Stadt Wiesbaden - Russ, Sigrid
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Auf rund 1400 Seiten präsentiert der dreiteilige Band den überaus reichen Denkmalbestand der Stadt Wiesbaden, das seine malerische bauliche Kulisse vor allem seiner Vergangenheit als Luxus- und Modebad verdankt. Er umfasst im Wesentlichen das so genannte Historische Fünfeck als das eigentliche Zentrum sowie die anschließenden Erweiterungsgebiete. Dieses Werk dokumentiert innerhalb der Gemarkungsgrenze Wiesbaden-Innenstadt die baulichen Zeugnisse vom 19. und frühen 20. Jahrhundert bis hin zu Bereichen und Gebäuden, die für die neue Ära Wiesbadens als Hauptstadt des Landes Hessen charakteristisch sind.…mehr

Produktbeschreibung
Auf rund 1400 Seiten präsentiert der dreiteilige Band den überaus reichen Denkmalbestand der Stadt Wiesbaden, das seine malerische bauliche Kulisse vor allem seiner Vergangenheit als Luxus- und Modebad verdankt. Er umfasst im Wesentlichen das so genannte Historische Fünfeck als das eigentliche Zentrum sowie die anschließenden Erweiterungsgebiete. Dieses Werk dokumentiert innerhalb der Gemarkungsgrenze Wiesbaden-Innenstadt die baulichen Zeugnisse vom 19. und frühen 20. Jahrhundert bis hin zu Bereichen und Gebäuden, die für die neue Ära Wiesbadens als Hauptstadt des Landes Hessen charakteristisch sind.
  • Produktdetails
  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland
  • Verlag: Wbg Theiss
  • Erscheinungstermin: Februar 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 327mm x 242mm x 107mm
  • Gewicht: 7128g
  • ISBN-13: 9783806220100
  • ISBN-10: 3806220107
  • Artikelnr.: 20760131
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.12.2005

Ein Zeugnis des Historismus
Denkmaltopographie der Wiesbadener Innenstadt erschienen / "Zunehmende Verschandelung der Ladenfronten"

WIESBADEN. Es ist nur ein Detail, aber es zeugt von der Akribie, mit der die Autorin vorgegangen ist: Das Rheingauviertel westlich der Ringkirche ist geprägt von mächtigen Verandavorbauten, turmartigen Eckrisaliten und Jugendstilfassaden mit reicher Ornamentik. Zum Haus Marcobrunnerstraße 2 schreibt Sigrid Russ: "Spektakuläre Motive im Rahmen eines vom Jugendstil beeinflußten Eklektizismus sind Erkerkonsolen in Gestalt eines Adlers oder von Harpyenwesen." Etwa zehn Jahre saß die Autorin an Band I der Wiesbadener Denkmaltopographie. Die 1400 Seiten dicke Dokumentation ist jetzt erschienen. Wegen ihres Umfangs verteilt sie sich auf drei prächtig illustrierte und aufwendig edierte Teilbände. Straßenzug um Straßenzug ist erfaßt, kartiert, reich bebildert und detailliert beschrieben.

Alle Kulturdenkmäler von A wie Alte Münze bis W wie Wasserturm sind systematisch gesammelt und in ihrer architektonischen Bedeutung erläutert. Band I folgt dem unlängst vom deutschen Institut für Urbanistik als vorbildlich bewerteten 2. Band der Wiesbadener Denkmaltopographie. Schon vor 17 Jahren hatte Russ zu den Villengebieten eine vielbeachtete Dokumentation erstellt.

Die vorliegenden Bände sind Katalog und Stadtgeschichte zugleich. Als Denkmalbuch und amtliches Verzeichnis der Kulturdenkmale widmen sie sich den Bauwerken der Innenstadt in einer bemerkenswerten Tiefe. In den Grenzen der Innenstadtgemarkung folgen sie der Stadtentwicklung. Band I.1 dokumentiert das "Historische Fünfeck". Christian Zais hatte die Idee, mit fünf gradlinigen Straßenzügen der Altstadt einen klaren Umriß zu geben, umgesetzt. Band I.2 zeichnet die Stadterweiterung innerhalb der Ringstraße nach, im dritten Band wird die Ringstraße überschritten, die rasterförmig im 19. Jahrhundert entstandenen Wohnviertel werden in den Blick genommen.

Vorausgeschickt wird ein 63 Seiten starker geschichtlicher Abriß, der die Entwicklung Wiesbadens vom "Aquae Mattiacorum" über das "Nizza des Nordens" bis hin zu städtebaulichen Sünden der Nachkriegszeit nicht nur streift. Weit mehr als in Form von Eckdaten werden die wichtigen Stationen aufgegriffen. Von den Ursprüngen bis zur Gegenwart ist das Schicksal der Stadt eng mit den Heilkräften ihrer Mineralquellen verbunden. Russ leistet einen detaillierten Geschichtsüberblick, der lesbar und so reich wie anschaulich bebildert ist.

Alte Quellen zeigen, daß die Stadt früh einen schmeichelhaften Ruf genoß: Schon 1605 beschrieb sie Wilhelm Dilich in der hessischen "Chronica" als "das vorneme warme bahde". Kupferstiche aus dieser Zeit führen die Ansicht einer Stadt vor Augen, die weit von ihrem Status als spätere Haupt- und Residenzstadt und schließlich als Luxus- und Modebad entfernt war.

Mit seinem über weite Strecken geschlossenen historistischen Baustil kann Wiesbaden wuchern. Ambitionen der Stadt auf die Anerkennung als Weltkulturerbe sind ungebrochen. Russ erinnert, wie empfindlich und bedroht dieses Erbe ist. Zwar sei Wiesbaden im Zweiten Weltkrieg einem Flächenbombardement entgangen. Doch kaum weniger knapp entging die Stadt dem "Ernst-May-Plan". Der der Moderne verpflichtete Architekt sah im historistischen Baubestand eine "veraltete Bebauung" und plante in den sechziger Jahren, das östliche Villengebiet durch nüchterne Hochhäuser zu ersetzen. Im verwinkelten Altstadt-Schiffchen sollten Parkhäuser entstehen. Eine von den Jungsozialisten angestoßene Bürgerinitiative lief gegen die Pläne Sturm. 1971 wurde das May-Konzept zu den Akten gelegt.

Das Kapitel zur Entstehungsgeschichte schließt mit einer Bewertung jüngster städtebaulicher Entwicklungen. Russ ist die "zunehmende Verschandelung" der Ladenfronten durch aggressive Werbeanlagen an der Kirchgasse ein Dorn im Auge: "Nicht die Verwirklichung eigener Vorstellungen scheint mehr Aufgabe der Stadtplanung zu sein, sondern die Koordination von Investorenprojekten", rügt die Verfasserin. Und mahnt: "Ohne politische Gegensteuerung droht die im Zentrum teilweise schon in Frage gestellte Identität des historischen Stadtbildes verlorenzugehen."

Der der Stadtgeschichte folgende Katalog ist in Kapitel gegliedert, die vom Allgemeinen zum Besonderen führen. Anfangs nimmt der Leser die Vogelperspektive ein und blickt auf eine Luftbildaufnahme des jeweiligen Viertels. Dann taucht man in die geschichtlichen und künstlerischen Details ein. Die Viertel werden in ihren charakteristischen Merkmalen erläutert, die geschichtliche und baukünstlerische Bedeutung wird skizziert. Zur besseren Orientierung sind Baudenkmäler und Straßennamen gefettet. Auf alten Photographien tauchen verblaßte Erinnerungsorte wie der 1873 abgebrochene Uhrtum oder der Marktplatz vor dem Bau des Neuen Rathauses auf.

Bis in die Gegenwart reichen die Abrisse. In alphabetischer Reihenfolge werden sodann die Straßenzüge unter die Lupe genommen und die Einzeldenkmäler samt Baudatum und Namen der Antragssteller erläutert. Ein ausführlicher Apparat, der neben einem Glossar auch ein Register der Architekten enthält, komplettiert die Bände.

RAINER SCHULZE

Sigrid Russ: Stadt Wiesbaden I. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Gebunden. 1388 Seiten, Theiss-Verlag, Stuttgart, Dezember 2005, 98 Euro.

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