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Spionage, Kinopaläste, Varietés, Kokain ... Während die Hauptstadt ihren Aufschwung feiert, hat sich Exkommissar Grenfeld in einem Dachatelier verschanzt. Er will seine Ruhe. Doch als Zeuge eines brutalen Mordes gerät er unaufhaltsam in einen Strudel von Ereignissen, die ihm alles abverlangen. Sein einziger Verbündeter scheint ein Straßenjunge zu sein. Mit ihm kriecht er durch unterirdische Tunnels und klettert über die Dächer der Stadt. Er ermittelt in Flüchtlingslagern, der ersten Moschee auf deutschem Boden und landet zuletzt im Zirkus - immer auf der Suche nach dem Täter.…mehr

Produktbeschreibung
Spionage, Kinopaläste, Varietés, Kokain ... Während die Hauptstadt ihren Aufschwung feiert, hat sich Exkommissar Grenfeld in einem Dachatelier verschanzt. Er will seine Ruhe. Doch als Zeuge eines brutalen Mordes gerät er unaufhaltsam in einen Strudel von Ereignissen, die ihm alles abverlangen. Sein einziger Verbündeter scheint ein Straßenjunge zu sein. Mit ihm kriecht er durch unterirdische Tunnels und klettert über die Dächer der Stadt. Er ermittelt in Flüchtlingslagern, der ersten Moschee auf deutschem Boden und landet zuletzt im Zirkus - immer auf der Suche nach dem Täter.
  • Produktdetails
  • Zeitgeschichtliche Kriminalromane im GMEINER-Verlag
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
  • Seitenzahl: 407
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahre
  • Erscheinungstermin: 3. Februar 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 198mm x 118mm x 35mm
  • Gewicht: 422g
  • ISBN-13: 9783839218907
  • ISBN-10: 383921890X
  • Artikelnr.: 48393599
Autorenporträt
Dr. Robert Baur, Jahrgang 1963, studierte Andragogik, Psychologie und Soziologie. Seit Anfang der 90er-Jahre konzipiert und leitet er Workshops für Mitarbeiter und Führungskräfte großer und mittelständischer Unternehmen. Dort nutzte er schon bald die Methode des »Storytellings«. Mit »Mord in Metropolis« ist dem Autor ein viel beachteter Krimi rund um den Stummfilm von Fritz Lang gelungen. »Engelsflug« ist der zweite Fall um seinen Ermittler Robert Grenfeld und knüpft an den ersten Roman an.
Rezensionen
Verschenkt, vertuscht, verkommen
Krimis in Kürze: Morde im Berlin der zwanziger Jahre, in Marokko und im Veneto

Aus einer Idee wird ein Buch, dem Buch folgen weitere, und aus den Büchern wird eine Fernsehserie. Ein Autorentraum. Für Volker Kutscher ist er Wirklichkeit geworden. Seine Romane um den Kommissar Gereon Rath haben ihn zum Bestsellerautor gemacht; nach seinen Büchern, die mit viel Gespür für Spannung und politisches Klima vom Ende der Weimarer Republik im Medium des Krimis erzählen, entsteht jetzt auch eine der teuersten Serien, die sich das deutsche Fernsehen leisten will, wobei sich für "Babylon Berlin" sogar die ARD und der Bezahlsender Sky zusammengetan haben.

Kutscher war nicht der Erste auf dem historischen Terrain, Susanne Goga etwa hat ihren Kommissar Leo Wechsler schon früher durch die historische Berliner Unterwelt geschickt. Aber Kutscher mit seinen inzwischen fünf Büchern ist der Mann, der den Standard setzt - und leider wohl auch den einen oder anderen Nachahmer ermuntert hat. Allerdings würde man auch ohne Kutscher schnell sehen, dass die beiden Autoren aus dem Gmeiner Verlag vom historischen Stoff wie von der dazu passenden Form leicht überfordert sind. In Renegald Gruwes Roman "Spreeleichen. Ein Fall für Erich Malek" (Gmeiner, 281 S., br., 11,99 [Euro]) ist schon nach ein, zwei Kapiteln nicht mehr viel zu hoffen. Kriminalkommissaranwärter Malek, ein eher schlichtes Gemüt, wird 1928 in einen haarsträubenden Plot um einen Zuhältermörder und einen Filmstar auf Abwegen verwickelt, der auch smartere Ermittler ratlos gemacht hätte. Sprachlich ungelenk, mit wenig Sinn für Spannungsaufbau und Zeitkolorit, ist hier die Luft schnell raus.

Robert Baur, der in "Engelsflug" (Gmeiner, 407 S., br., 12,99 [Euro]) zum zweiten Mal seinen Exkommissar Grenfeld ins Rennen schickt, ist da schon versierter, was Komposition und historische Kulisse angeht. Der Roman spielt im Januar 1927, und er bemüht sich nach Kräften, das wilde, vergnügungssüchtige Berlin jener Zeit heraufzubeschwören. Die Geschichte führt in die Welt des Zirkus und des Kunsthandels, unter russische Exilanten und ins vornehme Grunewaldmilieu, weil Grenfeld reich geheiratet hat; Geheimdienste spielen eine Rolle und das trübe Treiben der Reichswehr, doch insgesamt hat Baur sich mehr aufgeladen, als sich sinnvoll mit Anlage und Aktionsradius seiner Hauptfigur vereinbaren lässt.

Aus der deutschen Vergangenheit führt einen Michael Lüders in die Gegenwart. Der Publizist ist als Iran-Versteher bekannt, er ist schon durch einige Talkshows getourt und hat nicht unumstrittene Bücher zur Nahost-Politik publiziert. Nun also ein Thriller, "Never say anything" (C. H. Beck, 367 S., br., 12,99 [Euro]). Die Ausgangsidee ist vielversprechend. Eine deutsche Journalistin erlebt auf Reportagereise tief in Marokko, wie ein Dorf von Drohnen und Hubschraubern ausgelöscht wird - ein amerikanischer Angriff auf vermeintliche Al-Qaida-Kämpfer. Daheim will niemand ihre Geschichte drucken, sie bekommt viele Probleme in Berlin, vertuschungswillige Geheimdienste interessieren sich für Sophie Schelling, aber auch eine linke Konfliktforscherin.

Es fällt rasch auf, auch wenn man keinerlei Illusionen über die schmutzigen Hände der amerikanischen Dienste in den letzten Jahrzehnten hat, dass "Never say anything" (was natürlich auf die NSA anspielt), seinen Antiamerikanismus reichlich penetrant zur Schau stellt. Dem Plot tut das gar nicht gut, man muss sich schon sehr verrenken, um den Windungen bis zum Finale zu folgen. Das hat weniger mit Zweifeln am Realismus als mit einem Mangel an Plausibilität zu tun. Abgesehen davon, ist Sophie Schelling nicht viel mehr als ein X, eher Multifunktionsinstanz als lebendige Romanfigur. Und Lüders' stilistische Möglichkeiten sind limitiert. Keine Floskel ist ihm fremd, da muss nicht erst der "angegraute Lebemann mit dem schmalen Oberlippenbart, dessen stahlblaue Augen beinahe übernatürlich wirkten", kommen. Schade um eine verschenkte Möglichkeit.

Zum Ende noch ein kleiner Ausflug ins Veneto mit Massimo Carlotto, dem Autor, der Mitglied von Lotta Continua war und sechs Jahre im Gefängnis saß, für einen Mord, den er nicht begangen hatte. Der Tropen Verlag hat in "Am Ende eines öden Tages" (381 S., br., 14,95 [Euro]) Carlottos bereits 2007 erschienenen Roman "Arrivederci Amore, Ciao" mit dessen Fortsetzung kombiniert, Carlotto hat nur für diese Ausgabe eine Art Brückentext zwischen beiden verfasst. Das liest sich gut in seiner umfassenden Amoralität, zu welcher der nüchterne Ton gut passt. Der Held Giorgio Pellegrini ist ein Muster-Arschloch, ein Mann ohne irgendeine positive Eigenschaft, und dass dieser großkalibrige Repräsentant des Bösen seinen unternehmerischen Weg in die besseren Kreise der Provinzstadt macht, darin steckt ja auch ein nie ganz unzutreffendes Italien-Porträt.

PETER KÖRTE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 04.04.2016

Verschenkt, vertuscht, verkommen
Krimis in Kürze: Morde im Berlin der zwanziger Jahre, in Marokko und im Veneto

Aus einer Idee wird ein Buch, dem Buch folgen weitere, und aus den Büchern wird eine Fernsehserie. Ein Autorentraum. Für Volker Kutscher ist er Wirklichkeit geworden. Seine Romane um den Kommissar Gereon Rath haben ihn zum Bestsellerautor gemacht; nach seinen Büchern, die mit viel Gespür für Spannung und politisches Klima vom Ende der Weimarer Republik im Medium des Krimis erzählen, entsteht jetzt auch eine der teuersten Serien, die sich das deutsche Fernsehen leisten will, wobei sich für "Babylon Berlin" sogar die ARD und der Bezahlsender Sky zusammengetan haben.

Kutscher war nicht der Erste auf dem historischen Terrain, Susanne Goga etwa hat ihren Kommissar Leo Wechsler schon früher durch die historische Berliner Unterwelt geschickt. Aber Kutscher mit seinen inzwischen fünf Büchern ist der Mann, der den Standard setzt - und leider wohl auch den einen oder anderen Nachahmer ermuntert hat. Allerdings würde man auch ohne Kutscher schnell sehen, dass die beiden Autoren aus dem Gmeiner Verlag vom historischen Stoff wie von der dazu passenden Form leicht überfordert sind. In Renegald Gruwes Roman "Spreeleichen. Ein Fall für Erich Malek" (Gmeiner, 281 S., br., 11,99 [Euro]) ist schon nach ein, zwei Kapiteln nicht mehr viel zu hoffen. Kriminalkommissaranwärter Malek, ein eher schlichtes Gemüt, wird 1928 in einen haarsträubenden Plot um einen Zuhältermörder und einen Filmstar auf Abwegen verwickelt, der auch smartere Ermittler ratlos gemacht hätte. Sprachlich ungelenk, mit wenig Sinn für Spannungsaufbau und Zeitkolorit, ist hier die Luft schnell raus.

Robert Baur, der in "Engelsflug" (Gmeiner, 407 S., br., 12,99 [Euro]) zum zweiten Mal seinen Exkommissar Grenfeld ins Rennen schickt, ist da schon versierter, was Komposition und historische Kulisse angeht. Der Roman spielt im Januar 1927, und er bemüht sich nach Kräften, das wilde, vergnügungssüchtige Berlin jener Zeit heraufzubeschwören. Die Geschichte führt in die Welt des Zirkus und des Kunsthandels, unter russische Exilanten und ins vornehme Grunewaldmilieu, weil Grenfeld reich geheiratet hat; Geheimdienste spielen eine Rolle und das trübe Treiben der Reichswehr, doch insgesamt hat Baur sich mehr aufgeladen, als sich sinnvoll mit Anlage und Aktionsradius seiner Hauptfigur vereinbaren lässt.

Aus der deutschen Vergangenheit führt einen Michael Lüders in die Gegenwart. Der Publizist ist als Iran-Versteher bekannt, er ist schon durch einige Talkshows getourt und hat nicht unumstrittene Bücher zur Nahost-Politik publiziert. Nun also ein Thriller, "Never say anything" (C. H. Beck, 367 S., br., 12,99 [Euro]). Die Ausgangsidee ist vielversprechend. Eine deutsche Journalistin erlebt auf Reportagereise tief in Marokko, wie ein Dorf von Drohnen und Hubschraubern ausgelöscht wird - ein amerikanischer Angriff auf vermeintliche Al-Qaida-Kämpfer. Daheim will niemand ihre Geschichte drucken, sie bekommt viele Probleme in Berlin, vertuschungswillige Geheimdienste interessieren sich für Sophie Schelling, aber auch eine linke Konfliktforscherin.

Es fällt rasch auf, auch wenn man keinerlei Illusionen über die schmutzigen Hände der amerikanischen Dienste in den letzten Jahrzehnten hat, dass "Never say anything" (was natürlich auf die NSA anspielt), seinen Antiamerikanismus reichlich penetrant zur Schau stellt. Dem Plot tut das gar nicht gut, man muss sich schon sehr verrenken, um den Windungen bis zum Finale zu folgen. Das hat weniger mit Zweifeln am Realismus als mit einem Mangel an Plausibilität zu tun. Abgesehen davon, ist Sophie Schelling nicht viel mehr als ein X, eher Multifunktionsinstanz als lebendige Romanfigur. Und Lüders' stilistische Möglichkeiten sind limitiert. Keine Floskel ist ihm fremd, da muss nicht erst der "angegraute Lebemann mit dem schmalen Oberlippenbart, dessen stahlblaue Augen beinahe übernatürlich wirkten", kommen. Schade um eine verschenkte Möglichkeit.

Zum Ende noch ein kleiner Ausflug ins Veneto mit Massimo Carlotto, dem Autor, der Mitglied von Lotta Continua war und sechs Jahre im Gefängnis saß, für einen Mord, den er nicht begangen hatte. Der Tropen Verlag hat in "Am Ende eines öden Tages" (381 S., br., 14,95 [Euro]) Carlottos bereits 2007 erschienenen Roman "Arrivederci Amore, Ciao" mit dessen Fortsetzung kombiniert, Carlotto hat nur für diese Ausgabe eine Art Brückentext zwischen beiden verfasst. Das liest sich gut in seiner umfassenden Amoralität, zu welcher der nüchterne Ton gut passt. Der Held Giorgio Pellegrini ist ein Muster-Arschloch, ein Mann ohne irgendeine positive Eigenschaft, und dass dieser großkalibrige Repräsentant des Bösen seinen unternehmerischen Weg in die besseren Kreise der Provinzstadt macht, darin steckt ja auch ein nie ganz unzutreffendes Italien-Porträt.

PETER KÖRTE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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