Spiel auf vielen Trommeln - Tokarczuk, Olga
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Erscheint vorauss. Februar 2020
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Wie verhalten sich Menschen, wenn Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden, wenn Gewohnheiten verloren gehen? Den Menschen in den hier versammelten Erzählungen passiert genau das: sie sehen sich völlig neuen Situationen ausgeliefert, die sie zwingen, sich neu definieren und sich Fragen nach den Bedingungen von Existenz und Individualität zu stellen. Einigen gelingt es, sich neu zu definieren, andere drohen abzugleiten und sich zu verlieren.
Da ist der Schriftsteller Samborski, der sich plötzlich seinem Alter Ego gegenüber sieht, einem Phantom, das fortan nicht mehr von seiner Seite
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Produktbeschreibung
Wie verhalten sich Menschen, wenn Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden, wenn Gewohnheiten verloren gehen? Den Menschen in den hier versammelten Erzählungen passiert genau das: sie sehen sich völlig neuen Situationen ausgeliefert, die sie zwingen, sich neu definieren und sich Fragen nach den Bedingungen von Existenz und Individualität zu stellen. Einigen gelingt es, sich neu zu definieren, andere drohen abzugleiten und sich zu verlieren.

Da ist der Schriftsteller Samborski, der sich plötzlich seinem Alter Ego gegenüber sieht, einem Phantom, das fortan nicht mehr von seiner Seite weicht, das an seinem Schreibtisch sitzt, seinen Papieren Notizen hinzufügt und im Kaffeehaus mit jungen Menschen über seine Literatur diskutiert, während S. selbst mehr und mehr zu verschwinden scheint.
Oder die Ich-Erzählerin der Titelgeschichte, die vorübergehend in einer fremden Großstadt lebt. Dort bricht sie aus der Eintönigkeit ihres Alltags aus, schließt sich den Bewohnern einer Wagenburg an und gerät zunehmend in einen Prozess der Selbstentfremdung, der sie wechselnde Identitäten annehmen lässt: Als Girlie in schweren Boots treibt sie sich in Discos rum und liest Artikel über Britney Spears, als Türkin sitzt sie mit der Großfamilie im stickigen Wohnzimmer, als Geschäftsmann steigt sie in Hotels ab und hinterläßt im Waschbecken Spuren von Rasierschaum. Das "Spiel auf vielen Trommeln", das als unaufhörlicher Soundtrack aus der Wagenburg aufsteigt, wird zum Sinnbild für die verwirrende Vielschichtigkeit der Seinsformen.
  • Produktdetails
  • DAAD Spurensicherung Bd.16
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Originaltitel: Gry na wielu bebenkach
  • Seitenzahl: 141
  • Erscheinungstermin: Februar 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 129mm x 19mm
  • Gewicht: 251g
  • ISBN-13: 9783882211078
  • ISBN-10: 3882211075
  • Artikelnr.: 20776702
Autorenporträt
Tokarczuk, Olga
Olga Tokarczuk, geboren 1962 in Sulechów, lebt in einem niederschlesischen Dorf in Polen nahe der tschechischen Grenze. Die studierte Psychologin gilt als die populärste polnische Autorin der jüngeren Generation. Sie schreibt Romane und Erzählungen, die in zahlreiche Sprachen übersetzt sind. Zusammen mit ihrer Übersetzerin Esther Kinsky erhielt sie 2002 den hochdotierten Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis. Olga Tokarczuk war 2001/2002 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Kinsky, Esther
Esther Kinsky, geboren 1956 in Engelskirchen, lebt in Berlin und in Battonya/Ungarn, nahe der Grenze zu Rumänien und Serbien. Sie ist Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Polnischen, Russischen und Englischen (u. a. Henry D. Thoreau, Lob der Wildnis). 2009 war sie für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse nominiert und erhielt den Paul-Celan-Preis. In dem Essayband Fremdsprechen (2013) reflektiert sie das Verhältnis von Texten und ihren Übersetzungen. Seit 2010 sind drei Gedichtbände erschienen: die ungerührte schrift des jahrs (2010), Aufbruch nach Patagonien (2012) und Naturschutzgebiet (2013). 2014 veröffentlichte sie den Roman Am Fluß, der ebenso wie ihr Roman Banatsko (2011) auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand, und 2015 mit dem deutsch-französischen Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet wurde.Sie bekleidet im Wintersemester 2017/2018 die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin 2015 wurde ihr der Kranichsteiner Literaturpreis zuerkannt. Aus der Preisbegründung: »Am Fluß ist ein Roman von packender Intensität. Mit behutsamer Präzision nimmt Esther Kinsky armselige Geschäfte, schäbige Reihenhäuser, Stadtbrachen und sumpfige Treidelpfade in den Blick, entwirft die Topographie eines Londoner Vororts und stößt auf Spuren der eigenen Vergangenheit. Durch ihre bildhafte Sprache gewinnt sie den Randbezirken der Wirklichkeit, die zu Abbildern eines seelischen Zustandes werden, poetische Facetten ab. Ihre mäandrierenden Erkundungen folgen den Ausläufern des River Lea und spülen Geschichten von seltsamer Schönheit an die Oberfläche.«
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Die Rezensentin Ilma Rakusa kommt bei ihrer Besprechung der Erzählbands "Spiel auf vielen Trommeln" von Olga Tokarczuk zu einem gemischten Fazit. Einerseits fasziniert ihr das Spiel mit Identitäten, an dem sich die polnische Autorin versucht. Andererseits findet sie, dass ihr Umgang mit der Idee, dass alles in der Welt und auch im Zwischenmenschlichen Ähnlichkeiten aufweist und sich irgendwie miteinander verknüpfen lässt, im Detail dann doch zu unpräzise ist: Auf grundsätzlicher Ebene funktioniere das ja noch ganz gut, im Einzelfall dann aber deutlich schlechter. Trotzdem ist diese Formel nach Meinung der Rezensentin ein Grund für den großen Erfolg Tokarczuks in ihrer Heimat. Dass sie dabei oft den Realismus verlässt und damit auf subtile, elegante Weise gegen kalkulierbare Lebensentwürfe argumentiert, macht die Lektüre in Rakusas Augen trotz aller möglichen Einwände interessant.

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