Augustins Trinitätsdenken - Kany, Roland

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Augustins "De trinitate" ist eines der bedeutendsten und tiefgründigsten Werke, die das antike Christentum hinterlassen hat. Roland Kany unterzieht in diesem Band die gesamte internationale Forschungsliteratur, die in den vergangenen 170 Jahren zu diesem Text publiziert wurde, einer kritischen Revision und schlägt eine neue Deutung vor. Im ausführlichen Vorwort zu dieser zweiten Auflage nimmt der Autor zu den wichtigsten Beiträgen Stellung, die seit der ersten Auflage erschienen sind. Aus Rezensionen zur 1. Auflage: "K. meistert seine Aufgabe in bewundernswerter Weise. Durchgehend scharfsinnig…mehr

Produktbeschreibung
Augustins "De trinitate" ist eines der bedeutendsten und tiefgründigsten Werke, die das antike Christentum hinterlassen hat. Roland Kany unterzieht in diesem Band die gesamte internationale Forschungsliteratur, die in den vergangenen 170 Jahren zu diesem Text publiziert wurde, einer kritischen Revision und schlägt eine neue Deutung vor. Im ausführlichen Vorwort zu dieser zweiten Auflage nimmt der Autor zu den wichtigsten Beiträgen Stellung, die seit der ersten Auflage erschienen sind.
Aus Rezensionen zur 1. Auflage:
"K. meistert seine Aufgabe in bewundernswerter Weise. Durchgehend scharfsinnig und kenntnisreich bis in die kleinsten Details zeichnen sich seine Ausführungen dennoch immer wieder durch Ausgewogenheit, Transparenz und Allgemeinverständlichkeit aus. K. legt mit diesem Buch somit eine umfassende, zugleich aber auch tiefgründige Studie vor, die sich auf Jahrzehnte hinaus als maßgeblich, ja unverzichtbar für die historische Augustinusforschung (speziell für die Erforschung von De trinitate) sowie für die Patristik allgemein, aber auch für die systematisch-theologische Erforschung des Trinitätsbegriffes erweisen dürfte."Josef Lössl in Theologische Revue 104 (2008), S. 409-412
  • Produktdetails
  • Studien und Texte zu Antike und Christentum .22
  • Verlag: Mohr Siebeck
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 670
  • 2018
  • Ausstattung/Bilder: 670 S. 0 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 145mm
  • ISBN-13: 9783161509452
  • ISBN-10: 3161509455
  • Best.Nr.: 34973371
Rezensionen
Besprechung von 02.01.2009
Dreifaltig lächelt Gott über die Einfalt seiner Leugner
Roland Kany ist ein großer Wurf gelungen: Der Münchner Kirchenhistoriker erhellt Augustins Trinitätsdenken

Ist Augustins Werk über die Dreieinigkeit Gottes und seine Nachwirkung ein Thema von so großer geistesgeschichtlicher Bedeutung, dass man ihm mehr als sechshundert Seiten widmet? Wo doch die Trinitätslehre von vielen Gebildeten bestenfalls als antiquiert belächelt, schlimmstenfalls als irrational und obskurantistisch verlästert wird? Der katholische Kirchenhistoriker Roland Kany ist entschieden dieser Meinung, und wer sich durch sein Buch hindurchgearbeitet hat, wird ihm uneingeschränkt zustimmen: "De trinitate" ist ohne Zweifel die einflussreichste Erörterung der Gottesfrage im Abendland, und sie ist es zu Recht.

In den ersten elf Kapiteln erklärt Kany anhand einer Darstellung der Erforschung von "De trinitate", warum das so ist, und bietet darüber hinaus im fast monographisch angelegten Schlusskapitel eine Neuinterpretation von Augustins Denken über Gott, an der künftige Forschergenerationen nicht mehr vorbeikönnen. Handwerkliche Voraussetzung hierfür ist eine bewundernswerte Belesenheit: Kany demonstriert eindrucksvoll, warum die Kirchengeschichte derzeit (neben der Bibelwissenschaft) zu den international am besten vernetzten Geisteswissenschaften zählt, denn er lässt Literatur in gut einem Dutzend Sprachen Revue passieren. Dies schließt auch und insbesondere die angelsächsische Rezeption ein, die Kany vermutlich besser kennt als sie sich selbst.

Die geduldigen Tiefenbohrungen des Münchner Patristikers reichen zurück bis 1841, als der Tübinger Dogmatiker Ferdinand Christian Baur den ersten Band seiner "Christlichen Lehre von der Dreieinigkeit und Menschwerdung Gottes in ihrer geschichtlichen Entwicklung" vorlegte, mit dem nach Kany die "moderne Erforschung" von "De trinitate" beginnt. Von dorther schreitet er die einschlägigen Veröffentlichungen der letzten 160 Jahre in immer neuen Durchgängen ab: Arbeiten zu den geistigen Quellen und Einflüssen in Augustins Werk, Würdigungen im Rahmen von Gesamtdarstellungen des Kirchenvaters, philosophische und dogmengeschichtliche Urteile, Stimmen aus der griechischen und der russischen Orthodoxie. Kany wandert über die Höhenzüge der schulbildenden systematischen Entwürfe eines Karl Barth, Karl Rahner, Hans Urs von Balthasar, Jürgen Moltmann und Wolfhart Pannenberg, deren trinitätstheologische Neuaufbrüche er in bewundernswerter Unerschrockenheit dort kritisiert, wo er Augustin missverstanden sieht. Und er watet durch die Niederungen der "Radical Orthodoxy" eines John Milbank und seiner Anhänger, mit deren hochfahrender Ignoranz er begründet kurzen Prozess macht.

Zu den Ergebnissen dieser Erkundungsreise zählt die doppelte Erkenntnis, dass manche Verhärtungen in den dogmatischen Auseinandersetzungen zwischen der lateinischen Christenheit und den orthodoxen Kirchen auf (beiderseitiger) ungenauer Lektüre Augustins beruhen, dass es aber auch vermehrt "Anzeichen einer subkutanen Rezeption des Textes in Byzanz" gibt, und zwar an Stellen, wo man sie nun wirklich nicht erwartet hätte, wie bei dem als "typisch orthodox" und insofern als östlichen Antipoden Augustins geltenden Gregor Palamas.

Mit großer schriftstellerischer Brillanz umschifft Kany das methodische Problem jeder Metawissenschaft, dass nämlich die darin eingenommene Position "über den Positionen" sich eigentlich selbst zum Gegenstand werden müsste. Statt in unfruchtbare Selbstreflexion zu verfallen, bietet er - sozusagen auf den Schultern der Gelehrsamkeit vergangener Generationen stehend - im letzten Kapitel eine Lektüre von "De trinitate" an, welche die Parameter traditioneller Auslegungen deutlich erweitert. Kany möchte den sich immer weiter vergrößernden Hiat zwischen theologischer und philosophischer Deutung auflösen, der die jüngste Forschung zum Thema prägt. Es gehe darum, "der charakteristisch antiken Synthese von theologischen und philosophischen Aspekten" Rechnung zu tragen und die Einheit von "De trinitate" zu "rehabilitieren".

In dieser Absicht eruiert Kany zunächst, wie Augustins Trinitätslehre entstanden ist und welchen Einflüssen sie sich verdankt. Deutlich wird dabei, wie der junge Laientheologe, vom Neuplatonismus herkommend, zunächst fast spielerisch mit triadischen Modellen experimentiert, bis ihn nach Priester- und Bischofsweihe (391/6) die Erfahrungen und die Verantwortung des kirchlichen Amtes zu neuem, systematischem Nachdenken zwingen. Kany fragt schließlich nach dem Adressatenkreis, an den es sich richtet. Dieser umfasse einerseits die "Welt der fragenden, diskutierenden Gebildeten in Mailand und in Nordafrika", die zwischen Theologie und Philosophie (noch) nicht scharf unterschieden. Ihnen wolle Augustin "die Überlegenheit der christlichen Lehre von der Trinität, die Gott ist, gegenüber der Theologie paganer Denker demonstrieren". Andererseits richte er sich auch an christliche Leser, die von alternativen Entwürfen über das Wesen Gottes fasziniert seien, um bei ihnen die Dinge in seinem Sinne zurechtzurücken.

Aber es geht Augustin nicht nur um die Bekämpfung des theologischen oder philosophischen Gegners. Indem der moderne Gelehrte offen spricht, wo der antike Bischof verklausuliert andeutet, enthüllt Kany, dass Augustin auch die theologischen Argumente seiner eigenen "Koryphäen der Rechtgläubigkeit" aus West und Ost einer Kritik unterzieht.

Ähnlich verfährt nun auch Kany, indem er seinerseits Inkonsistenzen und Defizite in Augustins Entwurf namhaft macht. Das verbindet ihn mit der modernen Augustinexegese. Aber im Unterschied zu manchem Vorgänger diffamiert Kany den Kirchenvater nicht, weil er dessen gedankliche Defizite im Plausibilitätshorizont der Spätantike zu würdigen versteht und weil er gleichzeitig nachweist, wo Augustin diesen vor allem neuplatonisch grundierten Verständnishorizont transzendiert und so etwas grundlegend Neues entdeckt. Die "kopernikanische Wendung", die in "De trinitate" vollzogen wird, sieht Kany in der "Wendung nach innen zum erkennenden, glaubenden, liebenden Subjekt", genauer: in der Entdeckung der "Notwendigkeit einer ursprünglichen, prinzipiellen Selbstgegenwart" des menschlichen Geistes. Diese "Einheit des Sich-Wissens" lasse sich "nur in Gestalt einer Dreiheit" in Worte fassen: "In der innersten Selbstgegenwart seines Geistes ist der Mensch Trinität. Nimmt man den biblischen Glauben hinzu, daß der Mensch Ebenbild Gottes ist, so ist zu schließen, daß der Mensch in dieser trinitarischen Selbstgegenwart Bild Gottes ist." Das Außergewöhnliche dieses gedanklichen Vorgangs arbeitet Kany auf wenigen Seiten heraus, nach deren Lektüre eigentlich jedem Leser klar sein müsste, warum der Vorwurf der logischen Inkohärenz, ja der Selbstwidersprüchlichkeit gegenüber der augustinischen Explikation der Trinitätslehre einfach zu kurz greift.

Angesichts der durch Kany offengelegten Bedeutung von "De trinitate" für das intellektuelle Profil des Abendlandes ist es umso bedauerlicher, dass das Werk immer noch nicht in einer kritischen Ausgabe vorliegt, die modernen editorischen Ansprüchen genügt. Hierzu bedürfte es eines Teams aus Philologen, Theologen und Philosophen und einer mutigen Akademie der Wissenschaften. Mit Kanys Buch ist der Grundstein für ein solches Vorhaben gelegt.

WOLFRAM KINZIG

Roland Kany: "Augustins Trinitätsdenken". Bilanz, Kritik und Weiterführung der modernen Forschung zu "De trinitate". Studien und Texte zu Antike und Christentum, Band 22. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 2008. XXII, 635 S., geb., 99,- [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für Rezensent Wolfram Kinzig steht zweierlei fest: AugustinsTrinitätslehre ist die einflussreichste Behandlung der Gottesfrage im Abendland. Und Roland Kanys Studie dazu ist der beste Nachweis. Kanys polylinguale Belesenheit und seine Geduld, die einschlägigen Publikationen zu Augustin aus den letzten 160 Jahren auszuwerten und gegebenenfalls scharf zu kritisieren, machen Kinzig ordentlich Eindruck. Nicht weniger imponieren ihm die methodische Sicherheit und die schriftstellerische Brillanz, mit der der Autor den in der jüngsten Forschung aufgerissenen Hiat zwischen theologischer und philosophischer Deutung aufzulösen und die Einheit von "De trinitate" (wieder-)herzustellen versucht. Dass Kany seinen Augustin auf Inkonsistenzen zu prüfen versteht, ohne ihn zu diffamieren, weil er den gedanklichen Horizont der Spätantike zum Maßstab nimmt, dass er dem Leser Augustins Leistung auf wenig Raum begreifbar zu machen versteht, überzeugt den Rezensenten von einem Buch, in dem er den Grundstein für eine überfällige kritische Ausgabe von "De trinitate" sieht.

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