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Bewertung von solveig

Es ist der Abend vor der Beerdigung seines Freundes Max, an dem Fred Moorman zum „Archäologen seiner eigenen jüngsten Vergangenheit“ wird. Auf der Suche nach geeigneten …


    Buch

9 Kundenbewertungen

Spießer trifft Mafiaboss: eine brillante Tragikomödie über eine ungleiche Freundschaft
Fred Morman ist Ende vierzig und träumt von einem schwarzen Jeep Cherokee und einem neuen Freundeskreis. Sein Leben ist zum Stillstand gekommen und ödet ihn an. Er redet nur noch über tilgungsfreie Darlehen und Cruise Control, für seinen vierzehnjährigen Sohn ist er schon lange kein Held mehr, und seine Frau denkt laut darüber nach, wie ihr Leben ohne ihn aussehen könnte. In dieser Midlife-Crisis trifft er zufällig Max G. wieder, einen alten Schulkameraden. Max hat scheinbar alles, was Fred nicht hat:…mehr

Produktbeschreibung
Spießer trifft Mafiaboss: eine brillante Tragikomödie über eine ungleiche Freundschaft

Fred Morman ist Ende vierzig und träumt von einem schwarzen Jeep Cherokee und einem neuen Freundeskreis. Sein Leben ist zum Stillstand gekommen und ödet ihn an. Er redet nur noch über tilgungsfreie Darlehen und Cruise Control, für seinen vierzehnjährigen Sohn ist er schon lange kein Held mehr, und seine Frau denkt laut darüber nach, wie ihr Leben ohne ihn aussehen könnte. In dieser Midlife-Crisis trifft er zufällig Max G. wieder, einen alten Schulkameraden. Max hat scheinbar alles, was Fred nicht hat: Mumm, Durchsetzungsvermögen, ein schillerndes Leben. Die beiden freunden sich wieder an und Max hilft, wo er kann - nicht immer legal, oft auch unaufgefordert, aber immer erfolgreich. Fred scheint damit kein Problem zu haben, bis Max bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch in einer Art Mafia-Aktion erschossen wird und die ungleiche Freundschaft plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheint. Ein hochspannender, witziger und zynischer Roman, der in die Unterwelt Amsterdams führt.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 07.12.2013

Ein Menschenfeind hat immer gut reden
Herman Kochs boshafter Roman "Odessa Star"

Die Empfindlichkeit gegenüber Zynismus wächst, je korrekter es in der Welt zugehen möchte. Gewisse Witze über Minderheiten werden heute ja kaum noch hinter vorgehaltener Hand geraunt. Die negativen Affekte dürften aber kaum geringer geworden sein. Der niederländische Schriftsteller Herman Koch hat die Kluft, die sich da auftut, zu seinem literarischen Arbeitsgebiet gemacht. Sein neuer Roman "Odessa Star", im Original bereits vor zehn Jahren erschienen, ist eine Schule der Gehässigkeit.

Man könnte auch sagen: "Breaking Bad" in der Spielart von Amsterdam-Watergraafsmeer. Fred Moorman ist ein Mann in schwerer Midlife-Crisis, siebenundvierzig Jahre alt, Fahrer eines (ihn zumindest) demütigenden Kleinwagens, in den Augen seiner Frau und seines pubertierenden Sohnes schon lange kein Held mehr. Er ist so unzufrieden mit seinem Leben, dass kleinste Anlässe genügen, um bei ihm kollernde Anfälle von Menschenhass auszulösen. Auch wenn Moorman äußerlich mit einem Lächeln gerade noch die Fassade wahrt, sein Innenleben gleicht einem Tarantino-Massaker.

Dabei ist er offenbar einigermaßen wohlhabend. Zwar wird sein Beruf nicht erwähnt, womöglich ist er ein Nichtstuer wie sein nervtötender Schwager, der seine Tage mit dem Legen fünftausendteiliger Puzzles verbringt. Immerhin aber hat er mit seiner Frau ein größeres Haus gekauft. Leider ist die Wohnung unter ihnen derzeit noch vermietet an die alte, kranke Frau de Bilde, die ihren Hund nicht mehr ausführen kann. Das Tier setzt seinen Kot notgedrungen in Haus und Garten ab. Das stinkt Moorman gewaltig, zumal er selbst gern den Garten nutzen würde, der aber nun einmal zur Parterrewohnung der Seniorin gehört.

Da trifft es sich gut, dass Moorman eines Tages seinen alten Schulfreund Max G. wiedertrifft: Angeberwagen, Frau wie eine Trophäe, alphamännliches, brutales Auftreten. Mad Max ist offenbar eine Größe in der Amsterdamer Unterwelt; der Roman begnügt sich mit Andeutungen des Mafiösen, osteuropäisch Verruchten. Moorman jedenfalls ist beeindruckt. Endlich sieht er die Gelegenheit gekommen, sein Leben in eine andere, breitere Spur zu bringen. Er drängt sich Max G. geradezu auf mit seiner alten Freundschaft und seinen neuen Problemen, allen voran der stechende "Kamelgeruch", der aus der Parterrewohnung dringt und sein Leben imprägniert hat. Bei Max G. sind Todeswünsche gut aufgehoben. Als die Moormans aus dem Urlaub zurückkehren, ist Frau de Bilde wie vom Erdboden verschluckt.

Herman Koch, Jahrgang 1953, besitzt einen Ruf als Hollands Houellebecq. Sein Roman "Angerichtet" über die Kollision zweier Brüder und das Verbrechen ihrer Söhne wurde in ganz Europa und den Vereinigten Staaten zum Bestseller. Das Ungemütliche an seinen Büchern besteht darin, dass er sehr ambivalente Erzähler-Stimmen konstruiert: Männerfiguren mit starken Meinungen und psychischem Getriebeschaden. Ein Menschenfeind hat ja immer gut reden; als Leser folgt man ihm amüsiert eine Weile und rutscht so unversehens ins Gebiet des Unkorrekten. Ist das noch eine starke satirische Beschreibung (etwa der belgischen Seniorenkohorten oder der englischen Essensgewohnheiten) oder schon ein akuter Verstoß gegen die Menschenwürde?

In "Odessa Star" hat Koch die Technik des gleitenden Übergangs allerdings noch nicht so subtil entwickelt wie in "Angerichtet" und "Sommerhaus mit Swimmingpool". Während die Ich-Erzähler in jenen Büchern sehr nachvollziehbare Ressentiments pflegen und kluge Bösartigkeiten von sich geben, verselbständigt sich in "Odessa Star" die Gehässigkeit und bringt unappetitliche Wucherungen hervor. Das Sexualleben eines Französischlehrers wird in physischen Details imaginiert, auf die man hätte verzichten können. Gern stellt sich Moorman auch in gestochen scharfen Bildern vor, wie die unförmige Tochter Frau de Bildes einst von ihrem Vater gezeugt wurde, der sich bald darauf aus dem Staub machte: Ein Moment absurder Lust wäre es demnach gewesen. Bei wirklich jeder Gelegenheit lässt Moorman den inneren Hassprediger von der Leine. Gar nicht beruhigen kann er sich über einen Jungen mit Down-Syndrom, der seine Urlaubslaune auf Menorca beeinträchtigt.

Literarisch induziert sind diese Ein- und Ausfälle nur zum Teil, und man kann auch nicht sagen, dass hier dem "im Hals steckenbleibenden" Lachen gefrönt wird, dazu sind die Tiraden meist zu wenig originell. Dient das Ganze dazu, Fred Moorman als Vertreter einer haltlos gewordenen Mittelschicht zu entlarven? Das wäre zwar eine überaus plakative Moral, aber schließlich geht es auch in "Breaking Bad" darum, die Scheidewand zwischen bürgerlichem Milieu und Unterwelt aufzuweichen und das Böse in die Existenz eines vermeintlichen Durchschnittsmanns einsickern zu lassen. Nur tut sich Koch schwerer damit, diese Grundidee in eine plausible, im Sinn der Komödie ergiebige Handlung einzukleiden. Max G. verlangt von Moorman schließlich Gegenleistungen für die hilfreichen Eingriffe in seinen Alltag. Bei einem großangelegten Betrug im Quiz-Spektakel "Wer wird Millionär" soll er den allwissenden Kandidaten mimen. Es kommt anders, kommt immer skrupelloser, und am Ende wird die Charakterstudie eines fiesen Mannes zum Thriller mit Kopfschüssen. Der innere Tarantino bekommt seinen Auslauf.

Auch wenn "Odessa Star" schwächer ist als Kochs spätere Werke, sind deren Qualitäten bereits zu erkennen: die Kreuzung von Familienroman und Thriller, die raffiniert verschachtelte Erzählkonstruktion, die Andeutungstechnik. Und natürlich das Stilmittel des unzuverlässigen Erzählers, der zuverlässig seine Unzulässigkeiten von sich gibt.

WOLFGANG SCHNEIDER

Herman Koch: "Odessa Star". Roman.

Aus dem Niederländischen von Christiane Kuby. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013. 320 S., geb., 19,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Am Ende lässt Herman Koch sein Giftsüppchen aus bürgerlicher Verklemmtheit und kriminellem Größenwahn brillant überkochen." Hartmut Wilmes Kölnische Rundschau 20140103

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Wolfgang Schneider freut sich, dass Herman Kochs bereits vor zehn Jahren in Holland erschienener Roman "Odessa Star" nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt. In gewohnt zynischer und wunderbar ungemütlicher Manier erzähle Koch von einem höchst unzufriedenen Familienvater in der Midlife-Crisis, dessen Innenleben der Kritiker mit einem "Tarantino-Massaker" vergleicht und der sich von der Wiederbegegnung mit seinem kriminellen Jugendfreund Max G. die Flucht aus dem tristen Mittelschichts-Dasein erhofft. Auch wenn der Rezensent sich bei der Lektüre bestens amüsiert, muss er gestehen, dass die Gehässigkeiten und Geschmacklosigkeiten des Ich-Erzählers nicht so klug und nachvollziehbar beschrieben werden wie in den beiden Nachfolge-Romanen. Obwohl Schneider darüber hinaus auch Kochs Originalität vermisst, entdeckt er bereits in diesem frühen Werk das Talent des Autors für intelligent verwobene Erzählkonstruktionen und leise Andeutungen.

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