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Der Kult des Sonnengottes Mithras verbreitete sich seit der frühen Kaiserzeit im gesamten Imperium Romanum. Wie das Christentum versprach er den Menschen Hilfe im Alltag und Erlösung nach dem Tod. Manfred Clauss gibt in diesem Buch einen soliden Überblick über die Mysterien des Mithras, die Herkunft des Kultes und die Erwartungen seiner Anhänger.…mehr

Produktbeschreibung
Der Kult des Sonnengottes Mithras verbreitete sich seit der frühen Kaiserzeit im gesamten Imperium Romanum. Wie das Christentum versprach er den Menschen Hilfe im Alltag und Erlösung nach dem Tod. Manfred Clauss gibt in diesem Buch einen soliden Überblick über die Mysterien des Mithras, die Herkunft des Kultes und die Erwartungen seiner Anhänger.
  • Produktdetails
  • WBG Historische Bibliothek
  • Verlag: WBG Academic
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: Dezember 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 246mm x 172mm x 20mm
  • Gewicht: 682g
  • ISBN-13: 9783534257508
  • ISBN-10: 3534257502
  • Artikelnr.: 57472579
Autorenporträt
Clauss, Manfred§Der Althistoriker und Theologe Manfred Clauss war bis zu seiner Emeritierung Professor für Alte Geschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Bei der WBG ist er Mitherausgeber der Reihe 'Historische Biografien'. In jüngerer Zeit erschien von ihm u.a. 'Alexandria. Biographie einer Weltstadt' (2003) und 'Mithras. Kult und Mysterium' (2012).
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.01.2013

Ein Gott für kleine Aufsteiger

Anders als Christus war Mithras nie ein exklusiver Gott: Manfred Clauss ist der unangefochtene Deuter des römischen Sonnengott-Kultes, weil er Fakten von Phantasie zu trennen versteht.

Von allen Mysterienkulten der römischen Kaiserzeit war der des "Unbesiegten Sonnengottes Mithras" der am weitesten verbreitete - und dennoch hat er das Geheimnis seiner Riten und Legenden am besten bewahrt. Allein die römische Stadt Nida nahe dem heutigen Frankfurt-Heddernheim besaß nicht weniger als fünf Mithräen, in denen man sich in die Mysterien einweihen lassen konnte. Die Mithräen waren relativ kleine unterirdische Höhlen, in deren Zentrum fast immer ein farbiges, kunstvoll beleuchtetes Kultbild stand. Es zeigte die Tötung eines Stiers durch den jugendlichen Mithras. Vor diesem mit Symbolen und Bildchen geschmückten Relief vollzogen die Mysten, ausschließlich Männer, die Stiertötung rituell nach.

Diese in ein feierliches Kultmahl mündende Opferung zielte nicht auf Vernichtung, sondern auf Verwandlung und Neugeburt des Lebens aus dem Tod. Der scheinbar blutige Schöpfungsakt des unbesiegten und allmächtigen Mithras machte auch seine Anhänger unbesiegbar, begleitete sie durch ein erfolgreiches irdisches Dasein und führte ihre Seelen ins Jenseits. Der kosmische Kontext des Geschehens ergibt sich aus der Ausstattung der Mithräen ebenso wie aus den engen Beziehungen des Kults zu Sonne und Mond, den sieben (damals bekannten) Planeten, dem Tierkreis, den Jahreszeiten oder den vier Winden.

Wenn die Forschung nach mehr als hundert Jahren keine konsensfähige Deutung der Mysterien erreicht hat, liegt das vor allem an der fatal einseitigen Überlieferung. Ergiebige Texte fehlen, das Vorhandene ist spät, mehrdeutig oder polemisch. Dem stehen mehr als tausend Inschriften, rund siebenhundert Stiertötungsreliefs, mehr als fünfhundert sonstige Darstellungen und zahlreiche archäologische Objekte gegenüber. Funde und Befunde stammen aus der Zeit zwischen etwa 90 und 391 n. Chr. und vorwiegend aus den fast 550 Mithräen, die besonders um Rom und Ostia und in den Provinzen an Rhein und Donau gefunden wurden.

Mithras, so glaubte man bis in die siebziger Jahre, sei die Fortentwicklung des alten indo-iranischen Gottes Mitra (für: Vertrag), dessen Verehrung westwärts wanderte, sich im hellenistischen Kleinasien zum Mysterienkult wandelte und schließlich im römischen Weltreich besondere Gunst beim Militär fand. Ausgerechnet vom Schah gesponserte Kongresse brachten diese Sichtweise und damit den gesamten Diskurs ins Wanken. Wenn nicht iranisch, wer und was waren Mithras und sein Kult dann?

Die geheimnisvollen Riten und Symbole sucht man seither aus der griechisch-römischen Welt oder mit Hilfe der neuplatonischen Philosophie zu erhellen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich ihre astronomisch-astrologische Deutung, die in der Ansicht gipfelt, die Stiertötung, bei welcher meist ein Skorpion den Stier in die Hoden beißt, zeige als star-map den Himmelsäquator, wie er sich vor sechs- bis viertausend Jahren zur Tagundnachtgleiche in den Sternbildern Stier und Skorpion dargeboten habe. Unlängst wurde behauptet, die Stiertötung sei die Überwindung des Winters durch den Sommer, und jüngst vertrat ein prominenter Experte die Meinung, in den Mysterien habe es anstelle einer fixierten Lehre eine allen Mysten vertraute Symbolsprache gegeben, eben die Sprache der Astronomie und Astrologie.

Während dieser star-talk gerade kongressreif wird, verkündet Manfred Clauss, Frankfurter Emeritus der Alten Geschichte und seit Jahrzehnten mit der Mithras-Forschung bestens vertraut: "Die Mithras-Reliefs schildern eine Kultlegende, in der sicherlich Gestirne und Gestirnsglaube eine Rolle spielen, aber sie sind keine Straßenkarte durch die Fixsterne." Alle "astrologischen" Erklärungsversuche hält er für zu kompliziert. Für ihn entstand der Mithras-Kult in Rom oder Ostia und wurde von dort in die Provinzen übertragen. Angesichts der dunklen Anfänge schließt er mit Martin P. Nilsson und Reinhold Merkelbach nicht einmal eine genialische Erfindung aus.

Das Werk ist die Neuausgabe eines 1990 erschienen, und 2000 ins Englische übersetzten Vorgängers. Die Farbtafeln sind neu, einige Abbildungen wurden ersetzt, der wissenschaftliche Apparat in den Endnoten um rund fünfzig Prozent angereichert. Die wichtigsten Wortmeldungen der letzten Zeit sind berücksichtigt, allerdings beinahe provokant selektiv. Neu im Text sind ein Teil der Einleitung, ein Abschnitt über Dura-Europus und das Schlusskapitel zum Ende des Kults, das die mehrfache Zerstörung der mithräischen Überreste durch eifernde Christen schildert. Ansonsten wurden Passagen ausgetauscht oder hinzugefügt, wo dies archäologische Entdeckungen unumgänglich machten. Nachträge bringen das von Clauss 1992 vorgelegte Standardwerk über die Cultores Mithrae auf den Stand. Eine gewöhnungsbedürftige Zitierweise der Belege ermuntert Freunde der alten Sprachen zum Lesen der originalen Texte auf des Verfassers Webseite (Epigraphische Datenbank Clauss-Slaby).

Dieses didaktisch mustergültige Buch hält es mit den harten Fakten der archäologischen Ausgrabungen. Hypothesen werden akzeptiert, sofern sie plausibel sind. Beispielsweise ist trotz prominenter Zweifel am mithräischen Charakter sogar der "Mithras-Liturgie" festgehalten. Für Clauss waren die sieben Rangstufen keine für alle Mysten verbindliche Weihegrade, vielmehr nur die Ebenen der Priesterhierarchie. Insgesamt war nach ihm der öffentlich nie geförderte Mithras-Kult normaler, als es nach mancher Darstellung scheinen könnte. Die höheren Gesellschaftsschichten beachteten den Gott der kleinen Leute kaum, Senatoren überhaupt erst, als der Sieg der Christen über die Heiden bereits absehbar war.

Anders als Christus war Mithras nie exklusiv, deshalb wollte und konnte sein Kult nie eine ernsthafte Konkurrenz zum Christentum sein. Wo dieses geschlechtsbedingte und soziale Barrieren durch die allgemeine Gotteskindschaft aufhob, war der Mithras-Kult systemkonform und loyal und schloss zudem die Hälfte der Menschen aus. Übrigens wurde auch Weihnachten nicht dem Geburtsfest des Mithras angepasst. Tatsächlich war die Wintersonnenwende der Geburtstag des (ursprünglich von Mithras und von Christus unabhängigen) Sol Invictus. Als dieser aber 274 zum Staatsgott erhoben wurde, haben in ihm bald sowohl Mithras-Anhänger als auch Christen ihren Gott erkannt und das Datum adaptiert.

Von Anfang an besonders beliebt waren die Mithras-Mysterien bei aufstiegswilligen Männern, die in der Kultgemeinschaft den täglichen sozialen Erfahrungen begegnen und wichtige Beziehungen knüpfen konnten. Die Mysten kamen mithin vor allem aus dem niederen staatlichen Verwaltungspersonal, höchstens ein Fünftel aus dem Soldatenstand. Zur Sommersonnenwende gedachten sie ihrer Toten - für deren Bestattung mitunter gesorgt wurde - und verzehrten bei einem Festmahl nicht etwa Stierfleisch, sondern vorwiegend Hähnchen.

Die Beharrlichkeit, mit der hier ein über zwanzig Jahre altes Buch aktualisiert , aber in den Grundzügen wenig verändert wiederholt wird, ist ein Ceterum censeo zugunsten unseres Überlieferungsbestands, dem Priorität vor jeder Deutung und erst recht vor jeder noch so geistreichen Theorie zukommt. Der schmale Band bietet die beste Einführung in den Gegenstand, und selbst Fachleute werden darauf immer wieder zurückgreifen, sogar dann, wenn sich manches Sternengerede bereits zu Sternenstaub verwandelt hat, um neuen phantasievollen Theorien Leben zu ermöglichen.

KARLHEINZ DIETZ.

Manfred Clauss: "Mithras". Kult und Mysterium.

Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt 2012. 224 S., Abb., geb., 29,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ein bisschen wundert sich der rezensierende Althistoriker Karlheinz Dietz schon darüber, wie beharrlich hier bereits veröffentliches Wissen wieder aufgewärmt wird, wenn auch ergänzt und erweitert um neueste Forschung. Der bereits 1990 erschienene Band des Althistorikers Manfred Clauss befasst sich laut Dietz mit den Mithras-Mysterien, indem er sämtliche astrologischen Deutungen verwirft und auf harte, archäologische Fakten setzt. So interessant der Rezensent alle geistreiche Theorie und Deutung findet, von der der Band eher frei ist, so klar ist für ihn, dass Clauss noch immer die beste Einführung zum Thema bietet.

© Perlentaucher Medien GmbH