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73 Kundenbewertungen


Eigentlich soll Rico ja nur ein Ferientagebuch führen. Schwierig genug für einen, der leicht den roten oder den grünen oder auch den blauen Faden verliert. Aber als er dann auch noch Oskar mit dem blauen Helm kennen lernt und die beiden dem berüchtigten ALDI-Kidnapper auf die Spur kommen, geht es in seinem Kopf ganz schön durcheinander. Doch zusammen mit Oskar verlieren sogar die Tieferschatten etwas von ihrem Schrecken. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ...…mehr

Produktbeschreibung
Eigentlich soll Rico ja nur ein Ferientagebuch führen. Schwierig genug für einen, der leicht den roten oder den grünen oder auch den blauen Faden verliert. Aber als er dann auch noch Oskar mit dem blauen Helm kennen lernt und die beiden dem berüchtigten ALDI-Kidnapper auf die Spur kommen, geht es in seinem Kopf ganz schön durcheinander. Doch zusammen mit Oskar verlieren sogar die Tieferschatten etwas von ihrem Schrecken. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ...

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  • Produktdetails
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
  • Seitenzahl: 220
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahre
  • Erscheinungstermin: 01.09.2010
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783646901115
  • Artikelnr.: 37375094
Autorenporträt
Andreas Steinhöfel, geboren 1962, studierte Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften in Marburg. Nach Abschluss des Studiums erschien 1991 sein erstes Jugendbuch "Dirk und ich".
Neben dem Schreiben ist er als Übersetzer tätig, verfasst Drehbücher und rezensiert Jugendliteratur für die FAZ und DIE ZEIT. Bislang hat er zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, welche mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurden. 2009 erhielt Andreas Steinhöfel den "Erich Kästner Preis für Literatur" und 2013 den "Deutschen Jugendliteraturpreis".
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.03.2008

Der ganz besondere Duft
Andreas Steinhöfels Berliner Kinderkrimi „Rico, Oskar und die Tieferschatten”
Es liegt was in der Luft. Obwohl die Geschichte nur als spannender kleiner Hauptstadtkinderkrimi daherkommt, in der späten Nachfolge von Emil und den Detektiven. Dieser ganz besondere Duft in Andreas Steinhöfels neuem Roman Rico, Oskar und die Tieferschatten hat eigentümliche Folgen.
Der Kritiker schlägt bereits nach dem Lesen der ersten Seiten den Falkplan „Berlin, 60. Auflage” auf, findet die Dieffenbachstraße in Kreuzberg – die Straße, in der der junge Held wohnt – und glaubt fortan an die wahrhaftige Existenz des elfjährigen Frederico „Rico” Doretti und seiner graubunten Welt der „Dieffe 93”. Wie Steinhöfel die Welt des Steppkes beschreibt, der sich für „tiefbegabt” hält und eine Förderschule besucht, wie der Autor Ricos Welt lebendig werden lässt, ist das Besondere an der Geschichte – nicht die dramatische Handlung. Dass in der Stadt ein eigenartiger Kindesentführer sein Unwesen treibt und der Dieffe 93 nähersteht als man zu glauben wagt, ist zweifelsohne ein spannender Plot. Der Reiz des Buches jedoch steckt woanders. Man spürt ihn in der Beschreibung des „Miljöhs” und in der Charakterisierung der Figuren – nicht zuletzt auch in Peter Schössows Illustrationen.
Die Leser schnuppern förmlich den Mief aus Bohnerwachsgestank und Bratendüften, der durchs Treppenhaus zieht. Man glaubt, die Geräusche hinter den Türen des Mietshauses zu hören, das Plärren von Kleinkindern, das Lärmen der Fernsehapparate und das dumpfe Schlurfen alter Männer über den Flur. Die Typen scheinen direkt dem wirklichen Großstadtalltag entsprungen zu sein. Ricos treusorgende Mutter, Witwe im besten Alter (zweiter Stock, rechts), arbeitet als Geschäftsführerin in einem Privatclub für Männer. Der Marrak (fünfter Stock, links) firmiert als „Sicherheitsmanager mit Schwerpunkt Kontroll- und Schließdienst” und der Kiesling (dritter Stock, rechts) ist ein schwuler Zahntechniker. Das Universum der Dieffe 93 gibt sich ziemlich schräg, nicht selten tragisch, aber trotzdem liebenswert.
Der tiefbegabte Rico ist eigentlich ganz schön helle. Nur manchmal, wenn es zu hektisch wird, fallen ein paar Sachen aus seinem Oberstübchen. Dann geht es in seinem Kopf zu wie in der Bingotrommel im Rentnerclub „Graue Hummeln”. Die Kugeln klackern durcheinander, Rico weiß nicht mehr, was „links” ist und was „rechts” und kann die Gedanken kaum zusammenhalten. Aber wenn er sich in Ruhe seinem ganz speziellen Ferienprojekt widmet, geht es ihm gut. Rico schreibt Tagebuch und tippt seine Erlebnisse in den Computer. Wir ahnen, dass daraus ein Roman entstehen wird: die Geschichte der seltsamsten Woche, die der Junge je erlebt hat. Dazu gehört, erstens, dass er im hochbegabten Oskar, einem Unikum, soeben einen besten Freund gefunden hat, und, zweitens, dass er den „Tieferschatten” auf die Spur kommen will, die er nachts an den Fenstern des unbewohnten Hinterhauses beobachtet.
Wie Steinhöfel das alles miteinander verknüpft – Menschen, Milieu, Atmosphäre, Tragik, Dramatik, Sprachwitz, Situationskomik und die Kunst bildhaften Erzählens – , das muss jeder Leser selbst entdecken. (ab 10 Jahre) SIGGI SEUSS
ANDREAS STEINHÖFEL: Rico, Oskar und die Tieferschatten. Mit Bildern von Peter Schössow. Carlsen Verlag 2008. 224 Seiten, 12,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.04.2008

Eine Fundnudel für ganz Berlin

1998 erschien Andreas Steinhöfels grandioses Jugendbuch "Die Mitte der Welt". Mit dem charmanten Kinderkrimi "Rico, Oskar und die Tieferschatten" ist ihm ein neuer großer Wurf gelungen.

An eine Sache muss man sich gleich gewöhnen. Daran, dass Rico Doretti ein ungewöhnliches Kind ist. Dabei sieht Rico gar nicht seltsam aus. Oskar schon eher: Der ist hochbegabt, ein wenig miesepetrig und trägt einen Sturzhelm beim Spazierengehen. Rico hingegen ist "tiefbegabt". Das heißt, er kann zwar gut und viel denken, aber es dauert ungeheuer lang, weil in seinem Kopf etwas nicht so funktioniert wie bei anderen Leuten. Und es fällt ihm immer mal wieder etwas aus dem Gehirn heraus, wo rechts ist und links zum Beispiel, oder Dinge, an die er sich unbedingt erinnern muss, wie seine Adresse.

Rico hat aber auch einen wahren Schatz in seinem Kopf: Er ist ein guter Erzähler. Ach was, er ist ein großer Erzähler! Und ein großartiger Beobachter, der so genau, so witzig und traurig und klug und warmherzig aus seinem Leben und seiner Umgebung erzählt, dass man nicht anders kann, als aufgeregt Seite um Seite umzublättern. Entgegen aller Klischees hat Rico einen schlauen Lehrer: Herr Wehmeyer aus dem Förderzentrum hat sein Talent erkannt und Rico beauftragt, den Sommer über ein Ferientagebuch zu schreiben. Auf dem Computer - weshalb Ricos Rechtschreibschwäche dank des Korrekturprogrammes auch nicht spürbar ist in "Rico, Oskar und die Tieferschatten".

Vermutlich würde man das Buch auch verschlingen, wenn Rico keinen Kriminalfall lösen würde. Aber ausgerechnet Ricos neuer Freund Oskar wird vom Kindesentführer "Mister 2000" erwischt. Rico hat ein Gespür für die Leute in seinem Haus, der "Dieffe 93" - und damit für das Leben an sich. Er spürt sogar, dass in der Wohnung im Hinterhaus etwas nicht stimmt, wo Schatten spuken und noch tiefere Schatten. Zum Glück. Er hat eine Mutter, die kleine Fische auf den Fingernägeln trägt, und so enge Jeans, dass man sie beinahe rausschneiden muss. Er mag, dass sie so aussieht, er mag aber auch, wenn sie etwas "Kümmeriges" tut, Fischstäbchen für ihn kochen, zum Beispiel. Außerdem passieren auch ohne "Mister 2000" höchst interessante Dinge, von der ersten Seite an: Da findet Rico eine Rigatoni auf dem Bürgersteig, die logischerweise nichts anderes sein kann als eine "Fundnudel". Man wünscht sich sofort, dieses Wort irgendwann mal selbst in einen Satz einbauen zu können. Es ist ungefähr genauso schön wie "Sachensucher".

So ein wunderbarer, in Zwischentönen und Worterklärungen höchst versierter Erzähler ist Rico. Er weiß sogar, wie man "Depression" definiert: "Wenn alle Gefühle im Rollstuhl sitzen." Freundlicherweise steht sein kleines Privat-Wörterbuch mit Begriffen, die er sich selbst erst einmal erklären muss, eingekastelt im Text. Vielleicht finden demnächst ja ein paar mehr Leute den Schalter zwischen Heiligkeit und Egoismus, wenn sie Ricos Definition dazu gelesen haben.

Dass Rico trotz seiner Behinderung so ungewöhnlich gut erzählen kann, ist ein Kunstgriff, den man akzeptieren muss, sonst verliert der Roman seine Glaubwürdigkeit. Das tut man gern, denn Andreas Steinhöfel kann nicht nur eine so liebenswerte Figur wie Rico erfinden und einen so einleuchtend perfiden Entführer wie "Mister 2000". Die Dieffenbachstraße in Berlin-Kreuzberg, wo Rico wohnt, hat Steinhöfel nicht erfunden, die gibt es genauso wie den Karstadt Hermannplatz, wo Frau Dahling, die einsame Frau aus dem dritten Stock, an der Fleischtheke steht. Nichtsdestotrotz wirkt Berlin wie neu erfunden, durch den Blick dieses tiefbegabten Ich-Erzählers. Und selbst wenn dieser mit einer so reichen Sprache gesegnete Junge, der "Müffelchen" verspeist, es "kruspeln" hört oder sich aufs Sofa "pflanzt", dazwischen einen Satz wie "Ich bin ganz auf mich allein gestellt" in den Computer tippt, dann meint er, als sei er frisch erfunden, genau das. In Ricos Umgebung gibt es Kinder und Erwachsene, die herzzerreißend vernachlässigt sind, was er genau beschreibt, auch wenn er selbst zuweilen sehr einsam ist.

Steinhöfel ist ein Meister des realitätsgesättigten, empathischen Erzählens: Was bei vielen banal wird oder gar kitschig, balanciert bei ihm leichtfüßig auf schmalem Grat zwischen beidem, und der Grat befindet sich ganz oben. Steinhöfel, Jahrgang 1962, der mit "Die Mitte der Welt" vor fast zehn Jahren einen gefeierten "Coming of age"-Roman geschrieben hat, macht sich mit "Rico, Oskar und die Tieferschatten" an ein weiteres klassisches Genre, den Kinderkrimi. Dabei misst er sich an den ganz Großen, und zwar so unprätentiös wie sein Rico, dem man dafür sogar den Namen "Frederico Doretti" verzeiht. Schon Peter Schössows herrliche Kapitelbilder und Vignetten erinnern, so heutig sie sind, an Walter Triers Kästner-Illustrationen. Und Steinhöfel hat mit Rico geradezu die zeitgenössische Gegenfigur von Kästners Berlin-Krimi "Emil und die Detektive" erfunden: Rico geht in die Sonderschule nahe dem Landwehrkanal, kriegt nie Bio-Gemüse und hat eine alleinerziehende Mutter, die nicht als züchtige Friseuse, sondern nachts in einer Bar arbeitet, in der Callgirls Männer abschleppen, weshalb ihr Busen ihr Betriebskapital ist. Und sie ist eine tolle Mutter.

Plakativ ist das bei Steinhöfel nicht, aber er zeigt, wie unterschiedlich man Begabung definieren kann, Schwäche, Werte, Familie, Fürsorge und Liebe. Oscar etwa ist zwar hochbegabt, aber sein Papa springt nicht freudestrahlend um ihn herum, sondern versäuft sein Geld in der Kneipe. Gut, dass Rico etwas für ihn tun kann. Und gut für uns, wenn Steinhöfel sich für Rico und Oscar ein neues Abenteuer ausdenkt.

EVA-MARIA MAGEL

Andreas Steinhöfel: "Rico, Oskar und die Tieferschatten". Bilder von Peter Schössow. Carlsen Verlag, Hamburg 2008. 220 S., geb., 12,90 [Euro]. Ab 10 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Nichts als Lob hat Rezensentin Anja Knabenhans für Andreas Steinhöfels neuen Kinderroman übrig und verspricht "perfekten Lesegenuss". Die Geschichte vom "tiefbegabten" Jungen Rico, der die Welt zwar langsamer, aber umso intensiver wahrnimmt, hat die Rezensentin gänzlich hingerissen. Rico macht sich in dem Buch auf, seinen entführten Freund Oskar zu retten und löst dabei ein Geheimnis. Im Vordergrund steht für Knabenhans aber deutlich die wunderbare Welt, wie sie aus Ricos Sicht erzählt wird.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Witzig und eine gute Dosis Impfstoff gegen Höher- oder Minderwertigkeitsgefühle gegenüber anderen Menschen", Magdeburger Volksstimme, Nora Knappe, 30.12.2016