8,99 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
Verlängertes Rückgaberecht bis zum 10.01.2020
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Honoré de Balzac war Asket und Gourmet, Hungerleider und Vielfraß in einer Person. Nach Phasen strengster Arbeitsdisziplin und Abstinenz stürzte er sich in wahre Fresszüge durch die Feinkostläden, Märkte und Bäckereien von Paris. Dabei entdeckte er auch das Restaurant für sich, das sich zunehmend als öffentlicher Ort des kulinarischen Genusses etablierte: Nicht nur diente es ihm als ideale Bühne für die Inszenierung seiner Sittengemälde - sondern auch als perfekter Ort für seine ganz persönliche Lust am exzessiven Essen. Die "Austern des Monsieur Balzac" ist mehr als eine Biografie. Es ist…mehr

Produktbeschreibung
Honoré de Balzac war Asket und Gourmet, Hungerleider und Vielfraß in einer Person. Nach Phasen strengster Arbeitsdisziplin und Abstinenz stürzte er sich in wahre Fresszüge durch die Feinkostläden, Märkte und Bäckereien von Paris. Dabei entdeckte er auch das Restaurant für sich, das sich zunehmend als öffentlicher Ort des kulinarischen Genusses etablierte: Nicht nur diente es ihm als ideale Bühne für die Inszenierung seiner Sittengemälde - sondern auch als perfekter Ort für seine ganz persönliche Lust am exzessiven Essen.
Die "Austern des Monsieur Balzac" ist mehr als eine Biografie. Es ist eine Liebeserklärung an das Paris des 19. Jahrhunderts, das hier in all seiner sinnlichen Pracht wiederaufersteht. Ein Buch, das Heißhunger weckt - auf die Stadt, auf Balzacs Romane und auf das Leben.
  • Produktdetails
  • insel taschenbuch 4103
  • Verlag: Insel Verlag
  • Seitenzahl: 164
  • Erscheinungstermin: 12. November 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 116mm x 20mm
  • Gewicht: 186g
  • ISBN-13: 9783458358039
  • ISBN-10: 345835803X
  • Artikelnr.: 35726917
Autorenporträt
Muhlstein, Anka
Anka Muhlstein wurde 1935 in Paris geboren. Zusammen mit ihrem Mann, dem Romancier und Anwalt Louis Begley, lebt die Historikerin und Autorin seit 1974 in New York. 1996 wurde sie mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.
Rezensionen
»Die französische Autorin Anka Muhlstein, Ehefrau des aus Polen stammenden amerikanischen Anwalts und Schriftstellers Louis Begley, hat ein lesenswertes kleines Buch über die Soziologie des Essens bei Balzac geschrieben.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.05.2011

Auf der Hut vor bösen Tischgenossinnen

Wie man im Paris des frühen neunzehnten Jahrhunderts lebte, liebte und aß: Anka Muhlsteins "delikate Biographie" über die Kulinarik bei Honoré de Balzac.

Wer dem Schriftsteller Balzac sich über den Magen nähert, muss eine gute Verdauung haben, würde man denken. Dieses Buch zeigt es anders. Die getrüffelten Geflügelpasteten, der nur in Paris so gut zubereitete Rheinkarpfen, gewisse helle Saucen, tiefrote Weine, die Tortenpyramiden, die dem Vetter Pons im gleichnamigen Roman und anderen Helden der "Comédie Humaine" Entzückensseufzer entlocken, seien mehr eine Augen- als eine Gaumenfreude, schreibt Anka Muhlstein. Vom üppigen Boeuf en Gelée der Köchin Françoise bei Proust, von der wollüstig abgeschäumten Marmelade des Schwesternkreises um Kitty in "Anna Karenina" sei bei Balzac keine Spur.

Ihn habe nicht der Geschmack der Dinge interessiert, sondern das Essen als Sittengemälde, stellt die Autorin fest. Dabei sei der Romancier selbst Asket wie Schlemmer gewesen, gibt sie zu. Wenn er schrieb, reichten ihm Wasser, etwas Obst, ein weiches Ei, mit Butter verrührte Sardinen, ein Stück Lammkeule und schwarzer Kaffee. Kaum war das Manuskript abgegeben, wurden aber Austern, Seezungen, gebratene Rebhühner, Lammkoteletts vom Pré-salé, Weinflaschen und Doyenné-Birnen nicht mehr gezählt. Balzac speiste nie gleichzeitig mit seinen Romanfiguren, erklärt Anka Muhlstein anmutig: entweder aß er oder aßen sie.

Die mit ihrem Mann Louis Begley in New York lebende Pariserin beschreibt mit ihrer "delikaten Biographie" hinter Balzac zugleich das Paris des frühen neunzehnten Jahrhunderts und die Art, wie die Romanfiguren sich darin bewegen. Der Schriftsteller war ein Draufgänger in allen Dingen, maßlos im Schreiben wie im Hungern und im Prassen. Wenn er in seinen Romanen so gern Essszenen beschrieb, dann vielleicht auch deshalb, weil das Internatskind von den Eltern nicht verwöhnt wurde und angesichts seines fast immer leeren Esskorbs wie der kleine Felix Vandenesse in "Die Lilie im Tal" von den Schulkameraden so oft hören musste: "Hast du denn gar nichts drin?". Zum Glück enthält sich die Autorin meistens solcher Erklärungsversuche. Sie beschreibt einfach feinsinnig, was sie von Balzacs Lebenszeit weiß und in den Romanen liest.

Ihre Anregung darf man aufgreifen: Die "Comédie humaine" lässt sich wie ein Guide Michelin des damaligen Paris lesen. Über vierzig Lokale kommen in Balzacs Romanzyklus vor. Mehr noch: Die große Epoche des französischen Romans habe überhaupt erst mit der Geburt des Restaurants begonnen, behauptet die Autorin. Das heißt nach der Revolution, als die Köche aus den Adelshäusern in der Stadt Garküchen einzurichten begannen. Dem Salon mit den passend ausgesuchten Gästen trat konkurrierend das Restaurant als ein Ort der Durchmischung und damit der ausgefallenen Geschichten zur Seite. Man konnte dort aber auch einsam seinem Kummer nachhängen, wie der junge Lucien de Rubempré aus "Verlorene Illusionen" das nach dem Bruch mit Madame de Bargeton zu Ostender Austern, Fisch, Rebhuhn, Makkaroni und Früchten im "Véry" tut, einem unterm Directoire von zwei Lothringern gegründeten Edellokal.

Ob auswärts oder am Familientisch, lag Balzac aber stets daran, das ganze Spektrum vom Luxus bis zum Elend darzustellen. In "Tante Lisbeth" drückt die ruinierte Baronin Hulot statt eines Diners einen kläglichen Hering herunter. Und natürlich war dem Autor klar, dass die Liebe durch den Magen geht, vor allem bei den Männern. Frauen würden, so schrieb er in "Die kleinen Nöte des Ehelebens", von ihren Miedern eingeengt, vor den scharfen Blicken und bösen Zungen ihrer Tischgenossinnen auf der Hut, eher das anmutige Essen in kleinen Häppchen mit erlesenen Weinen bevorzugen, das heißt Krebse schlürfen, überbackene Wachteln knabbern, einen Auerhahnflügel abdrehen. Die Männer hingegen geben bei Balzac sich gern dem Schlemmertum hin, besonders, wenn die Freuden im Ehebett abnehmen. Da kann, wie in der "Physiologie der Ehe" beschrieben, auch schon mal ein Gatte sich die vorgetäuschte Ahnungslosigkeit gegenüber dem Liebhaber seiner Frau durch mitgebrachte Trüffelpastete bezahlen lassen.

Die zahlreichen Zitate dieses Buchs sind nach der Art feiner Rezepte vermischt, die vereinzelten Thesen mit reizvollen Anekdoten sämig geschlagen, das solide Sachwissen über Autor, Werk und Epoche in fünf ausgewogene Kapitel tranchiert. Und die Erotik scheint als Vorfreude oder als Mangel nie weit weg. "Delikat" ist diese Biographie in der Tat, denn sie zerlegt das Klischee von der Unersättlichkeit Balzacs in all seine Nuancen und vermeidet es, mit massiver Sinnlichkeit aufzutrumpfen. Fast könnte man den zuweilen knurrenden Magen bei der Lektüre vergessen, was auch an der üppigen, aber nie überladenen Sprache der Übersetzerin liegt.

JOSEPH HANIMANN.

Anka Muhlstein: "Die Austern des Monsieur Balzac". Aus dem Französischen von Grete Osterwald. Arche Literatur Verlag, Zürich und Hamburg, 2011. 189 S., geb., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Anka Muhlsteins "delikate" Balzac-Biografie setzt dem Leser so manche Pariser Gaumenfreude vor, notiert Rezensent Joseph Hanimann mit knurrendem Magen. Balzac selbst habe nach der Beendigung eines Skripts stets fürstlich zu tafeln gewusst, erfahren wir, wenngleich er sich während der Arbeit eher in Askese übte und die Exzesse seinen Romanfiguren überließ. Genüsslich teilt Hanimann mit, was neben den titelgebenden Austern bei Monsieur Balzac, vor allem aber im Paris seiner Zeit sonst noch auf den Tisch kam. Denn Muhlsteins Eingebung, die "Comedie humaine" als Restaurantführer zu lesen, findet der Rezensent durchaus plausibel; ebenso ihre These, dass erst mit der nachrevolutionären Gar- auch die Gerüchteküche so richtig zu brodeln begann und letztlich dem französischen Roman eine Blütezeit bescherte. Vollmundig lobt Hanimann Muhlsteins Zubereitung des Stoffs: "In fünf ausgewogene Kapitel tranchiert" sei dieser, sparsam beigegebene Thesen würden "mit reizvollen Anekdoten sämig geschlagen".

© Perlentaucher Medien GmbH