Die Fahrt der Argonauten - Apollonios von Rhodos
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Die 'Argonautika' sind nach 'Ilias' und 'Odyssee' das bedeutendste uns überlieferte griechische Epos; fast jeder der knapp 6000 Verse spiegelt die Auseinandersetzung mit den beiden älteren Vorbildern. Das Werk schildert die abenteuerliche Fahrt des Iason und seiner Gefährten nach Kolchis, den Gewinn des Goldenen Vlieses sowie die nicht minder gefahrvolle Rückkehr der "Argo" nach Griechenland. Die neue Prosaübersetzung ist ausführlich kommentiert.…mehr

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Produktbeschreibung
Die 'Argonautika' sind nach 'Ilias' und 'Odyssee' das bedeutendste uns überlieferte griechische Epos; fast jeder der knapp 6000 Verse spiegelt die Auseinandersetzung mit den beiden älteren Vorbildern. Das Werk schildert die abenteuerliche Fahrt des Iason und seiner Gefährten nach Kolchis, den Gewinn des Goldenen Vlieses sowie die nicht minder gefahrvolle Rückkehr der "Argo" nach Griechenland. Die neue Prosaübersetzung ist ausführlich kommentiert.

  • Produktdetails
  • Reclams Universal-Bibliothek 18231
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Seitenzahl: 592
  • Erscheinungstermin: Dezember 2002
  • Deutsch, Altgriechisch
  • Abmessung: 149mm x 95mm x 27mm
  • Gewicht: 270g
  • ISBN-13: 9783150182314
  • ISBN-10: 315018231X
  • Artikelnr.: 10722783
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.02.2003

Letzte Ausfahrt Kolchis
Arme Medea: "Die Fahrt der Argonauten" in neuer Übersetzung

Was die Biographie des Apollonios von Rhodos angeht, sind nur wenige Angaben gesichert. Den antiken Quellen zufolge soll er in Alexandria geboren sein, wo er als Schüler des berühmten Kallimachos an der Bibliothek des Museion gewirkt hat. Daß er ein poeta doctus par excellence war, merkt man seinem erhaltenen Hauptwerk an, dem Epos über die Fahrt der Argonauten nach Kolchis, wo ihr Anführer Iason mit Hilfe der Zauberkünste Medeas den Auftrag seines königlichen Onkels Pelias ausführt und das Goldene Vlies raubt. Den Beinamen "aus Rhodos" erklären die Vitae, die zusammen mit den griechischen Handschriften überliefert sind, etwas fadenscheinig damit, daß Apollonios, enttäuscht von dem zunächst geringen Widerhall auf sein Epos in Alexandria, nach Rhodos fortgezogen sei. Womöglich ist der Autor aber doch von der Insel gebürtig.

Auch das dichte Netz der mythologischen Anspielungen, eine - in der neuen Übersetzung zuweilen etwas abgemilderte - komplizierte Struktur der Syntax, die ständige Bezugnahme auf das Vorbild der homerischen Epen und die bewußte Anknüpfung an deren Wortschatz, dessen Erklärung eine der vornehmsten Aufgaben der alexandrinischen Philologen gewesen ist, eine durch und durch pessimistische Grundstimmung, die vielfach an die Tragödie des fünften vorchristlichen Jahrhunderts gemahnt, schließlich die zahllosen rhetorischen Figuren, die sich allenthalben finden, erweisen das knapp 6000 hexametrische Verse umfassende Werk als das Produkt gelehrter Arbeit. Anspielungen auf zwei Eidyllia Theokrits erlauben eine indirekte Datierung der Dichtung um etwa 260 v. Chr.

Mit der griechisch-deutschen Edition von Paul Dräger liegt nun nach kurzer Zeit ein Werk auch in deutscher Übersetzung zum zweitenmal vor, das bei uns lange Zeit nur im griechischen Original zugänglich gewesen ist, obgleich seine Wirkung zum Kernbestand europäischer Kultur gehört: Die Argonauten- beziehungsweise Medea-Gemälde von Delacroix und Feuerbach, Grillparzers Argonauten-Trilogie, deren zweiten Teil das "Goldene Vließ" bildet, die Oper von Mahler mögen als Beispiele genügen. Erst 1996 hatte die Wissenschaftliche Buchgesellschaft die ebenfalls zweisprachige Ausgabe von Reinhold Glei und Stephanie Natzel-Glei herausgebracht (F.A.Z. vom 5. November 1996). Knapp 200 Seiten umfaßt der wissenschaftliche Anhang der Drägerschen Ausgabe, den größten Teil davon nimmt ein äußerst präziser Stellenkommentar ein. Der so sorgfältig wie praktisch gestaltete Band richtet sich zugleich an Studenten der Klassischen Philologie wie an interessierte Laien, die des Griechischen unkundig sind.

Beim griechischen Text folgt Dräger grundsätzlich der Ausgabe in der französischen Collection Budé. Im Vergleich zu Glei/Natzel-Glei, die gegenüber dem konjekturfreudigen Hermann Fränkel schon weit seltener korrupte Textstellen annehmen, greift Dräger - in Übereinstimmung mit einer generellen Tendenz der modernen Editorik - noch weit zurückhaltender in den Text der Überlieferung ein. Der zu Recht sehr ausführlich gehaltene Kommentar bemüht sich darum, schwierige Stellen durch Interpretation statt durch Konjektur verständlich zu machen. Besonders hilfreich sind Drägers Hinweise auf Details in der subtilen Sprache des Dichters. Ein Beispiel statt vieler: Eine wichtige Stelle des dritten Buches, in dem die psychologische Kunst des Dichters ihren Höhepunkt erreicht, enthüllt Medea - von schamvollen Digressionen mehr und mehr zum offenen Geständnis ihrer Liebe übergehend - Iason ihre Gefühle, der sich nach der Gewinnung des Goldenen Vlieses undankbar zur Rückreise auf die Peloponnes anschickt. Da überwältigt auch Iason die Leidenschaft, und er malt Medea eine gemeinsame Zukunft in seiner Heimat aus, obwohl sie nach griechischem Denken eine Barbarin ist, die nicht einmal mit dem wohlbekannten Namen Ariadne von sich aus die Vorstellung der verlassenen Frau verbinden kann. Er verspricht ihr: "Wenn du nämlich zu jenen Wohnstätten und nach Griechenland gelangtest, würdest du bei Frauen und Männern geehrt und geachtet sein." Im Kommentar weist Dräger darauf hin, daß das hier verwendete griechische Wort für "Wohnstätte" - "ethos" - einen Doppelsinn hat und auch "Sitte" bedeutet; der äußerst sprachbewußte Dichter unterstreicht damit das Angebot der Zivilisation an die Barbarin.

Erfreulich klar hat Dräger auch die Kommentare in der Bibliographie gehalten, die teils auf Rezensionen der nachgewiesenen Titel verweisen, teils unmittelbar Stellung beziehen. So rügt er zu Recht etwa den saloppen Umgang mit den Leistungen anderer Übersetzer bei den in den fünfziger und sechziger Jahren vielbenutzten Veröffentlichungen Thassilo von Scheffers, der weithin die Arbeit eines Vorgängers aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert ausschlachtet, noch dazu ohne sie wenigstens bibliographisch nachzuweisen, wie es denn auch bei den Übertragungen aus den antiken Sprachen lange Zeit gebraucht hat, ehe den übersetzerischen Leistungen, die doch für jede Zeile zugleich ein Interpretament bieten, der gebührende Respekt gezollt worden ist.

Der Übersetzer und Herausgeber bekennt im Nachwort, er habe sich bei seiner Arbeit an die Prinzipien gehalten, auf denen die stupende - nun bald fünfzig Jahre alte und immer noch frische - deutsche Prosaversion der "Odyssee" von Wolfgang Schadewaldt beruht. Dieser hatte sich seinerzeit auf Goethes Diktum über die Simrocksche Übertragung des Nibelungenliedes berufen, es müsse "jedes bedeutende Dichtwerk, besonders auch das epische, auch einmal in Prosa übersetzt werden".

Etliches "allzu unzeitgemäß Klingendes" hat Dräger gegenüber Schadewaldts Vorgehen zu Recht geändert und damit die Grenze zwischen sperriger Verfremdung und unnötiger Lesebarriere zeitgemäßer gezogen: So gibt er die griechische Pluralform "klea" nicht mit dem abstrakten Kunstwort "Rühme", sondern mit dem ins Konkrete verschobenen Ausdruck "Ruhmestaten" wieder und "plagt" sich ab, wo sein Vorbild noch sich "abmattet". Vereinzelt allerdings hat er ein Wort stehengelassen, das man besser geändert hätte, so etwa den Ausdruck "zehntausend" für das griechische "myrioi", obgleich der ebenfalls durch brillante Übersetzungen von "Ilias" und "Odyssee" hervorgetretene Roland Hampe mit dem aufs Konkrete gerichteten Blick des Klassischen Archäologen gezeigt hat, daß der Dichter der "Odyssee" gerade nicht zählen will, wo er von "myrioi" spricht, sondern "zahllose" meint.

Doch dergleichen Beckmesserei wiegt wenig gegenüber dem Gewinn, daß einer der wichtigsten Autoren der heute kaum noch wahrgenommenen Literatur des Hellenismus in einer dem Original höchst gemäßen, zugleich gezügelten und manierierten Sprache dem deutschen Leser vermittelt wird.

HANS-ALBRECHT KOCH

Apollonios von Rhodos: "Die Fahrt der Argonauten". Griechisch-Deutsch. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Paul Dräger. Philipp Reclam Verlag, Stuttgart 2002. 591 S., br., 14,10 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit dieser Edition liegt, so Rezensent Hans-Albrecht Koch, nun zum zweiten Mal (nach Reinhold Gleis und Stephanie Natzel-Gleis ebenfalls zweisprachiger Ausgabe von 1996) ein Werk auch in deutscher Übersetzung vor, das bei uns lange Zeit nur im griechischen Original zugänglich gewesen sei, obgleich dessen Autor zu den wichtigsten der hellenistischen Literatur zähle und das Werk selbst zum Kernbestand europäischer Kultur gehöre. Nach Ansicht des Rezensenten richtet sich dieser "so sorgfältig wie praktisch gestaltete" Band an Studenten der klassischen Philologie und interessierte Laien. Beim griechischen Text folge der Herausgeber "grundsätzlich der Ausgabe der französischen Collection Bude". Das dichte Netz der mythologischen Anspielungen dieses "knapp 6000 hexametrische Verse umfassenden Werks" mit seiner beständigen Bezugnahme auf das Vorbild der homerischen Epen sieht Koch in der neuen Übersetzung "zuweilen etwas abgemildert". Auch der "zu Recht sehr ausführlich gehaltene Kommentar" - wie wir lesen ist er 200 Seiten lang - bemühe sich darum, schwierige Stellen "durch Interpretation statt durch Konjektur" verständlich zu machen. Besonders hilfreich fand Koch die Hinweise auf Details in der subtilen Sprache des Dichters. Erfreulich klar fand er auch die Kommentare in der Bibliografie gehalten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Knapp 200 Seiten umfaßt der wissenschaftliche Anhang der Drägerschen Ausgabe, den größten Teil davon nimmt ein äußerst präziser Stellenkommentar ein. Der so sorgfältig wie praktisch gestaltete Band richtet sich zugleich an Studenten der Klassischen Philologie wie an interessierte Laien, die des Griechischen unkundig sind. ... Der zu Recht sehr ausführlich gehaltene Kommentar bemüht sich darum, schwierige Stellen durch Interpretation statt durch Konjektur verständlich zu machen. Besonders hilfreich sind Drägers Hinweise auf Details in der subtilen Sprache des Dichters. ... Erfreulich klar hat Dräger auch die Kommentare in der Bibliographie gehalten, die teils auf Rezensionen der nachgewiesenen Titel verweisen, teils unmittelbar Stellung beziehen. ... [Es ist ein] Gewinn, daß einer der wichtigsten Autoren der heute kaum noch wahrgenommenen Literatur des Hellenismus in einer dem Original höchst gemäßen, zugleich gezügelten und manierierten Sprache dem deutschen Leser vermittelt wird.

Hans-Albrecht Koch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"