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In der ruhmlosen deutschen Kolonialgeschichte dürfte das Kapitel über Kamerun eines der finstersten sein. Die unter fragwürdigen Begleitumständen ergaunerte Kolonie wurde in einträglicher Zusammenarbeit zwischen wilhelminischen Kolonialbeamten und ehrbaren Kaufleuten in ein Inferno für die versklavte Bevölkerung verwandelt. Einem Sohn des ehemaligen Königs wurde dennoch gestattet, in Deutschland Jura zu studieren. Als Prinz Manga Bell allerdings vom Gelernten Gebrauch machte und vor Gerichten gegen die deutschen Gräueltaten in seiner Heimat klagte, wurde er zu Beginn des ersten Weltkriegs des…mehr

Produktbeschreibung
In der ruhmlosen deutschen Kolonialgeschichte dürfte das Kapitel über Kamerun eines der finstersten sein. Die unter fragwürdigen Begleitumständen ergaunerte Kolonie wurde in einträglicher Zusammenarbeit zwischen wilhelminischen Kolonialbeamten und ehrbaren Kaufleuten in ein Inferno für die versklavte Bevölkerung verwandelt. Einem Sohn des ehemaligen Königs wurde dennoch gestattet, in Deutschland Jura zu studieren. Als Prinz Manga Bell allerdings vom Gelernten Gebrauch machte und vor Gerichten gegen die deutschen Gräueltaten in seiner Heimat klagte, wurde er zu Beginn des ersten Weltkriegs des Hochverrats bezichtigt und in Windeseile aufgehängt. Christian Bommarius, Publizist und Jurist, hat den Fall aufgerollt: Seine Geschichte eines Justizmordes ist zugleich eine Fallstudie über Rassismus, Gier und abgrundtiefe politische Dummheit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Berenberg
  • Artikelnr. des Verlages: 3477
  • Seitenzahl: 148
  • Erscheinungstermin: 4. März 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 228mm x 163mm x 17mm
  • Gewicht: 387g
  • ISBN-13: 9783937834771
  • ISBN-10: 393783477X
  • Artikelnr.: 41721725
Autorenporträt
Christian Bommarius, geboren 1958 in Frankfurt am Main. Studium der Rechtswissenschaften un der Germanistik. Korrespondet der dpa bei den Gerichtshöfen in Karlsruhe. Seit 1997 leitender Redakteur der BZ sowie Mitarbeiter beim 'Kursbuch'.
Rezensionen
Besprechung von 20.05.2015
Verräter werden gehängt
Christian Bommarius notiert, was die wilhelminische Kolonialpolitik anrichtete

Am 8. August 1914, der Erste Weltkrieg hatte gerade begonnen, vollzog sich in Douala, der Wirtschaftsmetropole des deutschen "Schutzgebietes" Kamerun, der letzte Akt eines kolonialen Dramas. Prinz Rudolf Manga Bell, das wichtigste Oberhaupt der Duala und lange Zeit ein enger Gefolgsmann der deutschen Kolonialherren, wurde durch den Strang hingerichtet. Die Kolonialverwaltung hatte ihn, so verkündete es der Gouverneur noch am selben Tag in einer Ansprache, als "Verräter an Kaiser und Reich" überführt.

Die Exekution markierte den Höhepunkt eines Konfliktes, der sich vier Jahre zuvor entzündet hatte. Der Journalist und Jurist Christian Bommarius schildert in seiner eingängig geschriebenen Darstellung diese wenig bekannte Episode des deutschen Kolonialismus in Afrika. Sie widmet sich keineswegs nur der Ermordung Manga Bells, sondern bietet darüber hinaus informative, mit zahlreichen Quellenzitaten versehene Einblicke in die Geschichte Kameruns unter deutscher Herrschaft. Ohne Fußnoten zwar, aber in enger Tuchfühlung zumindest mit der deutschsprachigen Fachliteratur.

Vertreter der Duala hatten 1884 einen Vertrag mit Hamburger Kaufleuten geschlossen, der faktisch die formelle Kolonialherrschaft in Kamerun einleitete. Als die Deutschen jedoch diese Abmachungen ignorierten, zunehmend mit Zwang operierten, lokale Herrscher öffentlich auspeitschten und Landraub begingen, griffen die Afrikaner unter anderem zum Mittel der Petition. Sie listeten ihre Beschwerden auf und adressierten sie an den Reichstag; eine Delegation der Duala machte sich nach Berlin auf und brachte ihre Kritik beim Reichskolonialamt vor. Die Verwaltung in Kamerun verurteilte die Petenten darauf wegen "Beleidigung" zu hohen Gefängnisstrafen und Zwangsarbeit. Das erregte wiederum in der deutschen Öffentlichkeit und im Reichstag beträchtliches Aufsehen. Bommarius zitiert den sozialdemokratischen Abgeordneten Georg Ledebour, der von einem "Rechtsbruch schmählicher Art" sprach.

Der Konflikt zwischen den Duala und den Deutschen sollte sich noch weiter zuspitzen. Anlass war ein 1910 von den kolonialen Behörden lanciertes Projekt, das innerhalb von fünf Jahren die Umwandlung der flussnahen Stadtviertel in eine reine Europäerstadt vorsah. Man plante, die dort ansässigen Einheimischen gegen eine minimale Entschädigung zu enteignen und in neue Quartiere am Stadtrand umzusiedeln. Europäerstadt und Afrikanersiedlungen sollten durch eine einen Kilometer breite Freizone getrennt werden. Jeder Europäer erhielt das Recht, drei schwarze Bedienstete bei sich unterzubringen. Alle anderen Afrikaner aber sollten die Europäerstadt nurmehr tagsüber betreten dürfen. Die Gründe für diesen Entscheid waren, wie Bommarius zeigt, vielfältig: das Bestreben, das "Negerdorf" in eine moderne Stadt umzuwandeln und dabei allein von der Wertsteigerung des Bodens zu profitieren; außerdem folgerten deutschen Ärzte aus der Tatsache, dass die afrikanische Bevölkerung und besonders Kinder wichtige Zwischenwirte für die Malariaerreger waren, die Rassentrennung sei das einzig taugliche Mittel, die Weißen vor der Krankheit zu schützen.

Die Duala protestierten energisch gegen Enteignung und Segregation. An die Spitze der Bewegung stellte sich Rudolf Manga Bell. Als Jugendlicher hatte Rudolf Bell mehrere Jahre in Ulm verbracht, in seiner Funktion als "Häuptling" pflegte er zu den Deutschen gute Beziehungen. Doch die Umsiedlungsmaßnahmen desillusionierten ihn, er schrieb Petitionen an den Reichstag, mobilisierte Parlamentarier, Missionare und Journalisten gegen den "Rechtsbruch der Enteignung". Der Reichstag befasste sich mit dem Konflikt, die Presse im Reich berichtete ausführlich, Anwälte in Berlin nahmen sich der Angelegenheit an. Die Kolonialadministration beschloss, Manga Bell loszuwerden. Zunächst dachte sie an Verbannung, doch der Ausbruch der Ersten Weltkriegs und die Furcht vor einem Aufstand in Douala ließen die Kolonialherren ein Exempel statuieren. Bommarius schildert mit zum Teil bisher unbekannten Details Hintergründe und Verlauf dieses "Justizmordes".

Leider unterlässt es der Autor, die Geschichte der Ermordung Manga Bells in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Nirgendwo im kolonialen Afrika wurde die städtische Segregation so brutal und so umfassend durchgesetzt wie in Kamerun. Aber in keiner anderen westlichen Metropole wäre den Kolonisierten eine vergleichbare Parlamentsdebatte gewährt worden. Überdies illustriert die Enteignung der Duala einen Grundwiderspruch nicht nur der deutschen kolonialen Herrschaft. Einerseits betrachteten die Kolonialherren sich selbst als uneingeschränktes Vorbild, andererseits verweigerten sie den Kolonisierten die Möglichkeit, dieses Vorbild zu erreichen. Diese Dialektik sollte zu einer wichtigen Antriebskraft der Dekolonisation werden.

ANDREAS ECKERT.

Christian Bommarius: "Der gute Deutsche". Die Ermordung Manga Bells in Kamerun 1914.

Berenberg Verlag, Berlin 2015. 148 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 24.06.2015
Die guten Deutschen
Manga Bell wurde von den Kolonialherren erst zum Juristen ausgebildet und dann hingerichtet.
Sein Urgroßneffe lebt heute in Bayern: Jean-Pierre Félix-Eyoum ist Lehrer – auch für Deutsch
VON SUSANNE HERMANSKI
Wer etwas vom Deutschsein verstehen will, der muss die Geschichte von Manga Bells und seinem Großneffen Jean-Pierre Félix-Eyoum kennenlernen. Sie beginnt in den 30 Jahren der deutschen Kolonialgeschichte, und in deren Zentrum steht ein Prinz des Stammes der Duala, sein Name: Manga Bell.
  Mit wenigen Worten könnte man sie folgendermaßen erzählen: Der Häuptling der Duala, König King Bell, war der Kopf einer Handelsdynastie in jener afrikanischen Küstengegend, auf die auch die Deutschen ein Auge geworfen hatten. Er war mit den Weißen ins Geschäft gekommen. Schließlich handelte seine Familie seit ehedem mit den Rohstoffen und Gütern der Völker aus dem Kameruner Hinterland. Die Deutschen waren interessante neue Abnehmer dieser Waren, also unterzeichnete er im Jahr 1884 den sogenannten Schutzvertrag mit ihnen. Vieles an diesen so fremden Leuten mochte er. Ihre Kultur interessierte ihn, wie sie sich kleideten, gefiel ihm. Dass sie schriftliche Verträge schließen wollten, überzeugte ihn beinahe von der Lauterkeit ihrer Absichten. Er nannte also den klügsten seiner Enkel Rudolf, und schickte ihn nach Deutschland, damit er Jura studiere – denn auch der Häuptling war klug.
  In des Kaisers Reich reiste Prinz Rudolf Manga Bell im feinstem Zwirn und in Begleitung eines siebenjährigen Buben, der sich ängstlich an ihn schmiegte. Der kleine Tube war ein Verwandter und der Sohn eines Dolmetschers. Tubes Deutsch sollte so perfekt woe möglich sein, wenn er zurückkäme. So hatten sich seine Eltern das vorgestellt.
  Rudolf lernte schnell und gründlich beinahe alles über das deutsche Rechtswesen. Genesen ist er erst Jahre später an der irrigen Vorstellung, dieses Recht wäre für alle Untertanen im Reich gleichermaßen gedacht. Denn am 8. August 1914 erhängten ihn die Deutschen. Sein Verbrechen: Er hatte sich erlaubt, ihnen mit ihren eigenen Mitteln nachzuweisen, dass sie Unrecht taten, und dass mit seinem Volk unzulässige Verträge geschlossen hatten, an deren betrügerische Konditionen sie sich dann noch nicht einmal halten wollten.
  Mit den Jahren hatten die wilhelminischen Kolonialbeamten und einige ehrbare Kaufleute die Bevölkerung ihrer ergaunerten Kolonie versklavt. Um direkt Geschäfte mit dem Hinterland machen zu können, forderten sie zudem eine massive Umsiedlung der Menschen in ein sumpfiges, absolut lebensfeindliches Gebiet. Rudolf Manga Bell, ein Enkel von König King Bell, reiste also von 1902 an immer wieder nach Berlin, um gegen die deutschen Gräueltaten in seiner Heimat, gegen die Prügelstrafe, den Raub und Segregation zu protestieren. Das gelang ihm sogar vor dem Berliner Reichstag. Während viele Deutsche nicht wahr haben wollten, was die Nilpferdpeitsche auf bloßem Fleisch anrichtete, schenkte vor allem die politische Linke Manga Bell Gehör.
  Trotzdem blieb im August 1914 der entscheidende Beistand für Manga Bell durch deutsche Anwälte aus, als er fälschlich des Hochverrats bezichtigt wurde. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Juni desselben Jahres zog alle Aufmerksamkeit und Kräfte auf sich. In der langen und überaus lesenswerten Version hat der Jurist und Journalist Christian Bommarius Manga Bells Geschichte unter dem Titel „Der gute Deutsche“ aufgeschrieben. An diesem Mittwoch nun stellt Bommarius sein Buch, das gleichzeitig eine Fallstudie über unmenschliche Gier und abgrundtiefe politische Dummheit ist (im Berenberg Verlag erschienen), im „Museum Fünf Kontinente“ vor. In jenem Münchner Museum also, das bis vor kurzem noch „Völkerkundemuseum“ hieß. Und das den alten, paternalistischen Duktus gerne ablegen würde und deshalb bereits auf eine Art mit seiner unrühmlichen Kolonialgeschichte ringt, wie es vielleicht bald der gesamte deutsche Staat wird tun müssen. Das zumindest hofft Jean-Pierre Félix-Eyoum, der mit Bommarius auf dem Podium sitzen wird, und der den Autor bei seinen Recherchen wesentlich unterstützen konnte.
  Jean-Pierre Félix-Eyoum ist der Urgroßneffe jenes Manga Bell. Das klingt zunächst nach ferner Verwandtschaft, doch sieht man sich dessen Vita genauer an, ist die erstaunlich nah. Jean-Pierre Félix-Eyoum, der als Lehrer einer Sonderschule heute deutscher Beamter ist und selbstverständlich die Kinder auch in Deutsch unterrichtet, war 14 Jahre alt, als sein Vater ihn von Kamerun aus nach Europa schickte. „Er hielt die Schulen in Kamerun nicht für gut genug. Ich war – ohne unbescheiden klingen zu wollen – ein guter Schüler und sollte mehr gefordert werden“, sagt Félix-Eyoum: „Mein Vater wollte, dass ich Jura studiere.“
  Der erste Weg führte ihn nach Frankreich in ein Internat. „Das war eine ehemalige Sommerresidenz des russischen Zaren an der Côte d’Azur“, erzählt Jean-Pierre Félix-Eyoum, „und so sah die Schule von außen auch aus“. Im Inneren fühlte er sich dank des Direktors auch durchaus geborgen. Das war wichtig, denn die französische Familie, die ihm eigentlich als Anlaufstelle von seinen Eltern genannt worden war, erwies sich weitgehend als Totalausfall. Doch es war nicht die Tatsache, dass die Dame des Hauses ihn samt seines Gastgeschenks, eines kostbaren Kultobjekts aus Kamerun, einfach vor der Tür stehen ließ – nach Deutschland zog ihn gleich nach seinem Schulabschluss eine andere Erfahrung. Das waren die vielen positiven Begegnungen mit den deutschen Austauschschülern, die er im Internat gehabt hatte.
  „Mir gefiel ihre Art, diese Zuverlässigkeit, das Organisierte, Ordentliche“, sagt Jean-Pierre Félix-Eyoum. „Wissen Sie, das ist ja bis heute noch so in Kamerun. Wenn Sie die Alten fragen, genießen die Deutschen höchste Achtung. Wenn ich früher meine Mutter in der Heimat besuchte, dann riefen alle begeistert: ,Der Deutsche kommt! Der Deutsche kommt!’ Gerade deswegen erscheint mir eine Rehabilitierung meines Urgroßonkels durch die Deutschen auch so wichtig.“
  Als Kind und Jugendlicher wusste Jean-Pierre Félix-Eyoum selbst kaum etwas von seinem Anverwandten, der heute wie ein Held in Kamerun gefeiert wird. Trotzdem sah sich Félix-Eyoum durchaus mit wechselvollen Erfahrungen konfrontiert, als er begonnen hatte, sich von Deutschland aus auf Spurensuche nach seinem Urgroßonkel zu machen. „Die Initialzündung dafür gab in den Neunzigerjahren der Münchner Filmemacher Peter Heller, der zuerst auf den Fall Manga Bell gestoßen war.“ Als Jean-Pierre Félix-Eyoum ihm bei den Recherchen helfen wollte, stieß er auf viele Ressentiments und Ängste – allerdings nicht bei den Deutschen, sondern bei seinen eigenen anderen Verwandten. „Ein Cousin von mir lebte damals sogar auch in Deutschland. Er hatte ungeheure Bedenken, da an etwas zu rühren, das längst vergessen und ja mit einem als Verbrecher verurteilten Vorfahren zu tun hatte.“
  Ganz anders, und auf eigenartige Weise nostalgisch erlebte er die Begegnung mit einer Enkelin jenes Mannes, bei dem Manga Bell und sein kleiner Begleiter Tube während des Studiums in Ahlen gelebt hatten. „Da war ich selbst schon Vater und hatte meine beiden Kinder dabei, als ich sie eines Tages spontan besucht habe. Lore fiel mir um den Hals. Es war für sie, als ob der Mann aus Afrika, auf dessen Rückkehr sie ihr Leben lang gewartet hatte, plötzlich vor ihr stand. Für sie sah ich genauso aus, wie sich das Bild meines Urgroßvaters in ihr eingebrannt hatte“, erzählt Félix-Eyoum bis heute sichtlich gerührt.
  „Aber ich will das nicht falsch oder übertrieben romantisieren. Bei genauerer Betrachtung war es wohl so, dass die Oesterles die beiden jungen Kameruner vor allem deswegen aufgenommen hatten, weil sie auch einen netten Zuverdienst durch deren Logis hatten. Dafür floss Geld aus Afrika. Als die Zahlungen ausblieben, zerbrach wohl auch diese scheinbare schwarz-weiße Familienidylle.“ Seiner innigen Freundschaft mit Lore Oesterle hat das bis zu deren Lebensende dennoch keinen Abbruch getan. Sie konnte auch einiges beisteuern, was nun im Buch über Manga Bell Niederschlag findet.
  Jean-Pierre Félix-Eyoum lebt heute mit seiner Frau in einem kleinen Ort bei Dorfen im Landkreis Erding. Er würde gern mehr tun für die Aufarbeitung der Geschichte seiner alten Heimat Kamerun. „Aber das ist gar nicht so leicht“, sagt er. „Kamerun war und ist ein künstliches Konglomerat, das auf dem basiert, was die Kolonialmächte seinerzeit entschieden haben. Eine Nation von Kamerunern, die alle an einem Strang ziehen würden, gibt es nicht. Es enttäuscht mich zu sehen, dass die verschiedenen Familien immer noch eifersüchtig darüber wachen, dass bloß keinesfalls ein Held oder Märtyrer aus der Kolonialzeit geehrt wird, der einer anderen Familie angehört als ihrer eigenen.“
  Dabei sieht Jean-Pierre Félix-Eyoum in der Entwicklung der vergangenen Monate in Deutschland eine große Chance für alle ehemaligen deutschen Kolonien, deren Bewohner von Vertreibung, Versklavung und grausamen Morden betroffen waren. „Als Joachim Gauck im Bundestag ausgesprochen hat, dass es ein Völkermord war, den die Türken an den Armeniern begangenen haben, hat er das Tor aufgemacht. Jetzt können sich auch die Deutschen ihrer Geschichte stellen, die weiter zurückliegt, als der Zweite Weltkrieg.“ Da gäbe es noch viel zu tun für die Deutschen. Und Jean-Pierre Félix-Eyoum lässt nicht den geringsten Zweifel daran, dass Joachim Gauck auch sein Bundespräsident ist.
Der gute Deutsche. Die Ermordung Manga Bells in Kamerun 1914, Buchpräsentation & Podiumsgespräch, Mi. 24. Juni, 19 Uhr, Christian Bommarius im Gespräch mit Jean-Pierre Félix-Eyoum und Heribert Prantl, im Museum Fünf Kontinente, Maximilianstr. 42, Telefon 210 13 61 00, Eintritt frei
Der Sohn des Königs hatte es
gewagt, den Vertretern
des Kaisers die Stirn zu bieten
Im Internat in Frankreich
lernte Jean-Pierre Félix-Eyoum
die ersten Deutschen kennen
Dass Joachim Gauck das Wort
„Völkermord“ ausgesprochen hat,
gibt auch Kamerun Hoffnung
Im Kreise der Familie Oesterle lebten Manga Bell (rechts) und Tube (links) für einige Jahre. Die Enkelin Oesterles (Mitte) schenkte das Bild später Bells Großneffen.
Jean-Pierre Félix-Eyoum vor seiner Erdinger Schule.
FotoS: P. Bauersachs, privat
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