Arbeit poor - Ehrenreich, Barbara

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Die Dienstleistungsgesellschaft ist unsere Zukunft, heißt es. Barbara Ehrenreich hat diese Welt des Jobwunders erkundet. Um herauszukriegen, wie man im sogenannten "Niedriglohnsektor" lebt, ließ sie sich als Zimmermädchen anstellen, arbeitete als Serviererin, als Altenpflegerin und als Verkäuferin. Sie erfuhr, dass bei Einstellungen von Persönlichkeits- und Drogentests, kaum aber von Stundenlohn gesprochen wird, stellte fest, wieviel Kenntnisse auch die angeblich einfachen Tätigkeiten erfordern und wie schnell der Mut verloren geht, sich gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen zur Wehr zu setzen.…mehr

Produktbeschreibung
Die Dienstleistungsgesellschaft ist unsere Zukunft, heißt es. Barbara Ehrenreich hat diese Welt des Jobwunders erkundet. Um herauszukriegen, wie man im sogenannten "Niedriglohnsektor" lebt, ließ sie sich als Zimmermädchen anstellen, arbeitete als Serviererin, als Altenpflegerin und als Verkäuferin. Sie erfuhr, dass bei Einstellungen von Persönlichkeits- und Drogentests, kaum aber von Stundenlohn gesprochen wird, stellte fest, wieviel Kenntnisse auch die angeblich einfachen Tätigkeiten erfordern und wie schnell der Mut verloren geht, sich gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen zur Wehr zu setzen. "Ein mutiges und offenes Buch, eine Herausforderung." Naomi Klein
  • Produktdetails
  • Verlag: KUNSTMANN
  • Neuauflage, Nachdruck
  • Seitenzahl: 253
  • Erscheinungstermin: September 2001
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 142mm x 30mm
  • Gewicht: 421g
  • ISBN-13: 9783888972836
  • ISBN-10: 3888972833
  • Artikelnr.: 09792177
Rezensionen
Besprechung von 11.02.2002
Kehrseite des Jobwunders
Putzen und Pflegen ohne Pause - Niedriglohnjobs in Amerika

Barbara Ehrenreich: Arbeit poor - Unterwegs in der Dienstleistungsgesellschaft. Verlag Antje Kunstmann, München 2001, 254 Seiten, 18,90 Euro.

Unterwegs in der Dienstleistungsgesellschaft: der Untertitel von Barbara Ehrenreichs neuem Buch liest sich wie die Überschrift zu einer fröhlich-unbeschwerten Episode. Was auf den Leser aber wartet, ist eine aufrüttelnde Reportage über die unbarmherzige Wirklichkeit des amerikanischen Niedriglohnsektors. Barbara Ehrenreich, eine in den Vereinigten Staaten bekannte Kolumnistin, schleust sich inkognito in die Welt jedes dritten Amerikaners ein, der für Stundenlöhne von 8 Dollar und weniger arbeitet. Sie entlarvt den amerikanischen Traum vom Aufstieg eines Tellerwäschers zum Millionär als reine Utopie und zerrt die Schattenseite des vermeintlichen Jobwunders unter der Clinton-Regierung zutage.

Zweimal heuert die Autorin, die sich unter anderem mit feministischen Abhandlungen einen Namen gemacht hat, als Kellnerin in Schnell-Restaurants an, putzt für einen Dienstmädchen-Service private Wohnungen, versorgt Alzheimer-Patienten in einem Pflegeheim und räumt Regale für die Supermarktkette Wal-Mart ein. Diese Arbeiten bringen sie an den Rand ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Trotzdem reicht das Geld kaum für Essen und die Uniform, geschweige denn für eine einfache Wohnung, auch wenn sie zeitweise zwei Jobs gleichzeitig annimmt. Jeder fünfte Amerikaner ohne festen Wohnsitz geht einer Voll- oder Teilzeitarbeit nach, heißt es dazu nüchtern im Anhang des Buches, der den Bericht mit aufschlußreichen statistischen Daten untermauert.

Schwerer noch als die finanziellen Schwierigkeiten wiegt für Barbara Ehrenreich allerdings das Bewußtsein, zum reinen Inputfaktor degradiert zu werden. Ihr Einsatz wird mit "Zeit-Bewegungs-Analysen" optimiert, ihre Kosten gegen die Kosten von Einsatzfaktoren wie Putzmittel abgewogen. Krankenversicherungen oder Pausenzeiten sind Fremdworte. Ihre Person selbst wird für Arbeitgeber, Kunden und die Außenwelt unsichtbar, und zwar paradoxerweise genau dann, wenn sie ihre schreiend gelb-grüne Putzfrauen-Uniform anlegt.

In dieser Arbeitswelt, die sie als unmenschlich empfindet, stellt die Autorin auch bei sich selbst Veränderungen fest: "Ich habe mich auf dieses Abenteuer aus wissenschaftlicher Neugier eingelassen, um eine mathematische Hypothese zu überprüfen, aber irgendwann auf diesem Weg hat sich das Experiment in einen Test für mich selbst verwandelt. Und den habe ich eindeutig nicht bestanden." Ohne Protest nimmt die sonst streitbare Verfechterin sozialer Rechte etwa zur Kenntnis, wie Arbeitnehmerrechte verletzt werden. "Etwas ekelhaft Serviles hatte sich an mich geheftet", schreibt sie. Trotz ihrer Absicherung spürt sie selbst die ständige Angst der Kollegen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren und sich auf eine neue Bewerbungstortur einlassen zu müssen.

Ehrenreichs Experiment zeigt nicht nur, wie die Menschenwürde im amerikanischen Niedriglohnsektor verletzt wird. Auch die Gesetze der Marktwirtschaft sind offenkundig außer Kraft gesetzt. So fragt sich der Leser mit der Autorin, weshalb die Löhne bei einer zunehmenden Nachfrage nach Arbeitskräften nicht steigen, sondern im Gegenteil sogar weiter sinken. Die These der Autorin ist überraschend einfach: Wenn die Angestellten zuwenig verdienen, um ihren Lebensunterhalt mit einer Stelle zu sichern, sind sie gezwungen, gleich mehrere Jobs anzunehmen - und befriedigen so die hohe Nachfrage."

"Arbeiten poor" ist nicht nur eine spannende, spritzig geschriebene Lektüre. Das Buch enthält - wie der Titel verspricht - eine fundierte Analyse der Situation der arbeitenden Armen in den Vereinigten Staaten und sollte vor allem dringend von jenen zur Kenntnis genommen werden, die im amerikanischen Modell Lösungen für die deutschen Beschäftigungsprobleme suchen.

CLAUDIA BRÖLL

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Arbeit pur
Seit Millionen Ex-Sozialhilfe-Empfänger auf den Arbeitsmarkt drängen, blüht in den USA das Jobwunder, der Arbeitsmarkt ist Ende der 90er Jahre fast leer gefegt. Ist das die Lösung? Wie leben die Leute am unteren Rand des Einkommens-Spektrums? Die amerikanische Journalistin Barbara Ehrenreich hat die Lebens- und Arbeitsbedingungen der "working poor" im Selbstversuch kennen gelernt und in ihrer Sozialreportage Arbeit poor. Unterwegs in der Dienstleistungsgesellschaft detailliert beschrieben.
Servieren in Florida. Schrubben in Maine. Verkaufen in Minnesota
Das sind die Stationen in Barbara Ehrenreichs Karriere. Mit einem Startkapital, das ihr die Miete für den ersten Monat sichert, macht sie sich an ihr Projekt. Ihr Ziel: Sie will am eigenen Leib herausfinden, ob und wie sie es schafft, sich einen oder mehrere Jobs zu besorgen und mit dem verdienten Geld über die Runden zu kommen. Dabei durfte sie auf keinerlei berufliche oder akademische Kenntnisse zurückgreifen. So gab die Mittfünfzigerin an, sie suche eine Arbeit, da ihre Kinder jetzt erwachsen und sie von ihrem Mann geschieden sei.
Schon bereits bei ihrer ersten Anstellung muss sie einsehen, dass sie mit nur einem 8-Stunden-Job finanziell nicht auskommt. Also nimmt sie einen zweiten Vollzeit-Job an... Nach jeweils einem Monat erklärt sie das Experiment an diesem Ort für beendet und macht sich in einem anderen Landesteil auf Jobsuche - jedes Mal in einer anderen Dienstleistungs-Branche.
Barbara Ehrenreich erlebte eine Arbeitswelt, wie sie die europäische Mittel- und Arbeiterschicht nicht kennt. Keine festen Pausen, keine Privatsphäre, eklatante Mängel bei der medizinischen Versorgung, fehlende Arbeitsschutzbestimmungen - diese Negativ-Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Doch das schlimmste ist die unerhört niedrige Bezahlung, dazu kommen horrend hohe Mieten für Trailer oder verdreckte Zimmer mit Kochplatte - eine andere Behausung kann sich ein "working poor" ohnehin nicht leisten. Dabei sind die Tätigkeiten, die so schlecht bezahlt werden, nicht einfach. Sie verlangen jede Menge Konzentration und vor allem die Fähigkeit physisch durchzuhalten - "durcharbeiten" fordert ein Putz-Manager, wenn es darum geht, chronische Schmerzen einfach wegzustecken.
Warum suchen sich diese Leute keinen anderen Job?
Barbara Ehrenreichs Erklärung lautet: Die Menschen sind bereits zu weit unten angekommen. Viele haben Kinder zu versorgen und müssen jeden Tag mühsam organisieren, die Wege zur Arbeit sind weit, und ein Auto kann sich kaum jemand leisten. Dazu kommt, dass niemand in den USA preisgibt, wieviel er verdient. Wer will da irgendetwas riskieren?
Arbeit poor. Unterwegs in der Dienstleistungsgesellschaft ist ein außergewöhnlich engagierter Erfahrungsbericht, der einen authentischen Einblick in eine Welt gibt, die die Wohlhabenden nicht sehen wollen. Vor allem auf eines macht Barbara Ehrenreich aufmerksam: Diese Menschen arbeiten nicht weniger, sie sind auch nicht dümmer als andere. Sie stammen nur aus einer anderen Schicht, hatten von Anfang an die schlechteren Karten. So ist es nur eine Frage der Zeit, wann diese Menschen bereit sein werden, den gerechten Lohn für ihre Arbeit einzufordern. Sie haben ihn sich ehrlich verdient! (Birgit Kuhn)
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Lutz Ellrich bespricht dieses Buch von Barbara Ehrenreich, das sich mit der "Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit" der Vollbeschäftigung in Amerika auseinandersetzt. In "flotter, oft witziger Prosa" schildere die Autorin die Erfahrungen, die sie gemacht habe, als sie sich zum Zwecke der Recherche im Niedriglohnsektor verdingte. Trotz des einzigen Vorwurfs, den Ellrich dem Buch macht, nämlich dass es teils "etwas narzisstisch geraten" sei, zeigt sich der Rezensent durchaus beeindruckt von der Art, in der die Autorin zu ihrem Fazit kommt: "Die freiheitlichste Nation der Erde ist eine tief gespaltene Gesellschaft".

© Perlentaucher Medien GmbH