Total Recall - Schwarzenegger, Arnold
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Für ihn geht der amerikanische Traum in Erfüllung: Dank seines eisernen Willens und harter Arbeit wird Arnold Schwarzenegger nicht nur Weltmeister im Bodybuilding, sondern auch einer der erfolgreichsten Hollywood-Schauspieler aller Zeiten und schließlich Gouverneur von Kalifornien. In dieser monumentalen Autobiografie erzählt der "Governator" erstmals nicht nur von seinen großen Erfolgen, sondern auch von seinen Niederlagen - von Filmen, die floppten, von politischen Fehlschlägen und persönlichen Krisen: schillernd, spannend, einzigartig.…mehr

Produktbeschreibung
Für ihn geht der amerikanische Traum in Erfüllung: Dank seines eisernen Willens und harter Arbeit wird Arnold Schwarzenegger nicht nur Weltmeister im Bodybuilding, sondern auch einer der erfolgreichsten Hollywood-Schauspieler aller Zeiten und schließlich Gouverneur von Kalifornien. In dieser monumentalen Autobiografie erzählt der "Governator" erstmals nicht nur von seinen großen Erfolgen, sondern auch von seinen Niederlagen - von Filmen, die floppten, von politischen Fehlschlägen und persönlichen Krisen: schillernd, spannend, einzigartig.
  • Produktdetails
  • Heyne Bücher Nr.64058
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 671
  • Erscheinungstermin: 9. Juni 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 137mm x 51mm
  • Gewicht: 744g
  • ISBN-13: 9783453640580
  • ISBN-10: 3453640586
  • Artikelnr.: 40018789
Autorenporträt
Schwarzenegger, Arnold
Arnold Schwarzenegger wird 1947 in Österreich geboren. Mit 21 Jahren wandert er in die USA aus, absolviert ein Studium der internationalen Wirtschaftslehre und erhält 1983 die US-Staatsbürgerschaft. Schon früh verschreibt er sich dem Bodybuilding, gewinnt in den 60er- und 70er-Jahren zahlreiche Titel und wird schließlich zum erfolgreichsten Bodybuilder seiner Zeit. Mit Terminator gelingt ihm 1984 der Durchbruch als Hollywood-Schauspieler, viele weitere erfolgreiche Filme folgen. Von 2003 bis 2011 ist er Gouverneur von Kalifornien.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.10.2012

Sein Film
„Total Recall“ heißt die Autobiografie von Arnold Schwarzenegger. Darin versucht der Ex-Bodybuilder,
Ex-Gouverneur und Ex-Ehemann die Deutungshoheit über sein Leben zurückzuerlangen.
VON MARC FELIX SERRAO
Fangen wir mit dem Orgasmus an. Oder besser: mit den vielen, vielen Orgasmen des Arnold Schwarzenegger. In dem gern unterschätzten und grandios unterhaltsamen Doku-Drama „Pumping Iron“ sieht man den damals 28-Jährigen bei der Vorbereitung auf den Mister-Olympia-Wettbewerb. Es ist 1975; Schwarzenegger hat den Titel zu der Zeit schon sechs Mal gewonnen. Er ist ein Halbgott, allerdings nur in der sehr kleinen, sehr eigenen Welt des Profi-Bodybuilding. Die restliche, normal gebaute Welt kennt weder ihn noch seinen bizarren Sport. Dagegen, sagt sich Schwarzenegger, muss ich etwas tun. Also stellt er im Film diesen Vergleich an, in gebrochenem Englisch und mit dem für ihn später so charakteristischen alpenländischen Aussprache. Es geht um den „Pump“ beim Training, und Arnold beschreibt mit breitem Grinsen wie sich seine Muskeln dabei anfühlen: „als ob deine Haut gleich explodiert. Als ob jemand Luft reingepumpt hätte. Sie fühlen sich anders an. Fantastisch. Das ist für mich so befriedigend, wie wenn ich komme. Wie wenn ich Sex mit einer Frau habe und komme. Kannst du dir vorstellen, wie sehr ich im Himmel bin? Ich habe das Gefühl im Gym zu kommen. Ich habe das Gefühl zuhause zu kommen. Ich habe das Gefühl, wenn ich mich Backstage aufpumpe, wenn ich vor fünftausend Mensch posiere. Mann, Ich komme Tag und Nacht! Ist das irre?“
  Es war irre. Zur New Yorker Premiere von „Pumping Iron“ erschienen 1977 Andy Warhol und Tom Wolfe. Die Kritiker? Waren hingerissen. Newsweek schrieb, „dieser täuschend einfache, intelligente Film“ zeige „die menschliche Seite einer Welt mit ihrem eigenen absurden Heldentum“. Und Schwarzenegger, der zuvor nur ein Freak mit Akzent war, wurde mit einem Schlag bekannt. Er wurde durch die Talkshows gereicht wie frisches Haschisch auf den Partys, zu denen er nun eingeladen wurde. Da war einer, der war nicht nur größer als alle anderen Kerle im Raum. Er konnte sich auch verkaufen wie kaum ein zweiter. Amerika, die vermutlich größte Liebe im Leben des Arnold Schwarzenegger, erwiderte jetzt seine Gefühle.
  Man muss sich das, man muss sich diese wilden, frühen Erfolgsjahre des inzwischen 65-Jährigen vor Augen halten, wenn man Schwarzeneggers druckfrische Autobiografie zur Hand nimmt. „Total Recall“ heißt das mehr als 600 Seiten starke Werk, benannt nach einem seiner (schlechteren) Filme. Und man muss ein paar Worte zu den bisher erscheinen, offenbar hastig zusammengekloppten Rezensionen und Textbröckchen der Nachrichtenagenturen verlieren. Denn die konzentrieren sich fast ausschließlich auf einen späten, privaten Aspekt im Leben des Autors. „Schwarzenegger bezeichnet Affäre mit Haushälterin als Dummheit“ (dapd), „Schwarzenegger räumt Affäre mit Nielsen ein“ (dpa), „Schwarzenegger outet sich als Fremdgänger“ (AFP) usw. Man könnte sich nun über die fortschreitende Verblödung in Teilen des Agenturjournalismus aufregen, der die Selektionskriterien des Boulevards zwar perfekt imitiert, dabei aber nicht annähernd den Witz einer, sagen wir, Bild -Zeitung erreicht. „Schwarzeneggers Memoiren (. . .) sind 624 Seiten stark und damit schwer genug, um sie auch als Hantel zu benutzen“, heißt es in einer Agenturrezension, die bereits von etlichen Regionalblättern nachgedruckt wurde. Puh, ja. Hantel. Weil Bodybuilder und so. Und obwohl die Autorin nur das Inhaltsverzeichnis und ein paar saftige Stellen zusammenfasst und dabei keine eigene Haltung entwickelt, steht drüber: „Großspurige Beichte“. Das Buch, heißt es, sei ein „dicker Schinken mit vielen Stationen seines Erfolges – aber wenig Weisheiten“. Was für ein Käse.
  „Total Recall“ ist natürlich keine Literatur im engeren Sinne, man kann sie auch nicht als solche bewerten. Es ist eine chronologisch aufgebaute, erzählerisch unambitionierte und bilderreiche Zusammenfassung eines Lebensentwurfs – allerdings ist der so schräg und überdimensional angelegt wie kaum ein zweiter. Es ist der Entwurf eines Mannes, der sich während seiner Amtszeit als 38. Gouverneur von Kalifornien selbst als „Gouvernator“ bezeichnete. Schwarzenegger, das weiß jeder, der sich mal länger als fünf Minuten mit diesem Menschen beschäftigt hat, ist keiner, der auf Distanz geht zu dem, was ihn bekannt gemacht hat. Warum auch? Wenn es im Buch um seine Anfänge als Schauspieler geht, vergleicht er diese mit seiner Zeit als Bodybuilder; es sei ihm, dem Einzelkämpfer, schwergefallen „die Kontrolle aus der Hand zu geben“. Später, wenn er über sein politisches Image reflektiert („die meisten Leute glauben im Grunde, dass ein Schauspieler wirklich so ist wie im Film“), bezieht er sich wiederum auf seine Hollywood-Karriere. Erst die Muskeln, dann die Actionfilme, schließlich der Job als Gouvernator mit Zigarrenzelt vorm Amtssitz – all das ist Schwarzenegger. Zu alldem bekennt er sich heute noch, auf die gleiche laute Art, die ihn damals, vor vier Jahrzehnten, in die Talkshows brachte.
  Die ersten Kapitel des Buchs dominieren Variationen des Satzes: Warum ich zu Großem bestimmt war. Später wird daraus: Wie ich große Dinge tat. Man muss diese durch keine Ironie gebrochene Form der Selbstliebe nicht goutieren; nicht die orgiastisch zuckenden Muskelberge, nicht die Oben-Ohne-Filme wie „Conan der Barbar“, nicht die ganze hemdsärmelige Inszenierung. Wer die schwitzige Moral vieler sogenannter People-Journalisten teilt, kann dem Mann auch jetzt noch vorhalten, was er mit etlichen amerikanischen Politikern, darunter einigen Nationalheiligtümern, teilt: ein chaotisches Privatleben. Doch damit würde man das, was im Buch zu Recht nur ein Kapitel ausmacht, über alles andere stellen. Das wäre so unfair wie dumm.
  Denn in „Total Recall“ steckt auch viel Spannendes, kaum Bekanntes. Etwa, dass das Simon Wiesenthal Center Schwarzenegger in den Achtzigern half, gegen das Gerücht, er vertrete „glühende nationalsozialistische und antisemitische Ansichten“ anzugehen. Und dass dieses Gerücht damals von der britischen Zeitung News of the World in die Welt gesetzt wurde, jenem Schmierenblatt, das 2011 wegen seiner illegalen Abhörmanöver eingestellt wurde.
  Oder der Kennedy-Clan. Schwarzenegger verbeugt sich zwar an vielen Stellen im Buch vor der übermächtigen Familie seiner früheren Ex-Frau Maria Shriver, vor allem vor seinen Schwiegereltern Eunice und Sargent. Doch er beschreibt auch den extremen Ehrgeiz, den Willen zum kollektiven Erfolg, die wie geklont wirkenden Ansichten. Die Kennedys, diese Posterfamilie des Ostküstenestablishments, waren selbst Arnie, dem höchstmotivierten aller motivierten US-Immigranten, suspekt.
  Auch sonst lohnt die Lektüre, dieses Buch eines Mannes, dessen Leben wie ein Film war, den sich keiner hätte ausdenken können. Es sei denn, er hätte denselben irren Pump gekannt, den der junge Schwarzenegger damals nicht nur beim Training, sondern Tag und Nacht gefühlt hat. Aber wer will das schon?
Er wurde durch die Talkshows
gereicht wie frisches Haschisch
auf den Partys
Seine Selbstzufriedenheit
ist vollkommen unironisch.
Das muss man nicht mögen
Herbst 1979, eine Yacht im Hafen von Marina Del Rey: Der spätere Gouverneur von Kalifornien testet seine Wahlchancen.
GETTY
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.10.2012

Egal wie, du musst es gut verkaufen

Buben weinen nicht: In seiner Autobiographie "Total Recall" geht es Arnold Schwarzenegger vor allem um eines: Er will seine Produktschwäche überwinden.

Von David Schalko

Eigentlich könnte die Autobiographie von Arnold Schwarzenegger auch die "totale Abberufung" heißen. Denn "recall" heißt im Englischen nicht nur Erinnerung, sondern bezeichnet auch jenen unfreiwilligen Abgang eines Politikers während seiner Amtszeit. Durch einen solchen kam Schwarzenegger seinerzeit in Kalifornien an die Macht. Und wie eine Abberufung fühlt sich wahrscheinlich gerade sein Leben an. Über beinahe siebenhundert Seiten wird daher versucht, so gut wie jedes Schwarzenegger-Klischee in Erinnerung zu rufen. Das ist manchmal unterhaltsam, meistens selbstherrlich und selten neu. Die totale Erinnerung ist wesentlich weniger total, als sie behauptet - zumindest wenn es um die Auswahl der Erinnerungen geht. In der Konsequenz des Behaupteten ist sie natürlich total total.

Den größten Unterhaltungswert gewinnt man, wenn man das, was da als Arnold Schwarzenegger behauptet wird, einfach als Kunstfigur liest. Und Super-Arnie war eben schon immer stärker, besser, größer und sympathischer als der Rest. Für einen Schwarzenegger ist Gewinnen der Normalzustand, Weichheit ein unbekannter Aggregatzustand und jede Niederlage nur Ansporn, es das nächste Mal besser zu machen. Der Tag als Trainingseinheit. Das Leben als Wettbewerb. Arnold könnte ebenso Hauptfigur in einem Roman von Ayn Rand sein.

Die totale Geschichte beginnt in der Steiermark, wo der Knabe vom Vater zu Sit-ups und Disziplin gezwungen wird. "Das war aber nicht schlimm. Alle ihre Väter schlugen damals ihre Kinder." Im Gegensatz zu seinem intellektuellen Bruder hat Arnold kein Problem, eine Schaufel zur Hand zu nehmen. Im Alter von dreizehn Jahren trifft er auf Mister Austria, den Bodybuilder Kurt Marnul. "Wir tranken Quellwasser und Rotwein, brieten Fleisch, hatten Frauen, rannten durch den Wald, trainierten und trieben Sport."

Über das Bodybuilding landet Arnold Schwarzenegger schnell in Amerika, wo er arm, aber grinsend ankommt. Von diesem Augenblick an hat man das Gefühl, dass er sich nur noch durch sein Leben grinst. Wahrscheinlich weil er es selbst nicht fassen kann, wie weit man es ohne ausgeprägte Talente bringen kann. Er mischt sich ins Bodybuilder-Milieu der siebziger Jahre, wo viel gekifft, wenig gearbeitet, aber viel herumgekumpelt wird. Er lernt, was die Leute meinen, wenn sie "groovy" sagen, dass Horoskope eine wichtige Rolle beim Frauenanbaggern spielen und dass man immer für seine Fans da sein soll. "Educating Arnold" nennt er diesen Prozess.

Er hantelt sich von einem Erfolg zum nächsten und ist dabei selbst sein größter Fan. Im Prinzip funktioniert sein Leben einfach, denn Arnold kommt, lernt schnell und macht es dann besser als alle anderen. So ist er Mister Universum, Mister Olympia, Mister World geworden, und so will er später auch Mister Hollywood werden. "Ich lernte, dass Schauspieler alle ein bisschen seltsam waren, eben Künstlertypen." Arnold legt aber von Beginn an großen Wert darauf, erfolgreicher Geschäftsmann ("Immobilientycoon") zu sein, der nie vom Schauspiel leben musste. Er ist wie Bodybuilder Joe Santo in "Staying Hungry", seiner ersten großen Rolle: "Joe Santo war stark, aber auch empfindsam. Er stemmt eben mal 100 Kilo, aber in der nächsten Szene nimmt er vielleicht ein Glas in die Hand und sagt: Weißt du, was das ist? Das ist ein Kristallglas von Baccarat ... Er liebt Musik. Er spielt Geige. Er kann über die Klangeigenschaften einer Gitarre stundenlange Vorträge halten."

Kein Wunder also, dass sie alle in Arnolds Nähe sein wollten. Jack Nicholson, Dennis Hopper, Warren Beatty und natürlich Andy Warhol. Denn Schwarzenegger war die absolute Avantgarde eines Muskelkultes, der durch seine Person in Hollywood Einzug hielt. Plötzlich hatten auch Clint Eastwood, Charles Bronson und Sylvester Stallone Muskeln. Es war keine gute Zeit für Schwächlinge. Seine Schauspiellehrer scheiterten damit, Arnold zum Weinen zu bringen. Denn er kann nicht weinen. Selbst als Bruder und Vater sterben. Stattdessen klopft er Sprüche wie, er könne nicht zur Beerdigung fahren, weil er sein Training nicht unterbrechen wolle. Das tut Schwarzenegger heute wie so vieles leid, aber letztendlich musste er ein Markenzeichen entwickeln, um trotz seines Akzents verkäuflich zu werden: "Ich war immer fassungslos, dass die größten Künstler, von Michelangelo bis Van Gogh, kaum etwas verkauften, weil sie nicht wussten, wie."

Von Vitamin-E-Produkten bis zu Filmen und Politik: Das Produkt Schwarzenegger wurde mit größenwahnsinnigem Ehrgeiz entwickelt, auf ihm gründet das Marketing-Action-Blockbuster-Kino der achtziger Jahre. Der Durchbruch gelang mit "Conan der Barbar". In Regisseur John Milius, der sich selbst als Zen-Faschist bezeichnete, fand Schwarzenegger einen seelenverwandten Mentor. Milius hat auch den "Ich liebe Napalm am Morgen"-Monolog in "Apocalypse Now" geschrieben. Und er begriff als Erster, dass Actionfilme bezüglich Gewalt genauso funktionierten wie Porno in puncto Sex. Je wilder es spritzte, desto mehr liebten es die Leute.

Den wirklichen Meilenstein seines Filmschaffens setzte Schwarzenegger aber mit dem "Terminator". Kaum zu glauben, dass ursprünglich O. J. Simpson diese Rolle hätte spielen sollen. Niemand war für die Darstellung einer Killermaschine geeigneter als Schwarzenegger. Eine Rolle, die nur aus achtzehn Sätzen bestand ("I'll be back" und nicht "I will be back", wie es der Schauspieler wollte), ihn aber endgültig dorthin katapultierte, wohin er geistig längst gehörte. Eine genaue Statistik der konstant aufwärtszeigenden Gagenentwicklung findet sich auf Seite 352.

Aber Schwarzenegger war natürlich keine Maschine, er war ein Mann mit Gefühlen. "Maria war fröhlich, hatte eine angenehme Art und strahlte eine positive Energie aus" - bei einem Benefiztennisturnier der Kennedys, für das er Monate trainiert hatte, lernte er endlich die Frau kennen, die wirklich zu ihm passte. "Sie war eine so energische Person, dass die Männer oft eingeschüchtert waren. Sie unterwarfen sich ihr sofort. Aber mich konnte man nicht so leicht einschüchtern. Ich war selbstbewusst." Mit dem grinsenden Arnold ("Ihre Tochter hat einen tollen Hintern") tauchen wir in die geklonte Welt der Kennedys ("Wir sind Demokraten") und in den Ehealltag der Schwarzeneggers ("Aus alter Gewohnheit übernahm ich im Kreißsaal die Kontrolle"). Da wechselt Schwarzenegger Windeln, richtet Häuser ein und schaltet hinter den verwöhnten Kennedys immer das Licht aus. Mit den Kennedys entfaltet sich schließlich auch Arnolds wichtigstes Talent, das politische.

Richard Nixon rät ihm, Gouverneur in Kalifornien zu werden, aber George Bush Sr. ("einfach ein lieber, netter Kerl") ernennt ihn zum Fitnessbeauftragten der Nation. Der Neo-Amerikaner startet den Great American Workout, entwickelt sein Filmgeschäft erfolgreich in Richtung Komödie ("Twins"), erfindet das Militärfahrzeug Hummer für Zivilisten, eröffnet die "Planet Hollywood"-Restaurantkette und kauft sich eine 747, während die Kollegen nur mit Gulfstreams IV herumgurken. Es sieht so aus, als ob alles in seinem Leben mit einem Grinsen lösbar wäre. Niemand hätte gedacht, dass die Ich-AG Schwarzenegger einmal abstürzen könnte.

Der Niedergang beginnt mit einem Herzklappenfehler Ende der neunziger Jahre. Eine Operation, die den Terminator im öffentlichen Bild schwächeln ließ. Die Anrufe der Studios wurden rarer. Große Projekte wurden auf Eis gelegt. Man wollte keinen schwachen Arnold sehen. "Das war wie ein Philosoph, der eine Gehirnoperation hat", erinnert er sich. Nun muss er sein Geschäftsmodell überdenken. "Ich musste feststellen, dass es viel schwieriger ist, oben an der Spitze zu bleiben, als sie zu erreichen." Und da fällt ihm seine politische Initiation wieder ein, die mit einer Rede von Nixon begonnen hatte. "Wie heißt seine Partei sogleich?" - "Das sind die Republikaner." - "Dann bin ich Republikaner."

Kalifornien musste gerettet werden. Und zwar nicht von einem angestaubten Berufspolitiker, sondern von einem, der es selbst geschafft hatte, von einem, der die Probleme mit starker Hand löste. Sein Bizeps sollte den darniederliegenden Bundesstaat aus dem Morast heben. Um diesen Plan zu verkaufen, stellte er sogar Gagschreiber von Jay Leno ein. Da können die hiesigen Politiker noch etwas lernen. Die letzten hundertfünfzig Seiten sind eine große Rechtfertigung seiner Politik, die natürlich am Ende nur an Bürokraten und der Weltwirtschaftskrise scheiterte. Überhaupt wird der Unterhaltungswert des Buches durch seinen eigentlichen Sinn ein wenig eingeschränkt. Denn es geht natürlich um die Rehabilitierung des Produkts Schwarzenegger.

Er entschuldigt sich für verursachte Autounfälle, seinen vulgären Ton am Set und für seinen einzigen Seitensprung in all den Jahren. Im letzten Kapitel schlüpft er wieder in seine Lieblingsrolle - in die des Vorbilds. Unter dem Titel "Arnolds Regeln" steht das, worauf es im Leben ankommt. "Verwandle deine Mankos in Vorzüge. Wenn jemand nein sagt, versteh das als ja. Egal, was du tust, du musst es auch gut verkaufen. Vergiss Plan B. Meide den Freeway zur Stoßzeit. Geh nicht ins Kino am Samstagabend."

David Schalko, Jahrgang 1973, lebt als Schriftsteller ("Weiße Nacht") und Filmregisseur ("Braunschlag") in Wien.

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"Die größte Ego-Erfolgsgeschichte der Welt ist wahr geworden. " Marga Swoboda BILD am Sonntag, 14.10.2012