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Fünf Männer gründen eine Alten-WG in einer Villa am See. Zusammen wollen sie die verbleibenden Jahre verbringen, zusammen noch einmal das Leben genießen. Für den letzten - selbstbestimmten - Schritt zählen sie auf die Hilfe der Mitbewohner. Denn es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.…mehr

Produktbeschreibung
Fünf Männer gründen eine Alten-WG in einer Villa am See. Zusammen wollen sie die verbleibenden Jahre verbringen, zusammen noch einmal das Leben genießen. Für den letzten - selbstbestimmten - Schritt zählen sie auf die Hilfe der Mitbewohner. Denn es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Diogenes
  • Seitenzahl: 224
  • Erscheinungstermin: 20. August 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 127mm x 16mm
  • Gewicht: 253g
  • ISBN-13: 9783257069341
  • ISBN-10: 3257069340
  • Artikelnr.: 42786606
Autorenporträt
Christoph Poschenrieder, geboren 1964 bei Boston, studierte Philosophie in München und Journalismus in New York. Seit 1993 arbeitet er als freier Journalist und Autor von Dokumentarfilmen. Heute konzentriert er sich auf das literarische Schreiben. Sein Debüt 'Die Welt ist im Kopf' wurde vom Feuilleton gefeiert und war auch international erfolgreich. Mit 'Das Sandkorn' war er 2014 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Christoph Poschenrieder lebt in München.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Nicolas Freund packt keine Leidenschaft bei der Lektüre von Christoph Poschenrieders Roman über das Experiment einer Luxus-Alten-WG von fünf in die Jahre gekommenen Freunden. Der Mangel an weiblichem Romanpersonal, flache Charaktere, ein überstrapaziertes Leitmotiv und ein nerviger Plapperton machen es ihm unmöglich, die karikaturhaften Züge des Buches zu honorieren.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.01.2016

Sterbehilfe als Computerspiel
Christoph Poschenrieders Roman einer Altherren-WG

Nur weil sie zu Ruhm und Geld gekommen sind, haben sie nicht weniger Probleme als andere Menschen: Fünf alte Herren, seit ihrer gemeinsamen Schulzeit eng befreundet, schließen sich zu einer Wohngemeinschaft zusammen. Sie treibt die gemeinsame Angst vor dem Alter, vor Krankheit und Einsamkeit. Immerhin können sich die reichen Senioren eine prachtvolle Villa am Starnberger See leisten, ihre Weine und Zigarren sind erlesen. Hinter der noblen Kulisse aber lauern dieselben Sorgen, die man auch in schlichterer Umgebung kennt: Wie altert man in Würde, wann darf man seinem Leben selbst ein Ende setzen, und wo findet man Hilfe, wenn man selbst zu schwach für diese letzte Entscheidung ist? So ernst ist die Ausgangslage in diesem Roman.

Dem 1964 geborenen Journalisten Christoph Poschenrieder geht das Schreiben flott von der Hand; seit 2010 ist dies bereits sein vierter Roman. Bemerkenswert ist sein Gespür für Aktualität: Das Debüt "Die Welt im Kopf" rankte sich um eine Episode aus Schopenhauers Leben und erschien pünktlich zum 150. Todestag des Philosophen. 2014 schaffte es sein elegant geschriebener Roman "Das Sandkorn" über einen homosexuellen Kunsthistoriker im Ersten Weltkrieg auf die Longlist des deutschen Buchpreises.

Nach dem Philosophen und dem Kriegsjubiläum sind nun also die Alten an der Reihe. Das Personal allerdings wirkt wie am Reißbrett entworfen. Offensichtlich wollte Poschenrieder mit seiner Fünfer-WG einen Querschnitt durch die Leistungselite der alten Bundesrepublik vorstellen. Sie alle haben es zu etwas gebracht: der erfolgreiche Versicherungsjurist, der Computerspezialist und der Lebensmittelchemiker, der durch ein Spaghetti-Fertiggericht ("Delikatoli") zu Reichtum gekommen ist. Hinzu kommen zwei Schöngeister: der eitle Skandalregisseur und schließlich der Journalist und Philosophiedozent Carl, der relativ Erfolgloseste in dieser exquisiten Herrenrunde. Er ist der Chronist des noblen Alterssitzes am See. Eine patente kirgisische Krankenschwester, über das Internet geordert, ergänzt die Wohngemeinschaft.

Das alles ist hübsch ausgedacht und bleibt doch konstruiert und leblos. Keiner der alten Herren gewinnt je wirkliche Charaktertiefe. Selbst in ihren mehr oder weniger liebenswerten Schrullen und ihren Gebrechen erscheinen die fünf Freunde wie das ausgewogene Resultat einer nicht zu komplizierten Rechenaufgabe: Wie lassen sich die bekannten Beschwerden des Alters möglichst gleichmäßig auf diese Senioren verteilen? Der Autor, gerecht in seiner Allmacht, verschont keinen: Der erste, ein unbelehrbarer Kettenraucher, wird matt und siech, der zweite dement, der dritte bekommt Krebs, der vierte, noch im 10. Lebensjahrzehnt dank seines Rollators im knalligen Porsche-Rot einigermaßen mobil, erleidet einen Unfall. Chronist Carl erblindet zwar mehr und mehr, mutiert aber dennoch nicht zum modernen Homer. Dafür fehlt es ihm an epischer Kraft und an einem großen Stoff.

Poschenrieder verschenkt das eigentliche Potential seiner Geschichte. Die mitunter angestrengt saloppe Erzählweise und eine starke Verliebtheit in manch absonderliches Detail mögen anfangs noch ganz amüsant sein, werden dann aber doch schnell langweilig. Der launige Stil schafft kein Gegengewicht zu den schablonenhaften Charakteren und ihrem berechenbaren Verhalten. Hinter allen skurrilen Aktivitäten der Alten-WG steht die Frage nach einem würdigen Lebensende, doch der Autor weicht allen ernsten Fragen und Konflikten immer wieder aus.

Computerspezialist Ernst erfindet eine Lösung für die Frage nach einem selbstbestimmten Ende: Er tüftelt das "Todesengelprogramm" aus, ein kompliziertes System, das jedem Einzelnen größtmögliche Autonomie gewähren soll und gleichzeitig die Gefährten dazu verpflichtet, sich gegenseitig den letzten Dienst zu erweisen: Sterbehilfe als Computerspiel, programmiert in einem komplizierten Code. Auszüge daraus mit makaber klingenden Formulierungen unterbrechen immer wieder den Erzählfluss: "totenliste = Dateimanager.lese ("verstorben.log")".

Die Unverständlichkeit solcher pseudoauthentischen Zitate ist Symptom: Christoph Poschenrieder simuliert mit seiner Alten-WG eine Realität, die es im wirklichen Leben nicht geben kann. Seine fünf stilisierten Helden sind das morbide Pendant zu all den glücklichen Liebespaaren aus der Rosamunde-Pilcher-Welt: Pseudo-Charaktere vor einem Hochglanz-Hintergrund, denen es an echter Erfahrung und mithin an Lebendigkeit fehlt. Daran ändern auch die verstreuten Hinweise auf ein tragisches Kindheitserlebnis nichts, das die Freunde schuldhaft zusammenschweißt. Die wiederholten Schopenhauer-Zitate, eine Reminiszenz an Poschenrieders ersten Roman, sind nichts als schmückendes Blendwerk: Sie suggerieren philosophische Tiefe, wo sich alles nur an der Oberfläche bewegt.

SABINE DOERING

Christoph Poschenrieder: "Mauersegler". Roman.

Diogenes Verlag, Zürich 2015. 220 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.01.2016

Hey Nachbar, das Fläschchen bitte!
Christoph Poschenrieder mischt in seinem Roman „Mauersegler“ einen Giftcocktail für eine Alten-WG – die Figuren sind aber sowieso schon ziemlich leblos
„Mauersegler“ möchte ein Roman über die Zeit sein. Schön aufbereitet, wie für den Grundkurs Philosophie. Er setzt mit einem aus Vladimir Nabokovs Autobiografie „Erinnerung, sprich“ geborgten Gedanken ein: Dass die meisten Menschen merkwürdig beruhigt auf die Ewigkeit ihrer Nicht-Existenz vor der Geburt zurückblicken, während die Ewigkeit nach dem Tod sie mit Schrecken erfüllt.
  Anfang und Ende, Wiege und Sarg stehen in dem Text nah beieinander. Carl, der Erzähler dieses Romans, Journalist und Philosophiedozent, befindet sich zu Beginn kurz vor dem Abgrund dieser zweiten, der „Ewigkeit der Finsternis“, wie es bei Nabokov heißt. Mit vier Freunden wagt er ein Experiment, auch, um diesem Schrecken gemeinsam entgegenzutreten. Die fünf alten Herren, die sich seit ihrer Jugend in der Kleinstadt kennen, gründen eine Wohngemeinschaft, in der sie wie als Studenten vor fünfzig Jahren zusammenleben. Nur die Weinflaschen kosten jetzt das Zehnfache, und in der Kiesauffahrt des Hauses am Starnberger See steht kein klappriges Fahrrad, sondern ein Porsche.
  Die fünf Typen, die Christoph Poschenrieder in die Senioren-WG einziehen lässt, sollen ein Querschnitt durch die Oberschicht Nachkriegsdeutschlands sein. Ein Jurist, der im Rentenalter den Leuten aus Knebelverträgen hilft, die er selbst entworfen hatte. Ein Lebensmitteltechnologe, dessen größter Erfolg eine Marke Fertignudeln war, der aber inzwischen als veganer Ökoaktivist in Supermärkten randaliert. Ein steriler Programmierer, der irgendwie stinkreich geworden ist und im Keller des Anwesens eine Modelleisenbahn aufbaut, aus der er versucht, jeden menschlichen Faktor herauszurechnen. Dazu ein Theaterintendant, der alle Regieassistentinnen des Landes kennt und sonst vor allem Porsche fährt. Carl wiederum war Journalist bei einem „schöngeistigen Magazin“ und Honorarprofessor für Philosophie. Deshalb muss er die Geschichte erzählen.
  Frauen kommen, außer einer kirgisischen Haushälterin und ein paar nervigen Ex-Partnerinnen, nicht vor. Was sich in dieser elitären Alten-WG zugetragen hat, wird aus einer nahen Zukunft berichtet, in der alle paar Tage die Paketdrohne vor dem Haus landet.
  Zwischen den fragmentarischen Aufzeichnungen Carls aus wohl mehreren Jahrzehnten in dieser WG finden sich immer wieder ein paar Zeilen Programmiercode der gerade noch ohne Informatikstudium lesbaren Sprache Python. Sie stammen aus dem makabren „Todesengelprogramm“. Das hatte der Programmierer aus dieser Altherren-Bande geschrieben. Keiner der fünf möchte im Alter vor sich hin siechen, deshalb benachrichtigt das Programm, wenn es so weit ist, den vorher bestimmten „Todesengel“, einen der Freunde, der dann mit dem Giftfläschchen anrücken soll um dem Leid ein Ende zu machen. Was man für Freunde nicht alles tut.
  Die fünf wohlsituierten Herren sind vom Tod geradezu besessen, seit der sechste von ihnen, der kleine Martin, nie so erfolgreich werden durfte wie jeder von ihnen. Als Schuljungen in der Kleinstadt schickten sie ihn über das Eis des zugefrorenen Sees, durch das er einbrach und ertrank. Das Bild Martins unter der dünnen Eisdecke, das Bild der gefrorenen Zeit, wiederholt sich vom Abgrund des Starnberger Sees, an dessen Rand die Alten-WG residiert, bis zum Dorfteich der Modelleisenbahn. Es ist das überstrapazierte Leitmotiv des Romans.
  Die alten Herren bekommen vom Erzähler alle einen Vogel zugeteilt, er selbst ist der titelgebende Mauersegler. „Ich habe mich in meinem Leben für genau vier Vögel interessiert: die Lerche, die Amsel, den Spatz und den Mauersegler.“ Der Theatermensch ist eine Mischung aus Pfau und Falke. Und weil diese Totemtiere alle Flügel haben, ist es, zumindest in diesem Roman, vom Menschen nicht mehr weit zum Todesengel, der die Freunde vergiften muss. Denn auch über dem Grab Martins wacht ein solcher Engel, sogar mit einem Schwert – wenigstens ist dieser nicht mit einem Giftfläschchen bewaffnet.
  Was auf der Motiv- und Symbolebene manchmal eigenartige Auswüchse hervorbringt, aber auch interessante Verbindungen offenlegt, wird zum nervtötenden Stilmerkmal der Sprache des Romans. Christoph Poschenrieder hat den Erzählstimmen, die Teil der erzählten Welt sind, einen halb-debilen Plapperton verpasst. Das mussten schon einige Figuren in seinem Roman „Das Sandkorn“ (2014) erleiden, „Mauersegler“ ist jetzt so etwas wie die epische Variante dieses Stilmittels.
  „Man entschuldige die Gänsefüßchen, die natürlich auch nichts mit Gänsen zu tun haben – wie so vieles nicht das ist, was es zu sein scheint“, heißt es einmal. Ein anderes Mal, schon bissiger, geht es vom Vegetarier über den Veganer zum Hungerkünstler. Erzähler Carl kalauert sich durch die konstruierten Anekdoten der Todesengel-WG, ohne dabei jemals eine assoziative Abzweigung auszulassen. Dass das karikaturenhafte Züge hat und haben soll, weiß der Roman selbst. Das hat zwar einen gewissen Witz, wie der bei der Rollstuhlpanne mit der ADAC-Ehrennadel wedelnde Jurist, der sich zum Einschlafen aus der Neuen Juristischen Wochenschrift vorlesen lässt, doch darüber, sehr durchsichtige Karikatur zu sein, kommen weder der Roman noch sein Personal hinaus.
  Die Figuren in dieser Alten-WG mit Todesprogramm müssen typisiert sein, flache Charaktere von einer gewissen Allgemeinheit sein, sonst wäre das Ganze kein Experiment. Leider bleiben sie aber genauso leblos wie die Modelleisenbahn im Keller. Das will nicht zu dem Todesthema passen, und so steht der Leser diesen Strichfiguren, die nach und nach ausradiert werden, seinerseits ziemlich leidenschaftslos gegenüber.
NICOLAS FREUND
Die fünf wohlsituierten Herren
sind vom Tod geradezu besessen
Natürlich haben die Gänsefüßchen
nichts mit Gänsen zu tun
  
  
  
  
  
Christoph Poschenrieder: Mauersegler. Roman.
Diogenes Verlag, Zürich 2015. 219 Seiten, 2 Abb.,
22 Euro. E-Book 18,99 Euro.
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