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Sie sind eines Verbrechens angeklagt. Wer soll über Ihr Schicksal entscheiden? Ein menschlicher Richter oder ein Computer-Algorithmus? Sie sind sich absolut sicher? Sie zögern womöglich? In beiden Fällen sollten Sie das Buch der jungen Mathematikerin und Moderatorin Hannah Fry lesen, das mit erfrischender Direktheit über Algorithmen aufklärt, indem es von Menschen handelt. Keine Dimension unserer Welt, in der sie nicht längst Einzug gehalten haben: Algorithmen, diese unscheinbaren Folgen von Anweisungen, die im Internet sowieso, aber auch in jedem Computerprogramm tätig sind, prägen in…mehr

Produktbeschreibung
Sie sind eines Verbrechens angeklagt. Wer soll über Ihr Schicksal entscheiden? Ein menschlicher Richter oder ein Computer-Algorithmus? Sie sind sich absolut sicher? Sie zögern womöglich? In beiden Fällen sollten Sie das Buch der jungen Mathematikerin und Moderatorin Hannah Fry lesen, das mit erfrischender Direktheit über Algorithmen aufklärt, indem es von Menschen handelt.
Keine Dimension unserer Welt, in der sie nicht längst Einzug gehalten haben: Algorithmen, diese unscheinbaren Folgen von Anweisungen, die im Internet sowieso, aber auch in jedem Computerprogramm tätig sind, prägen in wachsendem, beängstigendem Ausmaß den Alltag von Konsum, Finanzen, Medizin, Polizei, Justiz, Demokratie und sogar Kunst. Sie sortieren die Welt für uns, eröffnen neue Optionen und nehmen uns Entscheidungen ab - schnell, effektiv, gründlich. Aber sie tun das häufig, ohne uns zu fragen, und sie stellen uns vor neue, keineswegs einfach zu lösende Dilemmata. Vor allem aber: Wir neigen dazu, Algorithmenals eine Art Autorität zu betrachten, statt ihre Macht in Frage zu stellen. Das öffnet Menschen, die uns ausbeuten wollen, Tür und Tor. Es verhindert aber auch, dass wir bessere Algorithmen bekommen. Solche, die uns bei Entscheidungen unterstützen, anstatt über uns zu verfügen. Die offenlegen, wie sie zu einer bestimmten Entscheidung gelangen. Demokratische, menschliche Algorithmen. Dafür plädiert dieses Buch-zugänglich, unterhaltsam, hochinformativ.
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: 14. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 145mm x 30mm
  • Gewicht: 476g
  • ISBN-13: 9783406732195
  • ISBN-10: 3406732194
  • Artikelnr.: 54488336
Autorenporträt
Hannah Fry ist Professorin für Mathematik am University College London und erforscht mithilfe mathematischer Modelle Muster menschlichen Verhaltens im städtischen Raum. Sie hat mit Verwaltungen, Polizei, Gesundheitsexperten und Supermarktketten zusammengearbeitet und an wissenschaftlichen Fernsehdokumentationen und Podcasts mitgewirkt. Die Zahl der Aufrufe ihrer TED-Talks geht in die Millionen.
Rezensionen
Besprechung von 16.03.2019
Kein Grund zur Panik

Listen, klassifizieren, filtern: Hannah Fry erklärt gut verständlich wie Algorithmen funktionieren und was sie leisten.

Von Alexander Armbruster

Was macht das Internet? "Die Gesellschaft globalisieren, Kontrolle dezentralisieren", Hierarchien einebnen, sagte der Informatiker Nicholas Negroponte in den neunziger Jahren voraus. Der amerikanische Bürgerrechtler John Perry Barlow stilisierte in seiner "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" denselben gar zur "neuen Heimat des Geistes". "Ich lebe im Netz", schrieb die Wagniskapitalgeberin Esther Dyson. "Diejenigen, die der Logik des Netzes gehorchen (. . .), werden einen bedeutenden Vorteil haben in der Neuen Ökonomie", postulierte der Journalist Kevin Kelly.

Nun, mehr als zwanzig Jahre später, kann man bilanzieren. Hat das Netz geholfen, Freiheit und Demokratie zu verbreiten, oder ist es nicht vielerorts mittlerweile ein probates Mittel zur Kontrolle von Millionen? Welche neuen Geschäftsmodelle haben sich etabliert, welche Fertigkeiten braucht es dafür? Der langjährige Tech-Investor Roger McNamee hat gerade eine Abrechnung mit Facebook veröffentlicht - er selbst beriet den Gründer Mark Zuckerberg und empfahl der Managerin Sheryl Sandberg einst, dort zu arbeiten.

Die Mathematikerin Hannah Fry hat ihrerseits ein neues Buch vorgelegt, das gut dabei hilft, sich in diesen Debatten zu orientieren. Gerade auch denjenigen, die nicht schon über umfangreiche Grundkenntnisse in Informatik verfügen. "Hello World" ist kein politisches Manifest, sondern in weiten Teilen eine erfrischende, leicht verständliche Einführung in das, was Computer können, wie sie funktionieren, was Algorithmen, über die alle derzeit sprechen, eigentlich sind. Ganz nüchtern zitiert Fry einen Wörterbuch-Auszug, der einen Algorithmus definiert als "schrittweises Verfahren, um Probleme zu lösen oder ein Ziel zu erreichen, insbesondere mit einem Computer".

Und sie erläutert daran anschließend, was alles darunterfällt - etwa auch Kuchenrezepte, Wegbeschreibungen oder Ikea-Bauanleitungen. Sie führt ein in verschiedene Grundtypen von Algorithmen, solche, die geordnete Listen anlegen (Google), klassifizieren (Facebook), kombinieren (Parship) oder filtern (Alexa), in selbstlernende oder regelbasierte Algorithmen. Dabei geht sie darauf ein, dass und wieso gerade die selbstlernenden Algorithmen derzeit so angesagt sind und neue Erwartungen über die Zunahme der Fertigkeiten von Computerprogrammen (Künstliche Intelligenz) geweckt haben.

Mit diesem Rüstzeug ausgestattet, erschließt die Autorin ihren Lesern dann verschiedene Bereiche, in denen Algorithmen schon jetzt mit Menschen mithalten können oder deren Leistungen übertreffen und in denen sich Menschen substantiell auf ihre Berechnungen verlassen. Sie schildert die Handelskette, die Windelwerbung wirkungsvoll einsetzt, Richter und Polizisten, die Computer zu Hilfe nehmen, wenn sie über die Untersuchungshaft von Verdächtigen entscheiden, auch den Wettkampf, in dem der frühere Schachweltmeister Garry Kasparow dem Computer Deep Blue unterlag.

Sehr lesenswert ist das Kapitel, in dem sie über Käufer und Verkäufer von Daten schreibt und darüber, warum so viele Nutzer freiwillig viel über sich selbst mitteilen und welche Vorhersagen dadurch möglich werden; fast nebenbei werden auch noch einmal die Geschehnisse rund um das mittlerweile aufgelöste britische IT-Unternehmen Cambridge Analytica aufgerollt. Fry erläutert, wie das Verhalten von Menschen mit Hilfe von Algorithmen gesteuert werden kann, aber genauso, wie klein die erzielten Effekte zuweilen tatsächlich sind.

Gelegentlich kommentiert sie, lässt den Leser wissen, welche politischen Schlussfolgerungen sie selbst ziehen würde. Vor allem aber erklärt Fry, die in Ted-Talks und in der BBC schon mehrfach Mathematik für ein breites Publikum vermittelte, gekonnt und informativ, erspart sich Panikmache oder abstruse Apokalyptik. Und macht, auch wenn es eine Binsenweisheit ist, immer wieder klar, dass Technologie nicht gut oder böse ist, sondern es auf ihren Gebrauch und Kontrolle ankommt. Unternehmen verwenden Algorithmen sinnvoll oder missbrauchen sie, interpretieren sie richtig oder unzulässig, verwenden repräsentative Datensätze oder verzerrte. An ihrer grundsätzlichen Zuversicht lässt die Autorin kaum Zweifel. Das Buch ist ein gelungenes Stück Aufklärung über eine Entwicklung, die alle angeht. Was macht das Internet? Die Antwort steht aus - besser mitreden kann, wer dieses Buch gelesen hat.

Hannah Fry: "Hello World". Was Algorithmen können und wie sie unser Leben verändern.

Aus dem Englischen von Sigrid Schmid. Verlag C. H. Beck, München 2019. 272 S., Abb., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Hannah Fry hat den Durchblick (...) und vermittelt ihr Wissen ohne Wissenschaftsdünkel, verständlich und hochspannend (...) Sie fördert (...) manches Kuriosum zutage und lässt sich einen humoristischen Einschlag nicht nehmen." Galore, Marina Mucha "Voller Beispiele und deshalb ausgesprochen unterhaltsam zu lesen." Deutschlandfunk Kultur, Volkart Wildermuth "Ein kluges Buch." SPIEGEL, Ann-Kathrin Nezik "Ein gelungenes Stück Aufklärung über eine Entwicklung, die alle angeht (...) besser mitreden kann, wer dieses Buch gelesen hat." Frankfurter Allgemeine Zeitung, Alexander Armbruster "Klug, pointiert und witzig geschrieben. Eine perfekte Anleitung für das Leben im Zeitalter der Sozialen Medien, der Algorithmen und der Automatisierung." Adam Rutherford "Dieses Buch beweist, warum gute Wissenschaftsautoren so wichtig sind." Katy Guest, The Guardian
Besprechung von 29.03.2019
Mensch plus
Maschine
Hannah Fry erklärt, was
Algorithmen können
Im Weltraum wäre man womöglich nicht allzu überrascht, auf Darth Vader und Luke Skywalker aus „Star Wars“ zu treffen – in einem Buch einer Mathematikerin über Algorithmen ist man es durchaus. Später folgen Auftritte von Lady Gaga und Kim Kardashian. Auf Zahlen und Formeln hingegen wartet man vergeblich. Hier nimmt jemand die Vermittlungsaufgabe einer besonders abstrakten Wissenschaft an die größere Öffentlichkeit zugleich ernst und mit Humor. Hannah Fry, außerordentliche Professorin am University College London, forscht angewandter, als viele sich das bei Mathematik vorstellen würden. So hat sie etwa herausgefunden, dass „die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Haus eingebrochen wird, höher ist, wenn das Haus an einer Straße steht, die ein Einbrecher regelmäßig benutzt“. Solche Ergebnisse sind Puzzleteile, die verwendet werden können, um Softwareprogramme für die Kriminalitätsbekämpfung zu entwickeln – sei es, um Anhaltspunkte dafür zu haben, wo als nächstes ein Verbrechen stattfinden könnte oder dafür, nach einem Verbrechen einen Täter ausfindig zu machen.
Software besteht aus Algorithmen und was Algorithmen sind, erklärt Fry zu Anfang von „Hello World“ im Plauderton, der schon im Titel anklingt, kurz und knapp: Anleitungen zur schrittweisen Erfüllung von spezifischen Aufgaben. Genauer sind es mathematische Objekte, die mathematische Operationen in Computercodes umwandeln, sodass Daten der realen Welt verarbeitet werden können. Dabei können vier Arten von Aufgaben erfüllt werden: Priorisierung (eine Rangliste anlegen), Klassifizierung (in Gruppen nach Kategorien einteilen), Kombination (Verbindungen finden) und Filterung (Relevantes heraussuchen). Schließlich gibt es, grob gesprochen, zwei Weisen, wie Algorithmen vorgehen: regelbasiert, also fest programmiert, oder selbstlernend, das heißt, sie werden auf Ziele hin trainiert, für die sie den besten Weg selbst finden müssen.
Die zweite Variante von Algorithmen als künstliche Intelligenz zu bezeichnen, hält Fry für irreführend. Angemessener sei es, von revolutionärer Computerstatistik zu sprechen. Diese nüchterne Einstellung passt gut zur gelassenen Haltung dieses Buches gegenüber einem Thema, das derzeit sonst für große Aufregung sorgt. Selbst die Versprechen von autonomen Fahrzeugen sind ihrer Meinung nach auf absehbare Zeit überzogen. Das heißt nicht, dass Fry keine Probleme in der Verwendung von Algorithmen sehen würde, aber diese sind klar umrissen, keine großen Dystopien.
Neue Methoden und Möglichkeiten bringen neue Fragen der Regulierung mit sich, das ist alles. Eine Reihe solcher Fragen veranschaulicht Fry anhand einer Fülle von ausführlichen (meist einschlägig bekannten) Anekdoten aus den Bereichen der Datensammlung, der Justiz, der Medizin, der Automobilität, der Kriminalität und schließlich der Kunst. Aufschlussreich wird es an den Stellen, an denen die eigentlich mathematische Dimension der Problematik herausgearbeitet wird. Hierbei kommen auch Vader und Luke ins Spiel. Mit ihnen veranschaulicht Fry falsch-negative Prognosen (die gravierende schlechte Folgen haben) und falsch-positive (die weniger gravierende Folgen haben) und warum man keine perfekt fairen Prognose-Algorithmen entwickeln kann.
Dies führe etwa zu der bereits vielfach kritisierten Diskriminierung schwarzer Straftäter bei der computergestützten Entscheidung über ihre Freilassung auf Kaution in den USA. Das Programm „PredPol“ zur Vorhersage von Verbrechen nennt Fry die Kim Kardashian der Algorithmen und Lady Gaga soll helfen, den Satz von Bayes zu verstehen. (Wie würden Sie vorgehen, wenn Ihr Gegenüber im Restaurant behaupten würde, am Tisch hinter Ihnen säße Lady Gaga? Sie würden all Ihr Wissen über Lady Gaga, dieses Restaurant und andere Weltumstände heranziehen, um zu beziffern, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Behauptung zutrifft. Ein vergleichbares Vorgehen biete der Satz von Bayes in mathematischer Form.)
Dünn sind die Analysen da, wo es um normative Bewertungen geht oder bei komplexeren Begriffen des sozialen Zusammenlebens. Personalisierte Werbung, die einen im Internet verfolgt, und ähnliches hält sie für „gruselig“, medizinische Daten zu veröffentlichen für „instinktiv“ problematisch. Dem Budget-Tool einer Versicherung spricht sie „Macht“ über Bezugsberechtigten zu, obwohl seine Anwendung ganz unter der Kontrolle der Versicherungsleute steht.
Doch abschließend zu bewerten oder eindeutige Lösungen vorzuschlagen, ist ohnehin nicht das Anliegen der Autorin. Viele Kapitel enden mit aufrichtigen Fragen. Diese zu beantworten sei eine drängende Aufgabe für uns Menschen, um endlich solche Gesellschaften und soziale Praktiken zu haben, die wir haben wollen. Dafür, so deutet Fry optimistisch an, wäre der richtige Weg in den meisten Fällen nicht die Ersetzung von Menschen durch Maschinen, sondern eine Unterstützung der einen durch die anderen.
EVA WEBER-GUSKAR
Hannah Fry: Hello World. Was Algorithmen können und wie sie unser Leben verändern. Aus dem Englischen von Sigrid Schmid. Verlag C. H. Beck, München 2019. 272 Seiten, 19,95 Euro.
Mit Luke Skywalker und Darth
Vader veranschaulicht Fry
das Problem der Prognosen
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