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Ihre Mutter ist tot, und Blanca fährt nach Cadaqués, auf den Sommerfamiliensitz am Meer. Beide Exmänner sind da, die gemeinsamen Kinder, Freundinnen, der Geliebte, sie alle füllen das Haus mit Leben. Für Blanca beginnt eine entrückte Zeit: Stunden auf dem Boot, Frühstück unterm blauen Himmel, Gespräche bis tief in die Nacht, Alkohol, Sex. Und es wäre alles wie immer - würde die verstorbene Mutter ihr nicht auf Schritt und Tritt begegnen und Blanca dazu zwingen, sich zu einer folgenreichen Einsicht durchzuringen.
Auch das wird vergehen ist gravitätisch und leicht, melancholisch und komisch,
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Produktbeschreibung
Ihre Mutter ist tot, und Blanca fährt nach Cadaqués, auf den Sommerfamiliensitz am Meer. Beide Exmänner sind da, die gemeinsamen Kinder, Freundinnen, der Geliebte, sie alle füllen das Haus mit Leben. Für Blanca beginnt eine entrückte Zeit: Stunden auf dem Boot, Frühstück unterm blauen Himmel, Gespräche bis tief in die Nacht, Alkohol, Sex. Und es wäre alles wie immer - würde die verstorbene Mutter ihr nicht auf Schritt und Tritt begegnen und Blanca dazu zwingen, sich zu einer folgenreichen Einsicht durchzuringen.

Auch das wird vergehen ist gravitätisch und leicht, melancholisch und komisch, sanft und heftig, es ist die ergreifende Geste eines langsamen Abschieds - ein wahrhaftiger Roman über Mütter und Töchter, über die Bodenlosigkeit der Trauer und die vertrackten Schönheiten des Lebens.
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 170
  • 2016
  • Ausstattung/Bilder: 170 S. 204 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 123mm x 22mm
  • Gewicht: 303g
  • ISBN-13: 9783518425275
  • ISBN-10: 3518425277
  • Best.Nr.: 44110440
Autorenporträt
Svenja Becker lebt als Übersetzerin in Saarbrücken.
Rezensionen
»Eine moderne Françoise Sagan mit der bittersüßen Unbefangenheit Woody Allens.« El Mundo

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit ihrem zweiten Roman, der nun auch auf Deutsch unter dem Titel "Auch das wird vergehen" erschienen ist, landet Milena Busquets in der ersten Reihe spanischer Literatur, versichert Rezensent Michael Krüger. Allein wie die Autorin ihren Heimatort, das Fischerdorf Cadaques, in dem sich einst Dali, Duchamp oder Breton aufhielten, vergegenwärtigt, gefällt dem Kritiker so gut, dass er meint, den Sand zu spüren und das frische Brot zu riechen. Insbesondere aber bewundert Krüger, wie Busquet hier auf "kritisch-liebevolle" Weise Abschied von ihrer Mutter, der Schriftstellerin und Verlegerin Esther Tusquets, nimmt: Ohne Vorwürfe, aber doch mit drastischer Klarheit und Subtilität - ein großartiger Roman, der die Unterschiede zwischen den Generationen deutlich macht, schließt Krüger.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 16.02.2016
Ohne Sommernächte hat das Leben keinen Sinn
Alles über ihre Mutter: Mit dem Roman "Auch das wird vergehen" stößt Milena Busquets in die vorderste Reihe der spanischen Literatur vor

Kennt jemand das katalonische Fischerdorf Cadaques? Wenn es noch heute so ist, wie Milena Busquets es in ihrem Roman beschreibt, möchte man sofort hinfahren. Sie ist sich ihrer Sache so sicher, dass sie nicht einmal die Vergangenheit vergegenwärtigen muss, in der Dalí (der am Hafen ein Haus hatte), Lorca, Breton und Duchamp hier vor Santa Maria im Café saßen und den Musen hinterherschauten, die in Badekleidung über den Dorfplatz schlurften. Sie hat selbst dort ihre Kindheit und Jugend verbracht, das Salz und die Liebe geschmeckt, die Sonne und die Buben angebetet. Man riecht den Geruch nach frischem Brot, mit dem die Nacht endet, man spürt das schläfrige Vergehen der Zeit während der unter einem Ölbaum verbrachten Siesta, den Sand zwischen den Zehen, die in jeder Hinsicht heißen Abende. Nur haben sich die Verhältnisse auf den Kopf gestellt: Heute suchen sich die jungen Frauen, die in diesem Buch die Hauptrollen spielen, die Männer aus.

Die Ich-Erzählerin ist um die vierzig, unverheiratet, hat zwei Söhne von zwei verschiedenen Vätern und flirtet mit einem verheirateten Mann, der mit der eigenen Familie angereist ist. Sie verbringt mit Kind und Kegel und Hund und zwei Freundinnen und deren Anhang die Ferien im Haus der Mutter in Cadaques, und eigentlich könnte es ein Sommer werden wie so viele vorher - wenn nicht gerade die Mutter gestorben wäre.

Diese Mutter war die berühmte Schriftstellerin und Verlegerin Esther Tusquets (1936 bis 2012), die mit ihrem Roman "Aller Sommer Meer" (erschienen 1978, drei Jahre nach dem Tod Francos) über eine lesbische Liebesgeschichte Furore gemacht hat. Das Buch der Tochter ist ein langes, kritisch-liebevolles Abschiednehmen von dieser Grande Dame und Intellektuellen, die, elegant und herrschsüchtig, im katholischen Spanien nicht an Gott und an ein Leben nach dem Tod glaubte und von der Tochter für ihre Unabhängigkeit bewundert wurde: "Du hast mir das irre Lachen geschenkt, die Freude am Leben, die völlige Hingabe, den Spaß an jedem Spiel, die Abneigung gegen alles, was in deinen Augen das Leben kleiner machte und einem die Luft nahm: Knauserigkeit, Mangel an Loyalität, Neid, Angst, Dummheit und vor allem Grausamkeit. Und den Sinn für Gerechtigkeit. Die Aufsässigkeit. Das überwältigende Erkennen von Glück in den Momenten, wenn man es in Händen hält und ehe es wieder davonfliegt."

Zwischen den Zeilen spürt man, dass diese Liebe alles andere als einfach war. "Ich glaube, du hast mich geliebt, nicht sehr, nicht wenig, hast mich geliebt, und das war's", schreibt die Tochter, die der Mutter (Gott sei Dank!) keine Vorwürfe macht. Sie ist subtiler. "Ich werde nie mehr durch deine Augen angeschaut", schreibt sie. "Mein Platz auf der Welt war in deinem Blick, und der schien mir so unstrittig und beständig, dass ich mir nie die Mühe machte, herauszufinden,wie er beschaffen war." Es sind solche wie nebenbei fallenden Sätze, die das Buch von Milena Busquets so stark machen, weil so in der Erzählung die Unterschiede zwischen den Generationen deutlich werden.

Die Generation der Mutter musste um ihre Freiheit kämpfen, den Kindern ist sie geschenkt worden: "Von dir", schreibt die Tochter, "habe ich das völlige Fehlen von Schuldgefühlen geerbt und die Freiheit und die Verantwortlichkeit, die damit verbunden sind. Daheim hat sich nie jemand wegen irgendwas schuldig gefühlt, man hat nachgedacht und sich entsprechend verhalten, und wenn man sich geirrt hatte, nutzte es nicht, sich schuldig zu fühlen, man trug eben die Konsequenzen. Ich glaube, ich habe nie ein ,tut mir leid' von dir gehört."

Und heute? "Manchmal frage ich mich, was geschehen wird, wenn diese neue Generation von Kindern, deren Mütter die Mutterschaft für eine Religion halten . . ., Frauen, denen die Kinder die einzige Absicht und Sorge und Begründung im Leben sind, die ihre Kinder erziehen, als würden sie später über ein Weltreich herrschen, die die sozialen Netzwerke mit Fotos von ihrem Nachwuchs fluten -, wenn diese Kinder groß werden, ob sie dann so unvollkommene, widersprüchliche und unglückliche Menschen werden wie wir, oder sogar noch schlimmer, niemand übersteht das doch unbeschadet, wenn man ihn beim Kacken fotografiert."

Mit drastischer Hellsicht und unverblümter Sprache - "keine Gebete, keine Blumen, keine Musik" hatte sich die Mutter für ihre Beerdigung gewünscht - geht diese heiße Sommerwoche vorüber, und wenn nicht alles täuscht, haben wir den Erstling einer sehr begabten Schriftstellerin gelesen.

MICHAEL KRÜGER

Milena Busquets: "Auch das wird vergehen". Roman.

Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016. 170 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 12.07.2017
NEUE TASCHENBÜCHER
Im Sex
Vergessen suchen
Ein langer melancholischer Abschied: Erst nach dem Tod der Mutter wird Blanca klar, wie behütet die Welt war, in der sie bisher gelebt hat, in der sich die Freiheiten der heutigen spanischen Demokratie mit den komfortablen Annehmlichkeiten gewachsener Eliten verbinden. Die Eltern haben unter der Franco-Herrschaft gelitten, aber auch ihr Vermögen vermehrt, die Kinder freuen sich an ihrem exklusiven Paradies. Das Ferienhaus im romantischen Cadaqués ist der Bezugspunkt der sentimentalen Biografie Blancas. Ihre Mutter, überlegen intelligent und als Persönlichkeit stark, war das Zentrum. Die Tochter fand ihren eigenen Freiraum im Sex. „Dein Untergang war mein einziges Vorhaben seit Monaten“, und nun gähnt tiefe Leere, die Blanca sinnlich und doch kalt ausfüllen will: Sex ist ihr Heilmittel, im Sex sucht sie das Vergessen und die Überwindung der Trauer, und kommt aus den Reflexionen nicht heraus. Unter dem Stoßseufzer des Titels ertönt ein Klagelied, das die tief verwobenen Beziehungen zwischen Töchtern und Müttern unsentimental pragmatisch und dabei zuweilen überraschend komisch bloßlegt.
RUDOLF VON BITTER
Milena Busquets: Auch das wird vergehen. Roman. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Suhrkamp Verlag, Berlin 2017. 170 Seiten, 10 Euro.
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