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Als Ludwig XVI den Thron bestieg, war die Staatsverschuldung Frankreichs bereits katastrophal. In dieser Situation hoffte das Volk auf den jungen Monarchen und nannte ihn Le Désiré. Doch der Ersehnte wirkte keine Wunder – und so brach 1789 die Revolution aus. Der schwache König vermochte weder die Monarchie noch sich selbst zu retten, denn jetzt vertrauten die radikalsten Kräfte des Volkes lieber einem jungen, ehrgeizigen Rechtsanwalt namens Maximilien de Robespierre. Der aber verfolgte eine mörderische Politik der Tugend, der Abertausende zum Opfer fielen – darunter der König und bald darauf…mehr

Produktbeschreibung
Als Ludwig XVI den Thron bestieg, war die Staatsverschuldung Frankreichs bereits katastrophal. In dieser Situation hoffte das Volk auf den jungen Monarchen und nannte ihn Le Désiré. Doch der Ersehnte wirkte keine Wunder – und so brach 1789 die Revolution aus. Der schwache König vermochte weder die Monarchie noch sich selbst zu retten, denn jetzt vertrauten die radikalsten Kräfte des Volkes lieber einem jungen, ehrgeizigen Rechtsanwalt namens Maximilien de Robespierre. Der aber verfolgte eine mörderische Politik der Tugend, der Abertausende zum Opfer fielen – darunter der König und bald darauf auch er selbst. Uwe Schultz, vorzüglicher Kenner der französischen Geschichte, legt mit diesem spannenden Buch die erste Doppelbiographie des Königs und des Revolutionärs vor.
  • Produktdetails
  • Verlag: C.H.Beck
  • Seitenzahl: 400
  • Erscheinungstermin: 01.03.2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406629259
  • Artikelnr.: 37356892
Autorenporträt
Uwe Schultz war Leiter der Hauptabteilung Kulturelles Wort beim Hessischen Rundfunk; er arbeitet heute freiberuflich als Publizist in Paris.
Inhaltsangabe
Vorzeichen

Der ungeliebte Dauphin

Der einsame Musterschüler

Heirat und frühe Herrschaft

Die Idylle in der Provinz

Die gestundete Monarchie

Der Machtwechsel

Das Gesetz der Revolution - die Gewalt

Das Mandat des Volkes - die neue Macht

Die Erniedrigung der Monarchie

Die Flucht nach Montmédy

Von der Krise zum Krieg

Die blutige Geburt der Republik

Verurteilung und Hinrichtung des Königs

Der Aufstieg der Commune

Die Tugend des Terrors

Ausblick

Zitatnachweise

Bildnachweis

Bibliographie

Personenregister
Rezensionen
Besprechung von 12.03.2012
Zwei Tyrannen,
beide guillotiniert
Ludwig XVI., letzter König des Ancien Régime, und der
Revolutionär Robespierre in einer Doppelbiographie
Ludwig XVI. und Maximilien de Robespierre – „der König und sein Richter“ – starben im Abstand von anderthalb Jahren auf die gleiche Weise auf der Pariser Place de la Concorde. Beide wurden in einem politischen Prozess verurteilt, der Frankreich von einem Tyrannen befreien sollte, der das Land spaltete. Beide wurden vor einer nicht besonders human gestimmten Menge Schaulustiger von einer angeblich besonders humanen Maschine geköpft. Beider Leichen wurden in Massengräbern bestattet und sind seither verschollen.
Die Liste der Gemeinsamkeiten des Königs und des Provinzanwalts geht noch weiter. Beide erbten ihren Platz in der Gesellschaft auf untypische Weise. Ludwig rückte erst zum Thronfolger auf, als sein älterer Bruder starb. Als sich Robespierres Vater nach Deutschland absetzte, hinterließ er weder Vermögen noch Reputation. Dass sein Sohn ihm trotzdem als Anwalt in Arras nachfolgen konnte, verdankte er seiner sonst heftig zerstrittenen, in diesem Punkt aber einigen Verwandtschaft.
Beide waren in den Stellungen, die ihnen das Schicksal vorgezeichnet hatte, nicht übermäßig erfolgreich. Ludwig XVI. war weder fähig, selbst ein politisches Programm zu entwickeln, noch, einen talentierten Minister konsequent zu fördern. So ließ er sich von Krise zu Krise treiben, ging strukturellen Reformen aus dem Weg und schuf wichtige Voraussetzungen für die Revolution. In der Revolution versuchte er weiter, es möglichst vielen recht zu machen. Das machte es seinen Gegnern immer leichter, ihn als Verräter zu beschreiben. Erst sein tapferer Tod schuf eine Grundlage für die spätere Wiederbelebung der Monarchie.
Dagegen stieß gerade Robespierres Neigung, alles ins Prinzipielle zu heben, potentielle Klienten ab. Seine Pamphlete gewannen zwar Preise, aber erst seine Wahl zum Vertreter von Arras im Dritten Stand der Generalstände erlaubte ihm, sein Talent als Politiker zu beweisen. In der Nationalversammlung stach er zu wenig hervor, um große Prominenz zu erreichen, aber genug, um seine Wähler durch seinen Radikalismus zu verprellen. Nach dem Ende seines Mandats blieb er in Paris, wo er den Übergang zur Republik, die Anklagen gegen den Monarchen und die Königin sowie die Ausweitung des Krieges betrieb. Zug um Zug trug er zu einer Lage bei, die Ausnahmegesetze zwingend erschienen ließ. Einmal an die Schaltstellen der Macht gelangt, griff er zu immer brutaleren Maßnahmen gegen Verschwörer, die seiner Ansicht nach den Weg in eine soziale Republik versperrten. Als sich aber Robespierres Misstrauen auch gegen seine Vertrauten zu richten begann, stellten diese den „Tyrannen“ vor sein eigenes Ausnahmegericht.
Doppelbiographien politischer Gegner können unsichtbare Muster betonen – etwa überraschend „parallele Leben“, wie Alan Bullock seine Biographie Hitlers und Stalins nannte. Uwe Schultz stellt dagegen für die ersten Jahre beide Biographien unverbunden nebeneinander. Die Auseinandersetzung mit Bildern des Königs, die das Leben eines Anwalts im Ancien Régime prägen mussten, und die Transformation des realen Leben des Königs in solche Bilder interessieren ihn ebenso wenig wie standestypische Verhaltens- und Karrierestrategien. Unterschiede in „Privatleben“ und Wirken des Königs und des Bürgers scheint es nur wegen ihrer individuellen Charakterzüge und -fehler gegeben zu haben, etwa wegen des immer wieder zitierten „watschelnden Gangs“ des Monarchen.
Nach 1789 sind die Bezüge enger, und das Buch wird zu einer spannend und flüssig erzählten Geschichte der Französischen Revolution mit dem Spotlight auf beiden Protagonisten. Zitiert werden Robespierres Schriften und die klassischen Berichte von Höflingen und Informanten, was den Spaß bei der Lektüre erhöht, aber auch den damaligen Hofklatsch unkritisch weiterträgt. Die aktuelle Wissenschaft dagegen hat ihren Weg weder in den Text noch in das Literaturverzeichnis gefunden. Historische Urteile, die Schultz diskutiert und gegeneinander abwägt, stammen eher von Jules Michelet oder Jacob Burckhardt.
Das wäre nicht schlimm, wenn sich in der Forschung nichts bewegen würde; von komplexeren Strukturen, übergreifenden Interpretationen, subtileren Kontextualisierungen muss man ja nichts halten. Aber selbst zu den Fakten ist bei Michelet nicht alles gesagt. Darum ist hier leider (nicht nur) das Ende der Geschichte schief geraten. Schultz lässt bloß die Gebeine Robespierres verschwinden. Die sterblichen Überreste Ludwigs XVI. werden – ebenso wie die Marie Antoinettes – 1815 exhumiert, identifiziert und feierlich in St. Denis bestattet. Dafür, wie das unter den gerichtsmedizinischen Bedingungen des frühen 19. Jahrhunderts möglich gewesen sein soll, wird eine originelle Erklärung angedeutet: Man habe den Kopf der Monarchen beim Körper bestattet, bei anderen Opfern dagegen nicht.
Das ist fast noch drolliger als Chateaubriands Bericht, er habe den Schädel Marie-Antoinettes unter den Knochen Hunderter Menschen an ihrem Lächeln erkannt. Wahrscheinlicher ist, dass Ludwig XVIII. dringend Beweise für den Tod seines Bruders brauchte, um Zweifel an seiner eigenen Legitimität zu unterdrücken. Daher ließ er irgendwelche Knochen ausgraben, identifizieren und bestatten. So kann man die Geschichte denn auch bei Gudrun Gersmann nachlesen – freilich erst seit 2007.
ANDREAS FAHRMEIR
UWE SCHULTZ: Der König und sein Richter. Ludwig XVI. und Robespierre. Eine Doppelbiographie. Verlag C. H. Beck, München 2012. 400 S., 24,95 Euro.
Als Ludwig XVI. 1793 enthauptet wurde (Bild rechts), schaute Robespierre (links) noch stolz. Im Jahr darauf fand er das gleiche Ende. Fotos: Getty Images
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Etwas durchwachsen scheint Rezensent Matthias Lohre diese Doppelbiographie über Ludwig XVI. und Robespierre, die Uwe Schultz vorgelegt hat, zu sein. Zwar attestiert er dem Buch durch den Wechsel der beiden Lebensgeschichten eine "unterschwellige Spannung" sowie eine detailreiche und gekonnte Schilderung der Geschehnisse. Das Zögern des Königs und die Rastlosigkeit des narzisstischen Revolutionärs werden für ihn deutlich ebenso ihre Motive und Zweifel. Aber die beiden Lebensgeschichten bleiben seines Erachtens "seltsam unverbunden" nebeneinander stehen. Zudem wirkt die Darstellung der blutige Revolution auf Lohre bisweilen ein wenig theaterhaft.

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