Der Verfolger - Cortazar, Julio
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"Der Verfolger", so heißt Julio Cortázars meisterhafte Erzählung "in memoriam Charlie Parker", in der ein Musikkritiker Leben und Ansichten des Saxophonisten Johnny Carter, der in seiner Kunst ein rücksichtsloser "Verfolger" des Absoluten ist, mit zweifelnder Bewunderung zu schildern versucht. Er erlebt die Exaltiertheit eines Musikers, der in der Musik die Unmöglichkeit zu leben ausdrückt und damit den unauflösbaren Widerspruch darstellt, der zu seinem langsamen Verfall führt. Unverstanden, selbst von seinen besten Freunden, treibt er sich zu stets neuen, nie gehörten Höhepunkten, während es ihm im Grunde um etwas ganz anderes geht.…mehr

Produktbeschreibung
"Der Verfolger", so heißt Julio Cortázars meisterhafte Erzählung "in memoriam Charlie Parker", in der ein Musikkritiker Leben und Ansichten des Saxophonisten Johnny Carter, der in seiner Kunst ein rücksichtsloser "Verfolger" des Absoluten ist, mit zweifelnder Bewunderung zu schildern versucht. Er erlebt die Exaltiertheit eines Musikers, der in der Musik die Unmöglichkeit zu leben ausdrückt und damit den unauflösbaren Widerspruch darstellt, der zu seinem langsamen Verfall führt. Unverstanden, selbst von seinen besten Freunden, treibt er sich zu stets neuen, nie gehörten Höhepunkten, während es ihm im Grunde um etwas ganz anderes geht.
  • Produktdetails
  • suhrkamp taschenbuch 2319
  • Verlag: Suhrkamp
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 99
  • Erscheinungstermin: August 1994
  • Deutsch
  • Abmessung: 182mm x 112mm x 15mm
  • Gewicht: 106g
  • ISBN-13: 9783518388198
  • ISBN-10: 3518388193
  • Artikelnr.: 24528330
Autorenporträt
Cortázar, Julio
Julio Cortázar wurde am 26. August 1914 in Brüssel geboren. Mit seinen argentinischen Eltern zog er im Alter von vier Jahren in einen Vorort von Buenos Aires. Er absolvierte dort an einer sogenannten »Escuela Normal« eine Ausbildung zum Grundschullehrer und nahm ein Universitätsstudium auf, das er aber er aus finanziellen Schwierigkeiten frühzeitig abbrechen musste. Er arbeitete dann als Lehrer in verschiedenen Provinzschulen und begann in dieser Zeit, sich ernsthaft dem Schreiben zuzuwenden. 1938 erschien ein erster Gedichtband, und 1944 veröffentlichte er seine erste Erzählung in einer Zeitschrift. Im selben Jahr erhielt er an der Universität von Mendoza (Argentinien) eine Dozentur für französische Literatur, aber schon 1946, aus Protest gegen den Wahlsieg Peróns, legte er sein Lehramt nieder. Er veröffentlichte weiter in Zeitschriften, ließ sich zum Übersetzer für Englisch und Französisch ausbilden und erhielt 1951 ein Stipendium des französischen Staates. Er ging nach Paris, wo er bis 1974 als Übersetzer für die UNESCO tätig war. In Paris verfasste er 1963 auch den Roman Rayuela (dt. Rayuela. Himmel und Hölle), der in den sechziger Jahren zum »Kultbuch« einer ganzen Generation von Intellektuellen und Studenten wurde. In Rayuela thematisiert er in provokanter Weise den künstlerischen Schaffensprozess, indem er neben der Handlung selbst »entbehrliche« Kapitel, wie er sie nennt, einfügt, in denen er die ästhetischen Prämissen des Buchs diskutiert. Seit Mitte der sechziger Jahre erschienen erste Übersetzungen seiner Erzählungen ins Englische, Französische, Italienische und Deutsche, und sein internationaler Ruf begann stetig zu wachsen. Es sind vor allem seine Erzählungen (die deutsche Gesamtausgabe, Die Erzählungen, erschien 1998 bei Suhrkamp), die Cortázar bald zu einem der originellsten und kreativsten Autoren Lateinamerikas machten. Seit den sechziger Jahren engagierte sich Cortázar, wie viele lateinamerikanische Intellektuelle, zunehmend politisch, unterstützte die kubanische Revolution, die Regierung Allendes und später auch die sandinistische Revolution in Nicaragua. Sein Gesamtwerk umfasst außer Romanen und Erzählungen auch Theaterstücke, Lyrik und verschiedene Bände mit Kurzprosa; es weist ihn als einen der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts aus. Julio Cortázar starb am 12. Februar 1984 in Paris.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.11.2006

Ein kranker Engel pustet ins Rohr
Cortazárs „Verfolger” als CD
Sie heißen „Johnny”, „Baby Lennox” oder einfach nur „Art”. Sie kommen aus Chicago oder New York und wohnen für ein oder zwei Saisons in Paris. Sie rauchen Gauloises, natürlich, trinken Nescafé mit Rum und, das ist das Wichtigste, sie machen Jazz. „Kranke Engel” werden sie von Bruno genannt. Er, der Musikkritiker und Erzähler aus Cortazárs Prosastück „Der Verfolger” von 1958, ist der swingenden und schwindelnden Halbwelt verfallen, ohne dass er wirklich zu ihr gehören würde. Als Journalist und Biograf des größten Saxophonisten der Zeit, Johnny Carter, kommt ihm die Rolle des Schreibers zu, der Part des Denkers. Aber mit seinen Worten hinkt eer hinterher und schafft es nicht, den Kosmos der jagenden Synkopen vollständig einzufangen.
Auf der ehrgeizigen Produktion fürs Ohr, die zu zwei Dritteln die Erzählung und zu einem Drittel Jazzmusik selbst bietet, spricht Gert Heidenreich diesen Bruno und damit alle anderen Personen gleich mit. Er tut das ohne große Verrenkungen in der Stimme, wenn überhaupt, dann setzt er seinen Akzent an den richtigen Stellen, verrät niemals die Coolness des Jazz und sorgt damit für ein Hörbuch aus einem Guss. Am deutlichsten zeigt sich Heidenreichs Erzählkunst darin, dass er selbst in längere Dialoge die Spannung zwischen den Gesprächspartnern hält und dabei keine vokalen Volten schlagen muss. Das verdient vor allem deshalb Anerkennung, weil die wirren Ausführungen des verwahrlosten Saxophonisten Johnny die Gefahr einer pathetischen Übertreibung in sich bergen.
Heidenreich erliegt ihr nicht, und so erscheint Johnny als das, was er ist: eine gebrechliche Person, ständig im Straucheln, aber schon während des Fallens wieder auf dem Weg nach oben. Es gibt Zeiten, da zieht er öfters an der Haschischtüte, als er ins Saxophon pustet. An einem dieser Tage sitzt er in seinem Hotelzimmer, zeigt sich nackt und besoffen. Sein Instrument, wenn es überhaupt sein eigenes war, hat er in der Metro vergessen. Aber zum Spielen würde er im Moment sowieso nicht kommen, den er sinniert über die Zeit und die Möglichkeit, sie musikalisch zu durchbrechen. Die psychiatrische Klinik hat er schon hinter sich, aber die großen Auftritte immer noch vor sich. Nur drei Tage später, Bruno hat ihm ein neues Saxophon besorgt, wir er im Studio eine grandiose Einspielung besorgen.
Bruno verehrt Johnny wie einen Heiland, einen, der das ganze Leiden an Krankheit und Wahnsinn auf sich nimmt, um die Zuhörer mit seinem Spiel zu erlösen. Nur kann er das, was den Musiker umtreibt, nicht in seinen Worten erfassen. Die Sprache reicht nicht heran an das, was Johnny in seiner Musik verfolgt: die Zeit aufhalten, eine ganz neue Zeit finden, und vor allem, sich selbst verlassen. Es ist Johnny selbst, der es schafft, sein Streben für einen Augenblick im poetischen Bild zu fassen. Im wahrhaft faustischen Bild, wenn er verkündet: „Ich will ohne Wasser schwimmen.” Misslingt dies, dann war die Musik nur Trugbild. Und so erscheint sie ihm auch am Ende, als eine Täuschung des Genuss, der einzig noch mephistophelischer Nihilismus folgt. Er wirft Bruno vor: „Das Schlimmste ist, das du vergessen hast, in deinem Buch zu erzählen, dass ich nichts wert bin.”
In der zweiten Auflage wird der Kritiker nichts an seinem Werk verändern, keinesfalls den Versuch unternehmen, Musik und Musiker irgendwo anders als in einem theoretischen und musikgeschichtlichen System unterzubringen. Dabei wusste er schon zu Beginn seines Erzählens einen Weg, auf dem man vielleicht Musik und Künstler greifen könnte. Beim einem Besuch im dunklen Hotelzimmer war ihm klar geworden: Es gilt das grelle Licht der nackten Glühlampe zu löschen, um Johnny Carter besser zu sehen. Als Autor greift Bruno nicht auf diese literarische Verdunklungstaktik zurück.
Insofern ist es auch nur konsequent, wenn das Hörbuch selbst mit seinen insgesamt drei CDs die Musik weiterhin vom Wort getrennt hält und auf einen eigenen Tonträger verbannt. Dort sind insgesamt neun furiose Stücke versammelt, darunter einige von Charlie Parker. Vor Publikum eingespielt wurden sie von Charlie Mariano am Saxophon und Dieter Illg am Kontrabass. Das Wundersame liegt nun darin, dass man die Musik auflegen kann, völlig losgelöst von der Erzählung, aber dabei immer verfolgt sein wird von Johnny Carters heiseren Tönen und ihrem lichten Wahn.
CHRISTOPH SCHMAUS
Julio Cortazar
Der Verfolger
Gelesen von Gert Heidenreich. Mit Musik von Charlie Parker. Gugis Hörbücher, Lahr 2006. 225 Minuten, 24,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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"Eine Prosa, die die Sprache hüpfen, tanzen und fliegen lässt." (Octavio Paz)

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Auf Gert Heidenreich, der alle Personen von Julio Cortazars Roman "Der Verfolger" selbst spricht, ruht diese Hörspielproduktion. Und sie ruht gut, wie Christoph Schmaus versichert. Heidenreich bleibt souverän, erhebt nie die Stimme, "verrät niemals die Coolness des Jazz" und verschafft dem Rezensenten damit ein Hörerlebnis wie "aus einem Guss". Selbst in langen Dialogen mit mehreren Beteiligten gerate Heidenreich nie aus dem Tritt. Dass die Musik auf einer eigenen CD kommt, hält Schmaus für die richtige Entscheidung. Ihn beschäftigt jedenfalls die Geschichte auch noch, wenn er nur die Musik hört.

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