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Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste's nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen…mehr

Produktbeschreibung
Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive.
Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält.
Aber Resi wusste's nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab's nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch.
Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie's wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

Gewinner: Preis der Leipziger Buchmesse 2019 in der Kategorie Belletristik
  • Produktdetails
  • Verlag: Verbrecher Verlag
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 266
  • Erscheinungstermin: 4. September 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 200mm x 139mm x 30mm
  • Gewicht: 426g
  • ISBN-13: 9783957323385
  • ISBN-10: 395732338X
  • Artikelnr.: 52509399
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.07.2019

Wem die Welt
offensteht
Im ohnehin schwierigen Genre des Berlin-Romans wagt Anke Stelling noch einmal die schwierigste Disziplin, die Milieustudie Prenzlauer Berg. Und zwar mit allem, was dazugehört: Dachgeschosswohnungen, Freiberufler, Mütter, Zugezogene aus Schwaben, Latte macchiato. Doch Stelling seziert diese klischeebehaftete Gesellschaftsschicht aus der Sicht einer vierfachen Mutter, die sich eine Existenz als Schriftstellerin aufbauen will, mit einer Genauigkeit und Gnadenlosigkeit, die weit über den Ort und das Milieu hinausweisen. „Schäfchen im Trockenen“ wird so zum Porträt einer (westdeutschen) Generation, die mit dem Gefühl ins Leben gestartet ist, dass ihr die Welt offensteht und sie diese nach den eigenen Vorstellungen gestalten kann. Und die nun mit Mitte vierzig feststellt, wie klein und eng diese Welt sein kann.
VERENA MAYER
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Anke Stellings neuer Roman ist "mit Wirklichkeit beschmutzt", stellt Rezensent Jens Bisky nach einer ebenso "atemlosen" wie "empörten" Lektüre fest - und meint das alles ganz und gar positiv. Denn so wütend, rasant und "böse" hat lange niemand mehr das Berliner Selbstverwirklichungsmilieu auseinandergenommen, fährt der Kritiker fort, der hier die Geschichte um die im Stuttgarter Mief der Achtziger aufgewachsene Resi liest, die inzwischen mit Künstler-Mann und vier Kindern in Berlin lebt, auf der Suche nach einer passenden Wohnung ist, vorab allerdings ihr Leben niederschreibt. Wie Stelling hier Selbstverwirklichungsillusionen urbaner Kreativer, "robuste Bürgerlichkeit" und Existenz- und Statussorgen aufeinanderprallen lässt, erinnert Bisky an den realistischen Roman des 19. Jahrhunderts. 

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