Gesammelte Werke 02. Geschichte der Ewigkeit. Von Büchern und Autoren - Borges, Jorge Luis

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Band 2 der Werkausgabe vereint die berühmten Essaybände Borges': die Geschichte der Ewigkeit und Von Büchern und Autoren. Versammelt sind hier die bedeutenden poetologischen Texte über Die Metapher oder Die Übersetzer von Tausendundeiner Nacht und sein umfangreicher Kalalog der größten Werke der Weltliteratur.…mehr

Produktbeschreibung
Band 2 der Werkausgabe vereint die berühmten Essaybände Borges': die Geschichte der Ewigkeit und Von Büchern und Autoren. Versammelt sind hier die bedeutenden poetologischen Texte über Die Metapher oder Die Übersetzer von Tausendundeiner Nacht und sein umfangreicher Kalalog der größten Werke der Weltliteratur.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: 505/20682
  • 2. Auflage
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: 19. September 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 195mm x 125mm x 43mm
  • Gewicht: 530g
  • ISBN-13: 9783446206823
  • ISBN-10: 3446206825
  • Artikelnr.: 14150248
Autorenporträt
Borges, Jorge Luis
Jorge Luis Borges wurde 1899 in Buenos Aires geboren und starb 1986 in Genf. Sein erster Gedichtband erschien 1923. Borges erhielt zahlreiche internationale Ehrungen. Sein Gesamtwerk erscheint im Carl Hanser Verlag.
Rezensionen
Besprechung von 16.01.2006
Da schrumpft die Sphinx
Die gefangenen Texte des Jorge Luis Borges
Die „Obras completas”, die Borges am Ende seines Lebens in zwei Bänden versammelte, waren nicht vollständig. Nur einer kleinen Auswahl seiner Werke gestand er das Prädikat „completo” zu; nur sie waren nach seinem Maßstab vollendet, vollkommen. Borges’ Tod und wachsender Ruhm sorgten dafür, dass die versteckten, an unansehnlichen Orten publizierten Texte doch wieder ans Licht kamen; in den „Gesammelten Werken” der argentinischen wie der deutschen Ausgaben tauchen von Edition zu Edition immer mehr Werke auf.
Der neue Band der Hanser-Ausgabe, Essays aus den dreißiger Jahren, enthält neben der klassischen „Geschichte der Ewigkeit” für den Tag geschriebene Rezensionen, deren Wiederabdruck Borges erst spät und widerstrebend gestattet hatte. Der posthum erschienene Band hieß „Textos cautivos”, gefangene Texte. Gefangen waren sie in einer argentinischen Frauenzeitschrift, in der - zwischen Kochrezepten, Gesellschaftsnachrichten und Modevorschlägen - Borges jede zweite Woche eine Seite mit Nachrichten über die internationale Literatur der Zeit versah. Ob die Hausfrauen von Buenos Aires merkten, wie vorzüglich sie in knappen Artikeln über Joyce, Virginia Woolf, Kafka, Döblin, Valéry, Julien Green und hundert andere Autoren und Bücher unterrichtet wurden?
Nicht mehr gefangen, befreit aus der Zeitschrift und der Zeit, werden nun Borges’ Urteile über die Neuerscheinungen des Tags vom Gedächtnis der Literaturgeschichte bestätigt. Nicht alle Autoren, die er besprach, sind dem Leser heute noch bekannt, doch Borges’ Rezensionen über sie lohnen immer noch die Lektüre. Auch wer kein Buch von Louis Golding mehr zur Hand nimmt, wird aus Borges’ Überlegung, ob Wahnsinnige als Romanhelden taugen, eine neue Einsicht in die Bedingungen der literarischen Phantasie gewinnen. Wenige nur werden nach H. G. Wells’ Erzählung „The Croquet Player” suchen; aber in der einen Seite, die Borges diesem Werk widmet, steckt eine fundamentale Einsicht über die Eigenart der Poesie, die nicht vom Begriff, sondern von der Vorstellung lebt. Borges rekapituliert die Fabel von Ödipus und der Sphinx.
Mit Ödipus rettender Antwort „der Mensch” gibt sich Borges nicht zufrieden, da über dieser Lösung die Seltsamkeit des Rätselbildes verloren gehe. Wenn wirklich der Mensch jenes Tier ist, von dem die Sphinx redete, muss in unserer Phantasie ein Mischgebilde entstehen, im Widerspruch zur gewohnten Ordnung der Zoologie, in Übereinstimmung jedoch mit der poetischen Freiheit der Imagination: „Wer von uns begreift nicht sofort (Borges’ Höflichkeit unterstellt uns ein schmeichelhaftes Quantum an Scharfsinn), dass der nackte Begriff ‚Mensch‘ dem magischen Tier unterlegen ist, das die Frage uns ahnen lässt, und auch die Gleichsetzung des Menschen mit diesem Ungeheuer und der siebzig Jahre mit einem Tag und des Stocks der Greise mit einem dritten Fuß?” In den vertrauten Sätzen des Schulwissens entdeckt Borges’ verweilender Blick das Unvertraute, die Poesie.
Die Geschichte der Ewigkeit
In dem von Borges erfundenen Land Tlön gilt die Philosophie als eine Unterabteilung der phantastischen Literatur. In diesem Sinn expliziert der bedeutendste und bekannteste Essay dieses Bandes, mit dem paradoxen und desillusionierenden Titel „Geschichte der Ewigkeit”, eine Lieblingsidee der Theologen und Metaphysiker, die der Ewigkeit - um sie als Wunschtraum zu entzaubern und als poetische Konstruktion aufs Neue zu verzaubern. Denn gerade für den Ideenhistoriker, der allen Glauben an diese Idee einer überirdischen Dauer verabschiedet hat, erhalten die widerlegten und abgelegten Folgerungen der Philosophen einen neuen Wert als irreale, doch schlüssige Gebilde einer logisch operierenden Einbildungskraft.
Von der Ewigkeit will Borges nur wissen, was andere, die ebenso wenig von ihr wussten wie er selbst, über sie behauptet hatten. Doch endet sein Besuch im Museum der Ewigkeitsbilder, wie sie die griechischen Philosophen entworfen und die mittelalterlichen Scholastiker ausgemalt haben, überraschend mit dem Bericht über eine ganz persönliche Erfahrung von „Ewigkeit”. Eines Abends überkommt Borges zwischen Hauseingängen und Feigenbäumen in einer schäbigen Vorstadt von Buenos Aires das Gefühl, in eine frühere Epoche der Stadt und seines Lebens zurück versetzt zu sein. In diesem „wahrhaft ekstatischen Augenblick” drängt sich „die mögliche Anmutung von Ewigkeit” auf. „Ich fühlte mich tot, ich fühlte mich als abstraktes Wahrnehmungsorgan der Welt: unbestimmte Furcht, durchtränkt von Wissen, das beste Licht der Metaphysik. Ich glaubte keineswegs, ich sei die so genannten Wasser der Zeit hinaufgeschwommen; eher hatte ich mich im Verdacht, als sei ich Inhaber der entgleitenden oder abwesenden Bedeutung eines unfassbaren Wortes ‚Ewigkeit‘”. Dem skeptischen Dichter fällt es leichter, auf die Ewigkeit zu verzichten als auf das Wort „Ewigkeit”. Borges’ Essays lehren, wie viel „Anmutung” in Wörtern liegt, die viel versprechen und wenig halten: in den Wörtern, die nur Dichtung sind. HEINZ SCHLAFFER
JORGE LUIS BORGES: Geschichte der Ewigkeit. Von Büchern und Autoren. Aus dem Spanischen übersetzt von Karl August Horst und Gisbert Haefs. Carl Hanser Verlag, München 2005. 507 Seiten,. 29,90 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

" Viele Stunden "im Zustand des höchst amüsierten und beglückten Interesses" gibt Rezensent Michael Maar mit diesem "bezwingenden" Essayband zu Protokoll. Zur Rezeptur des "mysteriösen Magnetismus'" von Luis Borges zählt Maar besonders dessen Gespür für Qualität, Komik und Selbstironie. Entscheidend findet er aber den erzählerischen Habitus der Essays und die Tatsache, dass Borges darin"ernst seinen Themen gegenüber", aber unernst gegen sich selber ist. Aber auch die idealistische Suche dieses Autors nach den Irrealitäten der Welt ließ dem Rezensenten immer wieder lustvoll "den Kopf schwirren". Außerdem zeigten die in diesem Band versammelten Texte dem Rezensenten, "wie riesig der Radius" gewesen sei, den Borges mit seinen "geistigen Tentakeln" abgetastet habe. Kabbala und Dante seien ihm so vertraut gewesen "wie die sublimsten Autoren der Avantgarde" oder "die Geschichte des argentinischen Tangos", der Maar zufolge einer der schönsten Texte des Bandes gilt. Auch Übersetzung und Kommentierung des Bandes findet der Rezensent rühmenswert.

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