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"Was würdest du tun, wenn du etwas Böses tun wolltest?"
Sich in Spaß und Sex zu verlieren ist das Programm des zweiunddreißigjährigen Fleck. Doch er spürt, dass er dafür zu zaghaft ist. Worin besteht wirkliche Stärke? Wie erreicht er die Ausstrahlung, die ihn für jede Frau und jeden Mann unwiderstehlich macht? Er kommt zu dem Schluss, dass es für ihn nur einen Weg zu vollkommener Selbstbestimmtheit und wahrhafter Attraktivität gibt: mit sämtlichen Regeln der Gesellschaft zu brechen ...
"Lutra lutra" zeigt die dunklen Fantasien unserer Gesellschaft: die Ambivalenzen des Männerbildes, die
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Produktbeschreibung
"Was würdest du tun, wenn du etwas Böses tun wolltest?"

Sich in Spaß und Sex zu verlieren ist das Programm des zweiunddreißigjährigen Fleck. Doch er spürt, dass er dafür zu zaghaft ist. Worin besteht wirkliche Stärke? Wie erreicht er die Ausstrahlung, die ihn für jede Frau und jeden Mann unwiderstehlich macht? Er kommt zu dem Schluss, dass es für ihn nur einen Weg zu vollkommener Selbstbestimmtheit und wahrhafter Attraktivität gibt: mit sämtlichen Regeln der Gesellschaft zu brechen ...

"Lutra lutra" zeigt die dunklen Fantasien unserer Gesellschaft: die Ambivalenzen des Männerbildes, die Verbindung von Sex und Gewalt, das Amalgam von Coolness und Terrorismus. Heimlicher Held des Romans ist das Jahr 1999, das Jahr des Fischotters (lat. Lutra lutra), das letzte Jahr der guten alten Zeit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Voland & Quist
  • Seitenzahl: 731
  • Erscheinungstermin: März 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 149mm x 50mm
  • Gewicht: 928g
  • ISBN-13: 9783863911362
  • ISBN-10: 3863911369
  • Artikelnr.: 44218841
Autorenporträt
Matthias Hirth lebt in München und Berlin und schreibt seit 1994. Er arbeitete als Regisseur und Schauspieler, betrieb ein Privattheater, unternahm große Reisen in fast alle Weltteile, baute einen Zukunfts-Thinktank für einen deutschen Automobilkonzern auf und ist Mitbetreiber einer Münchner Szenebar.
Rezensionen
Besprechung von 31.05.2016
Ein fleckenloses Herz zagt nicht so leicht
Matthias Hirths Roman "Lutra lutra" will drastisch sein wie ein Heavy-Metal-Konzert, liefert aber nur aufgeschäumten Queerness-Pop

Wir sind im Jahr 1999. Das bevorstehende Millennium hat die kollektive Phantasie entfacht, man könne vielleicht noch einmal eine Grenze überschreiten und ein ganz anderes Leben beginnen. Die Vorstellung schwirrt durch alle Köpfe, mit allen Hoffnungen und Ängsten inklusive. Fleck, der einunddreißigjährige Protagonist in Matthias Hirths zweitem Roman - und man möchte beinahe hinzufügen, ausgerechnet dieser mit seinem Spitznamen gestrafte Fleck -, wagt den Schritt. Nachdem er und seine Freundin sich zur Abtreibung des gemeinsamen Kindes entschlossen haben, nachdem die Beziehung über diese Entscheidung in die Brüche gegangen ist, stürzt er sich ins haltlose Nachtleben. Trinken, Rauchen, Drogen, Tanzen, Flirten, Sex - das sind die Zutaten seines neuen Lebens.

Weil das aber der Neuerfindung noch nicht genug ist, wird Fleck zum Dauergast in Schwulenclubs und schläft von jetzt an mit jedem Mann, der ihm auch nur ein Lächeln schenkt. Keinen Deut schert sich der Roman bei diesem Lebensumbruch um das Innenleben seines Helden. Kein Wort darüber, wie es Fleck mit dieser radikalen Wende geht. Ob ihm sein homosexuelles Begehren zuvor bewusst war oder ob er sich überhaupt als Homosexueller fühlt (weiter redet er über "die Schwulen" als betrachte er die Szene, in der er sich bewegt, nur von außen). Psychologie lehnt der Roman dankend ab. Stattdessen inszeniert er ein siebenhundertseitiges Kommen und Gehen von Männern und Frauen, ohne dass daraus etwas anderes entsteht als eine Endlosreihe von Gesprächsgeplänkeln und Sexualakten. Bis zuletzt die Prostituierte Sandra zu einer so auch wörtlich gemeinten Busenfreundin von Fleck wird. (Und zuletzt mit der Botschaft aufwartet, sie glaube, von ihm schwanger zu sein.)

In diesem wilden Reigen gibt es keine Entwicklung, sondern nur das Aufheizen der Situation durch immer neue Überschreitungen bis zum ultimativen Exzess der Gewalt. War Hirths technikversiertes Romandebüt bis hin zu seinem Titel "angenehm" von einem ausgleichenden Temperament geprägt, setzt der zweite Roman "Lutra lutra" auf das Drastische. Wer findet, dass von Sexszenen genug erzählt ist, wenn sie durch Gedankenstriche ersetzt werden, ist in diesem Roman fehl am Platz. Umgekehrt gehören zu einer Ästhetik der Drastik ein paar Mindestanforderungen: Der detailgenaue Blick auf Szenarien, die eklig, grausam oder sinnlos erscheinen. Die damit verbundene Ausdehnung der Zeit, bei der jeder Augenblick zur langen Weile wird. Sowie eine sprachliche Explizitheit und Schärfe, die für den Eindruck einer besonderen Transparenz und Datendichte sorgen. Gemessen an diesen Grundansprüchen drastischer Kunst, treten die gravierenden Probleme zutage, die zum Scheitern des Romans führen. Erstens lesen sich Flecks sexuelle Aktivitäten neben Szenen vom Kaliber eines Bret Easton Ellis - um mit "American Psycho" nur das populärste Beispiel drastischer Literatur aufzuführen - wie ein Kranz hübscher Blümchensexerlebnisse. Als Grenzübertritt soll reichen, dass es sich um homosexuelle Bettszenen handelt. Der Roman tut so, als sei er ein literarisches Heavy-Metal-Konzert, liefert aber nur aufgeschäumten Queerness-Pop. Da es dem Roman zweitens an Sprache und Erzähltechnik für das Drastische fehlt, bleibt aus Lesersicht nur eine biedere Ballung von Wortfolgen aus Speichel, Sperma und Schweiß übrig. Zudem spült Hirth die Drastik weich, indem er seiner Figur doch Liebessehnsüchte andichtet.

Für solche Gefühlslagen wäre aber jene Psychologisierung der Figur notwendig, die der Roman geflissentlich vermeidet. Heraus kommt eine zwar durchaus erhellende Milieustudie. Aber eben auch eine Folge flauer Sexszenen und mittelmäßiger Reflexionen. Lacan auf Volkshochschulniveau tut einem Roman nicht immer gut. Einsichten wie die, dass der binäre Code des Digitalen eigentlich dem Sexualakt entspreche, reißen das Niveau nicht nach oben. Und wer sich auf das Partyniveau einlassen will, muss dazu eine enorme erzählerische Mängelliste ignorieren. Sie reicht vom strukturalistischen Ordnungsdrang (mitten im Exzess unpassend) über die Einführung einer allwissenden Erzählinstanz (schafft unvorteilhafte Distanz) bis zum Romantitel: "Lutra lutra" heißt der Roman, weil 1999 der Fischotter (Lutra lutra) zum Tier des Jahres bestimmt wurde.

Gut, dass der Siebenschläfer (Glis glis) erst 2004 an der Reihe war. Nicht einmal vor dem unglückseligen Fleck macht das sprachliche Stolpern halt. Es führt zu unfreiwillig komischen Reimen: "Fleck ging nicht weg." Oder zu schrägen Beschreibungen wie "der große dunkle Fleck auf dem Beifahrersitz seines Autos erinnert noch heute an die Komplikation, die auf den Eingriff folgte". Charakterisiert der Erzähler da seinen Protagonisten? Hirths Roman will Grenzen überschreiten, möchte unbequem sein, weh tun. Seine Lektüre schmerzt, aber aus den falschen Gründen.

CHRISTIAN METZ.

Matthias Hirth: "Lutra lutra". Roman. Verlag Voland & Quist, Leipzig 2016. 736 S., geb., 25,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit Matthias Hirths zweitem Roman "Lutra lutra" geht Christian Metz hart ins Gericht. Auf siebenhundert Seiten folgt der Kritiker hier dem Protagonisten Fleck, der sich nach der Abtreibung und anschließenden Trennung seiner Freundin von einer Sexorgie in die nächste stürzt und dabei wenig unterscheidet zwischen hetero- und homosexuellen Begegnungen. Im Grunde genommen vermisst der Rezensent hier so ziemlich alles: Eine Entwicklung sowie eine psychologische Ausleuchtung der Figur, erzählerische Schärfe und sprachliche Eleganz. Und so bleibt ihm nach der Lektüre nicht mehr als der Eindruck von weichgespültem "Queerness-Pop" mit viel Sperma, Speichel und Schweiß.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Ein solcher Gesellschaftsroman über das Nachtleben und die erotischen Dunkelräume unserer Zeit war lange nicht zu lesen." Dr. Eberhard Falcke, SWR2 "Wer sich auf Matthias Hirths Roman einlässt, wird mit einem Porträt der späten neunziger Jahre belohnt, das es so noch nicht gegeben hat. 'Lutra lutra' zeigt eine Zeit, die sich unschuldig angefühlt hat und in der doch die Krisen stecken, die uns noch im neuen Jahrtausend beschäftigen." Tino Dallmann, NDR Kultur "Einen exzessiveren Roman auf höchstem literarischem Niveau kann man nicht schreiben." Gérard Otremba, Sounds & Books "'Lutra lutra' feiert aufs Schönste das Begehren, schildert zugleich aber ungeschminkt seine Maßlosigkeit und deren Umschlagen in Brutalität." Andreas Heckmann, Am Erker