweise klischeehafte Rolle. Brockmann hortet Schwarzgeld in Zürich, Zugangscode und Nummer des anonymisierten Kontos liegen in einem Umschlag für die Tochter bereit. Zusammen mit der Grafiksammlung, deren Wert die neuesten Auktionskataloge abschätzen lassen, verspricht es eine Sicherheit, an die kein Leser von Wirtschaftsseiten glauben wird.
  Horizontlose Gegenwart mit einer von abgetanen Hoffnungen geprägten Vergangenheit, das ist der Grundriss. Das ungewisse bessere Leben, zu dem die Protagonisten in einem bisher erfolgreichen Berufsleben gefunden haben, sollte früher einmal durch utopisch inspirierte politische Aktion erreicht werden. Allerdings kann man die Rückblicke auf Terror und Protest kaum als Gegenwelt begreifen, zu grausig sind die Darstellungen aus dem stalinistischen Moskau oder vom Schlachtopfer Moro, dessen Schicksal im Spiegel des Films „Buongiorno, notte“ (Guten Tag, Nacht) von 2003, also denkbar vermittelt, eingespielt wird.
  Brockmann aber hat in Peltzers kompliziertem Konstrukt noch eine Gegenfigur in Gestalt eines angeblichen Risikoversicherers und Finanzinvestors namens Sylvester Lee Fleming. Er war Zeuge der brutalen Polizeimaßnahmen an der Kent-State-University am 4. Mai 1970 (auch dazu gibt es einen Wikipedia-Eintrag), bei dem vier Studenten von der Nationalgarde getötet und noch mehr verletzt wurden, als sie gegen den amerikanischen Kriegseinsatz in Kambodscha demonstrierten.
  Fleming ist ergraut, fit und zynisch, und sein Geschäft dürfte, wenn man die Andeutungen des Romans richtig entschlüsselt, eigentlich Erpressung in großem Stil sein: Die Risiken, die er versichert, werden erst künstlich erzeugt. Der offenbar allwissende Fleming ist eine Gestalt, die über die Grenzen realistischer Darstellung hinausreicht und ein Element der Paranoia ins Handlungsgewebe bringt – für Brockmann wird er zum Rettungsanker und Vermittler dubioser Anschlussbeschäftigung.
  Die absichtsvolle Dunkelheit der sich erst allmählich aus einem Mosaik von Anspielungen zusammenfügenden Handlung wird von Peltzer konstruktiv abgesichert durch das bei ihm gewohnte Genre des Bewusstseinsromans, in dem auch „Das bessere Leben“ gehalten ist. Wir sehen die jeweiligen Ausschnitte fast ausschließlich durch erlebte Rede und gelegentlich durch Dialoge.
  Angesichts der Figuren- und Stofffülle dürfte die Konzentrationskraft mancher Leser dabei zu sportlicher Höchstleistung herausgefordert werden – neben Wikipedia ist folglich ein Bleistift für Notizen vor allem zu den vielen Nebenfiguren ein wichtiges Lektürehilfsmittel. Doch kann man sich in der genrebedingten Verschwommenheit auch einfach treiben lassen, bis man halbwegs festen Grund findet und dabei die Stärken dieser Prosa genießen. Die wichtigste dieser Stärken ist die präzise Evokation von geschichtlicher Atmosphäre, für die Gegenwart wie für die Vergangenheit. Peltzers subjektivistische Schreibart rettet eine Errungenschaft der späten Siebzigerjahre in die glatten, drohenden Kulissen der Gegenwart. Die Unruhe der Geschichte kommt nicht nur aus der bedrückenden Übermacht von Weltprozessen, die keiner mehr steuern kann, sondern auch aus dem schmerzlichen Gefühl des Hoffnungsverlustes: die heutige Gestalt des Erhabenen.
  Allerdings ist damit auch eine Grenze bezeichnet. Der Versuch von Analyse, von rationaler Durchdringung wird gar nicht erst unternommen. Die Unangemessenheit des Bewusstseinsromans für die Erfassung der globalisierten Welt kommt nur von innen, kein einziges Mal von außen zur Anschauung. Das ist ästhetisch konsequent, aber intellektuell unbefriedigend. Der Roman verbleibt auf der Ebene fein gezeichneter Seelenlagen, und wenn man das Problem in einer etwas brutalen Zuspitzung zusammenfassen wollte, müsste man über ihn sagen: ein traurig-schönes Stimmungsbild von der Globalisierung, nicht ohne Erbarmen für die Überforderungen ihrer empfindsamen, privilegierten Opfer. Die Ironie ist fast unfühlbar.
  Am Ende wird Jochen Brockmann bei einer Familienfeier von einem Verwandten „als Fachmann“ befragt, was „Leerverkäufe“ seien. Es folgt ein Dialog, wie man ihn seit 2008 in den besseren Ständen oft gehört haben dürfte. Muss man da nicht seufzen? 1900 erklärte Thomas Mann den Bankrott der Firma Buddenbrook mit einem präzise geschilderten Termingeschäft. 2015 behandelt ein avancierter Roman mit staunenden Augen die Frage nach Leerverkäufen. Auch literaturgeschichtlich scheint der Fortschritt nur eine Schnecke zu sein.
Viel weiter ist die Darstellung
der großen Wirtschaftwelt seit den
„Buddenbrooks“ nicht gelangt
              
  
  
  
  
Ulrich Peltzer: Das bessere Leben. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015. 448 Seiten, 22,99 Euro. E-Book 19,99 Euro.
Mit der gläsernen Undurchsichtigkeit der Weltkonzerne hat sich Ulrich Peltzer schon einmal beschäftigt: Bei Christoph Hochhäuslers Film „Unter dir die Stadt“ aus dem Jahr 2010 schrieb er am Drehbuch mit.
Foto: Piffl Medien
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