Licht, Schatten und Bewegung - Schlöndorff, Volker
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Eine Jugend in Hessen, ein Leben in vielen Sprachen und Ländern: Seit vier Jahrzehnten gehört Volker Schlöndorff zu den wenigen deutschen Filmemachern, die Weltgeltung haben. In dieser Autobiographie erzählt er anschaulich von seiner Kindheit im Nachkriegsdeutschland; von seinem politischen Engagement um 1968; von der Entstehung seiner "Blechtrommel", für die er den ersten deutschen Nachkriegs-Oscar erhielt; von seinem Leben in Deutschland, Frankreich, Italien und Amerika; von Regisseuren wie Jean-Pierre Melville und Rainer Werner Fassbinder; und von Schauspielern wie Alain Delon und Jeanne Moreau.…mehr

Produktbeschreibung
Eine Jugend in Hessen, ein Leben in vielen Sprachen und Ländern: Seit vier Jahrzehnten gehört Volker Schlöndorff zu den wenigen deutschen Filmemachern, die Weltgeltung haben. In dieser Autobiographie erzählt er anschaulich von seiner Kindheit im Nachkriegsdeutschland; von seinem politischen Engagement um 1968; von der Entstehung seiner "Blechtrommel", für die er den ersten deutschen Nachkriegs-Oscar erhielt; von seinem Leben in Deutschland, Frankreich, Italien und Amerika; von Regisseuren wie Jean-Pierre Melville und Rainer Werner Fassbinder; und von Schauspielern wie Alain Delon und Jeanne Moreau.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser, Carl / Hanser, Carl GmbH + Co.
  • Seitenzahl: 472
  • Erscheinungstermin: August 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 152mm x 38mm
  • Gewicht: 683g
  • ISBN-13: 9783446230828
  • ISBN-10: 3446230823
  • Artikelnr.: 23796384
Autorenporträt
Volker Schlöndorff, 1939 in Wiesbaden geboren, studierte in Paris politische Wissenschaft und lebt in Berlin. Er hat mehr als dreißig Filme und Fernsehspiele gedreht, Opern und Theaterstücke inszeniert, für die er mit den großen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurde.
Rezensionen
Besprechung von 19.08.2008
Im Wartesaal der Träume
Volker Schlöndorff hat seine Erinnerungen an ein Leben fürs Kino aufgeschrieben
Man hat den Eindruck, die Welt muss kleiner geworden sein im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts. Als Volker Schlöndorff, am 31. März 1939 in Wiesbaden geboren, ein Junge war – da war Berlin Filmgeschichte und Hollywoods Studiosystem kränkelte vor sich hin, das Zentrum des Filmgeschehens war Paris. Und wenn Schlöndorff sich erinnert an diese Jahre, führte immer eins zum anderen. Ging man, wie er, in Paris zur Schule, dann hatte man unweigerlich einen wie den späteren Filmemacher Bertrand Tavernier in der Klasse, der aus einer Familie stammt, die jeden kennt und einen, unweigerlich, früher oder später dem Filmemacher Jean-Pierre Melville vorstellen würde. Noch bevor Schlöndorff selbst Filmgeschichte machte, war er mittendrin. Er habe nie von sich selbst erzählt in seinen Filmen, das hat man Schlöndorff manchmal vorgeworfen. Aber er war vielleicht einfach einer, der besessen war von der Welt um ihn herum. Das ist, für einen Filmemacher, keine schlechte Rolle – Zeitzeuge, Beobachter, Chronist.
Volker Schlöndorff hat begonnen, seine Erinnerungen zu schreiben, als er, zum ersten Mal in seiner Karriere, rausgeflogen ist – man hat ihm sein Projekt „Die Päpstin” entzogen. Es hätte leicht ein bitteres Buch werden können, darüber, wie ihn das Kino, das Geschäft drumherum, ausgelaugt haben. Aber dazu ist Schlöndorff mit dem ganzen Geschehen wohl viel zu sehr im Reinen. Mit Absicht kann man die Sechziger als Sehnsuchtsort, wo dauernd überall etwas passiert, vielleicht gar nicht so beschreiben, wie Schlöndorff es tut. Manches war eben machbarer, überschaubarer. Als Schlöndorff 1967 „Mord und Totschlag” drehte, mit der Rolling-Stones-Gemeinschaftsgeliebten Anita Pallenberg, versteckte er sie und Brian Jones in seinem Appartement in der Schwabinger Tengstraße, und als Jones als Filmmusik-Komponist versagte, tauchte Keith Richards auf und half aus. So was kann heute nicht mehr passieren, dafür würde ein Stab von Agenten, PR-Beratern und Assistenten schon sorgen.
Stone würde staunen
Aber Schlöndorff war halt auch einer, der überall dabei war, wo gerade etwas los war, von der Nouvelle Vague über den Algerienkrieg bis zur Beerdigung von Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe. Wie er 1980 „Die Fälschung” in Beirut hat drehen können? Die Crew stand unter Schutz, der ägyptische Filmemacher Youssef Chahine hatte Schlöndorff dafür eine Audienz bei Arafat verschafft – Oliver Stone, der sich für sein „Persona non grata” an Arafat abgearbeitet hat, wird vor Neid erblassen, wenn er das liest. „Licht, Schatten und Bewegung – Mein Leben und meine Filme” ist voll von solchen Geschichten, und Schlöndorff, der ewige Zeuge, hat dafür nicht nur sein Leben und Werk geplündert – er nimmt alles mit, was am Wegesrand zu finden ist.
Schlöndorff muss damals zumindest eine Ahnung davon gehabt haben, wie viel von dem, was er erlebte, auch fünfzig Jahre später noch spannend sein würde, zumindest hat er viel Material zusammengetragen, Tagebuchaufzeichnungen, Programmhefte der Cinémathèque Française, Taschentücher mit Lippenstiftabdrücken. Aus diesem Fundus hat er zusammengepackt, was hineinpasste in sein Buch, Erinnerungen an die eigenen Filme und vor allem Anekdoten aus dem Leben der anderen, von Lang und Lubitsch und Wilder und Malle. Und irgendwo dazwischen wird natürlich auch Schlöndorff selber sichtbar, auf eine wunderbar uneitle Weise, auch wenn er, mit derselben Methode, manchmal ein wenig mehr aus seinem Liebesleben preisgibt, als man wirklich detailliert wissen will.
Er hätte ja leicht sich zum Großmeister des deutschen Films verklären können, der den ersten deutschen Oscar heimbrachte, bei Nobelpreisträgern ein und aus ging; über die Arbeit an „Die Blechtrommel”, oft frustrierend, gibt es viele Notizen; die Augenblicke des Triumphs, die Goldene Palme und der Oscar, das sind eher Fußnoten in der Geschichte seines Lebens, ein kurzer Moment nach vielen Jahren Arbeit, die oft genug Sisyphos-Arbeit bleibt. Die amerikanischen Jahre sind nicht die Erfolgsgeschichte der Arbeit mit den Stars Dustin Hoffman und Richard Widmark, in „Tod eines Handlungsreisenden” und „Ein Aufstand alter Männer” – sie sind eine traurige Episode aus dem Wartesaal der Träume, die einander zuraunen, was sie hätten werden wollen, hätte man sie nur gelassen . . . Schlöndorff erzählt von seinem Leben als einer, der nie zu zweifeln aufhörte, manchmal zu Recht, und der sich oft genug auf der Verliererseite wähnte. Und der sich selbst erstaunlich gelassen und selbstironisch nimmt.
Nichts hielt den kleinen Volker Schlöndorff im langweiligen Wiesbaden, er strebte so sehr in die Ferne, dass er selbst seine Einweisung in ein Jesuiten-Internat im nordfranzösischen Vannes betrieb – was für einen nicht besonders religiösen Knaben aus Hessen zumindest fremdartig genug war, um aufregend zu sein. Er muss einkleiner Streber gewesen sein, das entnimmt man der Selbstbeschreibung amüsiert, was aber immerhin die Aufnahme, mit Stipendium, am eingangs erwähnten Lycée in Paris zur Folge hatte – und dann rutschte er so rein in die sich gerade formierende Nouvelle Vague, hing in der Keimzelle der Umtriebigkeit, der Cinémathèque, herum und lernte den von seiner Rückkehr nach Deutschland frustrierten Fritz Lang kennen, assistierte Resnais bei „Letztes Jahr in Marienbad”, hängte sich an Louis Malle und wurde Assistent bei Jean-Pierre Melville, dem widerspenstigen Helden der Nouvelle-Vagueaner, und machte mit ihm „Le doulos” – und sog zwischendurch Kino auf, als wäre er am Verdursten, drei Filme am Tag.
Schlöndorff hat auch früher schon viele dieser Anekdoten erzählt oder niedergeschrieben, aber zusammen entwickeln sie mehr als nur den Reiz von filmhistorischem Klatsch, der einem einzelne Filme ein wenig näherbringt. Sie machen diese Jahre plötzlich wunderbar greifbar und real. Wenn man liest, wie sich die Wege in Paris kreuzten, Schlöndorff und Melville nach einem Krach im Kino sich wiederfanden, Truffaut zufällig auf den Champs-Élysées herumlief, alle übers Kino schrieben und sich voneinander erzählten – dann macht das die Aufbruchstimmung spürbar, den Zusammenhalt, den es gegeben haben muss. Und während in der Intellektuellenfamilie Tavernier das Kino Tischgespräch ist, erzählt die Randbemerkung, wie Lang aus Kostengründen die Hemdenreinigung gestrichen wurde, plötzlich von der Geringschätzung, die dem Kino in Deutschland widerfährt, und die dem deutschen Film bis heute zu schaffen macht.
Cinephiler Tratsch
Schlöndorffs Biographie ist von der Geschichte der 20. Jahrhunderts durchzogen, der deutschen und der französischen; vom Algerienkrieg handelte sein erster Kurzfilm, und irgendwie war klar, dass er zu den Ersten gehören würde, die versuchen würden, mit der RAF umzugehen. Er sei kein ideologischer Mensch, sagt Schlöndorff, und in der Beschreibung der Mittsiebziger merkt man durchaus, dass er mehr Zeuge war als Kommentator, die Empörung über die Beugung des Rechtsstaats in seiner Böll-Verfilmung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum” mehr mit ihm selbst zu tun hat als die selbstauferlegte Chronistenpflicht, die „Deutschland im Herbst” spiegelt. Ein Außenstehender, der hereingezogen wird, wie Katharina Blum. Der Biederkeit des Nachkriegsdeutschland, der Mentalität des Unter-den-Teppich-Kehrens muss man zumindest zugute halten, dass sie dem jungen deutschen Film ein tatkräftiger Geburtshelfer war. Und irgendwie räumt Schlöndorff ganz nebenbei mit der Legende auf, es habe den jungen deutschen Film als Bewegung, als Zusammenhalt, nie gegeben – in Schlöndorffs Erinnerung sind alle Wege miteinander verwoben, irgendwie.
Das ist das Schöne an diesem Buch – dass Schlöndorff eben nicht nur um sich selber kreist. Er hat die Filmgeschichte am eigenen Leib erfahren; und es wäre wirklich schade gewesen, hätte er uns an all dem cinephilen Tratsch, der zwischen seinen Tagebüchern auftaucht, nicht teilhaben lassen. Man hat den Eindruck, er habe damals das Kino mehr noch geliebt als das Leben. Aber in seinen besten Momenten ist das Leben so vom Leben erfüllt, dass das nichts ausmacht, weil das Kino manchmal mehr gibt, als es nimmt.
SUSAN VAHABZADEH
VOLKER SCHLÖNDORFF: Licht, Schatten und Bewegung – Mein Leben und meine Filme. Carl Hanser Verlag, München. 472 Seiten, 24, 90 Euro.
Im Schatten von Louis Malle – Volker Schlöndorff, 1965 auch schon mit gelichtetem Haaransatz, mit Jeanne Moreau bei den Dreharbeiten zu „Viva Maria” Fotos: Volker Schlöndorff privat
Zeuge aus Überzeugung – Teenager Volker Schlöndorff mit dem ersten Dokumentationsinstrument
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Besprechung von 21.08.2008
Dem Leben bei der Arbeit zusehen
Von der Liebe zu Wahlverwandtschaften: Volker Schlöndorff erinnert sich an "Licht, Schatten und Bewegung"

Wir wissen nicht, ob der Film "Die Päpstin", den Volker Schlöndorff sieben Jahre lang vorbereitet hatte, um dann kurz vor Drehbeginn vom Produzenten gefeuert zu werden, ein besonders großer Wurf geworden wäre. Jetzt arbeitet Sönke Wortmann daran. Schlöndorff aber hat die Zeit, die ihm mit seiner Kündigung plötzlich zufiel, genutzt, um seine Erinnerungen zu sortieren. Und das Buch, das er unter dem Titel "Licht, Schatten und Bewegung" über sein Leben und seine Filme geschrieben hat, ist den Verlust der "Päpstin" allemal wert.

Denn Schlöndorffs Leben ist nicht nur ungewöhnlich reich an Ortsveränderungen und Begegnungen, sondern der Regisseur war auch aktiver und akkurat beobachtender Teil von Geschichte wie von Filmgeschichte - so dass wir in seinem Buch Christoph Wackernagel, Lech Walesa und Angela Merkel einerseits begegnen und Billy Wilder und Fritz Lang andererseits. Von alldem kann er ohne allzu große Eitelkeit erzählen, kann Menschen beschreiben, mit denen er gearbeitet oder die er geliebt hat, kann Anekdoten abrufen, wobei ihm sein zeitweise geführtes Tagebuch behilflich war - und er hat beim Schreiben, was ihm beim Filmemachen manchmal fehlt, ein ganz gutes Gespür dafür, wann er uns mal zum Lachen bringen sollte. Er gibt uns - weshalb wir solche Bücher ja auch lesen - hier und da Klatsch über Stars und ihre Allüren, aber weder brüstet er sich mit illustren Namen, was er durchaus könnte, noch entblößt er irgendjemanden. Über private Krisen schreibt er ohne Weinerlichkeit und gerade mit so viel Abstand, dass uns nicht unbehaglich wird, und nur manchmal, etwa wenn er von Arthur Millers verleugnetem Sohn oder von Alain Delon erzählt, bekommt sein Ton eine gewisse Schärfe. Aber er setzt sie dosiert ein, so dass wir nicht den Eindruck bekommen, hier würden alte Rechnungen beglichen.

Schlöndorff, Jahrgang 1939, verließ seine hessische Heimat bereits als Schüler, um in Frankreich in einem Jesuiteninternat erzogen zu werden. Nach einer Kindheit im Krieg, dem schrecklichen Tod der Mutter, die beim Bohnerwachskochen verbrannte, und der Begegnung mit den amerikanischen Besatzern war er da schon reich an Erfahrungen und hatte bereits die Literatur für sich entdeckt, die später zur Grundlage fast aller seiner Filme wurde. Er suchte in Büchern nach Figuren, die sein Lebensgefühl teilten, nach Gefühlen, die seinen entsprachen, nach einer Vergewisserung, dass er nicht allein sei. Verbunden mit der Neugierde darauf, wie andere leben, wie sie arbeiten, wie sie mit Frauen umgehen, wie sie mit der Welt zu Rande kommen, wurde diese Suche nach Wahlverwandtschaften in der Literatur zur treibenden Kraft seines Lebens und seiner Arbeit. Auch in seinem Buch ist sie spürbar. Schlöndorff zieht nicht Bilanz und urteilt selten. Er sucht auch im Rückblick nach Verbindungen, nach einem Ort für sich in der Geschichte wie im eigenen Leben. Die Liebe zum Kino kam später als die zu den Büchern, aber immer noch früh genug, gefördert vom Filmclub der Jesuiten und dem in Frankreich selbstverständlichen Rang des Films als nationalem Kulturgut, so dass Schlöndorff nie daran zweifelte, was er werden wollte, nämlich Regisseur.

Dass jemand von sich selbst absehen kann, ist im Filmgeschäft keine weitverbreitete (und oft auch nicht die angemessene) Haltung. Für Autoren ihrer eigenen Erinnerungen, zumal in dieser Branche, gilt das verstärkt. Es ist ein nicht geringer Teil des Vergnügens beim Lesen dieses Buchs, dass Schlöndorff sich immer wieder einmal selbst zurücknimmt. Und die Kunst von anderen beschreibt, etwa von Sven Nykvist, der einzig mit Tageslicht arbeitete, dessen Richtung er nie veränderte, und "mit fast religiöser Demut" ganz auf "Gottes eigenes Licht" vertraute. Mit dem Kameramann, dessen Name lange Zeit einzig mit Ingmar Bergman verbunden war, hat Schlöndorff "Strohfeuer" (1972) gedreht und "Eine Liebe von Swann" (1984).

Von den Regisseuren, die den "Neuen Deutschen Film" ausmachten, ist Schlöndorff nicht nur der Einzige, der einen Oscar gewann - den ersten für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg (bei dessen Vergabe er sich in einer verschwurbelten Dankesrede ziemlich blamierte) -, er ist auch der Einzige, der vorher Erfahrungen bei der Nouvelle Vague sammeln konnte. Die Berichte seiner Zusammenarbeit mit Louis Malle (etwa am "Irrlicht" und "Viva Maria") oder Alain Resnais ("Letztes Jahr in Marienbad") und natürlich mit Jean-Pierre Melville ("Léon Morin, prêtre" und "Le doulos") sind eine kleine Filmgeschichte in sich, an der ein junger Deutscher ohne jede Erfahrung teilhat, als Mädchen für alles, als Assistent und als Freund. Malle und Melville nennt Schlöndorff seine beiden Meister dieser frühen Jahre. Vom einen lernte er die Lust am verschwenderischen Überfluss und dass der vielleicht nicht seine Sache sei. Vom anderen lernte er die Kunst der Kargheit, der er sich dann auch nicht völlig verschrieb. Von beiden lernte er, allerdings erst später, dass er selbst für Genrefilme kein Talent hat. Aber er liebte sie, und seine Beobachtung, dass Melville Filme machte, wie ein Killer einen Auftrag ausführt, ist in ihrer Kürze vielleicht eine der treffendsten über dessen Werk. Schade, dass die deutschen Filmtitel nicht immer stimmen. "L'armée des ombres" hieß bei uns "Armee im Schatten", nicht "Schattenarmee" (und "Les enfants du Paradis", an anderer Stelle erwähnt, waren immer die "Kinder des Olymp", nicht "des Paradieses").

Dass das, was auf die Leinwand kommt, nur eine Möglichkeit unter mehreren ist (und nicht immer die beste), wissen wir alle - wie es hätte anders kommen können, meistens nur die Beteiligten. Manches darüber erzählt uns Schlöndorff, und er hält sich gerade lange genug dabei auf, unsere Phantasie anzuheizen. Wie sähe "Die Fälschung" aus, hätte Romy Schneider die Rolle von Hannah Schygulla bekommen? Hätte Michael Lonsdale "Eine Liebe von Swann" gerettet, wenn er statt Alain Delon den perversen Baron gespielt hätte? Wie hätte eine transparente Musik von Ron Carter statt der sentimentalen Flöten und Streicher von Alex North den "Tod eines Handlungsreisenden" verändert? Und wäre aus der "Geschichte der Dienerin" nach einem von Schlöndorff präzise als betulich eingeschätzten Roman von Margaret Atwood ein prickelndes Ereignis geworden, hätten in Nebenrollen Sting und Madonna gespielt, wie sie es so dringend wollten? Das sind keine Glasperlenspiele, sondern Fragen, die uns daran erinnern, wovon wichtige Entscheidungen beim Film abhängen. Romy Schneiders Entourage war zu groß für Dreharbeiten in Beirut während des Bürgerkriegs; Dustin Hoffman fand Ron Carter unerträglich; und bei der "Dienerin" fehlte Schlöndorff, obwohl er wusste, wie wichtig stark besetzte Nebenrollen sind, schlicht der Mut, zwei Popstars zu besetzen. Dass Greta Scacchi nicht die Titelrolle bekam, die dann Natasha Richardson spielte, lag außerhalb seiner Verantwortung. Aber einen Film in der Besetzung, die niemals wurde, hätte man sehr gern gesehen.

Natürlich nehmen die "Blechtrommel", die Begegnung mit Günter Grass und die Freundschaft mit Max Frisch, die über Schlöndorffs Verfilmung des "Homo Faber" zustande kam, einen großen Raum in diesen Erinnerungen ein. Und im Rückblick auf die letzten Treffen mit dem todkranken Frisch wird noch einmal deutlich, was Schlöndorff immer angetrieben hat: zu schauen, wie andere es machen. Bei der Arbeit, mit den Frauen, mit dem Altwerden - und irgendwann beim Sterben.

VERENA LUEKEN

Volker Schlöndorff: "Licht, Schatten und Bewegung". Mein Leben und meine Filme. Hanser Verlag, München 2008. Geb., 470 S. mit Abb., 24,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nachdem ihn die Constantin wegen kritischer Worte über die seit Jahren von ihm geplante Bestseller-Inszenierung "Die Päpstin" gefeuert hatte, setzte sich Volker Schlöndorff hin und schrieb seine Autobiografie. Im nachhinein war diese unschöne Geschichte fast ein Segen, findet Verena Lueken, denn das Ergebnis, den Band "Licht, Schatten und Bewegung" hat sie ganz ausgesprochen gerne gelesen. Was einerseits daran liegt, dass Schlöndorffs Leben hoch interessant war, von seinen beruflichen Anfängen als Regieassistent von Louis Malle und Jean-Pierre Melville in Paris bis zur späteren Zusammenarbeit mit Arthur Miller oder Max Frisch. Darüber hinaus verstehe Schlöndorff, diese Einblicke in eine vergangene Zeit "ohne allzugroße Eitelkeit" zu vermitteln. Auch den Ton, der nur ganz selten, etwa da, wo es um Alain Delon geht, schärfer werde, empfindet Lueken als angenehm. Und einen langen letzten Absatz lang bringen Hintergrundinformationen des Buchs die Rezensentin ins Phantasieren über mögliche Variationen zu Schlöndorff-Filmen: Wie wäre das geworden mit Romy Schneider statt Hannah Schygulla in "Die Fälschung" oder Madonna und Sting in Nebenrollen der "Geschichte der Dienerin"?

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